Im Pazifik lagen Himmel und Hölle dicht beisammen: Auf manchen Inseln lebten die Polynesier wie im Paradies. Sie naschten Früchte aus den Wäldern und gingen so friedlich miteinander um, dass herabfallende Kokosnüsse die wohl größte Gefahr darstellten. Ganz anders ging es auf der Osterinsel zu. Die dortigen Wilden waren nicht ganz so edel: Zwar schufen sie imposante Steinfiguren. Ansonsten aber führten sie Kriege gegeneinander und wurden sogar zu Menschenfressern. Nun haben Barry Rolett von der University of Hawaii in Honolulu und Jared Diamond von der University of California in Los Angeles jenen Umwelteinfluss erkannt, der über das Wohl und Wehe der Insulaner entschieden hat. Für ihre in "Nature" vorgestellte
Studie haben sie 69 Inseln im gesamten Pazifik untersucht und Reiseberichte westlicher Entdecker gelesen. Demnach entscheidet die Geografie einer Insel über die Friedfertigkeit ihrer Bewohner: Wo es, wie auf der flachen Osterinsel, leicht war, die Bäume zu roden, zerstörten die Insulaner ihre wichtigste Nahrungsquelle. Die Folge waren heftige Konflikte. Auf Marquesas (Französisch-Polynesien) indes war das hügelige Binnenland schwer zugänglich. Bäume bedecken die Insel bis heute und bürgen für eine primitive, aber dafür heile Welt.
DER SPIEGEL 50/2004
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