21.02.2005

VEREINTE NATIONEN„Wie bei einer Lotterie“

Im Gegensatz zu früheren internationalen Hilfsaktionen ist die Weltorganisation mit der Zahlungsmoral der Geberländer für die von der Flutwelle verwüsteten Regionen im Indischen Ozean bislang zufrieden. Drei Viertel der versprochenen rund 900 Millionen US-Dollar für die Soforthilfe der Uno seien bereits verfügbar, sagte der für Humanitäre Angelegenheiten zuständige Vize-Generalsekretär Jan Egeland dem SPIEGEL. Über 470 Millionen waren vorige Woche bereits auf den Konten, für 228 Millionen gebe es verbindliche Verpflichtungserklärungen.
Der Norweger, der für die Uno-Hilfsmaßnahmen verantwortlich ist, zeigt sich vor allem deshalb erleichtert, weil nach der Tsunami-Katastrophe gerade einmal zwei Monate vergangen seien. "Im Schnitt vergehen allein drei Monate zwischen dem Zeitpunkt, wo der zuständige Minister auf CNN Geld verspricht, bis bei uns die ersten Zahlungen eingehen", sagt Egeland.
Der Gedanke an den anschließenden Wiederaufbau der verwüsteten Straßen, Dörfer und Städte erfüllt den Stellvertreter von Kofi Annan allerdings noch "mit Sorge". Dafür bräuchten die Vereinten Nationen "noch einmal sechs oder sieben Milliarden Dollar". Die Erfahrung nach früheren Katastrophen wie dem Erdbeben von Bam in Iran hat indes gezeigt, dass die Regierungen letztlich nur einen Bruchteil dessen zahlen, was sie unter dem Eindruck der tragischen Ereignisse versprechen.
Gleichwohl macht sich Egeland "hundertmal mehr Sorgen" um andere Krisenregionen etwa in Afrika. In Darfur im Sudan seien beispielsweise "mehr Menschen vertrieben worden als nach der Flut in Asien". Dennoch hätten die Vereinten Nationen dort in den vergangenen vier Monaten lediglich Geld für Lebensmittel zur Verfügung gehabt, nicht aber für weitergehende Hilfsaktionen. Die internationale Bereitschaft zur Krisenhilfe sei "wie bei einer Lotterie", stöhnt der Uno-Katastrophenmanager: "Es gibt 99 verzweifelte und hoffnungslose Teilnehmer, aber nur einer zieht den Hauptgewinn."

DER SPIEGEL 8/2005
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