06.09.2004

KATASTROPHEN Gefrorene Schätze

Die beim Feuersturm in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek zu Weimar vernichteten historischen Bücher und Schriften hatten zum Teil schon einmal bei einem Großbrand gelitten. Die zerstörte Musikalien-Sammlung, darunter Autographen von Haydn und Mozart sowie Drucke von Johann Christian Bach, hatte 1774 knapp ein Feuer im "Grünen Schloss" überstanden. Diesmal gingen 30 000 Bücher der als Weltkulturerbe eingestuften Bibliothek unrettbar in Flammen auf, weitere 40 000 wurden durch Löschwasser und Brandspuren teils erheblich beschädigt.

Um aufgeweichte Schriften aus dem 16. bis 18. Jahrhundert zu retten, greifen Experten zu einem Mittel, das schon bei der Jahrhundertflut 2002 Anwendung fand. Die Bücher werden im Leipziger Zentrum für Bucherhaltung tiefgefroren, um ihnen dann schonend die Flüssigkeit zu entziehen - das Eis wird in der Gefriertrocknungskammer gasförmig, ohne sich zuvor zu verflüssigen.

Besonders tragisch: In fünf Wochen sollten die unversicherten Kulturschätze anlässlich der Sanierung des Schlosses in ein neues Tiefenmagazin umziehen.


DER SPIEGEL 37/2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.