16.08.2004

GESTORBENHans Josef Horchem

Hans Josef Horchem , 76. Der katholische Jurist, in den sechziger Jahren Abteilungsleiter im Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz, von 1969 bis 1981 Chef des Hamburger Verfassungsschutzes, hielt den orthodoxen Kommunismus für die größte Bedrohung der alten Bundesrepublik. Seine Partei, die SPD, nervte er mit der ständigen Warnung, bei ihrer Entspannungspolitik diese Gefahr zu unterschätzen. Gleichwohl nutzte Horchem selbst frühe Kontakte in die DDR: Über einen Mittelsmann handelte er mit dem Ost-Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Vogel 1962, noch bevor es offizielle Absprachen über den Freikauf politischer Gefangener gab, für 75 000 Mark die Entlassung eines Gewerkschafters aus DDR-Haft aus - der Mann hatte Ost-Kollegen für den westdeutschen Verfassungsschutz ausgespäht. In den siebziger Jahren widmete sich Horchem vor allem der Bekämpfung der Roten Armee Fraktion. Nach seiner vorzeitigen Pensionierung leitete er von 1986 bis 1992 in Bonn ein privates Institut für Terrorismusforschung. Hans Josef Horchem starb am 3. August in der Nähe von Köln an Krebs.

DER SPIEGEL 34/2004
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