20.09.2004

Noëlle Châtelet

Noëlle Châtelet , 59, französische Autorin und Schwester des ehemaligen Premierministers Lionel Jospin, 67, hat mit ihrem Buch "La Dernière Leçon" ("Die letzte Lektion"), die Debatte um Sterbehilfe in Frankreich neu
belebt. Die Französin schildert darin den Selbstmord ihrer damals 92-jährigen Mutter. Der Tag des Suizids war von der alten Dame, Mitglied einer Organisation für selbstbestimmtes Sterben, festgelegt worden. Ihren Kindern hatte sie gesagt: "Es ist Zeit zu gehen, und das war's." Châtelet wartete auf den verabredeten Telefonanruf ihrer Mutter. Als Mireille Jospin schließlich anrief, entschuldigte sie sich für die Verzögerung: "Tut mir leid, mein Liebling, ich wurde von einem unerwarteten Besuch aufgehalten - meine Nachbarin kam mit einem Stück Kuchen von der Geburtstagsparty ihrer Tochter. Ich bin jetzt bereit. Ich gehe jetzt duschen." Das war das verabredete euphemistische Wort für den bevorstehenden Selbstmord. Madame Jospin war, als sie am 5. Dezember 2002 die Überdosis Schlaftabletten nahm, weder geistig noch körperlich krank, nur etwas enttäuscht darüber, wie es heißt, dass ihr Sohn Lionel bei den französischen Präsidentschaftswahlen im selben Jahr gegen Chirac und Le Pen kläglich verloren hatte.

DER SPIEGEL 39/2004
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