16.08.2004

AUSSTELLUNGEN„Erfolg ist teuer“

Peter Raue, 63, Anwalt und Vorsitzender des Fördervereins der Freunde der Nationalgalerie, über den Run auf die von ihm initiierte Schau „Das MoMA in Berlin“ und weitere Kooperationspläne mit dem New Yorker Museum of Modern Art (MoMA)
SPIEGEL: Herr Raue, Ihr anfängliches Ziel von 700 000 Besuchern haben Sie bereits übertroffen. Wie viele sollen es nun bis zum Ende der Schau am 19. September werden?
Raue: Das ist eine einfache Rechnung. Wir haben Mitte August über 900 000 Besucher. Ich vermute, dass wir über einer Million liegen werden.
SPIEGEL: Ist das nicht ein schöner Triumph? Man nennt Sie sogar "Mister MoMA".
Raue: Man kann das nicht so personalisieren. An dem Erfolg hat der ganze Vorstand des Vereins mitgearbeitet. Wir freuen uns über das riesige Interesse. Die Leute kommen, obwohl sie bis zu zehn Stunden warten müssen. Wo gibt es das schon?
SPIEGEL: Für den Verein, der die Schau und die millionenschweren Leihgebühren bezahlt hat, war das Vorhaben ein finanzielles Wagnis. Wie wird die Bilanz aussehen?
Raue: Bisher kann ich nur sagen: Erfolg ist teuer. Die Ausstellung, für die wir zuerst 8,5 Millionen Euro eingeplant hatten, wird deutlich mehr kosten, etwa 10 Millionen Euro. Wir haben die Öffnungszeiten verlängert, setzen also mehr Personal ein, und mussten wegen der Hitze noch eine spezielle Entlüftungsanlage bestellen. Wenn nichts mehr dazwischenkommt, dürften wir einen Überschuss erzielen. Der wird auch in neue Ausstellungen und in Erwerbungen für die Nationalgalerie fließen - wir denken da etwa an eine Version von Barnett Newmans "Broken Obelisk".
SPIEGEL: Es wurde zu Beginn der Schau viel Kritik geübt, auch deshalb, weil die New Yorker vom Verfassen des Katalogs bis zur Auswahl der Werke alle wichtigen Entscheidungen selbst getroffen haben. Können Sie den Unmut nachvollziehen?
Raue: Nach wie vor nicht. In dieser Schau geht es doch darum, wie Amerika die Kunst des 20. Jahrhunderts sieht. Uns war bewusst, dass dies ein hoch kulinarischer Blick ist und dass es natürlich nicht unser Blick ist. Für die Kunst nach 1945 wurde in der Ausstellung - bis auf Gerhard Richter - auf europäische Auftritte verzichtet. Es gibt keinen Beuys, keinen Francis Bacon, nicht einmal den späten Giacometti.
SPIEGEL: Erwarten Sie vom MoMA, dass es in New York Europas Blick auf die Kunst des 20. Jahrhunderts zeigt - in einer Schau, die von den Berlinern konzipiert wird?
Raue: Ich formuliere es vorsichtig: Das ist ein Gedanke, den wir haben. Die Vorstellung, auf diese Schau mit einer Ausstellung in Amerika zu antworten, ist reizvoll.

DER SPIEGEL 34/2004
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