SPIEGEL: Nach über 30 Jahren, mehr als 750 "Dr. Norden"-Arztromanen und weit über 120 Millionen verkauften Heften hören Sie auf. Was raten Sie Ihrer Nachfolgerin?
Schiede: Dass sie sich beim Schreiben auf nur wenige Personen beschränkt, um den Leser nicht zu überfordern. Auch darf man nur in kurzen Zeiträumen denken, weil die Protagonisten sonst zu schnell altern. Außerdem rate ich ihr, dass sie sich traut, auch aktuelle Themen in den Romanen anzufassen - etwa Aids oder Genforschung. Das Wichtigste aber ist: Man muss voll hinter seiner Arbeit als Heftromanautorin stehen. Ich habe einige Autoren gesehen, die fühlten sich zu Höherem berufen - und sind kläglich in diesem Metier gescheitert.
SPIEGEL: Ihre Nachfolgerin ist Ihre Schwiegertochter. Was muss man beherrschen, um Arztromane schreiben zu können?
Schiede: Elke hat verstanden, worauf es mir ankommt: auf positives Denken, Unterstützung, Trost. Sie verfasst mittlerweile schon zwei Romane im Monat unter meinem Pseudonym "Patricia Vandenberg". Allerdings unterscheidet sich Elkes Stil ein wenig von meinem - sie beschreibt Liebesgeschichten realistischer und weniger schnulzig als ich.
SPIEGEL: Wie muss er sein, der Arzt, dem die Leser vertrauen - und vor allem die Leserinnen?
Schiede: In Zeiten von Gesundheitsreform und knappen Kassen sehnen sich die Menschen nach einem Arzt wie Dr. Norden: Er hat Zeit, er hört zu, er ist kompetent, macht Hausbesuche und kümmert sich auch um das Zwischenmenschliche. Alles Eigenschaften, die heute den meisten Ärzten fehlen. Das hört meine Schwiegertochter immer wieder, wenn sie jetzt nachmittags im Wartezimmer einer Arztpraxis sitzt, um zu erfahren, was die Patienten so alles plagt.
DER SPIEGEL 35/2004
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