An der Saar geht der Wahlkampf in seine heiße Phase, wenn man diesen Begriff denn wirklich verwenden darf. Es sind Olympische Spiele. Es sind noch Sommerferien. Es regnet. Und auf den Holzbänken der Sommerfeste, wo gegrüßt, eröffnet und angezapft werden muss, rücken die Unverdrossenen unter den Regenschirmen mit dem SPD-Logo zusammen; es sind zarte Versuche, so etwas wie einen "Jetzterst-recht"-Eindruck entstehen zu lassen. Ehrenwert, sicher. Aber irgendwie steht ihnen allen noch die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben, was da einen getrieben haben mag, zu dem sie aufgeschaut haben, in guten wie in schlechten Zeiten, dem SPIEGEL ein Interview zu geben, drei und eine drittel Seite lang, ein krudes Gebräu von Eitelkeit, Verbitterung und Rechthaberei. Eine Woche nach dem Interview, in dem Oskar Lafontaine in einem einzigen Rundumschlag von Wahlbetrug spricht, den Kanzlerrücktritt fordert und in bislang nie da gewesener Offenheit mit seinem Engagement in einer neuen Organisation kokettiert, herrscht zumindest Einigkeit unter den verdatterten Genossen, wo der Frontmann von einst mit dem renitent links schlagenden Herzen den Rubikon der Solidarität aufs Unverzeihlichste durchbrochen hat. Es sind die Sätze: "Wenn Schröder seine gescheiterte Politik bis zur nächsten Bundestagswahl fortsetzt, wird es eine neue linke Gruppierung geben mit dem Ziel, den Sozialabbau rückgängig zu machen. Diese Gruppierung wird dann von mir unterstützt."
DER SPIEGEL 35/2004
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