Die Schachlegende Bobby Fischer, 61, führt derzeit ein wenig standesgemäßes Leben: Der Weltmeister von 1972 sitzt seit Wochen in japanischer Abschiebehaft Richtung USA, weil die Regierung in Washington die Auslieferung des ehemaligen US-Champions betreibt. Weil nur Anwälte und Vertraute den Häftling besuchen dürfen, sprach SPIEGEL-Redakteur Wieland Wagner, 45, stattdessen mit Miyoko Watai. Die 59-Jährige ist Präsidentin von Japans Schachverband und seit vergangenem Montag Bobbys Verlobte. Allerdings musste Watai vor dem Termin mit Wagner erst ihren Bräutigam um Erlaubnis bitten. Beim Treffen in einem Café klingelte dann ihr Handy. Bobby habe wissen wollen, ob sie bereits mit dem SPIEGEL gesprochen habe. Der Anruf lockerte der Japanerin die Zunge: Sie plauderte vom Alltag mit dem schwierigen Schachgenie, das "an dieser Welt" genauso leide "wie einst Mozart". Umso mehr sorgt sie sich jetzt um die Gesundheit ihres Verlobten ("Er sieht schrecklich müde aus"), ist aber optimistisch, dass dessen Abschiebung durch die Heirat gestoppt wird. "Bobby-San ist mein König, und ich werde seine Königin", meint sie treuherzig, "wir werden das Spiel gewinnen, Hand in Hand" (Seite 104).
DER SPIEGEL 35/2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.
Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://corporate.spiegel.de finden Sie Angebote für die Nutzung von SPIEGEL-Content zur Informationsversorgung von Firmen, Organisationen, Bibliotheken und Journalisten.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.