24.01.2005

FERNSEHEN„Bunt und schrill“

ProSieben-Unterhaltungschef Jobst Benthues, 35, über den neuen TV-Promi-Knast „Die Burg“
SPIEGEL: Die über 800 Jahre alte Burg Rappottenstein hat Kriege, Pest und Hungersnöte überstanden. Was erwartet sie nun bei der am Sonntag begonnenen Belagerung durch ProSieben und eine Horde C-Prominenter?
Benthues: Im Vergleich zu "Die Alm - Promi-Schweiß und Edelweiß" haben wir hier ein Zwei-Klassen-System, das unsere Promis in Adel und Pöbel aufteilt. Die einen leben im Luxus und lassen sich bedienen, so wie es früher eben war. Nur mit dem Unterschied, dass sie die Stände wechseln können, etwa per Schwertkampf in voller Rüstung.
SPIEGEL: Das Format lebt in erster Linie von der Peinlichkeit der Teilnehmer - wie wollen Sie den Auftritt der Busenwitwe Gsell auf der Alm noch toppen?
Benthues: Wir nehmen unsere Prominenten doch nicht mit, um sie bewusst vorzuführen. Das ergibt sich, wenn es denn so sein sollte, durch die unterschiedlichen Charaktere schon von allein.
SPIEGEL: Pseudomoderator Ricky Harris, Xenia von Sachsen, Frédéric von Anhalt - wen werden sich die Zuschauer denn als Erstes ins Burgverlies wünschen?
Benthues: Die Entscheidung will ich dem Publikum nicht vorwegnehmen. Uns war bei der Auswahl der Promis nur wichtig, dass wir, wenn wir schon mit der mittelalterlichen Ständegesellschaft spielen, Protagonisten haben, die genau daran Spaß haben.
SPIEGEL: Haben Sie keine Angst, für Ihre Sendung von Kulturkritikern wieder Prügel zu beziehen wie bei der Alm?
Benthues: Unsere Zuschauer sagen, das ist bunt, das ist schrill, da fühle ich mich gut unterhalten. Als Sender müssen wir von jedem etwas bieten. Für das Feuilleton hat ProSieben andere Sendungen wie "Stromberg" im Programm.
SPIEGEL: Was droht uns nach der Burg? Boulevard-Sternchen beim Iglu-Bau in Grönland?
Benthues: Keine schlechte Idee. Wir werden in jedem Fall die Schiene Prominente, Phantasie, Zeitreisen weiter ausbauen. Aber solange die Zukunft mit einer Reality in einer Raumstation so teuer ist, werden wir uns wohl eher in der Vergangenheit bewegen.

DER SPIEGEL 4/2005
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