María Teresa Fernández de la Vega , 55, erste Vize-Ministerpräsidentin in der spanischen Geschichte, und ihre sieben Ministerkolleginnen aus der neuen sozialistischen Regierung lösten einen Medien-Sturm im Sommerloch aus. Die konservative Presse eröffnete eine Kampagne gegen die linken Damen, weil sie in der September-Nummer der spanischen Modezeitschrift "Vogue" perfekt geschminkt und frisiert, gekleidet in elegante schwarze und weiße Modelle spanischer Designer, vor dem Amtssitz des Ministerpräsidenten posieren. Als frivol beschimpften Sprecher der Konservativen die in einen zehnseitigen seriösen Text eingebetteten Fotos und forderten eine Erklärung des Regierungschefs vor dem Parlament wegen der Entweihung des Moncloa-Palasts als Laufsteg. Tierschützer verlangten gar die Entlassung der Umweltministerin, weil sie auf einem pelzbedeckten Sofa abgelichtet ist. Organisierte Feministinnen kritisierten den glamourösen Auftritt der Politikerinnen als "unangemessen", die normale Spanierin könne sich so nicht mit ihnen identifizieren. Männliche Radio-Kommentatoren fragten dagegen, ob linke Frauen nur dann politisch glaubwürdig seien, wenn sie ungepflegt auftreten.
DER SPIEGEL 35/2004
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