03.01.2005

Wand aus Wasser

Zehntausende Menschenleben forderte die Jahrhundertkatastrophe rund um den Indischen Ozean. Von einem Seebeben ausgelöste Monsterwellen hinterließen Verwüstung und Trauer. Bewohner der Dritten Welt durchlitten ihre Ohnmacht ebenso wie Touristen aus Europa.
Drei Tage, es sind meistens drei Tage. Drei Tage lang behält das Meer seine Opfer, es nimmt sie mit sich, es trägt sie fort, es bringt sie zurück an Land; "diejenigen, die das Meer liebt, gibt es nach drei Tagen wieder frei", sagt Thyagarajan. Es ist eine dieser alten Weisheiten der Fischer an der Küste zwischen Madras (Chennai) und Pondicherry, eine dieser Weisheiten zwischen Erfahrung und Aberglaube. 65 Jahre lang hat die Mutter des indischen Fischers Thyagarajan in ihrer kleinen Kate in Sichtweite der Wellen gelebt, sie liebte das Meer. Und "das Meer muss sie auch lieb gehabt haben", sagt Thyagarajan.
Muss es? Gäbe es dann so etwas wie eine Erklärung für das, was geschah? Gäbe es einen Sinn hinter dem, was das Meer am Morgen des 26. Dezember der Mutter des Fischers Thyagarajan antat,
einem seiner vielen, vielen tausend Opfer?
Als der Fischer Thyagarajan am Sonntagvormittag gegen zehn Uhr vom Einkaufen zurückkam, war seine Hütte nur noch ein zerschmetterter Haufen aus Schilf und lehmverschmierten Holzlatten. Von seiner Mutter war nichts zu sehen.
Den ganzen Montag und den ganzen Dienstag hielt der Fischer Thyagarajan Wache, um nicht jenen Moment zu verpassen, an dem das Meer seine Mutter wieder hergeben würde. Er sah, wie Leichen vorbeigetragen wurden. Er hoffte. Er sah, wie Lastwagen kamen, um die Leichen vom Strand zu holen. Und hoffte. Vielleicht war seine Mutter ja weggelaufen, um sich zu verstecken. Konnte nicht herkommen, weil die Lastwagen die Straßen verstopften. Vielleicht war sie verletzt. Oder im Koma. Vielleicht.
Mittwoch früh waren die drei Tage vorbei, und das Meer hatte Thyagarajans Mutter noch immer nicht hergegeben.
Der Fischer Thyagarajan wusste: Seine Mutter war tot. Sie war eine von ... ja, von wie vielen?
Die Zahlen der Opfer jenes Seebebens, das in den Morgenstunden des zweiten Weihnachtstages mit einer Verschiebung der Kontinentalplatten 5000 Meter unter dem Meeresspiegel vor Sumatra begann, stiegen beinahe stündlich. Es waren abstrakte, unvorstellbare und monströse Zahlen. Es ist bei Anschlägen oder Katastrophen normal, dass die Zahlen steigen, aber dann, wenn Vermisste sich melden, fallen die Zahlen auch wieder. So war es am 11. September, so ist es oft. Diesmal nicht. Die Zahlen stiegen und stiegen. Es waren 5000 Tote, es waren 11 000, 14 000, 18 000, 20 000, 24 000, 26 000, 30 000, 36 000, 40 000, 55 000, 78 000.
78 000 Tote, das war die bestägtigte Zahl zur Mitte der letzten Dezemberwoche. In Genf schätzten die Helfer vom Roten Kreuz, dass sich selbst diese Zahl noch auf über 100 000 erhöhen könnte.
Es ist ein nationales Unglück für jene zwölf Staaten, deren Küsten zerstört wurden; und für all jene, deren Bürger Urlaub im Katastrophengebiet gemacht hatten. Unter Palmen. Auf schneeweißem Sand. Dort, wo vor Jahrzehnten die ersten Rucksacktouristen waren, Menschen, die sich "Traveller" nennen, und wo bis vor einer Woche einige der schönsten Hotels des Planeten standen. Weil der Massentourismus längst angekommen war auf Phi Phi und auf Phuket, in Sri Lanka und in Indien.
Und deshalb ist es zugleich die erste globale Naturkatastrophe, "eine Katastrophe wirklich weltweiten Ausmaßes", wie Gerhard Schröder sagt. Sie traf zwar vorwiegend Länder der Dritten Welt, Länder mit lausiger Architektur, ohne Frühwarnsysteme und Zivilschutz, aber weil die Erste Welt dort zu Gast war, traf es alle. CNN war nach fünf Minuten da. Und die Touristen ließen ihre Digitalkameras mitlaufen, die Welt sah live, was geschah, die Welt erlebte die Angst mit, die Welt war verstört. Fünf Tage dauerte es, 1883, bis der englische Konsul Alexander Cameron seinen Bericht über den Ausbruch des Krakatau-Vulkans abgesetzt und nach London geschickt hatte. Heute weiß jeder sofort Bescheid.
Konsul Cameron sprach, als er den vermuteten Schaden bilanzierte, noch in merkwürdiger Ungerührtheit von einigen Tausenden Opfern, meist Eingeborenen, er brauchte fünf Textzeilen. Damals sorgte die Distanz für arithmetische Ungenauigkeiten und ethische Unempfindlichkeit.
Heute sind alle Distanzen aufgehoben, das Ausmaß der Tragödie ist sehr schnell klar, der Schrecken in jedem Wohnzimmer. Der Tsunami von Sumatra hat einen Tsunami an Bildern ausgelöst, der Teilnahmslosigkeit unmöglich macht - jetzt ist jeder im Zentrum des Schreckens. CNN und BBC haben neben ihren Katastrophen-Hotlines längst auch solche für Amateurvideos eingerichtet.
So kommen die Streifen der Hobbyfilmer von der Schreckenswelle zu uns, einer Welle, die nacheinander die Liegestuhlreihe am Strand, den blauen Pool mit den Badegästen und das Restaurantdeck wegfrisst. Bewegte Bilder des Mannes kommen zu uns, der in der Flut seine Arme nach dem anderen Ertrinkenden ausstreckt und ihn doch nicht erreicht. Bilder von Särgen. Von Kindern. Von Leichenbergen. Und so stehen wir in diesem Meer von Bildern, mit verzappelter, panikbewegter Kamera aufgenommen, und damit stehen wir mitten in der Flut. Der Schrecken hat für uns, anders als für Konsul Cameron damals, ein Gesicht, hat viele Gesichter, und alle sehen aus wie unser eigenes.
Der amerikanische Philosoph Will Durant schrieb, dass die Menschheit nur mit der Einwilligung des Planeten Erde existiere, dass dieser seine Einwilligung jederzeit und ohne Warnung revidieren könne.
Ist es so weit?
Es ist eines dieser Ereignisse, die undenkbar sind, bis sie geschehen. Wie der 11. September. Wie Kaprun, Tschernobyl, Bhopal. Wie die großen Erdbeben, 1976 in China, wo bis zu 655 000 Menschen starben, oder Weihnachten 2003 in Iran, wo 30 000 Menschen umkamen. Aber es hat nichts mit Kyoto zu tun, nichts mit dem Waldsterben, nichts mit dem Ozon. Es passiert eben. Die Erdplatten reiben sich, Spannungen bauen sich auf, Spannungen entladen sich. Die Erde ist so, die Menschen vergessen es bloß ganz gern.
Sie siedeln dort, wo es gefährlich ist. Küsten sind fruchtbar, es wird schon nichts passieren, uns doch nicht! Sie verzichten auf Warnsysteme, bisher waren Erdbeben ja immer woanders.
Und plötzlich ist das alles ganz nah.
26. Dezember 2004.
Um 1.59 Uhr MEZ registriert das Institut für Wetterkunde und Geophysik in der indonesischen Hauptstadt Jakarta ein Seebeben der Stärke 6,4 auf der Richterskala vor der Insel Sumatra. Das Epizentrum liegt in der Nähe der Stadt Padangsidempuan, 1125 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Jakarta. 15 weitere Beben auf dem Meeresgrund folgen in den nächsten zehn Stunden entlang der Grenze der Kontinentalplatten westlich von Sumatra. Experten in der US-Bebenwarte in Colorado messen um 7.58 Uhr Ortszeit eine Erschütterung der Stärke 8,9 in rund 40 Kilometer Tiefe vor der Westküste von Sumatra. Das Beben ist das weltweit stärkste seit 40 Jahren.
Es bilden sich Flutwellen, sie rasen mit bis zu 800 Stundenkilometern nach Westen und nach Norden, sie verwüsten die Andamanen und Nikobaren, schlagen in Sri Lanka und Indien ein, überspülen die Malediven und entladen ihre Kraft nur Stunden später an den Stränden im rund 5000 Kilometer entfernten Somalia, in Tansania und Kenia.
Khao Lak, Thailand. Die Leichen karrt die Polizei auf Pick-up-Trucks heran. In blauen Müllsäcken liegen sie auf der Ladefläche, zusammengeschnürt mit Paketband, und auf den Müllsäcken sitzen Polizisten. Weiße und orangefarbene Särge stehen bereit, die Ärzte schlagen die Folien zurück, Angehörige klagen, schreien auf, brechen zusammen. Viele Leichen sind nicht zu identifizieren, es ist alles eine schwarze, aufgequollene Masse Mensch, nicht mehr zu erkennen, ob Europäer oder Asiat; im
Tod sind alle gleich, der Satz gewinnt hier eine neue, eine grausige Bedeutung.
Manche der Leichen, die identifiziert werden können, werden verbrannt, sofort. Vor dem Feuer sitzt Josef V. aus Zürich. In den Flammen liegt seine Mutter. Als Josef V. im Radio von der Katastrophe hörte, stieg er sofort ins Flugzeug; seine Eltern waren im Weihnachtsurlaub in Khao Lak.
Sein Vater hatte Glück: Er war im Hotel, um eine Kamera zu holen. Die Mutter, 63 Jahre alt, war schon am Strand. Der Vater stürzte sich in die Fluten, um seine Frau zu retten, um andere Menschen zu retten. Er konnte niemanden retten; "da war eine solche Wucht, da können Sie niemanden festhalten", sagt er. Noch immer lägen überall im Hotel Leichen, es stinke, und die Betonwände seien eingedrückt, sagt er: "Tote und Tote, überall Tote."
Vater und Sohn zogen anschließend durch die Krankenhäuser. Sie mussten Leiche nach Leiche umdrehen. Und dann fanden sie die Frau, die sie suchten, sie identifizierten sie, sie gaben sie frei zur Feuerbestattung.
Auf dem Gelände des Tempels Lumkuen in Khao Lak liegen Hunderte Leichen. Konvois von Lastwagen kommen an, um immer mehr Leichen abzuladen. Man muss hier aufpassen, dass man nicht auf verkohlte, noch glimmende Leichenteile tritt. Es ist eine apokalyptische Szene, eine Szene, die die Luft abschnürt. Es wird langsam dunkel. Mönche schleichen über das Gelände, was können sie tun?
Die beiden Männer aus Zürich, Vater und Sohn, sitzen auf Plastikstühlen. Tragen Mundschutz, Polohemden. Sehen ihre Frau, ihre Mutter verbrennen. "Ein Alptraum", sagt der Sohn.
Dann gehen sie zurück zum Hotel. Plünderer haben den Ehering der Verstorbenen gestohlen.
Khao Lak ist so etwas wie der Ground Zero der Bundesrepublik inmitten dieses Katastrophengebietes der ganzen Welt. Ein Kriseninterventionsteam des Auswärtigen Amtes ist eingetroffen, neun Ärzte, ein paar Sanitäter, Leute mit psychologischer Schulung.
Es gibt mehr Tote als Überlebende hier, die Überlebenden sind Zeugen, natürlich. Rebecca Beddall, 35, aus Seattle erzählt:
"Wir lagen im Bett und schliefen. In der Nacht zuvor hatten wir Weihnachten gefeiert. Wir hatten viel getrunken und wollten ausschlafen. Wir wurden wach, weil mit einem Mal dieser unbeschreibliche Lärm da war. Ein Geräusch, so gewaltig, wie ich das nie gehört habe und mir nie vorstellen konnte. Dann ging alles ganz schnell, die Scheiben zerbarsten, dann kam Wasser ins Zimmer. Ron sprang aus dem Bett und riss mich mit sich. Ich griff nach
ein paar Sachen. Wir waren ganz nackt. Er schrie: Rauf aufs Dach."
Ron: "Ich wusste nicht, warum, ich dachte nur, weg und hoch. Mit uns rannten unsere Nachbarn hoch. Auf dem Dach sahen wir um uns herum nur Wasser, die Wipfel der Palmen standen raus. Die kleinen Häuser waren nicht zu sehen, das Wasser stieg. Das Haus wackelte. Dann zog sich das Wasser weit zurück. Überall lagen Trümmer herum, tote Fische, Boote, Autos, es war ein riesiges Chaos. In einigen Bäumen hingen Körper. Im Nachbarhaus hing ein Mensch aus dem Fenster. Dann war es still. Absolut still. Überall war Holz, Trümmer, Autowracks wirbelten durch das Wasser, Möbel, Leichen. Auf der Straße haben uns Thais empfangen und gleich mit Essen und Wasser versorgt. Wir konnten uns sauber machen. Wir sahen diesen Jungen, der ganz allein in eine Decke eingehüllt war. Weil niemand zu ihm gehörte, nahmen wir uns seiner an. Das Kind atmete stundenlang nur stoßweise. Ein Thai nahm uns mit in sein Haus. Dort konnten wir dem Jungen eine Babyflasche geben."
Es ist das schwedische Kleinkind Hannes, dessen Foto um die Welt geht.
Die örtlichen Zeitungen drucken auf einer ganzen Seite die Hilferufe, auch nach Deutschen: "Ich brauche Informationen über eine deutsche Touristin. Ihr Name ist Binah T.", schreibt Veronika Gayton. Sehr besorgt sei sie und bittet um Nachricht, um eine E-Mail-Adresse.
Im Wachora-Krankenhaus in Phuket mit 500 Betten ist eine ganze Wand mit Fotos von Vermissten bedeckt. Schwarz-weiße und bunte Kopien fröhlicher Urlaubsbilder.
Im Patong-Krankenhaus in Phuket sind andere Fotos dicht an dicht gepinnt. Leichen auf weißen Laken, manche in ihrem Blut. Viele Gesichter bis zur Unkenntlichkeit aufgedunsen. Ein zartes junges Mädchen im Badeanzug, sein Körper starr und verrenkt. Darunter ein alter Mann, die Augen aufgerissen. Für die Angehörigen ist es die einzige Chance, Gewissheit zu kriegen.
München. Clemens Lorenz, 48, Computerfachmann, sitzt an seinem Esstisch. "Ich bin Realist", sagt Clemens Lorenz, "dass meine Schwester noch lebt, ist seit heute unwahrscheinlich." Seine Augen sind feucht, nur kurz, Lorenz will nicht leiden, er will etwas tun und greift zum Telefon, wählt die Mobilnummer, zum 1000. Mal seit Sonntag. Er hört diesen Satz, der längst ein Fluch ist für ihn. Er hört: "Der gewünschte Gesprächspartner ist nicht erreichbar."
Die gewünschte Gesprächspartnerin ist Sonja Horsthemke, 44, die beste Freundin von Claudia Tiedemann, 56, Claudia Tiedemann ist Clemens Lorenz' Schwester. Es gibt kein Lebenszeichen von den beiden Frauen, auch lange nicht von Sonjas Ehemann Rüdiger, 35, auch nicht von Sonjas Kindern Lukas, 9, und Lea, 6.
Am 23. Dezember waren die fünf vom Münchner Flughafen gestartet, zwei Wochen Urlaub am Strand von Khao Lak, Thailand, hatten sie geplant. Seit mehr als zehn Jahren fliegen die beiden Freundinnen dorthin, wohnen immer in der Anlage Nang Thong Bay Resort, immer im gleichen Bungalow, einer Bambushütte direkt am Meer, immer in den Weihnachtsferien. "Erholung pur", nannte Claudia Tiedemann das, nichts hören, nichts tun, keine Ausflüge, einfach nur baden, lesen, in der Sonne liegen, baden und lesen.
Und deshalb, glaubt Clemens Lorenz, wird es kaum eine Chance gegeben haben für seine Schwester.
Morgens am 26. Dezember brach die Todeswelle über das Resort herein, zehn Meter hoch. Die Welle spülte alles, was am Strand und knapp dahinter war, Hunderte Meter weit ins Land hinein und zog die getötete und zertrümmerte Fracht Sekunden später mit sich hinaus ins offene Meer: Hütten, Möbel, Autos, Menschen. "Wo soll Claudia gewesen sein um diese Zeit?" Clemens Lorenz glaubt, dass sie in ihrer Hütte war, vermutlich schlief, vielleicht gerade das Frühstück vorbereitete. Oder sie ging am Strand spazieren, noch ein paar Meter näher an der Katastrophe. Lorenz hat im Internet die Strände von Khao Lak gesehen, nach der Welle; erst am Dienstagnachmittag, sagt er, habe er die Katastrophe verstanden.
"Da ist nichts mehr übrig", sagt er.
Clemens Lorenz muss sich nun um die beiden Kinder seiner Schwester kümmern, Chiara, 20, und Ciro, 18, die zu Hause in
Erding geblieben sind und immer noch darauf warten, dass ihre Mutter braungebrannt vom Weihnachtsurlaub zurückkommt. "Kinder", sagt Clemens Lorenz, "denken doch immer sehr positiv."
Und ein paar Kilometer entfernt, vor der Anzeigetafel des Franz-Josef-Strauß-Flughafens in München-Erding, steht ein Mann und hält einen roten Luftballon mit schwarzem Schriftzug: "I love you". Aus der Brusttasche seiner dicken schwarzen Winterjacke lugt ein Mobiltelefon. Aber es klingelt nicht. Anja heißt die Freundin von Werner Hampter, Anja wollte mit ihren Eltern Weihnachten in Khao Lak verbringen. Werner Hampter konnte nicht mitfliegen, weil er arbeiten musste.
Am Samstag hat er zuletzt mit ihr telefoniert. Sie hatte gerade das Weihnachtsgeschenk ausgepackt, das er ihr mitgegeben hatte - eine Digitalkamera. "Mach viele Bilder - und du musst mir alles erzählen", sagte er.
Jetzt steht er da, wartet, die ersten Flugzeuge aus den Krisengebieten landen. Es sind wenige Menschen an Bord, sie tragen Schlappen, T-Shirt und kurze Hose, sind eingewickelt in Badetücher, aber sie leben. Sie sprechen in Wort- und Satzfetzen, Erinnerungsbruchstücken, sie sprechen mit leerem Blick, so, als wären sie nicht dabei gewesen - "Derealisation" nennen Psychologen das, es ist eine Art Selbstschutz, es sind immer nur Bruchstücke, in denen es um Wasser geht, viel Wasser, dunkles Wasser, tiefes Wasser - Wasser, in dem die Toten treiben.
Die Menschen, die in München landen, haben keine Monsterwelle auf sich zurasen sehen, keinen gefräßigen, wilden Riesen. Das Meer schwoll einfach an, aber das in Sekunden. Ganz einfach. Aber tödlich. Die 80 Helfer am Münchner Flughafen, hier im etwas abgelegenen Modul F des Flughafens, rechnen mit einem Einsatz über den Jahreswechsel hinaus. Draußen warten Angehörige und Freunde. Einige haben Transparente gemalt: "Willkommen zu Hause" steht darauf, als hätte man sich lediglich lange nicht gesehen.
Der Mann mit dem roten Luftballon steht am Rand. Anja war nicht an Bord.
26. Dezember 2004.
Als das Inferno über sein Land hereinbricht, wohnt der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono einer Trauerfeier bei, er gedenkt der elf Opfer eines Erdbebens.
Als das Staatsoberhaupt mit den Hinterbliebenen Weihnachten feiert, bebt im Westen des indonesischen Archipels erneut die Erde. Am schwersten trifft es die vom Bürgerkrieg zerrüttete Provinz Aceh. Die Erdstöße bringen die Häuser zum Einsturz, die Menschen fliehen ins Freie, und dort rollen die Wellen über das Land. Nach der Katastrophe bedeckt eine Schlammschicht die Straßen, überall steht noch Wasser. 18 Stunden lang ist die 400 000-Einwohner-Stadt Banda Aceh von der Welt abgeschnitten. Die Leichen beginnen in der Hitze zu verwesen. Die 20 000 Soldaten, welche die Regierung in die Region beordert hat, um den Kämpfern für ein unabhängiges Aceh "den Garaus zu machen", leisten nun erste Hilfe. Der Präsident appelliert an die "nationale Solidarität".
Seit 19 Monaten dürfen keine Ausländer in das Kriegsgebiet; es dauert einen Tag, bis die Regierung Hilfsflüge nach Banda Aceh ermöglicht.
In Malaysia reißt die Flutwelle ein schlafendes Baby auf einer Matratze fort. Das Mädchen namens Tulasi wird später lebend und auf dem Meer treibend gefunden, auch seine Eltern überleben.
Thailands prominentestes Flutopfer ist Bhumi Jensen, 21, ein Enkel des Königs Bhumibol Adulyadej. Die Welle erwischt Bhumi und zwei seiner Kumpel beim Jet-Ski-Fahren vor Phuket. Die Gäste des edlen Hotel "Amanpuri" haben Glück. Sie wohnten in Hütten auf Stelzen, spürten das Beben, nahmen es nicht weiter ernst - aber ein neunjähriger Junge aus Australien sah die Welle kommen, brüllte, und alle rannten. Und überlebten.
In Patong und anderen Massenzielen werden Hunderte Menschen vermisst. Die Insel Phi Phi, bekannt aus dem Film "The Beach", wird verwüstet. Helfer gabeln einen zweijährigen blonden Jungen auf. Er kommt in ein Krankenhaus. Weil niemand weiß, wer er ist, stellen die verzweifelten Ärzte sein Bild ins Internet. Angehörige in Schweden erkennen ihn, sein Name ist Hannes Bergström. Sein Vater wird gefunden, er liegt verletzt in einem Krankenhaus. Hannes' Mutter hat es nicht geschafft.
Auf der Inselkette der Andamanen und Nikobaren könnte die Flutwelle die Stämme der Onge, der Sentinel und Jarawa ausgerottet haben. Bis vor der Katastrophe lebten nur noch einige hundert Mitglieder dieser Urvölker weitab von jeder Zivilisation auf den einsamen Inseln. Nun reagiert niemand mehr dort auf Funksprüche.
Berlin. Am zweiten Weihnachtstag morgens gegen viertel nach neun klingelte Joschka Fischers Mobiltelefon. Fischer war in seiner Berliner Etagenwohnung, machte Ferien, ein Außenminister verreist eher selten, wenn er freie Tage hat. Sein stellvertretender Büroleiter Clemens von Goetze wies Fischer auf die Nachrichten aus Südostasien hin. Als Fischer das Wort "Tsunami" hörte, sagte er: "Das werden mehr als 10 000 Opfer." Und auch die deutsche Urlaubsnation würde betroffen sein.
Sein Weihnachtsurlaub war vorbei. Nachmittags gegen 17 Uhr betrat der Minister, im schwarzen Rollkragenpulli unter den Nadelstreifen, das Krisenreaktionszentrum im Keller des Auswärtigen Amtes.
Hier, am Werderschen Markt, ist die Angstsammelstelle der Republik. Im Krisenreaktionszentrum läuft seit dem zweiten Weihnachtstag die Angst der Deutschen zusammen, kommt über 25 Telefonleitungen herein, die Angst um Väter und Mütter, um Brüder und Schwestern, die Angst davor, dass die Jahrhundertkatastrophe in Süd- und Südostasien auch eine persönliche Katastrophe sein könnte.
Die meisten Mitarbeiter sitzen an zusammengeschobenen Schreibtischen, einige aufgereiht an der Wand in schmalen Telefonboxen. Über den Köpfen haben sie Karten, auf denen "Seebeben Asien 26. 12. 2004" steht, und im Kopfhörer haben sie die Stimmen der Anrufer, die Namen durchgeben, Adressen, letzte Aufenthaltsorte und allerletzte Lebenszeichen, diese Informationen eben, die zu Gewissheit führen sollen über Leben oder Tod.
Manchmal wissen die Beamten dann schon, dass es keine Hoffnung mehr gibt - und müssen doch schweigen: Die Todesnachricht darf nur die Polizei überbringen; die Meldung geht vom Amt ans Bundeskriminalamt,
von dort an die Landeskriminalämter, von dort bis zur Haustür. Die ersten dieser Hausbesuche hat es schon gegeben, zunächst nur wenige - die meisten Toten sind ja noch nicht identifiziert.
Das Krisenreaktionszentrum soll eine Art Rettungszentrale für Deutsche in aller Welt sein. Einmal im Jahr, immer am 1. April, schreibt jede Botschaft einen Krisenplan, mit Kontaktnummern von Polizei, Ärzten, Krankenhäusern, mit den Adressen der ständig im Land lebenden Deutschen. Nie war das Chaos so groß wie jetzt: Nicht ein Land, zwölf Länder sind betroffen, nicht ein paar Deutsche, sondern allein etwa 8000 Touristen.
2004 war ein eher ruhiges Jahr im Krisenreaktionszentrum - bis zum 26. Dezember. Von da an ist es für die Leute vom Krisenreaktionszentrum das Jahr der Mega-Katastrophe - der "schlimmsten seit dem 11. September 2001", wie es im Amt heißt. Über 100 Mitarbeiter nahmen 22 000 Anrufe bis zum Mittwoch vergangener Woche an, es war der Tag, an dem Außenminister Fischer von einer "nationalen Tragödie" sprach und nicht Sri Lanka meinte, nicht Indien, nicht Thailand.
Er sprach von Deutschland.
Dann erhielt Fischer einen Anruf des thailändischen Außenministers Surakiart Sathirathai. Die Verbindung brach ab, danach der zweite Versuch. "Your Excellency", brüllte Fischer ins Handy, "wir haben schockierende Informationen aus Khao Lak. Wissen Sie mehr?" 1500 Tote gebe es bereits, berichtete der Kollege. "Wie viele Ausländer?", fragte Fischer. Man habe sie noch nicht identifiziert, antwortete Surakiart. "Wir schicken weitere Forensik-Experten", versprach der Deutsche, "sagen Sie bitte Bescheid, wenn Sie Neues wissen."
Der Deutsche sah sich unter Druck, Einsatz zu zeigen. Der "globale Tourismus", so Fischers Analyse, zwinge die Regierung "zum Handeln in Echtzeit im globalen Maßstab".
Wie mächtige Männer eben reden, wenn sie ganz und gar ohnmächtig sind.
26. Dezember 2004.
Es dauert über zwei Stunden, bis die Wasserwand Sri Lanka und Indien erreicht, zwei Stunden sind eine Menge Zeit für Evakuierungsmaßnahmen. Niemand hat die Menschen hier gewarnt, Indien und Sri Lanka treffen die Tsunamis am härtesten, frontal, durch nichts gebremst.
"Unsere Nation ist in Gefahr", sagt der Regierungssprecher der Malediven, Ahmed Shaheed. Die höchste der Malediven-Inseln ragt gute zwei Meter aus dem Wasser. Die Wellen fegen über die Atolle hinweg, stundenlang liegen Teile der Malediven unter dem Meer.
Die Wasserwalze kommt erst in Afrika, rund 5000 Kilometer von ihrem Entstehungsort entfernt, zum Ende. In der somalischen Region Puntland und an den Stränden Kenias und Tansanias sterben Hunderte Menschen.
Vor allem Fischer fallen ihr dort zum Opfer. Die meisten sind am Vormittag auf dem Weg zurück Richtung Küste, ihre Boote werden mitgerissen, kentern und zersplittern an den Stränden.
Cuddalore, Indien. Mani Natraja, 35, hat sich von seiner Frau und seinen drei Kindern verabschiedet, als er den ersten Fang zur Hütte brachte. "Bis später", sagte er da, er wollte noch mal hinaus.
Er war ein paar hundert Meter entfernt, neben seinem Boot, als er die Rufe hörte. Er drehte sich um, sah die Wand aus Wasser, sah, dass seine Hütte im Wasser verschwand, hielt sich an einem Baum fest, hielt durch.
"Nicht eines meiner Kinder konnte ich retten", sagt Mani Natraja. Die achtjährige Vanaya fand er selbst, im Schlamm, seine Ehefrau Muniamma wurde als "unbekannte Tote" gemeldet, er musste sie identifizieren. Und jetzt steht der Fischer Mani
Natraja neben diesem Massengrab, es gibt keine Zeremonie, nicht mal ein paar Worte. Mani Natraja legt ein rotes Tuch auf das Grab. Die Mutter seiner Frau steht neben ihm, sie schreit: "Warum hast du keines deiner Kinder hiergelassen, warum nimmst du nicht mich mit? Liebst du mich nicht?"
Seine Tochter Sukaniya, 10, und seinen Sohn Surender, 6, sucht der Fischer Mani Natraja noch immer.
27. Dezember 2004.
An den Börsen gilt der Gesamtschaden als unabsehbar, den Hilfsbedarf beziffert die Weltbank auf 3,7 Milliarden Euro, aber das ist noch lange kein Grund zur Panik im Kreditgewerbe. Die Analysten blieben entspannt.
Rückversicherer wie die Swiss Re, bei denen kleinere südostasiatische Agenturen rückversichert sind, gaben Entwarnung. Denn die am Indischen Ozean zertrümmerten Objekte sind entweder nicht versichert oder stellen keine hohen Sachwerte dar, billig gebaute Häuser eben.
Die Aktienkurse von Hannover Rück, Lufthansa und TUI fallen moderat. Marginalien. In Bombay setzen Anleger auf die Zementindustrie.
Getroffen sind "die Ärmsten der Armen, die nur selten versichert sind", erklärte ein Analyst. Wer das Chaos überlebt hat, muss sich mit dem Totalverlust seiner Habe abfinden. Die Regierung in Colombo hat eine Entschädigung in Aussicht gestellt, aber die entspricht nicht einmal dem halben Monatsverdienst eines Fischers: Hinterbliebene sollen für jeden Toten umgerechnet 70 Euro erhalten.
Am teuersten wird die Instandsetzung verwüsteter Straßen, Bahnlinien und Ferienresorts werden. Hinzu kommt der Schaden für den Fremdenverkehr. Der devisenträchtige und kapitalintensive Sektor, in dem rund 19 Millionen Einheimische direkt beschäftigt sind, verzeichnete Wachstumsraten bis zu 45 Prozent in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres. An Malaysias Bruttoinlandsprodukt ist der Tourismus nur zu sieben Prozent beteiligt. Thailand wird, mit einem Anteil von sechs Prozent, einen Einbruch ebenfalls verkraften.
Experten sind sich einig, dass mit einem ökonomischen Einbruch auf breiter Front, gar einer neuen Asien-Krise, nicht zu rechnen sei. "Schlimmstenfalls einen Streifschuss" habe die Region abbekommen, schreibt die "Neue Zürcher Zeitung" - die Armut der Küstenbevölkerung erweist sich als Glück für die Volkswirtschaften.
Chennai, Indien. Die Air Force Base auf Car Nicobar ist verschwunden, einfach nicht mehr da, es gibt sie nicht mehr. Rund hundert Soldaten und ihre Familienangehörigen gingen mit ihr unter.
Im Zentrum von Chennai, der Hauptstadt des Bundesstaats Tamil Nadu, sieht man nicht viel von den Folgen der Flut, in den Fünf-Sterne-Hotels wird die "Saison" gefeiert, wie die Brückentage zwischen Weihnachten und Neujahr hier genannt werden. An der Küste ist alles anders. Die Fischerhütten sind vom Meer weggerissen worden. Nur die christlichen Steinkirchen sind stehen geblieben.
"Die Menschen hier sind von den Naturgewalten einiges gewöhnt, wir haben hier fast jedes Jahr einen Zyklon - oder zwei oder drei", sagt der Polizist, der zusammen mit ein paar Kameraden den Badestrand gegenüber der Universität bewacht. Was bewacht er da noch? Von den über 700 Ständen und Läden am Strand ist nur Müll geblieben. Raben und schwarze Ziegen stöbern nach Futter.
Ein knallgelbes Kinderkarussell hat der Flut widerstanden. Die Glöckchen an den Hälsen der hölzernen Pferdchen bimmeln, wenn eine Bö an den Spanten rüttelt. Oben an der Promenade stehen Menschen vor einem Armeelastwagen nach Suppe an. Sie klagen über die Wucherer, die an der Katastrophe verdienen. Sie mussten 500 Rupien zahlen, das Fünffache des alten Tarifs, um ihre Toten per Taxi vom Government Royapettah Hospital zum drei bis vier
Kilometer entfernten Friedhof zu überführen.
Die erste Welle war am Sonntag früh an den Strand gerauscht. Sie hatte noch nicht viel Kraft. Kurz danach kam die zweite Welle, acht bis zehn Meter hoch. Ein paar Stunden später war der Strand mit Leichen übersät. Mit am schlimmsten traf es den christlichen Wallfahrtsort Velankanni, der am Sonntag nach Heiligabend von Pilgern überfüllt war. Hier starben mindestens 1850 Menschen.
Normalerweise fahren die Fischer zu Weihnachten nicht hinaus. Aber die Herbstsaison war schlecht. Diesmal fuhren sie hinaus, und das Meer belohnte sie: Der Fang am ersten Weihnachtstag war phantastisch, der Fischer Bolu Govinda holte drei Tonnen Fisch rein. Also fuhr er am zweiten Weihnachtstag noch einmal hinaus.
Govinda überlebte, mindestens acht seiner Kollegen kamen in den Fluten um. Und seine Söhne Vijay und Narasaiah wurden am Strand überrollt, sie spielten dort und warteten auf den Vater.
Hätte das Ausmaß des Desasters in Grenzen gehalten werden können, wenn rechtzeitig Vorsorge getroffen worden wäre?
Staatsminister Shriprakash Jaiswal räumt Versäumnisse ein. Ja, natürlich, man hätte viele Menschenleben retten können, wenn die Regierung in der Zeit aktiv geworden wäre, die die Killerwelle brauchte, um von der Nordspitze Sumatras bis zur indischen Ostküste zu gelangen. Zwei Stunden können eine lange Zeit sein, wenn sie professionell genutzt werden. "Der Regierung fehlte es an Bewusstsein und an Bereitschaft", sagte Jaiswal.
Es ist Abend, 18.30 Uhr in Chennai, auf dem Flughafen landet eine Iljuschin-76 der indischen Luftwaffe, an Bord sind 400 Überlebende aus Car Nicobar. Fast alle haben ihre Familie verloren. Eine Frau wirft sich weinend auf den Asphalt, nachdem sie das Flugzeug verlassen hat. Der Offizier, der ihr wieder aufhilft, weint auch.
Am Montag kommt erneut Panik auf. Im Radio wird die Nachricht verbreitet, für Mitternacht sei mit einem weiteren Tsunami zu rechnen. Mehrere Dörfer werden evakuiert, diesmal funktioniert es.
Diesmal kommt keine Welle.
27. Dezember 2004.
Die Flutkatastrophe hat nach Überzeugung des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) "keinen signifikanten Einfluss" auf die Reiselust der Deutschen. "So brutal das klingt", entschuldigt Verbandsgeschäftsführer Ulrich Rüter, "aber es ist nicht die erste und auch nicht die letzte Katastrophe in einem Urlaubsgebiet, die Menschen vergessen sehr schnell." Wenn im August und September 2005 die Winterkataloge herauskommen, wird nach Rüters Erfahrung die Flutwelle längst Vergangenheit sein.
"Wer weiter in klarblauem Wasser tauchen will, wird das weiter auf den Malediven tun und nicht in österreichischen Bergseen", glaubt Asger Schubert, ein Sprecher der Thomas-Cook-Gruppe. Schubert geht davon aus, dass die Malediven weiterhin ein wichtiges Urlaubsgebiet bleiben, dito Sri Lanka. Probleme erwartet er, wegen der flächendeckenden Zerstörung, in Phuket und auf Khao Lak.
Düsseldorf. Bettina Döhmen, 44, und Heinz Döhmen, 53, aus Korschenbroich haben am vergangenen Montag in Colombo Geburtstag gefeiert, sie nennen es den Tag ihrer Wiedergeburt.
Die beiden haben im Embudu Village, einem winzigen Inselchen im Süd-Male-Atoll zwei Wochen Urlaub gemacht. "Am Vormittag kam das Wasser", sagt die braungebrannte Frau, "wir liefen mit den anderen Gästen in die Mitte der Insel, dort gibt es keinen Hügel, keinen Schutz vor dem Wasser."
Am Anfang standen sie noch im Trockenen, dann sagte eine Hotelangestellte, die per Handy Kontakt zur Außenwelt hielt, etwas von einer Monsterwelle, die in sechs Minuten die ganze Insel überfluten würde. "Wir hatten mit unserem Leben abgeschlossen", sagt Bettina Döhmen, sie hat Tränen in den Augen, als sie von den Versuchen berichtet, sich per Mobiltelefon von ihren Kindern in Deutschland zu verabschieden. Aneinandergeklammert, weinend,
verzweifelt, warteten sie auf den Tod. Sie sahen die Welle auf sich zu rasen, doch sie nahm einen anderen Weg und brach an zwei Atollen. "Das war unser zweiter Geburtstag", sagten die Döhmens.
Nach Stunden evakuierte ein Wasserflugzeug die Touristen von der zerstörten Insel.
28. Dezember 2004.
In Indonesien wird langsam das Ausmaß der Katastrophe bekannt: Vizepräsident Jusuf Kalla rechnet morgens mit 25 000 Toten, am Abend zählen die Indonesier mehr als 27 000 Ertrunkene, Verschüttete, von Trümmern Erschlagene. Die Asien-Meisterschaften im Fußball werden fortgesetzt. In Jakarta verliert Indonesien 1:2 gegen Malaysia.
In Thailand zählen die Behörden bis Dienstag mehr als 1500 Tote - darunter sind viele Deutsche. Außenminister Fischer rechnet mit einer "dreistelligen Zahl". Auch die Enkelin des Filmregisseurs Richard Attenborough ertrank. Seine älteste Tochter und seine Schwiegermutter werden noch vermisst.
Noch immer gibt es keinen Funkkontakt zu einigen Inseln der Andamanen und Nikobaren. Bis zu 7000 Menschen sind dort wohl ums Leben gekommen. Schiffe mit Decken, Arzneimitteln, Wasseraufbereitungsanlagen und Satellitentelefonen sind auf dem Weg zu dem Archipel.
Auf Sri Lanka fliegt ein Hubschrauber der dortigen Luftwaffe Altkanzler Helmut Kohl aus seinem Hotel im Katastrophengebiet aus. Die srilankischen Behörden rufen per Lautsprecherwagen dazu auf, die Toten so schnell wie möglich zu den Sammelpunkten zu bringen, um Seuchen vorzubeugen. Die Weltgesundheitsorganisation rechnet damit, dass Krankheiten infolge der Katastrophe noch einmal so viele Opfer fordern könnten wie die Flutwelle selbst.
In Indien wird das Brennholz knapp. Deshalb können viele Tote nicht gemäß der hinduistischen Tradition verbrannt werden. Die Menschen verscharren ihre Verwandten in Massengräbern.
Auf den Malediven werden die für Freitag geplanten Parlamentswahlen auf unbestimmte Zeit verschoben.
Der Exil-Ministerpräsident des in Anarchie versunkenen Somalia, Ali Mohammed Gedi, gibt in der kenianischen Hauptstadt Nairobi bekannt, dass mindestens 100 Menschen in seinem Land dem Tsunami zum Opfer gefallen sind. Somalia und die Seychellen bitten die internationale Gemeinschaft um Hilfe für bis zu 50 000 von der Katastrophe Betroffene.
In Deutschland nehmen Radiosender den Hit "Die perfekte Welle" der Popgruppe Juli aus dem Programm. Auch Herbert Grönemeyers "Land unter" wird nicht mehr gespielt. Bundeskanzler Gerhard Schröder bricht seinen Weihnachtsurlaub in Hannover ab. Berlin stockt die Soforthilfe auf drei Millionen Euro auf. Innenminister Otto Schily kündigt an, 27 Identifizierungsspezialisten des Bundeskriminalamtes nach Asien zu entsenden.
Sri Lanka. Wahrnehmbar sind am Anfang nur der Pestilenzgestank verwesender Leiber und diese gespenstische Lautlosigkeit. Die Totenstille.
Dann erst, Zug um Zug, nimmt man die Leichen wahr, aufgedunsene, entstellte Leichen, begraben unter Trümmern, in Zäune verhakt oder versteckt in der zerfetzten Tropenvegetation: ein verstümmelter alter Mann, ein Mädchen mit Spielzeug in der Hand, ein Junge, die Glieder grotesk verrenkt.
Zerknickte Auslegerboote liegen kieloben auf der Straße neben zerbeulten Linienbussen, ineinandergeschoben zu grotesken Skulpturen aus Metall und Glas; Autowracks stecken im Geäst mächtiger Bäume. Dazwischen entwurzelte Palmen, herausgerissene Mangroven, Metalldachfetzen, Holzwände und Zementpfeiler - Apokalypse jetzt.
Die Szenen aus der biblischen Endzeit beginnen abrupt, etwa 50 Kilometer südlich von Colombo. Während die plötzlich steigenden Fluten in der Hauptstadt der Inselrepublik lediglich die Kanaldeckel aus den Straßen sprengten, ähnelt die Küstenstraße, das frühere "Tor zu den Ferienanlagen", dem Eingang zur Unterwelt. Denn hier, entlang der Galle Road, jener Verkehrsader, die Sri Lankas Hauptstadt mit der historischen Hafenstadt der ehemaligen niederländischen Kolonialherren verbindet, schlug die Macht der Fluten eine mörderische Schneise. Fischerdörfer, bescheidene Badesiedlungen ebenso wie luxuriöse Anwesen sind dem Erdboden gleichgemacht, Brücken eingerissen, Strommasten verbogen.
Im Ort Beruwala schwemmte die Wucht der Wellen die örtliche Fangflotte auf die Straße. Ihre Besitzer drängen sich hilflos um die geborstenen Schiffe, während traumatisierte Bewohner versuchen, ein paar bescheidene Habseligkeiten aus den Ruinen ihrer Häuser zu klauben.
Einige Kilometer weiter, am Strand von Bentota, einem beliebten Reiseziel, flattern noch die Firmenwimpel der Reiseunternehmen im Wind; längs der idyllischen Badebucht ist von den Bungalows und Open-Air-Restaurants nur noch das Mauerwerk der Fundamente übrig geblieben.
Das Unheil traf alle ohne Vorwarnung. Urlauber aus aller Welt ebenso wie Einheimische bevölkerten bescheidene Beach-Resorts und Luxushotels in der Vorfreude auf einen Jahreswechsel bei strahlendem Sonnenschein.
Verblüfft konnten sie beobachten, wie sich das Meer plötzlich vom perlweißen Strand zurückzog und den Blick freigab auf sonst überspülte Sandbänke - eine Ebbe zur Unzeit?
Doch sofort setzte ein bedrohliches Donnern ein, vor dem Horizont schichtete sich eine Wellenwand auf, die zu einer grünlichen Mauer aus Wasser auf zehn Meter Höhe anschwoll und als gigantische Flut über die Strände hereinbrach. Als sich die Woge wieder zurückzog, riss sie bereits Hunderte von Menschen in die See zurück. An manchen Stellen drang die zermalmende Brandung bis zu sieben Kilometer ins Hinterland vor.
"Meine Frau und mein einziger Sohn waren gerade von einer Pilgerreise zurückgekehrt, und dennoch hat das Meer sie geschluckt", klagt Ranasinghie Saputhantri,
60, der im Badeort Panadura Ferien gemacht hatte. "Ich werde verrückt vor Trauer", sagt er.
Es traf, das ist eine dieser Binsenweisheiten von Naturkatastrophen, natürlich auch die Ärmsten: Sie wohnten in Behausungen längs der Eisenbahnverbindung an der Südwestküste von Sri Lanka, die oft nicht mehr als 30 Meter vom Meer entfernt verläuft. Jetzt haben sie ihre Elendsquartiere verloren, Wellblech, Holzbalken, abgerissene Dächer, Kleidung und Küchengerät stecken festgebacken im Schlick.
Die Wassermassen ließen den überladenen Zug "Queen of the Sea" entgleisen: Die Waggons wurden aus den Schienen gehoben, umgestürzt und fortgespült. Von den mehr als 1000 Passagieren sind fast alle tot.
Königin des Meeres. Was für ein Zynismus.
Es ist eine Sintflut im Paradies: Die Insel mit den poetischen Namen - Ceylon, Träne Indiens, von Marco Polo als eines der schönsten Eilande der Welt besungen - kämpft, eine Woche nach dem Tsunami, noch immer mit den Folgen des rund 1600 Kilometer entfernten Seebebens.
"In der Gegend um die Stadt Mullaittivu sind etwa 20 Dörfer einfach vom Erdboden verschwunden", berichtet Martin Baumann, Projektleiter der Welthungerhilfe in Sri Lanka, "als das Wasser sich zurückzog, um sich im Meer zur Welle aufzubauen, zappelten viele Fische am Strand auf dem Trockenen. Die Menschen liefen dorthin, um sie aufzusammeln. Das war ihr Verderben."
Eine Frau saß vor ihren drei toten Kindern und sagte nichts. Sie vertrieb nur immer wieder die Fliegen von den Leichen. Überall in der Küstenregion werden Massengräber ausgehoben. "In einigen Gegenden sieht man jetzt mehr Hunde als Menschen", sagt Baumann. Die Welthungerhilfe hat sofort ihre Mannschaft in Sri Lanka verstärkt, aber "der Einsatz ist sehr kompliziert, einige Gegenden sind kaum zu erreichen".
Der Condor-Flugkapitän Markus Kuhner, 40, wurde, wie seine Crew, aus den Ferien geholt und nach Colombo geschickt. Mit an Bord waren ein Ärzteteam der Lufthansa aus Frankfurt, spanische Helfer mit Leichenspürhunden, eine Delegation des österreichischen Roten Kreuzes.
Mehr als 400 Urlauber warten am Dienstagmorgen in Colombo auf den Rückflug nach Deutschland. Der Stuttgarter Josef Strom, 57, machte in Nilaveli bei Trincomalee an der Ostküste Urlaub, er sagt: "Ich war am Strand, als die Welle kam." Stroms Nase ist verschorft, die Beine sind aufgerissen, blutunterlaufen. Zwei Kilometer habe ihn die Welle ins Landesinnere getragen. Er hatte Glück, er blieb oben. Viele andere sind an Bäumen und Mauern, Autos und Booten zerschmettert worden, Strom wurde auf den Sand gespült. "Ich sah Boote, die durchs Fenster geschossen kamen, und Autos, die schwerelos durchs Wasser getragen wurden", sagt er.
Auch Renate Stahl, 54, Inhaberin eines Reisebüros in Herrsching am Ammersee, haben die Fluten alles genommen. Sie wartete nach einer Ayurveda-Kur vor dem Hotel in Alutgama auf den Arzt. Das Meer war ruhig, das Wetter war schön. Eine Buschreihe, eine natürliche Mauer zum Strand, war plötzlich vom Wasser verschluckt. "Ich sah es, wunderte mich, und stand schon bis zur Hüfte im Wasser", sagt Renate Stahl. Eine Freundin winkte sie hinauf in den ersten Stock, doch sie wollte noch schnell ihre Sachen aus dem Zimmer im Erdgeschoss holen.
"Eine gespenstische Szene. Das Wasser war weg, wo das Meer war, nur Krater. Menschen laufen aufs vorgelagerte Riff. Und dann sehe ich die Welle. Eine graue Wand, zehn Meter hoch. Da bin ich um mein Leben gelaufen." Die Menschen auf dem Riff haben keine Chance. Renate Stahl läuft und läuft. Greift sich ein kleines Mädchen, läuft weiter. In den Straßen bricht Panik aus. Das Wasser reißt Busse mit, Häuser um, entwurzelt Bäume. Um nicht zu ertrinken, schlagen die Insassen der Busse die Scheiben ein, zwängen sich hinaus. Einige reißen sich an den Scherben die Adern auf. Andere werden von Balken oder Autos erschlagen, die mit rasender Geschwindigkeit vorbeitreiben.
Eine Ewigkeit vergeht, bevor das Wasser abläuft. Überall brauner Schlamm. Verletzte schreien, wer kann, hilft. Einheimische schenken Renate Stahl Kleidung. Zwei Tage verbringt sie in einem Hotel im Hinterland. Hilfe bekommt sie von Einheimischen. Ein Steuerberater lässt sie bei sich wohnen, ein Unbekannter schenkt ihr 1000 Rupien. Und als sie schließlich am Dienstag, einen Tag zu früh, am Flughafen ankommt, bringt sie ein Taxifahrer bei seiner Familie unter. Die 1000 Rupien, die sie ihm anbietet, lehnt er ab.
Das Krankenhaus von Colombo hat sechs Stockwerke, endlose Gänge, offene Räume, sechs Betten pro Abschnitt. Die Krankenschwestern versorgen die Verletzten, so gut es geht. Es geht nicht immer gut. Hannelore Hassenpflug, 64, und ihr Mann Gerhard, 66, aus Kassel haben das Pech, dass sie kein Englisch können.
Die beiden saßen in ihrem Zimmer, als das Wasser unter der Tür durchfloss. Beim ersten Mal kniehoch, beim zweiten Mal bis zur Hüfte, beim dritten Mal wird der Raum geflutet. Hannelore kann nicht schwimmen. Sie greift den Koffer und wird fortgespült. Ihren Mann Gerhard drückt die Welle durch die Fensterscheibe ins Zimmer, quer durch den Raum und dann mitsamt der Tür ins Freie. "Ich wurde einfach durch den Garten weggespült", erinnert er sich. Aber er lebt, und bald findet er seine Frau. Beide sind verletzt. Prellungen, Schnittwunden, Hautabschürfungen, notdürftig werden sie behandelt.
Mit mindestens 22 500 Toten und 1,5 Millionen Obdachlosen - rund acht Prozent der Bevölkerung - zählt Sri Lanka zu den am schlimmsten betroffenen Nationen Süd- und Südostasiens.
Ausgerechnet in der vom 20-jährigen Bürgerkrieg zermürbten Region werden die Rettungsarbeiten nicht nur durch zerstörte Kaianlagen und geflutete Straßen behindert, sondern auch durch Tausende Minen: Das Wasser hat die Sprengkörper aus Metall und Plastik an die Erdoberfläche
geschwemmt - jetzt lauern die tödlichen Waffen versteckt in Sand und Schutt.
"Bitte schickt uns Antibiotika, Tetanus-Impfstoff, Kindernahrung und Kleidung", appellierte der Chirurg Murugesapillai Baghavan aus dem Krankenhaus von Kalmunai über den Internet-Dienst "TamilNet" an die Weltöffentlichkeit: "Fast jeder ist verwundet. Wir brauchen Trinkwasser, helft uns."
29. Dezember 2004.
In Berlin tagt der Krisenstab mit den Ministern Fischer und Heidemarie Wieczorek-Zeul, um zu koordinieren, wie nach der humanitären Nothilfe nun auch die Wiederaufbauhilfe beginnen kann; Gerhard Schröder kommt dazu, wird informiert, 20 Tote in Thailand und 6 in Sri Lanka seien "mit deutschen Augen" bestätigt, hört er. Er hört auch, dass noch 1000 deutsche Urlauber vermisst werden. Die Soforthilfe wird auf 20 Millionen Euro aufgestockt, Trauerbeflaggung angeordnet.
Und Särge werden nach Thailand geschickt. Die meisten Opfer sind nicht mehr identifizierbar, darum können die deutschen Angehörigen ihre Verstorbenen nicht nach Hause holen.
In Indonesien versuchen Rebellen der Unabhängigkeitsbewegung in der Provinz Aceh zusammen mit Regierungssoldaten Überlebende zu retten. "Wir weinen zusammen. Wir werden niemanden verhaften", sagt ein Offizier.
In Thailand arbeiten deutsche Rot-Kreuz-Helfer Hand in Hand mit thailändischen Freiwilligen. Überall steht noch Wasser, viele Hotels sind einsturzgefährdet. "Das ist die größte Katastrophe, die wir seit Jahrzehnten gesehen haben", sagt der Generalsekretär des Roten Kreuzes und Roten Halbmondes, Markku Niskala.
In Malaysia erlaubt die Regierung illegalen Einwanderern, vorerst im Land zu bleiben. "Wir wollten unsere Solidarität mit den Indonesiern deutlich machen", sagt Vizepremier Najib Razak.
Die Militärjunta von Burma lässt keine Helfer ins Land. Die Uno geht von mindestens 90 Toten in dem international isolierten Land aus. Es können auch mehr sein.
"Die Lage ist sehr, sehr ernst", sagt der Vizepolizeichef der Andamanen und Nikobaren: "Jeder fünfte Bewohner der Inseln ist tot, verletzt oder vermisst." Viele der mehr als 500 Inseln sind noch von der Außenwelt abgeschnitten, es könnten jetzt schon 10 000 Tote sein. Zwei Nachbeben der Stärken 6,1 und 5,7 erschütterten das Archipel. Die 13-jährige Maya wurde am Sonntag auf den Nikobaren von der Welle ins Meer gezogen. Sie konnte sich an eine abgerissene Haustür klammern und bis Dienstag über Wasser halten. Am Dienstagnachmittag wurde sie wieder an Land gespült. Zwei Tage lang, so sagt sie, habe sie nur Schildkröten und Wasserschlangen gesehen. Nach ihrer Rettung musste Maya erfahren, dass ihre Mutter in den Wellen umgekommen war.
In Indonesien geben die Behörden am Nachmittag bekannt, dass die Zahl der Opfer über 45 000 liegen wird. Allein in der Stadt Meulaboh kamen 10 000 Einwohner ums Leben.
In Sri Lanka werden Wasser und Lebensmittel knapp. Zur Überraschung von Zoologen hat die Flutwelle die reichen Wildbestände Sri Lankas kaum in Mitleidenschaft gezogen. Experten vermuten, dass Elefanten, Büffel und Hirsche die herannahenden Wassermassen früher wahrnehmen und fliehen konnten.
Die Vereinten Nationen bereiten die größte Hilfsaktion ihrer Geschichte vor. Mindestens 25 Länder haben mehr als 100 Millionen Dollar Soforthilfe versprochen - aber allein Indonesien braucht mehr als 150 Millionen.
Galle, Sri Lanka. Präsidentin Chandrika Kumaratunga hat den Notstand ausgerufen und 25 000 Soldaten mobilisiert - zu Bergungseinsätzen und zum Schutz gegen Plünderer.
Diebesgut hat das Seebeben allerdings nicht zurückgelassen. "Mein Haus ist verschwunden, mein Laden zerstört", weint Gamini Jayantha, 32, aus der historischen Hafenstadt Galle, mindestens 2000 Menschen kamen hier um.
Der Rahmenmacher setzt keine Hoffnungen in die Versprechungen der Regierung, die angekündigt hat, mit einem massiven Programm den Wiederaufbau zu fördern.
"Bei einem Desaster wie diesem kann niemand helfen", sagt er.
Verschont blieb ausgerechnet die Altstadt rund um die frühere Festung. Die Wälle der 1663 erbauten Bastion retten Menschen, Kirchen und Museen.
Jenseits der Mauern hat jedoch kaum ein Haus der Kraft der Wellen standhalten können.
Von der lebhaften Einkaufspromenade an der Samudra Mawatha Street ist nichts mehr zu sehen: Buden, Imbissstände und Nachtclubs sind wie weggefegt, es ist still, selbst das Meer schweigt. Durchbrochen wird die Lautlosigkeit nur, wenn die nächsten Toten verbrannt werden.
Dann kann man die Flammen hören und die Trauergesänge der Angehörigen.
RALF BESTE, KLAUS BRINKBÄUMER,
JÜRGEN DAHLKAMP, MARKUS DEGGERICH, RÜDIGER FALKSOHN, MATTHIAS MATUSSEK, CORDULA MEYER, CONNY NEUMANN, HARDY PROTHMANN, JAN PUHL, PADMA RAO, BARBARA SCHMID, STEFAN SIMONS, ANDREAS ULRICH, ERICH WIEDEMANN
Von Ralf Beste, Klaus Brinkbäumer, Jürgen Dahlkamp, Markus Deggerich, Rüdiger Falksohn, Matthias Matussek, Cordula Meyer, Conny Neumann, Hardy Prothmann, Jan Puhl, Padma Rao, Barbara Schmid, Stefan Simons, Andreas Ulrich und Wiedemann

DER SPIEGEL 1/2005
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