In einem der heikelsten Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte, dem Freikauf von politischen Häftlingen aus der DDR, sind einmalige Beweisstücke verschrottet worden. Im Auftrag der Bundesregierung transportierte der Busunternehmer Arthur Reichert aus dem hessischen Schöneck-Kilianstädten in zwei eigens umgerüsteten Magirus-Deutz-Bussen die freigekauften DDR-Häftlinge aus dem Gefängnis Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) in den Westen. Zur Verschleierung der geheimen Transporte verfügten die Fahrzeuge über drehbare Nummernschilder mit angemeldeter Ost-Berliner Zulassung (IA-48-32) sowie einer Westnummer (HU-X 3). Kurz vor dem damaligen Grenzübergang Herleshausen wurden die Busschilder auf Knopfdruck gewechselt. Noch zu DDR-Zeiten wurden die Wechselschilder trotz Mahnung der Firmenchefin verschrottet, der Betrieb wurde später verkauft. "Die hätten wir gern gehabt", sagt heute Rainer Eckert, Leiter des Zeitgeschichtlichen Forums in Leipzig, einer Außenstelle des Bonner Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
DER SPIEGEL 35/2004
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