05.02.2005

CHIRURGIE

Bakterien unter dem Silikon

Das Infektionsrisiko nach einer Brustvergrößerung wird von vielen Ärzten und Patientinnen unterschätzt. Zu diesem Ergebnis kommt der schweizer Mediziner Didier Pittet. Infektionen sind demnach "die häufigste Komplikation" nach einem derartigen Eingriff; sie trete bei 2 bis 2,5 Prozent der Patienten auf, schreibt Pittet im Fachblatt "Lancet". Entzündungen unmittelbar nach der Operation gehen auf chirurgische Fehler zurück. "Häufig tritt die Entzündung aber erst Jahre oder Jahrzehnte später auf", so Pittet. Ursache kann eine Infektion an ganz anderer Stelle des Körpers sein - etwa im Bauch oder an den Zähnen. Die Bakterien wandern über das Blut zum Implantat. "Weil das Immunsystem am Fremdkörper schlecht angreifen kann, reichen dort schon 10 bis 100 Bakterien, um eine Infektion auszulösen", warnt der Professor vom Universitätsklinikum Genf. Deshalb sollten Frauen etwa ihrem Zahnarzt mitteilen, dass sie Silikonkissen haben, damit er ihnen bei größeren Zahnbehandlungen vorsorglich Antibiotika verordnet. So sollen chronische Entzündungen verhindert werden, die der Gesundheit, aber möglicherweise auch dem Aussehen schaden: Der Bakterienherd könnte dazu führen, dass das Kissen verkapselt wird, dann verhärtet und die medizinisch modulierte Brust entstellt.


DER SPIEGEL 6/2005
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