21.02.2005

TSUNAMIEine Stadt versinkt im Meer

Es war eine Jahrhundertkatastrophe, aber war es wirklich nur eine Naturkatastrophe? Warum wurden die Warnungen von den thailändischen Behörden ignoriert? Warum wurden die Strände nicht evakuiert, obwohl Zeit war? Menschliches Versagen erleichterte der Monsterwelle das Töten.
Japan, Nagano, 10.06 Uhr (8.06 Uhr Sumatra-Zeit)
Das Piepen eines Computers alarmiert den diensthabenden Geophysiker Masashi Kobayashi im Seismological Observatory. Seismografen haben Schockwellen aus dem Indischen Ozean aufgefangen, sie mit den Daten von rund 100 000 früheren Erdbeben verglichen und das Beben als eines der Stufe acht eingeordnet. Ein Beben dieser Stärke wird im Durchschnitt nur alle zehn Jahre gemessen. Der Ort des Epizentrums liegt 75 Kilometer vor der Nordwestküste Sumatras im Indischen Ozean, genaue Uhrzeit des Bebens: 7.59 Uhr.
Kobayashi informiert das nationale meteorologische Zentrum in Tokio. Aber an die gefährdeten Länder gibt er die Warnung nicht weiter, er fühlt sich nicht zuständig.
Thailand, Patong, auf der Halbinsel Phuket, "Sunset"-Hotel, 8.06 Uhr
"Hey, you! Please! You - please!"
Tom, eine Hure aus Patong, rüttelt ihren Freier. Er redet im Schlaf und zuckt mit den Armen. Vor einigen Minuten hatte das Bett gewackelt, schon da war Tom in Sorge, der Australier neben ihr könne einen Herzinfarkt haben. Das komme manchmal vor, hatte ihre Chefin sie gewarnt, wenn
die Männer vorm Sex die kleinen blauen Pillen schlucken.
"Hey, you, please!"
Er richtet sich auf. Braunes Haar, braune Augen. Sie mochte sein Gesicht schon gestern. "You okay?"
Der Falang, der Weiße, starrt sie verwundert an. Aber offenbar fehlt ihm nichts. Er lächelt, tippt auf ihre Brüste. Für eine Thailänderin hat Tom ziemlich große Brüste; auch ihre Arme und Schultern sind stark, sie hat im vergangenen Jahr auf Reisfeldern und Baustellen gearbeitet. Tom kichert höflich. Der Falang ist behaart, aber inzwischen hat Tom sich daran gewöhnt.
"Breakfast - okay?"
Sie nickt erleichtert. Sie hat ohnehin Hunger. Und nach dem Frühstück, schlägt er vor, könnte man schwimmen gehen. Der Tag fängt gut an.
Thailand, Bangkok, 8.06 Uhr
Das Erdbebenbüro des Meteorologischen Dienstes in Bangkok ist eine sechs Quadratmeter große Kammer. Zehn Computer stehen hier, drei sind mit dem Internet verbunden. Sechs Telefonleitungen führen in diesen Raum und eine einzige Faxleitung. Ein paar Aktenschränke, ein Schreibtisch und ein Großbildfernseher komplettieren den Raum. Drei Mitarbeiter haben an diesem Morgen Dienst. Einer von ihnen ist Burin Vejbanterng, er ist der Erdbebenexperte und der Chef an diesem Morgen in diesem Büro. Wie viele andere spürte auch er das Beben, und er wunderte sich nicht, dass wenige Minuten später die sechs Telefone klingeln. So ist es immer.
Vejbanterng sagt seinen beiden Mitarbeitern, dass sie die Anrufe entgegennehmen sollen. Sie stammen aus den Wolkenkratzern Bangkoks. Die Gebäude geraten durch Beben ins Schwingen. Vejbanterng selbst macht sich mit Hilfe der Daten von nationalen und internationalen Messstationen daran, den Ort und die Stärke des Bebens zu bestimmen.
Hawaii, Ewa Beach, 25. Dezember,
15.11 Uhr (26. Dezember, 8.11 Uhr Sumatra-Zeit)
Sieben Messungen werden Barry Hirshorn und Stuart Weinstein im Computerraum des PTWC auf Hawaii angezeigt. Es ist ein Beben der Stärke acht, dessen sind sich die beiden Geophysiker sicher.
Das PTWC wurde 1949 eingerichtet. Es ist keine eindrucksvolle Anlage, kaum mehr als ein weißes einstöckiges Haus, dessen Hauptraum mit Computern voll gestopft ist. Sie verbinden das Zentrum mit Dutzenden Sensoren im pazifischen Becken, die erstens die Schockwellen messen, die nach einem Beben die Erde durchlaufen, und zweitens Druckunterschiede im Ozean messen, die auf einen Tsunami hindeuten können.
Die Daten dieser Sensoren werden über Satellit an die Rechner im PTWC gesendet und von hier aus in nationale und internationale Netzwerke eingespeist, auf die Erdbebenforscher auf der ganzen Welt Zugriff haben.
Es ist ein außergewöhnlich starkes Beben, aber weder Hirshorn noch Weinstein denken in diesem Moment an einen Tsunami. Die Stärke eines Bebens sagt nichts darüber aus, ob es zu einer Flutwelle kommt. Es gibt im Indischen Ozean kein Frühwarnsystem. Sensoren, die in der Lage sind, einen Tsunami im offenen Ozean zu registrieren, befinden sich nur im pazifischen Becken. Wie es die Vorschriften des PTWC vorsehen, senden Hirshorn und Weinstein eine vorläufige Nachricht, die das Beben meldet. Empfänger dieser Nachricht, die "observatory message" genannt wird, sind die seismischen Beobachtungsposten, die innerhalb des pazifischen Beckens arbeiten. Die Nachricht ist eher eine Aktennotiz als eine Warnung.
In den vergangenen fünf Minuten diskutierten Weinstein und Hirshorn im PTWC die Daten mit ihren Kollegen in Alaska. Auch sie gehen von einem Beben der Stärke acht aus. Weinstein und Hirshorn senden eine Mitteilung an Erdbebenzentren, Notfallzentralen in insgesamt 26 Staaten. Thailand, Indonesien sind Teile dieser Liste. Es ist eine Standardmitteilung, sie liegt, weitgehend vorformuliert, im Computer.
Der entscheidende Satz der Mitteilung lautet: Es gibt keinen Hinweis auf einen Tsunami.
Viele Beben der Stärke acht produzieren nur lokale Tsunamis. So bleibt es bei der vorformulierten Meldung.
Thailand, Bangkok, 8.15 Uhr
Burin Vejbanterng, Erdbebenspezialist im thailändischen Erdbebenbüro, hat die Position und die Stärke des Bebens ermittelt. Vejbanterng informiert seine Vorgesetzten, den Leiter des Büros und den Leiter des Meteorologischen Dienstes, über das Beben, seine Stärke und den Ort seiner Entstehung. Das Wort Tsunami fällt nicht.
Vejbanterng ist, wie er später sagen wird, ein Erdbebenspezialist. Er habe weder jetzt noch in den folgenden eindreiviertel Stunden bis zum Aufschlag der Welle in Phuket
an die Möglichkeit eines Tsunami gedacht. Für ihn sind Tsunamis keine real existierenden Bedrohungen, sondern Bestandteil von meteorologischen Lehrbüchern oder billigen Thrillern. Einen Tsunami in Thailand hat er noch nie erlebt. Ob Vejbanterng das erste Bulletin des PTWC aus Hawaii erhielt, ist bis heute unklar.
Thailand, Patong, Bangla Road, 8.30 Uhr
Tom, die Hure aus der Moon-Bar, trägt einen rosafarbenen Bikini unter ihrem roten Minikleid. Sie zieht fast immer ihren Bikini drunter - es kommt oft vor, dass die Freier am Morgen nach einer Sexnacht erst mal ins Meer springen wollen.
Tom ist seit fünf Monaten auf Phuket, hier begann ihr zweites Leben als Prostituierte in dem wahrscheinlich größten Rotlichtbezirk der Welt, in Patong. Sieben bis zehn Freier pro Woche braucht Tom, um ihren Schnitt zu halten. Inzwischen schickt sie ihren Eltern zwischen 8000 und 10 000 Baht pro Woche, das Vierfache dessen, was zum Beispiel ein Hotelkoch verdient. Ihre Eltern haben ein neues Haus, sie zahlen Schulden ab, und niemand im Dorf spricht darüber, was Tom jetzt tut, jedenfalls nicht offen. Natürlich wissen es alle.
Ihr Freier ist sich unschlüssig: erst ans Meer oder zunächst mal frühstücken?
Indischer Ozean, 9.00 Uhr Sumatra-Zeit
Seit das Wasser vor Sumatra in die Höhe stieg und sich nach allen Seiten verteilte, ist nun eine Stunde vergangen. Vom ersten Wellenberg, der im Westen nach Indien läuft, bis zum äußersten Rand im Osten, vor Thailand, liegen rund 1500 Kilometer. So weit hat sich der Tsunami schon ausgedehnt, doch ist er kaum zu erkennen: Jede Welle, die der Wind erzeugt, ist höher.
Für jemanden, der von einem Schiff auf den Ozean blickt und der Dünung nachschaut, sieht das Meer so aus, als würde jede einzelne Welle eine Menge Wasser mit sich führen: Die Wellen ziehen in eine Richtung, also, so scheint es, wandert dorthin auch das Wasser.
In Wirklichkeit aber sind die Wassermoleküle unterhalb der Oberfläche nahezu ortsfest, sie wandern nicht. Wer auf einer Luftmatratze hinter der Brandung herumpaddelt, wird immer nur leicht hin und her bewegt: Mit der Welle ein Stückchen vor, hinter der Welle ein Stück zurück. Die Wassermoleküle in einem Wellenkörper führen nur leichte Kreisbewegungen aus, eine Welle transportiert nicht Wasser, sondern Energie. Sie gibt den Bewegungszustand der Moleküle weiter.
Selbst in Tausenden Kilometern Entfernung schlägt der Tsunami mit ziemlich genau der gleichen Kraft ein, mit der er erzeugt wurde. Ein Tsunami verteilt das Erdbeben an die Küsten.
Thailand, Bangkok, 9.00 Uhr
Die Vorschriften des Meteorologischen Dienstes Thailands sehen vor, dass nach einem Erdbeben der Stärke sieben oder größer Regierungsinstitutionen und Notfalldienste alarmiert werden müssen. Für die Alarmierung seines ganzen Landes steht Burin Vejbanterng, dem Erdbebenspezialisten, ein einziges Faxgerät in seinem Büro zur Verfügung. Nur über dieses Gerät sollen Einzelheiten über das Beben und Warnungen weitergegeben werden. Die Liste der Nummern umfasst mehr als eine Seite. Das Königshaus, Regierungsinstitutionen, Fernsehsender, Zeitungen müssen informiert werden, unter anderem. Um neun Uhr macht sich einer der Mitarbeiter daran, die Liste abzuarbeiten. In der Meldung, die er verschickt, wird die Möglichkeit eines Tsunami nicht erwähnt.
Hawaii, Ewa Beach, 9.04 Uhr Sumatra-Zeit
Die Geophysiker im PTWC auf Hawaii einigen sich darauf, ein zweites Bulletin zu senden, das vor einem lokalen Tsunami in der Nähe des Epizentrums warnt. Sie müssen Teile der Mitteilung per Hand in den Computer eingeben, da es für diesen Fall keinen vorformulierten Text gibt. Es gibt keinen Plan, keine Liste mit Telefonnummern in den gefährdeten Ländern, keine E-Mail-Adressen, keine Notfallnummern. Es gibt nur private Notizen und die Auskunft. Weinstein und Hirshorn beginnen verzweifelt zu telefonieren.
Bangkok, 9.04 Uhr
Das zweite Bulletin des PTWC landet als E-Mail in einem der Computer des Erdbebenbüros in Bangkok. In 56 Minuten wird die Welle an der Südspitze der Insel Phuket einschlagen, in 72 Minuten in Khao Lak, weiter nördlich gelegen. Noch wäre genug Zeit, um Polizeiwagen zu den Stränden zu schicken, noch wäre genug Zeit, um wenigstens den Versuch zu unternehmen, Menschenleben zu retten. Doch im Erdbebenbüro hat niemand die Gelegenheit, die E-Mail zu öffnen. Das Beantworten der Telefonanrufe, die immer noch zu Dutzenden kommen, das Verschicken der Faxe geht vor. So will es die Vorschrift.
Thailand, Kata Beach, Hotel "Villa Elisabeth", 10.03 Uhr
Erwin Schwerzmann, ein dicker, fröhlicher, sonnengebräunter Hotelier mit einer schweren Goldkette um den Hals und einem Delphin- und Blumen-Tattoo auf der Schulter - Erwin tritt auf seinen Balkon und erstarrt.
Das Meer, sagt Erwin gern, das Meer ist jeden Tag anders.
Die Wahrheit ist natürlich prosaischer. Zumindest in der Touristensaison, von November an, wenn die Regenzeit ausklingt, ist das Meer hier ziemlich berechenbar: warm und sanftmütig. Es gäbe keinen Kata Beach und keine "Villa Elisabeth", wenn es nicht so gleichmäßig lieblich wäre.
Aber heute ist das Meer wirklich anders. Es ist weg, verschwunden. Irgendwas stimmt hier nicht.
Und dann sieht er sie. Sie ist schön. Erwin denkt zuerst an ein Wolkenband oder an eine Luftspiegelung. Ein weißer, glitzernder Streifen am Horizont, auf der ganzen Breite des Meeres, sauber und gleichmäßig, wie eine in den Ozean gebügelte Kante. Erwin staunt, einen Moment lang sieht es so aus, als ob die Welle stillstünde.
Drei Minuten vergehen, vier Minuten. Die Welle schiebt sich heran, sie wird mit jeder Sekunde konkreter. Bald ist sie nichts Fernes, Abstraktes, das man aus sicherer
Distanz bestaunt wie einen Wasserfall oder einen Regenbogen. Schwer zu schätzen, mit welcher Geschwindigkeit sie näher rückt, aber sie ist real, inzwischen hört man sie. Fünf Minuten. Erst ist es ein Knistern, das bald übergeht in ein Rauschen, das ansteigt, anschwillt zu einem Dröhnen.
Und sie ist jetzt nicht mehr weiß, sie ist jetzt grau und hoch. Die Welle ist noch 200, noch 100, noch 50 Meter entfernt, eine steile, grauweiß schäumende Wand, umhüllt von einem Gischtschleier, das Geräusch des Wassers ist kein Dröhnen mehr, es kommt donnernd, tosend.
Die Welle kracht knapp unter Erwins Balkon hindurch. Im nächsten Augenblick überschwemmt sie den Strand. Zerschmettert die kleinen Garküchen und Shops. Schiebt gekenterte Boote vor sich her, Stühle, Gasflaschen, Sonnenschirme, Trümmer, eine Schubkarre, Kühlschränke, Taschen, all das wird im Nu verwirbelt, untergerührt, zerdrückt in der grauen Flut.
Die ganze Zeit denkt Erwin: Was ist das? Und warum ausgerechnet hierher, warum kommt die Flut ausgerechnet nach Kata Beach? Und dann kommt ihm der Gedanke, dass die Flut unter seinem Balkon nur der Anfang ist, dass die Welle vom Kata Beach weitergezogen ist.
Dass man die anderen Menschen warnen muss vor der Welle. Ae-Chan zum Beispiel, seinen Freund und Teilhaber, Sportmanager im Luxushotel "Le Meridien" in Khao Lak. Er dreht sich um, schreit zu seiner Frau.
Lissy, wo ist das Telefon? Ae-Chan, wir müssen ihn warnen!
Aber der ist doch weit weg, in Khao Lak.
Und wenn diese Flut nach Khao Lak kommt? Wir müssen ihn warnen!
Khao Lak liegt nördlich von Kata Beach, nicht mehr auf der Halbinsel Phuket, sondern auf dem thailändischen Festland, etwa drei Autostunden entfernt. Erwins Frau greift zum Telefon.
Ae-Chan sitzt in seinem Büro, als Elisabeth Schwerzmann anruft. Er verspricht ihr, runterzugehen an den Strand. Er beginnt dann zaghaft mit der Evakuierung. Lässt die Boote und Sonnenschirme einsammeln, schickt die Gärtner weg und spricht mit den Gästen. Sie nehmen ihn nicht ernst und rücken die Stühle nur ein paar Meter weiter weg vom Ufer. Das alles dauert lange, und Ae-Chan fragt sich, ob er nicht vielleicht etwas übertreibt.
Bangkok, 10.05 Uhr
Die Telefone im Erdbebenbüro in Bangkok klingeln immer noch unerbittlich. Burin Vejbanterng hat zwei weitere Mitarbeiter herbeigerufen, die helfen sollen, die Anrufe entgegenzunehmen. Ein Mann ruft aus Phuket an und informiert Vejbanterng darüber, dass ein Mensch durch eine riesige Welle getötet worden ist. Vejbanterng hat einen fürchterlichen Verdacht.
Patong, Bangla Road, 10.08 Uhr
Als die Hure Tom und ihr australischer Kunde aus dem "Sunset"-Hotel treten, erübrigt sich die Frage, ob sie zum Strand gehen sollen oder zum Frühstück.
Es sieht aus, als würde ein verrückter Film gedreht, Wasser schwappt über die Straße, die Stühle schwimmen durcheinander, verkeilt zu kleinen Inseln, Autos stehen unter Wasser, Regenschirme, Mopeds, Sonnenschirme treiben vorbei. Das Wasser reicht Toms Freier bis an die Knie, er ist viel größer, bei ihr wird der Saum ihres Minikleids bereits nass.
Hat es etwa so viel geregnet in der Nacht zuvor? Tom hält den Erstbesten an, der vorbeikommt, aber der reißt sich los, der Zweite ruft ihr nur zu: Das ist das Meer!
Bangkok, 10.10 Uhr
Im Erdbebenbüro in Bangkok geht ein weiterer Anruf ein, wieder aus Phuket. Mehr Menschen, viel mehr Menschen seien durch eine Monsterwelle getötet worden. Vejbanterngs Verdacht erhärtet sich, aber er kann sich nicht dazu durchringen, die Provinzen nördlich von Phuket zu warnen. Was, wenn er falsch liegt? Was, wenn er eine Panik verursacht, wie es ein unglückseliger Kollege vor ein paar Jahren tat? Es gibt keine Fernsehberichte, keine Daten, die die Existenz eines Tsunami beweisen. Es gibt nur ein paar merkwürdige Telefonanrufe. Reicht das, um die eigene Karriere zu riskieren?
Es wird weitere 79 Minuten dauern, bis auf der Website des Erdbebenbüros eine Warnung erscheint: Die Einwohner von Phang Nga, Phuket und Krabi sollen vorsichtig sein. Es drohen erhöhte Wasserstände an der Küste.
Patong, Bangla Road
Tom und ihr Freier kämpfen sich watend vorbei am "Vegas", dem größten Laden Patongs für Thai-Boxen, und dann, kurz vor dem "Ocean Plaza", dem größten Kaufhaus, sehen sie sie.
Die Welle rast durch die Bangla Road wie durch eine Rinne, sie kickt Barhocker und Girlanden und Lautsprecherboxen vor sich her, zerdrückt im Handumdrehen die kleinen Shops, die T-Shirts anbieten, DVDs, Rolex-Uhren, wirbelt Menschen unter sich, Tom sieht Kinder, die vor dem Wasser davonrennen, im nächsten Bruchteil einer Sekunde sind sie verschluckt.
Tom wirbelt herum, der australische Freier steht noch neben ihr, groß, dünn, steif, vollkommen weiße Lippen. Die Augen aufgerissen. Die Gönnerhaftigkeit, die in Patong, diesem seltsamsten aller Orte, jeden Mann befällt, ist weggewischt. Er war lieb, war gut zu mir, denkt Tom. You come!
Come! Sie schreit ihn an. Tom zerrt den Freier hinter sich her über die Nanai Road, den Hügel hinauf. Zweimal stolpert er, fällt hin, schluckt Wasser, hustet. Tom reißt ihn jedes Mal hoch, reißt ihn vorwärts.
You come, you come!
Die ersten 30, 40 Meter, die die beiden voranstürmen, sind die gefährlichsten. Da ist die Welle direkt hinter ihnen, das Wasser treibt Trümmer vor sich her, Tom sieht, wie Leute von Treibgut erschlagen werden, plötzlich zusammensacken, sie blickt sich im Laufen ständig um. Ein Auto treibt hinter ihr, kein Fahrer, das Auto schwimmt, es ist sehr schnell, plötzlich verhakt es sich irgendwo. Das Wasser ergießt sich brodelnd in die Gassen, schwemmt in die Bars und Imbisse und Shops, schwappt in die Stundenhotels, und weil es auch bergauf geht, wird die Gewalt der Welle allmählich langsamer, trotzdem rennt Tom weiter, bis auf den Berg.
Irgendwann, als sie in Sicherheit sind, lässt sie den Australier los. Der Australier sinkt auf die Knie, fängt an zu kotzen. Tom sieht ihm einen Moment lang zu, dann spricht jemand sie an, Tom wendet sich anderen Leuten zu, und als sie sich umdreht, ist der Australier verschwunden.
Sie sucht nicht nach ihm, wozu? Überall auf dem Hügelkamm sind Menschen, Hunderte oder Tausende, so kommt es Tom vor. Sie triefen, bluten, die meisten zerschrammt, viele schwerer verletzt, Mütter irren umher, auf der Suche nach ihren Kindern, wer noch telefonieren kann, wessen Mobiltelefon nicht durchnässt worden ist,
wird von Verzweifelten umlagert, die es sich ausleihen wollen. Viele bauen ihre Handys auseinander, um sie an der Luft zu trocknen.
Tom sucht sich, etwas abseits von den schreienden Grüppchen, eine Stelle, um sich auszuruhen. Sie guckt sich das Gebüsch genau an, eine überraschte Schlange wäre das Letzte, was sie jetzt bräuchte. Dann legt sie sich auf den Boden, zieht die Beine an und schläft sofort ein.
Phuket, 10.15 Uhr
Erst Kata Beach, wo Erwins "Villa Elisabeth" steht, dann Karon Beach, dann Patong Beach, wo Tom mit ihrem Freier baden wollte, dann Kamala Beach, Surin Beach, Bay Tao Beach, zuletzt wird Mai Kao Beach dran sein, ganz im Norden der Halbinsel. Die Todeswelle, seit über zwei
Stunden unterwegs, hat sich - von Südwes-
ten kommend - auf der Halbinsel Phuket die Buchten einzeln vorgenommen, von Süd nach Nord.
Die Welle tötet auf Phuket 151 Thais, 111 Ausländer sowie 17 Menschen, bei denen man nicht mehr sagen kann, aus welchem Land sie stammen. 642 Menschen bleiben vermisst, wahrscheinlich aufs Meer hinausgezogen, sehr wahrscheinlich ebenfalls tot.
So zynisch es klingt: Phuket hat Glück gehabt. Im Gegensatz zu Khao Lak, rund 140 Kilometer weiter nördlich, fällt das Meer vor Phuket vergleichsweise rasch auf Tiefen von über hundert Meter - die Welle kann hier ihre ganze Kraft noch gar nicht entfalten. Phuket ist nur die Ouvertüre.
Für die Strecke von der Südspitze bis nach Khao Lak wird sie 20 Minuten brauchen, sie läuft länger durch flaches Wasser als vor Phuket, sie baut sich höher auf, und sie trifft auf eine langgezogene, ungeschützte Bucht. Das macht sie mächtiger und tödlicher als in Phuket.
20 Minuten Vorwarnzeit - warum also gibt es fast keine Anrufe, warum verhallen die wenigen Warnungen, die Khao Lak erreichen, so wirkungslos?
Es gibt drei Gründe: Wer in Phuket die Welle überlebt, weiß nicht, dass Phuket nur der Anfang ist, dass die Welle mit Verzögerung im Norden einschlägt. Der Gedanke, dass eine Flut nicht überall gleichzeitig ankommt, muss einem ja erst einmal kommen.
Die Adressaten in Khao Lak wiederum können mit Nachrichten aus Phuket wenig anfangen. Sie sehen ihren Strand ruhig und normal daliegen, woher sollen sie wissen, dass die Welle auch zu ihnen kommt?
Und schließlich: Kein Holländer, kein Schwede, kein Engländer, kein Nordseeküstenbewohner käme auf die Idee, in seiner Heimat sein Haus noch vor dem Deich auf den Strand zu stellen - doch im Urlaub buchen sie so wassernah wie möglich, am liebsten direkt auf dem Strand. Wenn es einen Ort gibt, an dem die Menschen die Hölle am wenigsten erwarten, dann ist es hier, im Paradies.
Phuket ist eine Warnung, doch die Menschen wissen zu wenig über das Meer, um die Warnungen zu deuten.
Andamanensee vor Khao Lak Beach, 10.11 Uhr
Die tödliche Welle, seit zwei Stunden und zwölf Minuten unterwegs, erschaffen vom Beben zweier Kontinentalplatten, 700 Kilometer entfernt, im Sundagraben vor Sumatra, erreicht nun die Küste von Khao Lak. Diese Welle tötet nicht, weil sie so schnell kommt. Schnell sind Brandungswellen auch. Das Wasser tötet, weil so viel davon kommt.
Eine normale Brandungswelle hat eine Länge von gut 150 Metern und ist nach zehn Sekunden durchgelaufen. Der Tsunami aber trägt das Wasser einer einzigen Welle zehn Minuten lang zum Strand - oder noch länger, bis zu einer Stunde, das hängt wiederum damit zusammen, wie die Küstenlandschaft die Welle geformt hat.
Das flache Wasser bremst den Tsunami. Jedenfalls den Teil, der schon so nah am Ufer ist. Der hintere Teil der Welle, der viele Kilometer ins Meer hinein reicht, wo das Wasser tiefer, schneller ist, rast ungebremst weiter.
In den meisten Fällen, so viel wissen die Forscher, wird der Tsunami nicht als perfekte Welle an Land schlagen. Er kommt als schnell steigende Flut, als reißende, aber gleichmäßige Strömung. Es ist, als würde man einen Fluss an Land lenken.
Die Strände in Khao Lak sind kindersicher, flach, keine scharfen Steine. Man kann am Meer wohnen und am Strand Kokosnüsse frühstücken. Doch dieselben Eigenschaften, denen diese Hotelstadt ihren Ruf verdankt, machen sie nun zur perfekten Falle. Der Küstenstreifen, auf den die Welle zudonnert, wird vernichtet, weil er so schön ist.
Etwa 60 Hotels gibt es an diesem tropischen Strand, aber es sind keine klotzigen Burgen. Die Hotels sind in die schmalen oder langgestreckten Buchten gesetzt, die Architektur ist leicht und luftig, immer zum Meer hin offen, perfekt. Und tödlich.
Die Welle spielt nun Domino mit der langgestreckten Hotelstadt, von Süden nach Norden, zuerst fällt, ganz unten, das "Palm Beach", dann, eines nach dem anderen, das "Sea View Beach Resort", das "Tropicana", das "Mukdara", wie Spielsteine stürzen sie, das "Magic Lagoon" und schließlich ganz oben im Norden das "Meridien".
Jeder Kubikmeter Wasser, also ein Würfel von ein mal ein mal ein Meter, wiegt 1000 Kilogramm, hat ungefähr das Gewicht eines Kleinwagens. Ein zehn Meter breites Wellenstück, fünf Meter hoch, 36 Stundenkilometer schnell, schiebt innerhalb einer Sekunde die Wucht eines vollbesetzten Parkhauses vorbei.
Khao Lak, Hotel "Magic Lagoon", Frühstückspavillon
Nach Norden hin wird Khao Lak immer exklusiver. Der Abschnitt
beginnt mit dem "Magic Lagoon", das eher eine Stadt ist als ein Hotel - mit 319 Zimmern und Suiten, seinen drei Restaurants, zwei Kapellen, einem Kinderland und einer rekordträchtigen Pool-Landschaft von 14 008 Quadratmetern - wer hier bucht, will Luxus und Anonymität zugleich.
Im "Magic Lagoon" ist es ruhig, ein normaler, milder Morgen, etwas windig; Heidi, 47, und Jürgen Kosian, 49, waren in der Frühe schon schwimmen, als die Kinder noch schliefen, sie stammen aus Hamburg, sind am Abend zuvor angekommen im "Magic Lagoon". Sie mögen das "Magic Lagoon", mit seinem Strand, der künstlichen Lagune, dem wunderbaren Wellness-Bereich.
Ihre Rundreise haben sie hinter sich, Tempel, Landschaft, Elefantencamps, Heiligabend waren sie in Bangkok, im Peninsula-Hotel, bisschen ungewöhnlich für eine gläubige christliche Familie, aber schön. Jetzt soll es ruhiger werden, Wellness, Schwimmen und so weiter. Sie haben die Kinder geweckt, Nina, die Große, 16-jährig, den 15-jährigen Phil und die 8-jährige Michele, genannt Shelly, und waren dann bei der Massage, sie genießen das sehr, man wird so still dabei. Das Öl haben sie noch auf dem Körper, dieses wunderbare Öl, das man nicht gleich abwaschen will.
Jetzt sitzen sie beim Frühstück, ohne die Kinder, Phil ist beim Wellness, die Mädchen trödeln in ihrem Zimmer herum. Sehr nahe am Strand wird hier das Frühstück serviert, in einem lichten Pavillon, nach vorn ist er offen, man blickt auf Palmen und schnurgerade arrangierte Liegestühle, auf einen Turm mit Bademeister und dahinter das Meer.
Hotel "Magic Lagoon", Zimmer 2208
Jürgen Steinbrecher, ein Catering-Unternehmer aus Wien, liegt im Bett, im Zimmer 2208. Die Vorhänge sind nicht ganz zugezogen, die Sonne leuchtet in das Zimmer des "Magic Lagoon".
In diesem Bett, findet Steinbrecher, könnte er die nächsten zwölf Tage verbringen - jetzt, da der Stress etwas von ihm abfällt, merkt er, wie ausgebrannt er ist. Leider müssen sie noch nach Shanghai, Tischdecken und Stoffblumen kaufen. Dazu ein paar Paletten mit künstlichen Palmen, Jürgen Steinbrecher überschlägt rasch, wie viel sie ausgeben werden, mindestens 100 000 Euro. Vielleicht 120 000. Servietten brauchen sie auch.
Jürgen Steinbrecher, ein großer Mann, massige Schultern, dicker Bauch, 46 Jahre alt. Österreicher, gelernter Koch, später Schiffskoch, mittlerweile Catering-Unternehmer. Wohnung in Wien, Zweitwohnung 50 Kilometer südlich von Wien. Im Keller 35 000 Weinflaschen, vor allem Bordeaux und Piemonteser, aber auch ein paar tausend Kalifornier. Es waren mal mehr, weit über 100 000 Flaschen. Die meisten hat Steinbrecher vor zwei Jahren versteigern lassen müssen; er war pleite. Nach zwei Jahren ununterbrochener Schufterei haben sie es einigermaßen geschafft.
Steinbrecher schaut auf die Uhr. Kurz nach zehn. Nina Kapun, seine Freundin, schläft wie eine Ohnmächtige. Haben sie eigentlich heute was vor? Nina wollte einen Ausflug machen oder irgendwas mit Prospekten. Vielleicht auch nur schwimmen.
Er hat die Pools schon erkundet, es gibt etliche im "Magic Lagoon", dieser Hotelstadt, die aussieht, als hätte man die Schwarzwaldklinik mit Chinatown gekreuzt. Die Pools sind in Terrassen angeordnet, zusammenhängend bilden sie eine lagunenhafte Wasserlandschaft, angeblich 1,6 Kilometer lang, wenn man wie Steinbrecher die große Runde dreht.
Da klingelt das Telefon. Die Reiseleiterin ist dran, thailändischer Name, spricht Deutsch. Ist schon an der Rezeption. Entschuldigt sich, dass sie zu früh anruft, aber wenn es eine halbe Stunde früher passt? Sie hat die Prospekte dabei, wegen der Ausflüge. Die beiden schauen sich an.
Na gut, verzichten wir halt aufs Frühstück. Man muss die Frau ja nicht warten lassen, sie will bestimmt rechtzeitig heim, außerdem können wir immer noch ans Meer und gescheit mittagessen.
Eigentlich wollte Jürgen Steinbrecher nicht mehr so gutmütig sein. Aber es ist schließlich Weihnachten.
Hotel "Magic Lagoon", Frühstückspavillon
Jemand schreit: "Wow, da draußen, schaut euch das an!" Der Schrei kommt von einer schwarzen Touristin im Frühstückspavillon. Komm mit, sagt Jürgen Kosian zu seiner Frau, er muss es sehen.
Es ist ein weißer Schaumgürtel, der sich über das Meer schiebt, weit draußen am Horizont. Ist nicht hoch, denkt Kosian beim ersten Blick darauf, nur so 50 Zentimeter, ein weißer Schaum, der rasend schnell näher kommt, ist doch Ebbe, denkt er, richtig starke Ebbe, was soll das denn, das Wasser ist weg und kommt jetzt schnell zurück, läuft die Flut auf?
Es kommt näher, der Schaumgürtel wächst. Das ist seltsam, denkt Kosian, wenn die Flut aufläuft, muss die Welle doch abnehmen, aber sie tut es nicht, seltsam, aber nicht bedrohlich, aber dann schreit der Bademeister von seinem Turm: "Weg! Vom Strand weg! In die Häuser!" Vom Strand weg, okay, denkt Kosian, aber in die Häuser? Bisschen übertrieben, was soll das, das hieße doch: Alles wird überspült. Und das geht nicht. Das kann nicht sein.
Das ist ein neues Hotel. Wir leben in einer technisierten Welt. Die wissen, wo die Welle aufzuhören hat, die bauen doch nicht in die Welle rein? Das gibt es doch gar nicht, er spürt jetzt ein Unbehagen, eilt jetzt doch zu seiner Frau zurück, komm, weg hier. Er schaut einen Moment lang nicht zum Strand und dann wieder über die Schulter zurück, da ist eine vier bis fünf Meter hohe Wand.
Genau da, wo er vor einem Augenblick noch gestanden hat.
Es ist hoch, hoch, hoch, dieses Gemisch aus Wasser und Sand, er will seine Frau an der Hand fassen, erwischt sie nicht, die Welle hat ihn, reißt ihm die Beine weg, das kann nicht stimmen, denkt er, das ist nicht real. Das muss jetzt aufhören. Aber es hört nicht auf.
Hotel "Magic Lagoon", Lobby
Die Rezeption im "Magic Lagoon" liegt etwa 300 Meter vom Strand entfernt. Während
die Menschen am Strand schon um ihr Leben kämpfen, ist in der Rezeption noch alles normal. Dort sitzen Jürgen Steinbrecher, Nina und eine Thailänderin, Steinbrecher schätzt sie auf Mitte fünfzig.
Jürgen, lass uns den Elefanten buchen, den Dschungel.
Er nickt abwesend. Winkt einer Kellnerin. Wenigstens einen gescheiten Kaffee sollt'' man trinken. Steinbrecher fällt noch auf, wie zierlich und prinzessinnenhaft schön die Kellnerin ist, wie eine kleine Elfe.
Aber was ist das? Hinter dem Mädchen? Was ist da los?
Die Pools sind verschwunden. Die Bungalows, die gestutzten Büsche, Blumenrabatten und blanken Wege, wo es zum Strand ging, wo sie eben noch frühstücken wollten - alles weg, plötzlich ist da nur noch graues Wasser, es brodelt, und dahinter? Eine Wand, braun und steil, höher als die höchsten Palmen, höher als alles.
Nina! Da kummt a Wöll''n! Scheiß, die kummt zu uns! Nina, renn!
Sein Schreien geht unter in dem Tosen und Brüllen. Ein Geprassel geht der Welle vorweg, eine Garbe von Steinchen, Sand, Gischt. Die Reiseleiterin mit der Hornbrille reagiert als Erste. Packt Nina am Arm. Läuft los. Steinbrecher hinterher. Raus aus der Lobby. Weg vom Hotel, die Auffahrt hinunter, nur weg hier, weg, weg.
Nina Kapun hat sich, wie hypnotisiert, von der Thailänderin durch die Lobby schleifen lassen. Sie laufen die Auffahrt hinunter, das Wasser, kniehoch, hüfthoch, schubst sie vor sich her. Nina sieht ihren Mann nicht mehr. Aber hat er nicht geschrien?
Nina, net da entlang!
Irgendwas warnt sie. Die Reiseleiterin mit der Hornbrille will sie mit sich zerren, Richtung Straße, Nina stemmt sich dagegen. Die anderen laufen in die Falle.
Hotel "Magic Lagoon", beim Frühstückspavillon
Jürgen Kosian, auf dem Weg neben dem Frühstückspavillon, schaut sich um, die Welle ist da, reißt ihn nach vorn, den Körper gebeugt wie im Sitzen, der Kopf unter Wasser, Schläge, von überall her Schläge, Liegestühle, Schirme, Boote, keine Bodenberührung, keine Gegenwehr, Luft, er braucht Luft, und dann merkt er, dass er atmet in dieser Welle, dass er nicht nur Sand schluckt, sondern auch Sauerstoff.
Etwas zieht ihn nach unten, in einen Keller vielleicht, er touchiert Wände, Mauern, Gegenstände im Wasser, kommt in einem Raum zu liegen, fühlt festen Boden unter sich, steht auf. Es ist stockdunkel.
Es gibt eine Luftschicht zwischen Wasser und Decke, sie reicht gerade knapp für Kosians Kopf. Wo bin ich, denkt er. Wo ist meine Familie. Was ist mit Shelly, der Kleinen, sie schwimmt noch nicht sehr gut.
Das Wasser steht. Jürgen Kosian, gefangen in einem Keller, hört ein Gurgeln, irgendwo in der Ferne. Sonst ist alles still.
Kosian ist im Dunkeln und hat sein bisschen Luft. Er nimmt eine Stange, haut sie gegen die Decke und denkt: Blödsinn. Das hört ja keiner.
Also spricht er mit Gott. Er sagt ihm, wo er ist und was er jetzt tun wird. Dass er die Wände abtasten wird, um zu fühlen, ob es Nachbarräume mit Luftblasen gibt. Er tastet und wird fündig, er teilt Gott mit, dass er jetzt dort hintauchen wird, und weiter und weiter, von Luftblase zu Luftblase, von Kellerraum zu Kellerraum. Aber das Gurgeln wird leiser, also denkt er: falsche Richtung. Ich bin hier reingekommen, also muss ich auch wieder raus.
Er fühlt Dinge im Wasser, aber auch Menschen. Solche, die es nicht geschafft haben.
Du musst da wieder hin, sagt er sich, wo du hergekommen bist. Er taucht, dann spürt er, es steigen Luftblasen auf. Es geht aufwärts, etwas zieht ihn nach oben, die Luftblasen bekommen Konturen, lichterfüllt, es zieht ihn weiter nach oben, es ist ein erleichterndes, ein erhabenes Gefühl, ein Gefühl, das er festhalten will, wie eine zweite Geburt ist es, wunderschön, dann hört es auf.
Hotel "Magic Lagoon", draußen vor der Empfangshalle
Die erste Welle rast durch die Lobby, zerschmettert die Bar, zerlegt die Rezeption. Die Kolonialsessel schwappen die Auffahrt hinunter, gefolgt von Autos, von abgeknickten Palmen. Pflanzenkübel tanzen auf den braunen Wellen, leere Flaschen, ein hölzerner Buddha. Und überall Menschen. Alle rennen hinunter, in panischer Flucht vor dem Wasser.
Steinbrecher, der Catering-Unternehmer, umschlingt eine Säule mit beiden Armen, die Finger ineinander geflochten, als würde er beten. Um ihn peitscht und brüllt das Wasser. Die größte Gefahr zu diesem Zeitpunkt sind die anstrudelnden Trümmer, Holzlatten mit ragenden Nägeln, scharfe Metallstreben, Tische, vorhin kam das schwere Sofa vorbei, auf dem er eben noch gesessen hatte. Steinbrecher hört Kinder schreien. Mama! Seine Brille ist triefnass, er kann keine Kinder entdecken, aber er hört sie, ihr Wimmern. Mama!
Man hält es kaum aus.
Ein Tisch kracht gegen die Säule, Steinbrecher hat noch im letzten Moment die Hände weggezogen, die Hälften sausen an ihm vorbei, er packt die Säule, bevor es ihn wegreißt.
Und es hört nicht auf, der ersten Welle ist eine zweite gefolgt, höher, wütender. Jürgen Steinbrecher ist nicht jeden Tag seines Lebens in die Kirche gegangen; aber an den Herrgott glaubt er schon, normalerweise. Jetzt jedoch steht er hinter seiner
Säule und denkt: Was soll denn der Wahnsinn? Ist der verrückt geworden da oben, ist der blöd, ist der fett? Warum lässt Gott das zu?
Und an seine 30 000 Flaschen denkt er, an die Grandes Cuvées in seiner Sammlung - wer wird die trinken?
Hotel "Magic Lagoon"
Jürgen Kosian, aufgetaucht aus seinem Keller, hebt den Kopf aus dem Wasser, im Tageslicht, er ist irgendwo zwischen Gästehäusern, draußen, und wo heute Morgen noch Gras und Erde waren, steht jetzt das Wasser drei Meter hoch.
Es ist still. Ablaufendes Wasser, sonst nichts. Kein Schrei, keine Stimmen, nichts. Er ruft nach seiner Frau, seinen Kindern, keine Antwort, von niemandem.
Hotel "Magic Lagoon", draußen vor der Empfangshalle
Steinbrecher ist massig und hochgewachsen, trotzdem reicht das Wasser ihm an die Brust, und bei jedem Schritt droht er weggespült zu werden. Mit dem rechten Arm versucht er, das auf ihn zuschießende Treibgut abzuwehren.
Er ist an den Toiletten. Wo ist jetzt der Ertrinkende? Verdammt, jetzt ist er extra hergekommen, und der Bursche ist weg - da sieht er eine Gestalt, knapp unter Wasser, Steinbrecher greift zu.
Er hat nur eine Hand frei, aber er erwischt ihn am Kragen. Ein Thailänder, keine 50 Kilo. Junges Gesicht. Steinbrecher klemmt ihn sich unter den Arm, will mit dem Geretteten zurück zur Säule, wo man einigermaßen sicher ist. Der Thai spuckt, zappelt, Steinbrecher packt ihn fester.
Das Tosen des Wassers ist verklungen, dafür hört er wieder Kinder weinen, wimmern. Er patscht umher zwischen all dem Zeug, das da schwimmt, er sucht nach Verletzten. Da hört er das Geräusch von vorhin. Es schwillt an.
Hotel "Magic Lagoon", Rezeptionsgebäude
Jürgen Kosian ist ein teilweise glücklicher Mann. Nina, Shelly, seine Töchter, leben, er hat sie gesehen. Nina, die schon Wasser geschluckt hatte, die ohnmächtig aus dem Zimmer gespült wurde, bis jemand sie aus dem Wasser riss. Shelly, die auf ihr Bett gesprungen war, erst trieb sie auf ihrer Matratze, dann packte sie ein Kissen, hielt es wie ein Schwimmbrett und schwamm, eine ganze Weile lang, dann zog auch sie jemand aus der Flut.
Die Mama hätten sie vorhin irgendwo gesehen, sagen die beiden. Also sucht Kosian seinen Sohn.
Er sucht im Empfangsgebäude, dorthin haben sich 40, 50 Leute geflüchtet, sie schreien, weinen, rufen Namen, es ist schwierig, in dieser Wirrnis jemanden zu hören, jemanden zu finden, da meint er, eine Stimme zu hören, die er kennt.
"Papa, Papa", wispert jemand. Es ist Phil. Vollkommen nackt liegt er da, am Arm eine klaffende Wunde, der ganze Körper aufgerissen, blau geschlagen, wie ausgepeitscht.
"Das Wetter ist schön, Papa", sagt Phil. Es dauert eine Weile, bis er etwas Sinnvolles sagt.
Jemand spricht von einem Erdbeben. Es werde noch mehr Wellen geben. Sie müssen weg.
Jürgen Kosian holt seine Töchter, Nina und Shelly, sie können laufen, ihnen ist fast gar nichts passiert. Phil packen sie in ein Betttuch, so dass man ihn tragen kann.
Sie verlassen das Gebäude und finden das, was jetzt eine Schlammschicht ist und früher mal eine Zufahrtsstraße war, es ist ein Gewühl aus Palmen, Autos, Möbeln und Morast. Darauf schleppen sie sich entlang, die Verletzten und Schwachen, gestützt von denen, die noch stützen können, es gibt Helfer, Phil wird getragen, überall gibt es Helfer. Aber sie haben Angst, dass der Zug der Mühseligen zu langsam wird, also muss Phil auf die Beine, gestützt vom Vater, den Schwestern, von Fremden.
Kosian hat nur noch eine Turnhose an, lange schon keine Schuhe mehr, er stapft durch Gestrüpp und Müll und hartes Gras und merkt es nicht.
Hotel "Magic Lagoon", an den Toiletten vor der Empfangshalle
Von seinem Aussichtspunkt kann Jürgen Steinbrecher zusehen, wie die zweite Welle die bereits gelockerten Glasscheiben aus den Rahmen schnipst, wie die scharfen Fensterstücke durchs Wasser trudeln, wie Menschen zerschnitten werden.
Er will wegschauen, aber er muss hinsehen. Es ist ein Zwang.
Dort schwimmt eine Frau, Gesicht nach unten, sie zieht eine Schleppe von Blut hinter sich her, offenbar ist ihr Hals zerschnitten. Dort treibt ein Kind, ohne Arm.
Hügel hinter dem Hotel "Magic Lagoon"
Es gibt einen kleinen Berg direkt hinter dem "Magic Lagoon", so sechs bis acht Meter hoch. Sie schleppen sich dorthin, Jürgen Kosian und seine Kinder und die anderen 40, 50 Menschen aus der Rezeption. Sie schleppen sich hoch und warten. Das Wasser kommt noch einmal, doch es erreicht sie nicht.
Es ist heiß jetzt auf diesem Hügel, Mittagshitze, es ist ein Lager der Verletzten und Erschöpften, und der Durst kommt, aber seltsamerweise ist immer, wenn man sie braucht, eine Wasserflasche da. Die Frauen vom Hotelpersonal reißen ihre langen Röcke in Streifen, um Verwundeten die Arme und Beine zu verbinden, auch bei Phil haben sie die Wunden umwickelt und ihm ein Stück Stoff unter den Kopf gepackt, er liegt im Schatten, und zum ersten Mal setzt sich Kosian auf den Boden, neben seinen Sohn.
Er schaut seinen eigenen Körper an. Sieht Blut, sieht Wunden, und plötzlich spürt er, dass dieser Körper sein eigener ist. Er liegt da neben seinem Sohn und kann nicht mehr aufstehen, wie ein Gichtkranker, er kann es einfach nicht.
Aber da liegt Phil, schwerverletzt, und will einschlafen, Kosian denkt an Westernfilme, wenn da einer verletzt ist und schlafen will: Das darf nicht sein. Man hält ihn wach, man redet mit ihm, rüttelt ihn, kippt ihm Wasser über den Kopf, er soll nicht schlafen, warum, weiß Kosian nicht, aber die machen das immer so, wer weiß, vielleicht ist ja etwas dran.
Shelly. Wo ist Shelly? Die Kleine, acht Jahre alt, hier auf diesem Hügel, mit schreienden Schwerverletzten, mit Sterbenden, die Toten werden an den Rand des Hügels gelegt, Menschen weinen um sie, Shelly soll nicht mitbekommen, was hier passiert.
Shelly soll sich um Phil kümmern. Kosian sagt ihr: Pass auf ihn auf, halt ihn wach.
Also hält die Kleine Wache neben dem verletzten Bruder und spricht mit ihm, ringt ihm Antworten ab, sagt, soll ich dir
einen Witz erzählen? Er will, und sie tut es, sie fragt, soll ich dir etwas vorsingen?
Und dann sitzt sie da auf diesem Hügel und singt "Hamburg, meine Perle". Sitzt auf diesem Hügel in Thailand, über den Trümmern, die die Flut hinterließ, sitzt zwischen Überlebenden und Toten und singt für ihren Bruder die Hymne des HSV. Obwohl sie doch für St. Pauli ist.
Phuket, im Wald östlich von Patong, 16.30 Uhr
Tom, die Hure aus Patong, erwacht zum zweiten Mal an diesem Tag. Die Sonne steht tief, aber es ist noch hell. Sie setzt sich auf. Die Vögel singen. Ihr Fuß tut weh, sie kann die Zehen kaum bewegen, sie sind schwarz und geschwollen, womöglich gebrochen. Die Schienbeine zerkratzt. Ihr Kleid ist trocken.
Sie steht auf. Ihr wird schwindelig, in ihrem Mund ein schlechter Geschmack, ihr wird bewusst, wie durstig sie ist. Sie macht sich humpelnd auf den Rückweg, zurück nach Patong. Wie es dort wohl aussieht? Und was war das bloß?
Unterwegs trifft sie Leute, die Bündel auf dem Rücken tragen, weiter in die Berge steigen, sie vor einem Abstieg warnen, sie solle unbedingt zu Verwandten oder Freunden in die Berge - es wird weitere Flutwellen geben, wer hinuntergeht, wird sterben. Tom redet nur kurz mit ihnen.
Ich habe hier keine Verwandten und keine Freunde, denkt sie. Noch vor dem Stadtrand von Patong riecht sie die Zerstörung,
Fäkalien, Schlamm, Küchenabfälle, Benzin. So stinkt der Tod, denkt Tom.
Das Wasser hat sich zurückgezogen, aber alles ist morastig, und alles liegt durcheinander, als hätte man die Stadt auf den Kopf gestellt und geschüttelt: zerschmetterte Fernseher, aufgeweichte Matratzen, Kartons mit T-Shirts, schartiges Wellblech, umgekippte Strommasten, aufgerissene Boote, Autos; Tom schaut, ob sie irgendwo ein paar Schuhe entdeckt, am besten Turnschuhe, aber sie hat kein Glück.
Tom steht vor dem "Nipha Villa"-Hotel, sie war da noch nie, aber es hat einen guten Ruf. Tom setzt sich auf die Treppe.
Einen Moment ausruhen. Schuhe wären gut. Sie versucht einen Plan zu fassen, aber sie kann ihre Gedanken nicht sortieren. Hinter sich hört sie ein Geräusch. Ein Falang, ein Weißer, kommt aus dem Hotel. Er wirkt unverletzt, hat Schuhe, seine Hose ist sauber. Er spricht sie an. Tom erzählt, was ihr passiert ist, ihr Englisch ist schlecht, sie weiß nicht mal, was Wasser heißt.
Water, sagt der Mann, so the water came and hit you?
Yes, sagt Tom, water come. Und dann fällt ihr ein, wie durstig sie ist. You water?
Es dauert, bis der Mann versteht. Dann geht es ganz schnell. Er nimmt sie hinauf auf sein Zimmer. Es ist sauber, trocken, wunderbar. Er gibt Tom Wasser, sie setzt die Flasche an und trinkt sie beinahe aus, der Weiße lächelt und nickt ihr zu, nein, nein, sie soll nur trinken, und wenn sie will, kann sie duschen, er zeigt ihr, wo das Badezimmer ist. Tom sieht ihn an, er ist jünger als der Australier, aber er sieht nicht aus wie einer, der ihr wehtun will.
Das Wasser ist kühl, die Seife duftet. Tom wäscht sich die Haare, seift mehrmals Beine und Füße ein. Sie nimmt sich ein bisschen von der Creme des Mannes.
Als Tom aus dem Badezimmer kommt, sitzt der Freier auf dem Bett und trinkt ein Bier. Er winkt sie zu sich. Tom hat noch das Handtuch um, der Mann zieht es weg, sie legt sich aufs Bett. Der Mann stellt sein Bier beiseite. Draußen ist es dunkel. Man hört Sirenen, Schreie. Der Mann löscht das Licht, Tom hat sich nicht getäuscht, er gibt sich Mühe, ihr nicht wehzutun. Ihr fällt ein, während sie unter ihm liegt und ihren verletzten Fuß abspreizt, dass sie Hunger hat. Vielleicht kann sie morgen bei dem Mann frühstücken? Schwimmen gehen? Vielleicht gibt er ihr sogar Geld für ein Busticket?
Nach Hause fahren. Bevor Tom sich zur Seite dreht, denkt sie daran, wie schön das wäre. Und so schläft sie ein, zum zweiten Mal an diesem Tag.
Khao Lak, in der verwüsteten Lobby des Hotels "Le Meridien", 18.30 Uhr
Ae-Chan ist der Sportchef vom "Le Meridien", es ist das letzte Resort der Hotelstadt Khao Lak, das sich das Meer geholt hat. Er arbeitet seit sieben Stunden ohne Pause, er sucht in den Trümmern des Hotels nach Leichen. Am Morgen hat ihn die Frau von Erwin Schwerzmann angerufen, seinem Freund aus dem Hotel "Villa Elisabeth" in Kata Beach auf Phuket, um ihn zu warnen, um zehn Uhr, die Welle war gerade eingeschlagen, da unten im Süden.
Ae-Chan macht sich Vorwürfe. Er hat die Warnungen nicht ernst genommen, die Gefahr nicht gesehen. Er hatte so viel Zeit, 20 Minuten zwischen dem Anruf von Elisabeth Schwerzmann und der Ankunft der Welle. Mehr als 20 Menschen sind tot, Urlauber, Bedienstete, Ae-Chan weiß nicht genau, wie viele es sind.
In Thailand sterben an diesem Tag mehr als 4000 Menschen, davon 3000 allein in Khao Lak, der Stadt am Meer, die meisten der 560 toten oder vermissten Deutschen waren hier im Urlaub.
Es ist dunkel in der Hotellobby, sie haben Kerzen und ein paar Taschenlampen, sie legen die Toten in die Lobby, bedecken sie mit Tüchern. Und suchen weiter. Ae-Chan wird jetzt gebraucht.
Knapp zwei Monate später werden mehr als 50 deutsche und österreichische Touristen einige thailändische Hotels - auch das "Magic Lagoon" in Khao Lak -, den thailändischen Staat und das Pacific Tsunami Warning Center verklagen.
RALF HOPPE;
ANITA BLASBERG, MARIAN BLASBERG, KLAUS BRINKBÄUMER, UWE BUSE, GEORG DIEZ, FIONA EHLERS, ULLRICH FICHTNER, MARC FISCHER, HAUKE GOOS, MARIO KAISER, ANSBERT KNEIP, CORDULA MEYER, ALEXANDER OSANG, MATHIEU VON ROHR, BARBARA SCHMID, ALEXANDER SMOLTCZYK, BETTINA STIEKEL, BARBARA SUPP
* Michele, Vater Jürgen, Phil, Mutter Heidi, Nina.
Von Ralf Hoppe, Anita Blasberg, Marian Blasberg, Klaus Brinkbäumer, Uwe Buse, Georg Diez, Fiona Ehlers, Ullrich Fichtner, Marc Fischer, Hauke Goos, Mario Kaiser, Ansbert Kneip, Cordula Meyer, Alexander Osang, Mathieu von Rohr, Barbara Schmidt, Alexander Smoltczyk, Bettina Stiekel und Barbara Supp

DER SPIEGEL 8/2005
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TSUNAMI:
Eine Stadt versinkt im Meer