30.11.1955

INDUSTRIE / KRUPPDas tödliche Symbol

Die Villa Hügel, das einstige Stammschloß der Essener Stahl- und Kanonendynastie Krupp, lag am vergangenen Sonnabend nicht in der sonst gewohnten Finsternis. Aus den zweihundert Zimmern des Palastes, den sich Alfred Krupp in den Jahren des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 erbauen ließ, strahlte zum erstenmal seit Jahren wieder Licht. Im Schein der fünfarmigen Kandelaber fuhr vor dem Hauptportal Wagen auf Wagen vor. Der scheußliche Quaderbau, dessen Fenster nicht geöffnet werden können - Ahnherr Alfred hatte Angst vor Schnupfen - wird sonst nur noch tagsüber als Museum benutzt. Jetzt erwachte er zu neuem Leben.
Kurz vor zwanzig Uhr füllte sich die Obere Halle mit feierlich in Schwarz drapierten Damen und Herren. Bedienstete in rot-weißen Pepitawesten reichten einen kalten Abend-Imbiß, und die Gäste bestaunten ehrfürchtig die Gobelins, Ahnenbilder und flämischen Truhen.
Eine halbe Stunde später verstummten die angeregten Gespräche der Gesellschaft. Einem minuziösen Protokoll gemäß, nach dem auf Villa Hügel schon Kaiser und Könige empfangen wurden, betrat aus einer Seitentür ein schlanker Mann die Bibliothek. Seine hochgewachsene Gestalt überragte die jetzt hier versammelten, meist exotisch anmutenden Herren durchweg um mehr als Haupteslänge.
An der Seite seiner Frau Vera begrüßte der heutige Hausherr der Villa Hügel, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, seine Gäste: 95 Diplomaten der in Bonn akkreditierten ausländischen Missionen. Unter der Führung des Legationsrats Dr. Friedensburg vom Auswärtigen Amt Bonn waren sie zu einer Galavisite nach Villa Hügel gekommen.
Alfried Krupp hielt eine kurze Ansprache. Er bezeichnete das gegenseitige Kennenlernen der Vertreter seines Hauses und der Diplomaten jener Länder, mit denen die Firma Krupp durch ihre Wirtschaftsbeziehungen eng verbunden ist, als den Hauptzweck des geselligen Beisammenseins. Aber auch über diesen Zweck hinaus fügt sich der erste größere Gesellschaftsabend auf dem "Hügel" genau in den Rahmen einer besonderen Aktivität der Essener Firma ein, die den Namen Krupp seit Wochen immer wieder im gleichen Zusammenhang vortastend an die Öffentlichkeit bringt.
Auf diskrete Art hatte das Haus Krupp auch den Gästen vom "Diplomatischen Komitee" sein aktuelles Anliegen nahegebracht. Neben Likör-Services aus Kruppstahl, Feuerzeugen und anderen Erinnerungs-Geschenken trugen Krupps Gäste, als sie Sonntag morgen gegen zwei Uhr nach Bonn zurückkehrten, eine mehrsprachige Broschüre über den Krupp-Konzern im Diplomatengepäck. Ohne jeden
Kommentar, aber durch dicke trauerschwarze Punkte hervorgehoben, stand in dieser Broschüre der anklagende Satz zu lesen: Auf Grund alliierter Anordnungen sind zur Zeit folgende Unternehmungen aus der Firma Krupp ausgegliedert:
▷ Hüttenwerk Rheinhausen AG,
▷ Bergwerke Essen-Rossenray AG und die linksrheinischen Kohlenfelder von Rossenray und Rheinberg,
▷ Steinkohlenbergwerk Hannover-Hannibal Aktiengesellschaft in Bochum,
▷ Bergbau Aktiengesellschaft Constantin der Große in Bochum,
▷ sämtliche Eisenerzgruben der Firma Fried. Krupp und ihrer Beteiligungsgesellschaften im Siegerland, im Harz- und im Lahngebiet.
Dieser schlichte Katalog hat für die Firma Krupp eine derart umwälzende Bedeutung, daß sie zu einem früheren Zeitpunkt wieder an die Rampe des Geschehens tritt, als es ihrem Alleininhaber nach seiner sechsjährigen Haft im Alliierten-Gefängnis Landsberg im Grunde lieb ist. Die alliierten Entflechtungsbefehle an Krupp sind nämlich praktisch die letzten jener gegen Industrieunternehmen der Bundesrepublik gerichteten Maßnahmen der Sieger des zweiten Weltkrieges, die insgesamt eine Schwächung des deutschen Industriepotentials zum Ziele hatten.
Die alliierte Entflechtung sogenannter wirtschaftlicher Machtkonzentrationen hat den Konzern Krupp besonders hart und nachhaltig getroffen, weil, wie es der Betriebsrat in Essen ausdrückt, "die Krupps leider Gottes in aller Welt, bis zum letzten Buschklepper, als die Kanonenkönige berüchtigt waren".
An dem Kanonen-Mythos hat die Dynastie Krupp in einer fast 150jährigen Geschichte selbst fleißig mitgewebt. Diesem Mythos muß es heute der 48jährige Krupp-Erbe zuschreiben, daß er es nicht wagen kann, seine Stahlbetriebe und Kohlenzechen
zu betreten. Alfried Krupp steht unter der alliierten Zwangsauflage, gerade diese Betriebe, die einmal das Rohstoff-Rückgrat des Kruppschen Familienkonzerns darstellten, innerhalb der nächsten drei Jahre zu verkaufen. Um dieses Schicksal noch zu wenden, meldet sich die einstige Essener Waffenschmiede in diesen Wochen in der Öffentlichkeit. Sie wird dabei überraschend einmütig unterstützt durch die Kommentare von Wirtschaftsexperten aller Parteien, auch der Sozialdemokraten.
Das Ziel der Kruppschen Bemühungen vor und hinter den Kulissen hat der Düsseldorfer "Industriekurier" jüngst mit den Worten aufgezeigt:
▷ "Kann, so muß man fragen, das Krupp auferlegte Verbot, jemals wieder Eisen und Stahl herzustellen oder Bergbau zu betreiben, weiterhin aufrechterhalten werden? Müssen nicht vielmehr die der Firma Fried. Krupp gemachten Verkaufsauflagen fallen?"
Die ausländischen Diplomaten, die am vergangenen Wochenende Gäste der Firma Krupp waren, konnten sich auf einer Tagestour durch die Betriebe davon überzeugen, wie friedfertig die einst gefürchtete Kruppsche Produktion geworden ist. Den meisten von ihnen mochte das Unternehmen aus der Zeit der alliierten Kriegspropaganda als ein waffenstarrender Moloch im Gedächtnis gewesen sein. Auf ihrer Besichtigungsreise wurde den Diplomaten nun sogar ein Betrieb vorgeführt, der aus Spezialstählen falsche Zähne, Gebisse und Gaumenplatten herstellt.
Autobusse, in denen sprachkundige Stewardessen mitfuhren, brachten die Diplomaten nach dem 30 Kilometer von Essen entfernten Hüttenwerk Rheinhausen. Diese moderne Stahlküche gilt mit ihren neun Hochöfen als der größte geschlossene Hüttenkomplex Europas. Sie ist der wertvollste unter den Krupp-Betrieben, die auf Befehl der alliierten Entflechter noch verkauft werden sollen. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach hat Rheinhausen seit mehr als zehn Jahren nicht betreten.
Nach Sprachen in verschiedene Gruppen eingeteilt, stiegen am vergangenen Sonnabend Krupps Diplomaten-Gäste zwischen den gigantischen Anlagen umher. Sie erlebten den funkensprühenden Abstich eines Hochofens und standen an Walz- und Drahtstraßen, wo Arbeiter mit entblößtem Oberkörper für 3,80 Mark Stundenlohn rotglühende Drahtschlangen bändigen müssen.
Von den Plattformen der 36 Meter hohen Hochofentürme Rheinhausens konnten die Diplomaten gut erkennen, daß in das Werksgelände der Hütte wie eine Enklave die Maschinen- und Stahlbaugesellschaft Rheinhausen hineinragt. Diese Firma darf Krupp - weil sie kein Rohstoffbetrieb ist, sondern Stahl nur verarbeitet - behalten.
Ein auf Befehl der Alliierten errichteter Zaun trennt die beiden durch ständigen Zugverkehr der Werksbahn und vielseitigen innerbetrieblichen Austausch verbundenen Betriebe. Die Bärenführer des Hauses Krupp vergaßen nicht, ihren diplomatischen Gästen den Widersinn der hier zerschnittenen rationellen Verbundwirtschaft zu demonstrieren.
Vor dem Diplomatischen Komitee entfaltete die Firma Krupp die ganze Skala
ihrer bis zu den Grundstoffen für Schuhkrem reichenden Friedensproduktion. Ihre Widia-Fabrik präsentierte die berühmten Widia ("Wie Diamant")-Stähle zur Metallbearbeitung, die Abteilung Motorenbau zeigte Kruppsche Dieselmotoren. Die Diplomaten taten einen Blick in die Lokomotiv-Fabrik, besichtigten Krupps Lkw-Produktion und gingen interessiert durch die feuerspeienden Hallen der Essener Gießerei- und Schmiedefabrik.
Neben dem Schmieden größter Werkstücke, wie Kurbelwellen und Zahnkränze, neben dem Bau von Maschinen, Kränen und Stahlanlagen aller Art schließt das Fertigungsprogramm den Bau von Brücken, Hochhaus-Stahlskeletten, Kesseln und Behältern aller Größen ein. Das friedliche Krupp-Reich von heute plant und baut auf Bestellung ganze Hüttenwerke, Stahlbetriebe,
Zement-, Kalk- und chemische Betriebe auf. Auch auf der zum Krupp-Konzern gehörenden Werft AG "Weser" laufen heute statt Unterseebooten friedliche Petroleum-Tanker vom Stapel.
Das ist nun freilich ein anderes Programm, als man es in der Weltöffentlichkeit - besonders nach dem Nürnberger Prozeß - mit dem Namen Krupp verbindet. Trotzdem hat es alle diese Produktionszweige schon früher bei Krupp gegeben. Zum heutigen Kummer der Essener Geschäftsverwaltung ist es aber vielmehr die frühere Waffenproduktion, die der Welt nachhaltig in Erinnerung geblieben ist.
Alfried Krupp von Bohlen und Halbach legt heute Wert darauf, festzustellen, daß die Kruppsche Rüstungsproduktion in Friedenszeiten nie mehr als 26 Prozent der Gesamterzeugung des Unternehmens betragen
hat. Im Kriege allerdings habe man in Essen natürlich "nicht gerade Nachttöpfe" hergestellt. Der heutige Chef des Hauses Krupp, ein nervöser, kettenrauchender Mann mit dem Kopf eines Gelehrten, spricht das Wort "Kanonen" ungern aus. Zu sehr hat der Mythos von der Kruppschen "Waffenschmiede des Reiches" sein Leben überschattet und mit dem politischen Schicksal Deutschlands verknüpft.
In seinem Geburtsjahr (1907) war auf der Kruppschen Germania-Werft in Kiel das erste deutsche Unterseeboot bereits vom Stapel gelaufen, und die Auslieferung der fünfzigtausendsten Krupp-Kanone stand bevor. Alfried war der Sohn der letzten direkten Nachfahrin aus dem Kanonen-Geschlecht, der Bertha Krupp und ihres Gatten Dr. Gustav von Bohlen und Halbach. Seinem Vater hatte Wilhelm
II. das Recht verliehen, gleichfalls den Namen Krupp zu führen. Alfrieds Taufpate war Kaiser Wilhelm.
Auf Villa Hügel wurden die Tauffeierlichkeiten mit allem Pomp für einen Thronfolger begangen. Und Vater Gustav, der die damals reichste Millionenerbin Europas noch als schlechtbesoldeter Legationsrat in Rom kennengelernt hatte, erzog den heranwachsenden Sohn ausschließlich unter der Maxime, daß Alfried einmal das Erbe der Essener Dynastie übernehmen werde, ein Erbteil, mit dem sich nach dem Handbuch
preußischer Millionäre bereits damals ein Vermögen von 283 Millionen Goldmark verband.
In einem Zeitraum von rund hundert Jahren war dieses Vermögen des damals größten europäischen Familienkonzerns zusammengetragen worden von
▷ Friedrich Krupp, einem ehemaligen Essener Kolonialwarenhändler, der sich im Besitz des Geheimnisses glaubte, wie man "englischen Gußstahl" herstellt, und die Firma im Jahre 1811
gründete, als alle Welt durch Napoleons Kontinentalsperre von Stahllieferungen aus England abgeschnitten war.
▷ Alfred Krupp, der als 14jähriger die nahezu bankrotte Firma übernahm, einen dem englischen gleichwertigen Stahl entwickelte, den nahtlosen Eisenbahnrad-Reifen erfand, die Kanonenproduktion aufnahm und das Unternehmen bis zu seinem Tode 1887 zum Großkonzern ausbaute.
▷ Friedrich Alfred, dem zeit seines Lebens kränklichen Sohn, der im Jahre 1902 im Mittelpunkt ungeklärter Vorwürfe über seine Lebensführung auf der Insel Capri stand und unter mysteriösen Umständen verstarb.
Alfried, der dieses Erbe einmal antreten sollte, wuchs in strenger Zucht auf Villa Hügel auf. Im Familienbuch wird von ihm mit Befriedigung vermerkt: "Als er ein Jahr alt war, konnte Alfried allein aufrecht im Bett stehen." Von 54 Zentimetern bei seiner Geburt bis 1,82 Meter im Jahre 1928 wurde regelmäßig die Körpergröße des heranwachsenden Kruppschen Erbprinzen registriert. Schon als Dreikäsehoch mußte er Ministern und Potentaten Händchen reichen.
Im August 1912 sah Alfried zum erstenmal seinen Taufpaten, Wilhelm II. Der Kaiser war ein guter Freund des Großvaters Friedrich Alfred gewesen und hegte wegen seines Hanges zur "schimmernden Wehr", zu der insbesondere sein Flottenbauprogramm zählte, dem Hause Krupp gegenüber tiefe Sympathien. In jenem Jahre 1912 hatten die Krupps den Kaiser zur Feier ihres hundertjährigen Firmenjubiläums eingeladen. Für diese Jubiläumsfeier war ein Mummenschanz einstudiert
worden, der zeigt, daß die damaligen Krupps mit einigem bornierten Stolz den Titel der "Kanonen-Könige" getragen haben, der dem Ahnherrn Alfred nach der ersten Pariser Welt-Ausstellung von den Zeitungen zuteil geworden war.
Ein Theaterstück war eigens für die Jubiläumsfeier geschrieben worden. Sein Titel lautete "Hie Barbara! Hie St. Georg*)!" Es hatte den Untergang der mittelalterlichen Kampftechnik der Ritter und den Aufstieg der Feuerwaffen zum Inhalt und war eine einzige Gloriole auf das Haus Krupp. Mehr als hundert Personen nahmen an den Proben teil, und zu den Darstellern zählten nicht nur führende Direktoren und Prokuristen der Firma Krupp, sondern auch der Chef des Hauses und seine Gemahlin Bertha.
Dr. Gustav Krupp trat gleich in der zweiten Szene auf. Als "Graf von Helfenstein" begann er seinen Auftritt mit den Worten:
"Ihr Zerberusse, wahrt nur euer Reich! - Dies ist die Stechbahn, liebe Bertha, drin ich heut'' vor dir und vor dem Kaiser reite. Ich bitt'' um deinen Segen, Liebste."
(Sie gibt ihm ihren Schleier, er küßt ihr die Hand): "Danke!
Reit'' mit dem Kleinen einmal auf und ab."
Der Kleine war Alfried, der heutige Chef des Hauses Krupp. Mit rotbraunem Wams und einem Blumenkopfschmuck angetan, mußte er als Knappe auf einem Pony mit in die Arena reiten.
Trotz vieler Proben aber ist die Geschichte deutschen Geistes dann doch um diese Aufführung gekommen. Denn an dem grandiosen Jubiläums-Festtag ereignete sich auf einer nicht zum Krupp-Konzern gehörenden Kohlenzeche ein schweres Grubenunglück. Das Theaterstück wurde in letzter Minute abgesagt. An Stelle des Stückes demonstrierte Krupps Generaldirektor, der spätere Ufa-Gewaltige Hugenberg, am Jubiläumstage teutonisches Pathos.
Er deklamierte: "Eines Kaisers Auge ruht wieder auf uns und verfolgt stolz den Siegeslauf heimischen Gewerbefleißes.
Die Taten, die kraftvoll und wuchtig diesen Wandel der Zeiten von 1812 bis 1912 erzwangen, bannen alle Zweifel: Noch sind wir ein jugendliches Volk. Zu den Tugenden unseres Volkes, die es zu erhalten gilt, wenn es jung und kräftig bleiben soll, gehört auch die alte germanische Wehrhaftigkeit und Waffenfreude."
Niemand kann heute sagen, ob Alfried Krupp an der in seinem Elternhaus gepflegten Waffenfreude inneren Anteil nahm. Immerhin wuchs er in einem Hause auf, in dem es üblich war, Gästen zur Erinnerung vergoldete Kanonen als Krawatten-Nadeln zu schenken. Voller Stolz wurde auch zu Beginn des ersten Weltkrieges auf Villa Hügel von dem Kruppschen 42-Zentimeter-Mörser gesprochen -
der nach Alfrieds Mutter benannten "Dicken Bertha" - , die Lüttich beschoß, und von Krupps Ferngeschützen, die 320 Treffer in Paris erzielten.
Der junge Alfried mußte in dieser Zeit seine strenge Erbprinzen-Ausbildung absolvieren. Hauslehrer Maag rügt im Jahr der Stellungsschlachten, 1917, Alfrieds Leistungen im Turnen und in Staatsbürgerkunde seien "leider nur genügend". Alfried wird ein stiller, in sich gekehrter Junge, der den Vater fürchtet. Jeder seiner Schritte ist von einem der mehr als hundert Domestiken auf Hügel überwacht, und selbst beim täglichen Ausritt bleibt ein Erzieher eine Pferdelänge hinter ihm und korrigiert: "Herr Alfried, Kopf hoch, Herr Alfried, Fußspitzen senken ..."
Ein Jahr nach dem Kriege, der für das Haus Krupp einen Bruttogewinn von 400 Millionen Mark erbrachte, nahm Vater Gustav seinen Sohn zu ersten Lehr-Inspektionen mit in die Fabriken. Im August 1919 fährt der Zwölfjährige bangend zum erstenmal in die Kohlengrube Hannover-Hannibal ein. Dann reist ein Ausbilder mit ihm zu den Erzgruben ins Siegerland.
Im Obersekunda-Alter wird der junge Krupp in das Gymnasium Essen-Bredeney eingeschult. Die Lehrer behandeln ihn sehr behutsam, denn Vater Krupp finanzierte im wesentlichen den Aufbau der Schule. Alfried darf einige seiner Lehrer duzen, bei Klassenkameraden jedoch stößt er auf wenig Respekt. Als der feine Junge in einem auf vier Knöpfe gearbeiteten blauen Kammgarn-Anzug zum ersten Male in die Klasse trat, johlen seine Mitschüler: "Na, Krupp, was macht dein Blechladen?"
Trotzdem wurden die Schule in Bredeney und die Klassenkameraden bald Alfrieds liebste Zuflucht vor dem düsteren Mammutbau auf dem Hügel, wo die sogenannte Kruppsche Feuerwehr in Wirklichkeit als eine Art Geheimpolizei amtierte. Sie hatte beispielsweise strikten Auftrag, jederzeit Meldung über den Aufenthalt eines jeden der sieben Kinder machen zu können.
Alfried avancierte bald zum Obmann der Ruderriege des Gymnasiums. Darin lag für die Mitruderer der schlau bedachte Vorteil, daß der reiche Krupp-Sohn für alle Kosten und Reisespesen der Schulmannschaft aufkam. Seine Mitschüler revanchierten
sich, indem sie den jungen, behüteten Krupp-Sprößling in "Mutter Wolffs Bleikammer" einen ersten Blick in das spärliche Essener Nachtleben tun ließen.
Nur ungern machten Mitschüler auf dem Hügel Besuch. Ein Mitabiturient, von dem der etwas trockene Alfried Aufsätze abschrieb, berichtet: "Wenn man Alfrieds Vater die Hand gab, lief es einem kalt über den Rücken, und besonders schlimm war es mit dem Essen. Kaum hatte man etwas auf dem Teller, wurde von einem Lakaien schon wieder der Teller weggerissen. Eis mußte nach der Tischordnung immer so schnell gegessen werden, daß einem davon die Zähne wehtaten. Es war schon eine tolle Hofhaltung."
Der junge Krupp fuhr schon als Pennäler einen Motorroller. Das Fahrzeug gehörte ebenso wie die Kruppschen Registrierkassen zu den Friedenserzeugnissen, auf die sich die Firma verlegt hatte, nachdem es mit dem Kanonenschmieden zunächst vorbei war. Das Rollermodell jedoch, dessen Gangschaltung durch Zurücknehmen des Lenkers betätigt wurde, kam über das Versuchsstadium nicht hinaus.
Mit einem der wenigen fertiggestellten Exemplare fuhr Alfried nach dem Abitur regelmäßig in die Lehrwerkstatt der väterlichen Fabrik. Er lernte Schmied, Dreher, Schlosser, und sein Vater
kontrollierte streng an Hand der von Alfried gestempelten Arbeitskarten, ob sein Filius pünktlich war. Alfried erhielt, wie alle anderen Lehrlinge, zwölf Pfennig Stundenlohn.
Aber natürlich kannte der junge Krupp keine Geldsorgen. Im ersten Semester seines technischen Studiums, das er 1928 in München begann, fuhr er schon einen roten Simson-Sportwagen. Zur Zeit seiner Prüfung als Diplom-Ingenieur an der Technischen Hochschule Aachen war dieser Wagen von einem Austro-Daimler abgelöst. (Heute steuert Krupp noch immer seinen Wagen selbst, einen grauen Porsche.)
Zur Zeit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten leistete der Erbe des Hauses Krupp, dem vom Vater festgelegten Ausbildungsplan gemäß, seine Volontärzeit bei der Dresdner Bank in Berlin ab. Während Alfried hier in die Geheimnisse von Soll und Haben eingeweiht wurde, organisierte sein Vater Dr. Gustav Krupp von Bohlen als Präsident des Reichsverbandes der Deutschen Industrie bereits jenes politische Einschwenkmanöver, von dem man im Hause Krupp heute sagt, es sei nur unter Androhung einer Enteignung der Krupp-Werke möglich gewesen*).
Tatsache ist, daß Dr. Gustav Krupp von Bohlen und Halbach dem Führer damals meldete, die Krupp-Werke seien wieder zur Aufrüstung bereit. Ohne ahnen zu können, daß seine Worte später in der Nürnberger Anklageschrift gegen seinen Sohn zeugen würden, brüstete sich der damalige Chef des Hauses seines Verhaltens in der Weimarer Zeit: "Unsere Gesellschaft entschloß sich als Treuhänderin eines geschichtlichen Erbes, die wertvollen und für die Wehrkraft unseres Volkes unersetzlichen Erfahrungen zu hüten, um zu gegebener Stunde ohne Zeit- und Erfahrungsverluste wieder zur Arbeit für des Reiches Wehrmacht bereitzustehen."
Als sein Sohn im Oktober 1936 in die Firma eintritt, gehört der Lieblingsausspruch Wilhelm II. von der "Waffenschmiede Essen" auch schon zum Vokabularium des Dritten Reiches. An den Feuern ihrer Zeltlager schwören die Pimpfe der Hitler-Jugend, so zu sein, wie der Führer sie sich wünsche:
zäh wie Leder, flink wie die Windhunde, hart wie Kruppstahl.
Dr. Gustav Krupp hält seinen Sohn noch nicht für würdig, eine führende Position in der Firma einzunehmen. Denn sein Ältester ist froh, den strengen Fesseln des Hügel-Regimes entwachsen zu sein. Er versucht in einigen hektischen Anläufen, sein Leben zu genießen. Alfried lernt die Tochter eines Hamburger Importeurs mit Namen Bahr (später machen Gerüchte aus ihr eine "Bar-Dame") kennen und will sie heiraten. Vater Gustav ist scharf dagegen, doch in einer Aufwallung von Trotz gegen die ständige Bevormundung heiratet der Dreißigjährige.
Sein Vater weiß ein Mittel, das ihn auf die Knie zwingt. Er leitet Schritte ein, um einen der jüngeren Brüder Alfrieds als Erben einzusetzen. Da nach dem in der Familie geltenden "Generalregulativ" des Urgroßvaters Alfred - der, ebenso wie Friedrich Alfred, einbalsamiert im Familien-Mausoleum ruht - stets nur ein Erbe Alleinherrscher über den Familienkonzern werden kann*), gibt Alfried dem Druck nach. Er läßt sich scheiden. Der Sohn Arndt bleibt bei seinem Vater Alfried.
Die Belohnung läßt nicht lange auf sich warten. Der Vater sichert dem Ältesten die Erbfolge, und am 22. März 1941, im zweiten Kriegsjahr, wird Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Mitglied des Essener Direktoriums. Das Jahresgehalt für den Dreiunddreißigjährigen beträgt sechzigtausend Mark.
Um diese Zeit ist das Schlagwort von der Essener Waffenschmiede des Reiches Tatsache geworden. Zwar sind einige andere deutsche Stahlfabriken noch stärker mit der Herstellung von Waffen beschäftigt, aber in Essen sitzt das Hirn der Geschützproduktion. In dem roten Sandsteingebäude an Essens Altendorfer Straße arbeiten mehr als zweitausend der hervorragendsten deutschen Ballistiker. Sie konstruieren am laufenden Band die neuesten Waffenmodelle. Von jedem baut Krupp eine Probeserie, und dann gehen die Geschütze samt den Konstruktionszeichnungen an andere Werke zur Serienherstellung.
Krupps schwerste Waffe des zweiten Weltkrieges ist das 80-Zentimeter-Eisenbahngeschütz "Dicker Gustav", das bei Sewastopol eingesetzt wird. (Der 60-Zentimeter-Mörser auf Selbstfahrlafette "Thor", der bei Brest-Litowsk eingesetzt wird, wurde von der Firma Rheinmetall konstruiert.) Daneben verlassen 8,8-Flakgeschütze,
15-Zentimeter-Feldhaubitzen, Panzerabwehrkanonen, Marine-Geschütze und Panzerplatten die Krupp-Betriebe. Krupp baut auch den "Tiger"-Panzer.
Die Stadt Essen ist für die alliierten Bombenschützen schon geographisch genau die "Zwölf" auf der Zielscheibe des Ruhrgebietes. Der Name Krupp tut ein übriges, um immer wieder Bomben auf die "Kanonenstadt" herauszufordern.
Am 11. März des Kapitulationsjahres 1945 fliegen tausend Bomber der Royal Airforce einen letzten Angriff auf die Krupp-Betriebe in Essen; dann sind die Werke so zerschlagen, daß die gesamte Produktion zum Erliegen kommt. Dr. Gustav Krupp, an Gehirnblutungen schwer erkrankt, hat sich längst auf seinen Jagdsitz nach Österreich geflüchtet. Durch ein Sondergesetz ist schon Ende 1943 das gesamte Unternehmen auf Alfried übertragen worden.
Am Abend vor dem Einmarsch der Amerikaner spielt der junge Chef des
Hauses mit dem Zechendirektor Rauschenbach und zwei anderen Direktoren auf Villa Hügel seine für lange Zeit letzte Skatpartie. Am nächsten Morgen jagt ein mit amerikanischen Soldaten besetzter Jeep die Kieswege des Hügel-Parks hinauf, stoppt vor dem Hauptportal. Auf die Kolbenschläge an der Eichentür öffnet - in Frack und weißen Handschuhen - der Butler Dormann die Tür. Mit hochgezogenen Augenbrauen fragt er: "Sie haben geläutet? - Herr von Bohlen erwartet Sie." An ihm vorbei stürmen bewaffnete Negersoldaten die Treppe hoch, die einmal Kaiser und Könige hinaufgeschritten sind. Sie nehmen den jungen Chef gefangen.
An Stelle des in geistiger Umnachtung dahinsiechenden Vaters muß nun Alfried Krupp auf die Anklagebank des Nürnberger Kriegsverbrechertribunals*). Als
Hauptangeklagter kommt er auf den Platz zu sitzen, auf dem im großen Nürnberger Prozeß Hermann Göring saß.
Mit Krupp sind elf Direktoren seines Konzerns angeklagt; nur einer geht straffrei aus. Alle anderen Angeklagten spricht der ausschließlich von Amerikanern besetzte Gerichtshof zwar von dem Vorwurf frei, Hitlers Angriffskrieg vorbereitet zu haben. Wegen "Plünderung und Sklavenarbeit" jedoch werden sie zu insgesamt 96 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil gegen Alfried Krupp lautet auf zwölf Jahre Gefängnis und Einziehung des gesamten Vermögens.
In Nürnberg wird vier Krupp-Generationen die Rechnung präsentiert. Der amerikanische Generalstaatsanwalt Taylor nagelt sie auf das "Symbol" fest:
▷ "Der Ursprung ... kann über einen Zeitraum von hundertdreißig Jahren - vier Generationen - Kruppscher Waffenfabrikation verfolgt werden. Im ersten Weltkrieg gehörte die Kanone ''Dicke Bertha'', die die Zivilbevölkerung von Paris in Schrecken hielt, zum Kruppschen Beitrag zur deutschen Kriegsmacht. Im zweiten Weltkrieg bot Krupp, getreu einem Beispiel, das Alfred Krupp im Kriege 1870 gab, Hitler die ''Dicke-Gustav''-Kanone an."
Der Alleinerbe Alfried Krupp muß diese Rechnung bezahlen. Er büßt die gegen das Haus Krupp verhängte Strafe im Gefängnis Landsberg ab. Für den verwöhnten Mann, zu dessen persönlicher Bedienung auf Villa Hügel ein halbes Dutzend Bediensteter angestellt gewesen waren, spielt sich das Leben jetzt nach dem Rhythmus der Gefängnis-Ordnung ab: von 6.30 Uhr - Aufschließen der Zellen, 7 Uhr Herausbringen der Abortkübel - bis zum Einschließen der Gefangenen um 17.30 Uhr.
Krupp arbeitet in der Schlosserei. Er verfertigt Werkzeuge und Schmiedeleuchter für die Gefängniskirche. Dr. Janssen, heute wieder in leitender Position bei Krupp beschäftigt, muß Unterhosen flicken. Als man den Gefangenen Papier und Bleistift zubilligt, schreibt Alfried Krupp in mehreren Wochen eine wissenschaftliche Arbeit, mit der er eine neue astrophysikalische Theorie über den Weltraum zu widerlegen versucht.
In der Krupp-Stadt aber reagierte die Bevölkerung um diese Zeit anders als im Jahre 1923. Damals hatte Alfrieds Vater nach einer Widerstandsaktion seiner Arbeiter gegen die Franzosen, bei der 13 Krupp-Arbeiter erschossen wurden, ins Gefängnis gehen müssen. Dr. Gustav Krupp wurde damals in ganz Deutschland als Nationalheld gefeiert.
Ganz anders war es nach dem totalen Zusammenbruch des zweiten Weltkrieges. Die Denkmäler der Familie Krupp in Essen waren gestürzt worden oder mußten von Krupp-Arbeitern in Sicherheit gebracht werden.
Stärker als 1918 zeigte sich, daß die einseitig auf den großen Familienkonzern eingestellte und mit Krupp gewachsene Stadt Essen durch den Mythos der Waffenschmiede schwere Schädigungen hinnehmen mußte. Essen hatte die schwersten Bombenangriffe erlitten - es folgten nun die schwersten Demontageschäden: 72 Prozent der Kruppschen Industrieanlagen wurden während und nach dem Kriege vernichtet oder demontiert. Das Herzstück des Unternehmens, das moderne Edelstahlwerk in Essen-Borbeck, ging nach Rußland. Genau wie nach dem ersten Weltkrieg verzeichnete Essen mit die höchste Arbeitslosenzahl im Ruhrgebiet.
Um die traditionelle Abhängigkeit von Krupp nach zwei Kriegs- und Nachkriegskatastrophen endgültig zu lösen, entschloß sich Essens Stadtverwaltung zu einer radikalen Umstellung der wirtschaftlichen Struktur ihrer Stadt. Von der Firma Krupp, die unter der Aufsicht eines britischen Kontrolloffiziers stand, kaufte die Stadtverwaltung große Teile brachliegenden Geländes auf. Mit Hilfe von Steuervergünstigungen lockte Oberbürgermeister Toussaint nun neue, nicht zur Gattung Schwerindustrie zählende Betriebe nach Essen: Hersteller von Textilien, Spielzeug, Reißverschlüssen, Röntgengeräten, Leuchtröhren, Steppdecken, Gummireifen. In der City schossen in amerikanischem Baustil moderne Hochhäuser empor, in die zahlreiche Kaufhauskonzerne einzogen.
Die Stadt hat dadurch kaum noch Ähnlichkeit mit dem "schwarzen Essen" aus der Vorkriegszeit. Dank der Zusammenballung mehr als eines Dutzends großer Warenhäuser wurde sie, wie schon ein Riesenschild am Bahnhof allen Durchreisenden
verkündet, "die große Einkaufsstadt des Ruhrgebiets".
Dem kalten Krieg und dem amerikanischen Hochkommissar McCloy hatte es der Landsberger Häftling Alfried Krupp zu verdanken, daß er diese seine verwandelte Heimatstadt sechs Jahre früher wiedersah, als es nach der verhängten Freiheitsstrafe vorgesehen war. Am 3. Februar 1951 wurden Krupp und seinen Direktoren die Zivilsachen in die Zellen gereicht. Nachdem das Nürnberger Urteil bereits in bezug auf die Beschlagnahme des Kruppvermögens revidiert worden war, hatte der amerikanische Hochkommissar, John McCloy, den Verurteilten den Rest ihrer Strafe erlassen.
Für Alfried Krupp allerdings war das Pardon der Alliierten mit gewichtigen Einschränkungen verbunden. Er durfte weder seine Betriebe betreten noch in die Geschäftsführung des Krupp-Konzerns eingreifen. Seine Rechtsanwälte machten sich an die Arbeit, mit den Wirtschaftsberatern der Hohen Kommission in Bonn darüber zu verhandeln, was nun werden solle.
Das Ergebnis zweijähriger Beratungen war schließlich der "Plan für die Entflechtung, Abtrennung und Verteilung von Vermögenswerten der Firma Fried. Krupp, Essen", der am 4. März 1953 durch eine Anordnung der Alliierten Stahl-Kontrollbehörde in Kraft gesetzt wurde. Mit diesem Plan sollten die vielfältigen Probleme des Konzerns, zu denen nicht zuletzt die Weiterzahlung der Renten an rund 23 000 Kruppsche Pensionäre*) (monatlich 80 bis 120 Mark zusätzlich zu der Invaliden- und Angestelltenversicherung) gehört, geregelt werden.
Darüber hinaus war in dem Plan genau festgelegt, welche Summen Alfried seinen Geschwistern von dem aufzuteilenden Vermögen lassen sollte:
▷ Seine Schwester Irmgard erhält für acht Millionen Mark Aktien der zum ehemaligen Krupp-Konzern gehörenden Firmen Capito & Klein und Westfälische Drahtindustrie, Hamm;
▷ Neffe Arnold von Bohlen und Halbach, der Sohn des im Kriege mit dem Flugzeug abgestürzten Bruders Claus, erhält gleichfalls acht Millionen Mark Aktien dieser beiden Töchterfirmen.
Seinen Brüdern Berthold und Harald sowie seiner Schwester Waldtraudt gegenüber mußte sich Alfried verpflichten, jedem von ihnen elf Millionen Mark in bar zu zahlen. Die Summe ist 1963 fällig; bis dahin erhält jedes der Geschwister auf das Kapital eine jährliche Apanage von 100 000 Mark.
Hauptbestandteil des Abkommens jedoch war die Verpflichtung Alfried Krupps, sich von seinen sämtlichen Kohlenzechen und dem im Kriege weitgehend verschont gebliebenen Stahlwerk Rheinhausen für immer zu trennen. Nur die verarbeitenden Betriebe des alten Konzerns, insbesondere die Essener Fabriken, sollten seinem Eigentum und seiner Verfügungsgewalt erhalten bleiben (siehe Graphik Seite 30). Alles andere soll verkauft werden.
Gegen diesen Verkaufsbefehl geht der Kampf der Firma Krupp heute. Ein Bankenkonsortium, das unter der Führung der Rhein-Ruhr Bank in Düsseldorf steht, hat den Auftrag, die in dem Abkommen aufgeführten Kohlengruben und Stahlbetriebe Interessenten anzubieten. Bis jetzt ist nur die Zeche "Emscher Lippe" verkauft. Mit den anderen Betrieben, für die Hunderte von Millionen Mark zu zahlen wären, geht es zur stillen Genugtuung Krupps nicht so schnell.
Von der Krupp-Zeche Constantin hieß es bereits einmal, ihr Verkauf an die italienische Staatsbahn sei nahezu perfekt. Dann zerschlugen sich die Verhandlungen jedoch an der Finanzierungsfrage. Verständlicherweise drängt Essen seine Betriebe den Käufern nicht gerade auf. Die Tendenz ist vielmehr auf Abwarten gerichtet, wenngleich Alfried Krupp selbst in der Öffentlichkeit nie ein Wort der Klage über die alliierten Verkaufsauflagen erhebt.
Aber da ist ein anderer Mann, der nicht zu schweigen braucht: der 42jährige Generalbevollmächtigte Krupps, Berthold Beitz. Er erklärt mit Nachdruck: "Wenn Alfried Krupp es nicht sagt, weil er zu seiner Unterschrift steht, dann sage ich es
vor meinem Gewissen: Die Verkaufsauflagen müssen fallen, denn die Krupp-Betriebe gehören so zusammen wie ein Bauernhof, auf dem es gute und schlechte Felder gibt."
Beitz stammt aus Pommern und liebt es, seine Erklärungen mit den Erkenntnissen seiner bäuerlichen Vorfahren zu würzen. In der Essener Hauptverwaltung arbeitet der peinlich um seine gute Figur besorgte Generalbevollmächtigte erst seit zwei Jahren. Mit seinen nonchalanten Verhandlungsmethoden ist er das krasse Gegenteil des reservierten Alfried Krupp.
Beitz hat eine Banklehre absolviert und seit 1938 eine steile Karriere hinter sich gebracht: Zunächst war er Angestellter beim Shell-Konzern in Hamburg. Mit 27 Jahren wurde er einer der Leiter der polnischen Ölfelder bei Boryslaw. Nach dem Kriege saß er in der Leitung des Zonenaufsichtsamtes für Privatversicherungen und bald danach als Generaldirektor in der Iduna-Germania Lebensversicherung a. G.
Krupp hat Beitz durch den Essener Bildhauer Jean Sprenger kennengelernt, der im Auftrage des Berthold Beitz eine Plastik für das neue Direktionsgebäude der "Iduna" in Hamburg anfertigte. Sprenger zehrt auch von dem Mäzenatentum Krupps, und bei ihm wurden Alfried Krupp und Beitz miteinander bekannt.
Bei den ersten Begegnungen besah sich Krupp den jungen Mann genau. Er schickte seinen Bruder Berthold nach Hamburg, um unauffällig Erkundigungen über Beitz einzuziehen, dessen Vater mit dem achtbaren Titel eines Obergeldzählers als Pensionär der Reichsbank lebte.
Die Auskünfte können nicht schlecht gewesen sein; denn Alfried Krupp, der inzwischen zum zweiten Male geheiratet hatte, traf sich mit Beitz bald zu gemeinsamen Ski-Fahrten in St. Moritz. Am 22. September 1952 saßen beide abends in der Bar des Hamburger Hotels "Vier Jahreszeiten". Kurz vor zwölf Uhr räusperte sich Alfried Krupp und fragte Beitz, ob er Lust zu einem kleinen Spaziergang habe. Draußen vor der Drehtür trug der Chef des Hauses Krupp dem überraschten Beitz
unumwunden an, gemeinsam mit ihm den Krupp-Konzern wieder aufzubauen. Als sie nach einigen Minuten durch die Drehtür zurückkamen, spielte die Barkapelle einen Tusch: Beitz hatte Geburtstag, seinen neununddreißigsten.
Ein so junger Mann, der noch dazu von Stahl und Kohle nichts verstand, ist nun im Ruhrgebiet keineswegs gern gesehen. Auch die Kollegen im Krupp-Direktorium zeigten sich im Anfang nicht begeistert über den neuen Mann, der mit Generalvollmacht ausgestattet wurde.
Aber Alfried Krupp blieb bei seinem Willen, einen Mann neben sich zu setzen, der weder mit der Kanonentradition des Hauses noch mit der sonstigen Vergangenheit der Ruhrwirtschaft beladen war. Er nahm es auch auf sich, dreimal nach Hamburg zu fahren, um den ehemaligen Generaldirektor aus seinen früheren Verträgen loszueisen. Das war schwierig, weil Beitz noch kurz zuvor die Iduna-Gesellschaft mit der Vereinigten Lebensversicherungs-Anstalt a. G. fusioniert hatte. Sehr zur Freude des 67jährigen Generaldirektors Süßbauer von der "Vereinigten Leben", der sich dadurch in den seit langem erwünschten Ruhestand zurückziehen konnte.
Berthold Beitz fand einen Konzern vor, der um zwei Jahre hinter der Entwicklung anderer Firmengruppen der westdeutschen Schwerindustrie zurückgeblieben war. Was früher einmal als ein ineinandergreifendes Wirtschaftsgefüge funktioniert hatte, bestand und besteht heute aus zwei durch die alliierte Verkaufsauflage abgespaltene Firmengruppen. Jede dieser beiden Gruppen beschäftigt über 40 000 Menschen.
Dementsprechend war auch die Aufgabe, vor die sich das Direktorium von Krupp gestellt sah, eine zweifache: Man wollte versuchen, den bei Alfried Krupp verbliebenen Konzernteil mit allen seinen Einzelfabriken einigermaßen lebensfähig zu machen, und man wollte gleichzeitig
die vom Verkauf bedrohten Betriebe am langen Zügel halten, bis eine Wiedervereinigung der beiden Teile möglich ist. Alle geheimen Wünsche, Planungen und Investitionsabsichten im Verwaltungsgebäude an Essens Altendorfer Straße sind auf dieses Ziel gerichtet.
Die langen Zügel zu den unter Verkaufsauflage stehenden Betrieben nahm Berthold Beitz in seine Hände. Es hatte sich nämlich gezeigt, daß selbst unter den traditionsbewußten Angehörigen der Krupp-Betriebe das Gefühl der Zusammengehörigkeit durch die totalen Kriegsfolgen gelitten hatte.
Das Leben der "Kruppianer" spielte sich früher von der Wiege bis zum Grabe im Bannkreis der Firma ab. Man wurde in einer von Krupp dotierten Kirche getauft, lernte in einer Krupp-Schule das Abc, nährte sich sein Leben lang aus Krupps Konsum-Läden und brachte in den Kruppschen Gesangs- und Bildungsvereinen den Feierabend zu.
Das wurde nach dem Kriege anders. Die entflochtenen Betriebe entwickelten schon deswegen ein Eigenleben, weil die Ertragslage der einzelnen Firmen nach der erzwungenen Aufsplitterung sehr unterschiedlich ist. Das Hüttenwerk Rheinhausen und Krupps Essener Lokomotiv-Fabrik sind dafür ein Beispiel.
Die Lok-Fabrik in Essen arbeitet jährlich mit zwei bis drei Millionen Mark Verlust. Wenn es nach dem Generalbevollmächtigten Beitz ginge, wäre der Betrieb längst geschlossen. Afried Krupp jedoch versucht, das Programm der Lok-Fabrik auf Textil- und andere Maschinen umzustellen, "weil es schon bei meinen Vorfahren immer Tradition war, nach Möglichkeiten zu suchen, unsere Arbeiter in Lohn und Brot zu halten. Und ich bin doch nur ein Glied in der Kette dieser Tradition."
In Rheinhausen sieht die Finanzlage erfreulicher aus. Das Werk ist in der gegenwärtigen Stahlkonjunktur glänzend beschäftigt. Es kann deshalb höhere Löhne zahlen als die nur durch den Zaun benachbarten, bei Alfried Krupp verbliebenen Maschinen- und Stahlbauwerke. Rheinhausen baut für fünf Millionen Mark ein prächtiges neues Verwaltungsgebäude, während in der Essener Hauptverwaltung Krupps noch der abgeblätterte Putz aus den Bombennächten die Wände verunziert. Rheinhausen kann auch fünf Prozent der Jahreslohnsumme als Weihnachtsgratifikation ausschütten, für alle anderen Krupp-Arbeiter werden nur drei Prozent verteilt.
Die als Gewinn ausgewiesenen, verdienten Gelder muß Rheinhausen hoch versteuern. Sie gehen zum Finanzamt, anstatt etwa zum Ausgleich der Verluste in die Kruppsche Lokomotiv-Fabrik - was im Rahmen des früheren Finanzausgleichs innerhalb des Konzerns möglich war.
Beitz aus Pommern war nun der richtige Mann, um diejenigen unter den Zweigwerk-Direktoren, die sich während der Alliierten-Herrschaft von dem vermeintlich sinkenden Schiff des Krupp-Konzerns durch Absprung hatten retten wollen, mit einem scharfen Enterhaken wieder an Bord zu holen. Er führte den verschiedenen Herren in Privatgesprächen auf drastische Weise vor, was ihnen blühen könne, wenn Alfried Krupp tatsächlich verkaufe.
Was sie wohl sagen würden, fragte Beitz in diesen Gesprächen vielsagend, wenn etwa eines Tages ein gummikauender Amerikaner in ihrem Direktionsbüro auftauchen und die Frage stellen würde: "Sind Sie hier der kaufmännische Direktor?" Und der, wenn man diese Frage bejahe, zu einem seiner Begleiter sage:
"Okay, Jimmy, setz'' dich hin, das ist ab jetzt dein Schreibtisch. Ich habe ja den Laden hier gekauft!" Beitz ließ auch keinen Zweifel darüber, daß am Tage der Wiedervereinigung des Konzerns nur Direktoren auf angenehme Bedingungen hoffen können, die in der Zeit der Trennung reibungslos kooperiert haben.
Derartige Winke begriffen auch die Nicht-Kruppianer, die erst der alliierte Kontrollwind auf die führenden Sessel bei Krupp geweht hatte, und die anderen wollten sowieso lieber heute als morgen in den Schoß des Hauses Krupp zurückkehren. Auf den Hauptversammlungen der zum Verkauf bestimmten Unternehmen darf Alfried Krupp zwar nicht mitstimmen. Die Stimmrechte liegen bei den Treuhändern. Seit kurzem aber setzt sich Berthold Beitz bei solchen Hauptversammlungen mit an den Präsidiumstisch, um, wie er sagt, das Eigentum Alfried Krupps zu dokumentieren.
Der Krupp-Konzern kann darauf verweisen, daß andere westdeutsche Montanfirmen, wie Klöckner, Hoesch und Mannesmann, die alliierten Zerschlagungsmaßnahmen längst wieder rückgängig gemacht haben. Diese Maßnahmen waren eindeutig darauf gerichtet, die deutschen Produktionskosten hochzuhalten, indem man die
frühere rationelle Verbundwirtschaft zerschnitt. Andere Firmen haben daher, um billiger produzieren zu können, längst wieder Kohle- und Stahlbetriebe mit den verarbeitenden Werken zusammengefaßt (siehe SPIEGEL 2/1955).
Eine der Essener Abteilungen, die gegenwärtig noch das meiste Geld einbringen, ist die "Krupp-Technik", die Hochöfen, Stahl- und Walzwerke nach Maß ins Ausland liefert. Da Krupps Rohstoff-Techniker und Bergbauingenieure durch das Verbot der Betätigung im Kohlenbergbau und in der Stahlerzeugung praktisch arbeitslos geworden waren, machten sie aus der Not eine Tugend. Sie verlegten sich auf das sogenannte "Consulting Engineering", das heißt auf die beratende Ingenieurtätigkeit für das Ausland.
Krupp schickt seine Arbeitsteams, die aus Geologen, Bergbauingenieuren und Bohrfachleuten bestehen, in alle Teile der Welt. Im Auftrage privater Finanzgruppen oder Regierungen untersuchen sie die Voraussetzungen für die Erz- und Kohleförderung sowie für den Bau ganzer Stahlfabriken. Sie sind mit Jeeps, alpiner Ausrüstung und Beobachtungs-Flugzeugen versehen.
Das Ergebnis ihrer Arbeit wird in ausführlichen Gutachten niedergelegt. Sie enthalten
von Krupp angefertigte Landkarten, Luftaufnahmen, Mengenschätzungen und Analysen der vorgefundenen Erze- und Kohlesorten sowie eine genaue Selbstkostenberechnung für den Bau der erforderlichen Betriebsanlagen. Natürlich empfehlen die Ingenieur-Teams für die Ausrüstung und den Bau der begutachteten Werke Kruppsche Maschinen. Aber selbst für die Beratungsgutachten allein werden Honorare in Höhe von einer halben bis zwei Millionen Mark gezahlt.
Trotz dieser neuen Verdienstmöglichkeiten und trotz guter Einnahmen aus Krupps Kraftfahrzeug-Fabrik, der Weserwerft in Bremen, der Maschinenbau-Fabrik Rheinhausen und der Handelsabteilungen ist der verbliebene Konzernrest nach den Worten des Berthold Beitz ohne Kohle- und Stahlerzeugung nur eine Dame ohne Unterleib. Allein die Stillstandskosten für die großen, seit der Demontage brachliegenden Werksgelände in Essen (Grundsteuern, Instandhaltung, Einzäunung usw.) betragen im Jahr mehrere Millionen Mark. Die Pensionszahlungen, die Urahn Alfred einmal begonnen hat, belasten Krupp in Essen jährlich mit zwölf Millionen Mark.
Entscheidende Investitionsvorhaben können nicht in die Tat umgesetzt werden, solange niemand weiß, ob es wieder zu dem
alten Konzernverbund kommt oder nicht. Denn jedes Kraftwerk, jede neu errichtete Forschungsanstalt kann eine Fehlinvestition sein, je nachdem wie das endgültige Schicksal des Krupp-Konzerns sich gestaltet.
Auch die ausgegliederten Einzelwerke leiden zum Teil unter ihrer isolierten, ungeklärten Lage. So plant beispielsweise die Zeche Hannover-Hannibal, die ebenfalls verkauft werden soll, ein Stickstoffwerk zu bauen. Die Kapitalreserven dieser Firma sind aber bereits durch den notwendig gewordenen Erwerb eines benachbarten Kohlenfeldes so angespannt, daß mehrere vom Aufsichtsrat genehmigte Bauvorhaben abgestoppt werden mußten.
Recht ertragreiche Möglichkeiten, das geplante Stickstoffwerk auf die Produktion von Volldünger zu erweitern, müssen unausgenutzt bleiben, weil keine Bank über eine gewisse Kreditgrenze hinausgehen will. Andererseits erklären die Bankiers ganz offen: Wenn, wie früher, die ganze Finanzkraft des großen Kruppkonzerns hinter Hannover-Hannibal stehen würde, könnten sie jede Summe bereitstellen.
Daß die Konzernpolitik der Kruppschen Hauptverwaltung deshalb insgeheim auf eine Wiederzusammenfassung des Konzerns hinzielt, wird besonders an Investitionsvorhaben deutlich, die sich über einen größeren Zeitraum erstrecken.
Die "Bergwerke Essen-Rossenray AG" beispielsweise ist zur Zeit die einzige deutsche Gesellschaft, die ein neues Kohlenfeld erschließt. Diese Bergwerks-AG steht ebenfalls unter alliierter Verkaufsauflage. Für jeden Fachmann ist nun aber klar, daß Krupp nicht jahrelang auf eine Dividende dieser Zechengesellschaft verzichten und mit großem Kapitalaufwand ein neues Kohlenfeld erschließen würde,
wenn nicht im Hintergrund die Hoffnung stände, dieses Kohlenfeld einmal für den wiedervereinigten Konzern ausnutzen zu können. Die Essener Pläne auf der Stahlseite lassen das gleiche Ziel erkennen.
Alfried Krupp resümiert die Schwierigkeiten aus der Zerschlagung seines Konzerns mit den Worten: "Der Grundsatz meines Urgroßvaters, nur das qualitativ Beste zu liefern, wird durch die Entflechtung schwer behindert. Unsere Spezialität
sind immer besonders hochwertige Stahlerzeugnisse, wie etwa die großen Kurbelwellen für Schiffs-Diesel-Motoren, gewesen. Den Stahl dazu haben wir in unseren eigenen Stahlwerken hergestellt. Und der verantwortliche Mann in der Schmiede hat ständig mit dem verantwortlichen Mann im Stahlwerk zusammengearbeitet.
"Heute müssen wir den Stahlblock bei anderen, verschiedenen Stahlwerken kaufen. Deswegen sind unsere Schmieden mit dem oft unterschiedlichen Material nicht so vertraut. Und da kommt es vor, daß bei der Verarbeitung Schwierigkeiten auftreten, daß sich gewisse Fehler herausstellen, und dann ist das ganze Stück hin, es treten Terminschwierigkeiten ein usw. usw."
Mit Hinweisen auf diesen zwangsweise unterbrochenen Fluß vom Rohstoff zum Fertigfabrikat mußten Krupps Stahlverarbeiter vor einiger Zeit auch dem Reeder Onassis aufwarten. Onassis hatte bei einer von ihm in Essen bestellten Großturbine einen Materialfehler, der im Guß des Rohblocks lag, festgestellt. Die Krupps erklärten, solche Panne würde nie passieren, wenn sie den Stahl wieder in ihren eigenen Töpfen kochen dürften.
In Essen war man sich nun von Anfang an klar darüber, daß die Forderung nach einer Rück-Angliederung der Zechen und Stahlwerke zumindest im Ausland wieder das Gespenst des Kruppschen Kanonengeistes heraufbeschwören würde. Alfried Krupp hat deshalb bereits kurz nach seiner Entlassung aus dem Landsberger Gefängnis erklärt, seine Firma werde freiwillig nie wieder Kanonen bauen. Krupp steht auch heute noch voll und ganz zu dieser Äußerung.
Er meint überdies, es sei heute nicht klug und ökonomisch, wenn man unter
hohen Investitionskosten schwere Waffen in Deutschland bauen würde. Man könne sie viel besser und billiger aus Amerika beziehen. Finanzdirektor Schröder von der Krupp-Hauptverwaltung ergänzt diese Ansicht mit dem Bemerken, man könne ja heute nicht mehr wie vor dem ersten Weltkrieg "mal zehn Batterien" nach Ägypten, dann zehn andere Batterien nach Rußland oder nach Österreich liefern. Das Kanonengeschäft bringe nichts ein, sondern die sogenannten Rüstungsgewinne schlügen sich in einem wertlosen Maschinenpark nieder.
Daß diese wenig überzeugende Rechnung offenbar nur für die Rüstungsindustrien der Verlierer-Nationen eines Krieges gilt, beweist die Gewinnstatistik der Kruppschen Rüstungskonkurrenten in anderen Ländern. In den Siegerstaaten haben während der Geschäftsjahre des zweiten Weltkrieges verdient: General Motors (USA) rund vier Milliarden Mark, United States Steel fast zwei Milliarden Mark und Vickers (England) über 100 Millionen Mark.
Das Problem der deutschen Rüstungsgewinne jedenfalls umreißt Direktor Schröder aus langjähriger Erfahrung pessimistisch: "Wenn sie Kanonen schmieden, brauchen sie besondere Maschinen. Es gibt nämlich kein ziviles Gerät in der Welt, bei dem man in der Mitte ein Loch bohrt, und auch die Züge gibt es nur im Kanonenrohr. Jede Rüstung beginnt nun damit, daß man sagt, stellt doch mal vier Kanonen-Drehbänke auf. Dann werden es aber bald acht, und so geht das weiter.
"Eine akute Rüstungsperiode mit anschließendem Krieg dauert in der Regel zehn Jahre: sechs Jahre Rüstung, dann vier Jahre Krieg, und dann ist der Krieg verloren. Mit den vier Bänken fangen sie an, im letzten Kriegsjahr müssen sie noch eine Menge weiterer Maschinen anschaffen, und am Ende des Krieges haben sie einen riesigen Maschinenpark, mit dem sie nichts anfangen können."
Es gehört nun zu den einprägsamsten Erfahrungen Alfried Krupps, daß er mit seiner ablehnenden Haltung gegenüber einer neuen Rüstungsproduktion heute schon keineswegs mehr das gleiche Lob erntet wie noch zur Zeit seiner Entlassung aus dem Kriegsverbrecher-Gefängnis Landsberg.
Es gibt eindeutige Hinweise darauf, daß zumindest das amerikanische Kriegsministerium eine Einschaltung Krupps in die westliche Aufrüstung begrüßen würde. Denn besonders die skandinavischen Nordatlantik-Pakt-Staaten würden eine Belieferung mit Kruppschen Qualitätskanonen
an Stelle amerikanischer oder französischer Geschütz-Lieferungen vorziehen.
Auf die Frage, ob er an die Möglichkeit glaube, daß die Amerikaner ihm ein Tauschgeschäft vorschlagen - derart, daß Krupp wieder Kanonen baut und dafür von den Verkaufsauflagen befreit würde - , meint Alfried Krupp, das sei wohl bei dem heutigen schnellen Wandel der ganzen Zeitverhältnisse nicht ganz ausgeschlossen. Für ihn aber komme ein solcher Tausch nicht in Frage.
Vom Verteidigungsministerium in Bonn wird berichtet, daß es sich ebenfalls sehr für Krupps Einstellung zu der Rüstungsfrage interessiert. Und in Hamburg wurde vor kurzem ein Mann verhaftet, der nach einem gründlichen Verhör in Karlsruhe eingestand, er habe von den Sowjets den Auftrag erhalten, herauszufinden, wie es bei Krupp um neue Rüstungspläne stehe.
Berthold Beitz mußte dem Karlsruher Bundesgericht bestätigen, daß der Mann zweimal versucht hatte, bei ihm in Essen angestellt zu werden. Es war dem Krupp-Generalbevollmächtigten äußerst unangenehm, als sich der Spion als Sohn des Versicherungskaufmanns Süßbauer von der Vereinigten Lebensversicherung entpuppte, jenes Generaldirektors, der mit Berthold Beitz zusammen vor zweieinhalb Jahren die Fusion der beiden Hamburger Versicherungsgesellschaften arrangierte.
Statt für die Rüstung interessiert sich Alfried Krupp viel mehr für technische Neuerungen der Art, wie sie der alte Freund des Essener Hauses, der schwedische Multimillionär Axel Wenner-Gren, mit seiner Alweg-Einschienenbahn erprobt. Krupp würde sich wahrscheinlich mit Lieferungen an diesem Projekt beteiligen. Die Kruppsche Weser GmbH in Bremen plant darüber hinaus, den Lizenz-Bau von Transport-Flugzeugen des französischen Typs "Noratlas" aufzunehmen.
Axel Wenner-Gren kennt die Krupps gut, seit er 1934 ein Kruppsches Aktienpaket der schwedischen Rüstungsfirma Bofors übernahm*). Krupp und seine junge Frau Vera - die Deutsch-Amerikanerin hat mit Alfried Krupp ihren vierten Mann geheiratet - haben erst vor kurzem Wenner-Gren in seiner tropischen Residenz auf den Bahama-Inseln einen Besuch abgestattet. Auch Beitz war schon dort.
Auf Auslandsreisen dieser Art trägt sich der Chef der einstigen Essener Waffenschmiede
als Alfried von Bohlen und Halbach in die Gästebücher der Hotels ein. Er steht noch immer unter dem Alpdruck der sechs Haftjahre. Seit "damals" verzichtet Krupp auf den Besuch gesellschaftlicher Veranstaltungen, und kaum jemand hat ihn in den letzten Jahren tanzen gesehen. Er lädt seine Gäste entweder zu Segelpartien auf der Jacht "Germania" ein oder bittet sie in sein im kalifornischen Bungalow-Stil erbautes Haus jenseits des Hügelparks, von wo aus man den mit Erinnerungen beladenen Mammut-Bau nicht sehen kann.
Krupp fährt (mit nicht seltenen Unfallfolgen) gern Auto und fliegt oft in der firmeneigenen zweimotorigen Bonanza-Passagiermaschine, die sich auch Bundesminister Erhard schon einmal ausgeliehen hat. Als ein begeisterter Photograph und Kameramann registriert und beschriftet Krupp seine Aufnahmen genau mit "Blende, Belichtungszeit und Datum" in einer Kartei. Auch über die gesammelten Schallplatten in dem Musikschrank seines Wohnzimmers gibt es fein säuberlich vermerkte Hinweise, wie "flottes Stück" oder "schön getragen".
Dem Alfried Krupp ist mehrfach angeboten worden, ins Ausland zu gehen. Mexiko und Brasilien haben ihm kostenloses Gelände und große Steuervergünstigungen offeriert, wenn er in ihrem Land eine Stahlproduktion aufnehmen würde. Denn das ist das Kuriose an dem Abkommen von Bonn-Mehlem, dessen Revision die Männer um Krupp heute anstreben: Für das Ausland gilt sein Betätigungsverbot nicht. Schon fünf Minuten hinter der holländischen Grenze könnte Krupp ein Stahlwerk errichten.
Aber Krupp kann seiner Erziehung und Einstellung nach gar nichts anderes tun, als an der Ruhr zu bleiben. Mit einem auch jetzt noch auf fast zwei Milliarden Mark Verkaufswert geschätzten Firmenvermögen ist er noch immer einer der reichsten Männer der Erde. Er greift zwar in den Kampf um die Rekonzentration seines Konzerns nicht selbst ein, weil er sich an seine Unterschrift gebunden fühlt. Aber er beobachtet diesen Kampf mit einer kaum verborgenen Erregung. In den unter Verkaufsauflage stehenden Betrieben geschieht nichts, was ihm ein freiwilliger Nachrichtendienst nicht sofort hinterbringt.
Das Drängen der Direktoren Krupps auf eine Beseitigung der Verkaufsauflagen gründet sich jedoch nicht nur auf persönliche Wünsche oder auf Gründe ökonomischer Vernunft. Es basiert auch auf einer echten politischen Chance. Während der Verhandlungen um den Deutschlandvertrag, in denen die Durchführung des alliierten Entflechtungsgesetzes Nr. 27 auch über die Souveränität der Bundesrepublik hinaus gefordert war, hat sich Bundeskanzler Dr. Adenauer auf Drängen der Industrie immerhin eine Hintertür offengelassen.
Konrad Adenauer erklärte den westlichen Alliierten auf der Pariser Konferenz: "Ich muß darauf hinweisen, daß bei der Durchführung der Verkaufsauflagen möglicherweise Schwierigkeiten eintreten werden. Ich darf mir deshalb vorbehalten, zu gegebener Zeit erneut mit Ihnen in Verbindung zu treten."
An diesem Punkt setzt das Haus Krupp nun den Hebel an. Berthold Beitz verkündet auf internen Besprechungen immer wieder, nicht einen Ziegelstein werde man noch verkaufen. Er selbst hat sich anheischig gemacht, die Kastanien aus dem politischen Feuer zu holen. Noch vor der
Erkrankung Dr. Konrad Adenauers fuhr er nach Bonn, um den Kanzler an die in Paris angedeutete Revisionsmöglichkeit zu erinnern.
An dem Gespräch nahmen auch die beiden Staatssekretäre Walter Hallstein und Hans Globke teil. Der vitale Krupp-Bevollmächtigte stellte dem deutschen Bundeskanzler massiv die Frage, ob er es in Ordnung finde, daß die Krupps noch immer "wie Menschen zweiter Klasse" behandelt würden, und was der Herr Bundeskanzler zu unternehmen gedenke, um in London, Paris und Washington die Aufhebung der Verkaufsauflagen zu erreichen.
Nach Berichten aus Bonn hat Berthold Beitz sogar Erwägungen angedeutet, die Bundesregierung vor dem Verfassungsgericht in Karlsruhe zu verklagen, weil sie eine berufliche Diskriminierung Alfrieds zugelassen und damit gegen die im Grundgesetz vorgeschriebene Gleichheit aller Deutschen verstoßen habe.
Bundeskanzler Adenauer hat den stürmischen Beitz mit der Begründung zu trösten versucht, man müsse ihm noch etwas Zeit lassen.
Aber allzuviel Zeit glaubt der Kruppsche Generalbevollmächtigte Beitz mit seinen Konzernplänen nicht mehr zu haben.
Obwohl der ehemalige Öl- und Versicherungsexperte Berthold Beitz erst seit zwei Jahren in der neuen Branche ist, hat er die Situation des Essener Krupp-Torsos längst begriffen. Er weiß, daß ohne die rationelle Verbindung zur eigenen Kohle und zum eigenen Stahl der Krupp verbliebene Essener Komplex nur während einer guten Konjunktur-Periode wirklich lebensfähig ist. Ginge die Konjunkturlage der Bundesrepublik in den nächsten Jahren einmal stärker zurück, dann könnte es durchaus sein, daß nicht alle Stammbetriebe in Essen das 150jährige Firmenjubiläum der Krupps - fällig im Jahre 1961 - noch erleben würden.
[Grafiktext]
KRUPPS GETEILTES REICH
Belegschaft 45 000
KRUPP behält
WIDIA-Fabrik, Essen
Schmiede, Essen
Essener Maschinenbau, Essen
WIPLA-Dental-Werkstätten, Essen
Krupp-Handelsgesellschaften
Baubetriebe, Essen
Gießerei, Essen
Maschinen- u. Stahlbau, Rheinhausen
Lokomotiv-Fabrik, Essen
Krupp-Technik, Essen
Konsum-Anstalt, Essen
BETEILIGUNGEN
Eisen- u. Bronzewerke, Hamburg-Harburg
Brune u. Kappesser GmbH., Essen
Krupp-Kohlechemie, Wanne-Eickel
Krupp-Ardelt, Wilhelmshaven u. Essen
A.-G. Weser, Bremen
Fried. Krupp Motoren- u. Kraftwagenfabriken, Essen
KRUPP soll verkaufen
Belegschaft 43 000
Hüttenwerk Rheinhausen
Steinkohlenbergwerk Hannover-Hannibal, Bochum
Westfälische*) Drahtindustrie, Hamm
Capilo & Klein,*) Düsseldorf-Benrath
Eisenerzgruben an Sieg u. Lahn
Bergwerke Essen-Rossenray
Bergbau AG Consttantin der Große, Bochum
Emscher-Lippe Bergbau AG, Dattein (verkauft)
*) an Krupps Schwester Irmgard und Neffe Arnold abgegeben
(Die Zeichnung umfaßt nur die größeren Betriebe)
[GrafiktextEnde]
[Grafiktext]
KRUPPS GETEILTES REICH
Belegschaft 45 000
KRUPP behält
WIDIA-Fabrik, Essen
Schmiede, Essen
Essener Maschinenbau, Essen
WIPLA-Dental-Werkstätten, Essen
Krupp-Handelsgesellschaften
Baubetriebe, Essen
Gießerei, Essen
Maschinen- u. Stahlbau, Rheinhausen
Lokomotiv-Fabrik, Essen
Krupp-Technik, Essen
Konsum-Anstalt, Essen
BETEILIGUNGEN
Eisen- u. Bronzewerke, Hamburg-Harburg
Brune u. Kappesser GmbH., Essen
Krupp-Kohlechemie, Wanne-Eickel
Krupp-Ardelt, Wilhelmshaven u. Essen
A.-G. Weser, Bremen
Fried. Krupp Motoren- u. Kraftwagenfabriken, Essen
KRUPP soll verkaufen
Belegschaft 43 000
Hüttenwerk Rheinhausen
Steinkohlenbergwerk Hannover-Hannibal, Bochum
Westfälische*) Drahtindustrie, Hamm
Capilo & Klein,*) Düsseldorf-Benrath
Eisenerzgruben an Sieg u. Lahn
Bergwerke Essen-Rossenray
Bergbau AG Consttantin der Große, Bochum
Emscher-Lippe Bergbau AG, Dattein (verkauft)
*) an Krupps Schwester Irmgard und Neffe Arnold abgegeben
(Die Zeichnung umfaßt nur die größeren Betriebe)
[GrafiktextEnde]
Alfried bekommt 60 000 Mark Gehalt "Die Verkaufsauflagen müssen fallen" Drastische Privatgespräche Das Pentagon wünscht Krupp-Kanonen Flotte Stücke Beitz setzt in Bonn den Hebel an
*) Die Heilige Barbara ist die Schutzpatronin der Artilleristen, St. Georg der Heilige der Ritterschaft.
*) Eine ähnliche Darstellung gibt auch das Buch des früheren Deutschland-Korrespondenten der Associated-Press, Louis P. Lochner, "Die Mächtigen und der Tyrann".
*) Auf diese Weise ist - ein Phänomen unter den deutschen Montanunternehmen - der Krupp-Konzern noch heute eine Einmann-Gesellschaft. Der jeweilige Krupp-Erbe ist allerdings zu gewissen Zahlungen an seine Geschwister verpflichtet.
*) Außer gegen Krupp wurden in Nürnberg Industrieprozesse durchgeführt gegen Friedrich Flick (drei Verurteilungen) und die IG-Farben-Direktoren (13 Verurteilungen). Gegen Flick und andere wurden ebenfalls Verkaufsauflagen erlassen, die teilweise inzwischen erfüllt sind.
*) Alfried Krupps Ur-Urgroßvater hatte für seine Arbeiter und Angestellten bereits 1853 eine Krankenversicherung und 1858 eine Pensionskasse eingerichtet, deren Statuten später als Vorlagen für die Bismarckschen Sozialversicherungsgesetze mitbenutzt wurden.
*) Von l. n. r.: Irmgard, Berthold (stehend), Alfried, Harald, Waldtraut, Eckbert, die Eltern Krupp, Claus.
*) Krupp mußte bereits Meldungen dementieren, nach denen der kapitalkräftige Wenner-Gren sich bereit erklärt haben sollte, die Aktien der unter alliierter Verkaufsauflage stehenden Krupp-Firmen pro forma aufzukaufen, um sie später seinem Freund Krupp wieder zuzuschanzen.

DER SPIEGEL 49/1955
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