04.01.1947

Bohrer am Mont Blanc

Der längste Verkehrstunnel der Welt ist im Entstehen. Er soll unterhalb des Mont Blanc die französisch - italienische Grenze kreuzend verlaufen
Der Tunnel wird die Autostrecke Paris-Rom um 107 Meilen verkürzen. Er liegt auf der Verbindungslinie Paris-Genf-Turin. Von italienischer Seite gestattet er einen schnellen Zutritt zu der Schweiz durch drei Straßen, die nach Genf, Martigny und Vevey führen. Den Touristen, die von Frankreich kommen, wird er eine angenehme Wegverkürzung bedeuten.
Bis zum Frühjahr 1950 soll er fertiggestellt sein und dem Verkehr übergeben werden. Ein außerordentlich großer Aufwand an Arbeitskraft und Material ist für dieses Riesenunternehmen notwendig.
Die Arbeit ist schon in Angriff genommen. Mit Sprengstoffen, Picken und Schaufein bewaffnet haben sich Hunderte von Männern daran gemacht, die festen Felsmassen des höchsten Berges von Europa zu durchbohren. Bei besten Leistungen können im Höchstfall 14 Meter täglich gewonnen werden.
Der Mont-Blanc-Tunnel wird acht Meilen lang und 40 Fuß breit werden. Modernste Einrichtungen für Beleuchtung und Belüftung sind vorgesehen.
Auch die geschäftliche Seite des Unternehmens ist in Erwägung gezogen. Der Bau wird drei Milliarden Lire Kosten fordern. Nach Schätzungen wird damit gerechnet, daß 200 000 Personen jährlich über den neuen Verkehrsweg die Grenze passieren werden.
Man will einen Zoll von fünf Schweizer Franken erheben.

DER SPIEGEL 1/1947
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