27.07.1955

GENFÄHNLICHKEIT MIT LIFTBOYS UND STEWARDS

hatten einige der Grenzjäger, an denen Oberst a.D. Kurt Fett, Chef des Stabes der Militärischen Abteilung im Verteidigungsministerium (rechts), die Uniformen der Bundeswehr im Bonner Bundeshaus demonstrierte. Die Garnituren lehnen sich unverkennbar an amerikanische Vorbilder an, genau so wie die Uniformen der Kasernierten Volkspolizei in Mitteldeutschland sowjetischen Mustern ähneln. Textilien im Werte von 1500 Mark wird sich der westdeutsche Soldat in den Spind hängen können, vom Schlafanzug mit kurzen Hosen ("aus verschiedenen Gründen") bis zum baumwollenen Kampfanzug (oben ganz links), dessen Tarnfarbe die Krieger bei Nachteinsätzen auch für Infrarot-Beobachter unsichtbar machen soll. Metallgewebe, die gegen die Hitzewellen im Atomkampf schützen, allerdings nicht gegen die ebenso gefährlichen Druckstöße und Gamma-Strahlen, sollen demnächst entwickelt werden. Achtzehn Pfund wiegt die Gefechtsmontur (einschließlich Doppelhelm nach belgischem Modell; der 1100 Gramm schwere Stahlhelm wird über einer eng anliegenden Kunststoff-Kappe von 350 Gramm Gewicht getragen). Dazu kommt die Munition, die der Soldat neuen Typs in den Taschen seiner Bluse tragen wird. Der olivfarbene Arbeitsanzug aus leichtem Baumwollstoff "wird außer zum Arbeitsdienst noch weitere vielseitige und häufige Verwendung finden", unter anderem beim gemeinsamen Mittagessen (3. von links). Den Mannschafts- und Unteroffizier-Dienstgraden des Heeres und der Luftwaffe wurde der gleiche schiefergraue Ausgehanzug zugewiesen (rechts außen), mit Schlips und - für Feldwebel weißem - Diensthemd. Die Marine bleibt blau. Mannschaften und Unteroffiziere tragen ihre Dienstgradabzeichen (Streifen bzw. Winkel) auf den Oberärmeln, Feldwebel und Offiziere (Winkel bzw. matte Sterne) auf den Stoff-Schulterklappen. Kragenpatten bekommt nur der General, dazu eine Goldstickerei auf dem Mützenschirm (Mitte: Generalmajor des Heeres, daneben: Hauptmann der Luftwaffe). Oberst Fett: "Das Tragen von Monokeln kann dank Grundgesetz nicht verboten werden." Wehende Bärte dagegen werden abrasiert, "weil sie nicht unter die Gasmaske passen". Fußlappen sind abgeschafft.

DER SPIEGEL 31/1955
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