Im vergangenen Monat stellte der Amerikaner Rick Wallace eine neue Website online, wenig später meldete sich das US-Verteidigungsministerium bei ihm. Wallace hatte militärische Dokumente gezeigt, garniert mit privaten Fotos, die US-Soldaten im Irak geschossen hatten. Darauf zu sehen: Flugzeuge zum Beispiel oder brennende Autos. Die Seite von Rick Wallace heißt "seewhatyoushare.com", dort werden ausschließlich solche Dokumente veröffentlicht, die von ihren Besitzern aus Unachtsamkeit oder Unkenntnis in die Tauschbörsen des Internet eingespeist wurden. So etwas kann sehr leicht passieren: Wer in einer Tauschbörse nach Daten sucht, bietet immer auch selbst welche an, in der Regel Musikdateien, die in einem eigenen Verzeichnis auf dem Rechner liegen. Ein falscher Klick kann aber dazu führen, dass man ungewollt die gesamte Festplatte für jedermann zur Verfügung stellt, inklusive aller abgespeicherten Briefe, Bankdaten, E-Mails oder Geschäftspläne. Wer, wie Rick Wallace, die richtigen Suchbegriffe eingibt, findet mit Leichtigkeit die privaten Daten eines Unbekannten - dank der Verbreitung von Digitalkameras stößt man am schnellsten auf Fotos, die nie zur Veröffentlichung gedacht waren.
DER SPIEGEL 35/2004
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