Peter Porsch, PDS-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Sachsen, gerät im Streit um die Frage, ob er als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) "Christoph" für die Stasi gespitzelt hat, zunehmend unter Druck. Grund: In einem mit IM "Christoph" gezeichneten Stasi-Dokument aus dem Jahr 1985 ist von einem Treffen des Spitzels mit Karl Corino, dem damaligen Literaturchef des Hessischen Rundfunks, nach einer Lesung in Leipzig die Rede, über das der IM detailliert berichtete. Darin heißt es: "Ich hatte den Eindruck, daß Corino das Zusammentreffen mit mir dem Zufall zuschreibt" - ein klares Indiz dafür, dass "Christoph" auf den Westjournalisten angesetzt war. Auf SPIEGEL-Anfrage erklärte Corino: "Ich erinnere mich noch genau an dieses Treffen, und es war ohne jeden Zweifel Porsch, mit dem ich geredet habe." Auch die anderen Details des IM-Berichts, so Corino, deckten sich mit seiner Erinnerung. Schon damals sei ihm Porsch suspekt gewesen, weil "ein Österreicher in der DDR schon aus kulinarischen Gründen so verdächtig war wie ein Känguru am Nordpol". Porsch bestreitet, jemals wissentlich für die Stasi gearbeitet zu haben. Auch könne er sich nicht daran erinnern, 1985 in Leipzig auf Corino zugegangen zu sein.
DER SPIEGEL 35/2004
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