Bertrand Cantat , 40, französischer Popstar, rockte um Gnade. Der Leadsänger der Gruppe "Noir Désir" (etwa: dunkles Verlangen) hatte im Morgengrauen des 27. Juli 2003 im litauischen Vilnius seine Lebensgefährtin, die Schauspielerin Marie Trintignant, derart zusammengeschlagen, dass sie fünf Tage später an einem Gehirnödem verstarb. Cantat wurde in einem Prozess zu acht Jahren Gefängnis verurteilt und kämpft nun um seine Überstellung vom litauischen Gefängnis in eines in der Region um Bordeaux. Um die litauischen Behörden gnädig zu stimmen, gab der Rocker jetzt in der Gefängniskirche von Vilnius vor Häftlingen ein Konzert mit eigenen Songs, aber auch Titeln von John Lennon, Paul McCartney, Rod Stewart und Edith Piaf. Der der Gitarre entwöhnte Cantat, so sein anwesender Bruder Xavier, schlug dabei mit einer solchen Vehemenz die Saiten, dass "ihm die Finger bluteten". Daheim erwartet den Rockmusiker neues Ungemach: Die Produktionsgesellschaft, für die Marie Trintignant im TV-Film "Colette" agierte, verlangt 237 000 Euro Schadensersatz für deren Ausfall an den letzten drei Drehtagen. Cantats Haus in Südwestfrankreich wurde unterdessen von anonymen Rächern niedergebrannt. Der Anwalt des Noir-Désir-Stars, Pierre Hurmic, befürchtet: "Er muss noch viel durchstehen, aber in Frankreich hat er wenigstens eine Chance auf Freigang und Strafverkürzung."
DER SPIEGEL 35/2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.
Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://corporate.spiegel.de finden Sie Angebote für die Nutzung von SPIEGEL-Content zur Informationsversorgung von Firmen, Organisationen, Bibliotheken und Journalisten.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.