05.07.2004

ÖSTERREICH Ruck nach rechts

Kanzler Wolfgang Schüssel muss um die Stabilität seiner Mitte-rechts-Regierung fürchten. Grund ist die zunehmende "Pulverisierung" ("Profil") seines Koalitionspartners FPÖ. Seit die Freiheitlichen bei den Europawahlen fast drei Viertel ihrer Wähler verloren, stellen dort immer mehr rechtsextreme Politiker die Machtfrage. Ziel ihrer Angriffe ist vor allem die Galionsfigur der FPÖ, "Chefkonsulent" Jörg Haider, der seine innerparteilichen Widersacher inzwischen schon als "Taliban und Fundamentalisten" abkanzelt. Ihre Wortführer, wie der einstige Haider-Vertraute Ewald Stadler oder der Wiener FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, stellen die Fortsetzung der Koalition mit Schüssels Volkspartei in Frage. Stadler erwarb sich wegen seiner scharfen Attacken noch an der Seite Haiders einst einen zweifelhaften Ruf als "Dobermann". Strache schwafelt gern von der Gefahr einer "Umvolkung" Österreichs. "Eigentlich ist die Ära Jörg Haider in der FPÖ zu Ende", behauptet auch Andreas Mölzer, der einzige verbliebene Europaparlamentarier seiner Partei und Herausgeber einer rechtsgerichteten Wochenzeitung. Die Zukunft der FPÖ sehen Mölzer und Freunde vielmehr als "deutsch-nationale Partei mit einem Wählerstamm von sechs Prozent".


DER SPIEGEL 28/2004
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