26.11.1979

ÄRZTEUngeheurer Vorgang

Schneller und gründlicher als alle anderen Berufsstände haben sich 1933 die deutschen Ärzte dem Nazi-Regime verschrieben und dessen antijüdische Politik unterstützt. Das belegt eine neue Dokumentation.
Der Vordruck begann standesgemäß
höflich mit "Sehr geehrter Herr Kollege" und endete "Mit kollegialem Gruß". Die 14 Zeilen dazwischen verzichteten auf jede Floskel. Sie signalisierten jedem Kassenarzt "nicht anscher Abstammung" die Vernichtung seiner beruflichen Existenz.
Absender war kein Nazi-Parteiamt, keine Nazi-Behörde, nicht die Gestapo. Das vorgedruckte Schreiben kam von der eigenen ärztlichen Standesführung, vom "Groß-Berliner Ärztebund e. V. (Hartmannbund)" etwa oder von der örtlichen "Kassenärztlichen Vereinigung", über die der Briefempfänger seine Krankenscheine abrechnete.
Verlangt wurde, "den beiliegenden Fragebogen sofort auszufüllen" und "an die absendende Stelle in beiliegendem Freiumschlag zurückzusenden", binnen einer Woche. Bei Fristversäumnis drohte eine Strafe von 20 Reichsmark pro Tag, die "an dem nächsten Honorar abgezogen werden".
Beantwortet werden mußten "nach bestem Wissen und Gewissen genau und vollständig" und "an Eides Statt versichert" 132 Fragen, unterteilt in die Rubriken "der Angefragte und seine Vorfahren" sowie "die Ehefrau des Angefragten und deren Vorfahren", wobei "für jede Ehe, die der Angefragte geschlossen hat, ein entsprechender Bogen" auszufüllen war. Ein gesonderter Fragenkatalog galt nochmals "dem Angefragten selbst".
Die Standesführung ließ in ihrem vorgedruckten Begleitschreiben keinen Zweifel zu: "Bewußt fahrlässig gemachte Angaben in dem Fragebogen ziehen die schwersten berufsgerichtlichen und strafrechtlichen Strafen, eventuell Entziehung der Approbation nach sich."
Mit diesem von Kollegen erzwungenen Offenbarungseid über die "fremdstämmige Abstammung" begann für Tausende von jüdischen Ärzten schon unmittelbar nach der Machtergreifung durch die Nazis im Frühjahr 1933 ein Leidensweg, der für fast alle im Elend der Emigration, im Selbstmord oder in den Gaskammern der Konzentrationslager endete.
Noch immer hat sich die ärztliche Standesführung diesem Holocaust ärztlicher Standespolitik nicht gestellt. Zwar nannte einmal der Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer, der Honorarprofessor für medizinische Publizistik Volrad Deneke, das, was damals geschah, einen "ungeheuerlichen Vorgang". Doch schonungslos aufarbeiten mochte auch er dieses "Kapitel der Standesgeschichte" nicht.
Das haben jetzt zwei Sozialwissenschaftler der Nachkriegsgeneration getau, die Professoren Stephan Leibfried von der Universität Bremen und Florian Tennstedt von der Gesamthochschule Kassel.
Für ihre umfangreiche Studie "Berufsverbote und Sozialpolitik 1933" werteten die beiden Wissenschaftler die noch bis zur letzten Druckzeile vorhandene reichhaltige ärztliche Standespresse der Jahre vor und nach 1933 aus. Zudem arbeiteten sie erstmals die Akten des früheren Reichsarbeitsministeriums durch, die im Zentralen Staatsarchiv in Potsdam lagern, und durchforsteten private Archive.
Was sie nun, angereichert mit Dutzenden von Dokumenten, innerhalb der Schriftenreihe der Universität Bremen auf 348 Seiten veröffentlichten, fassen Leibfried und Tennstedt so zusammen: "Die Normalität des Extremen, der Alltag des professionellen, medizinischen Holocaust, die Politik der Berufsverbote, der Verfolgung von Juden, Sozialdemokraten und Kommunisten innerhalb der Ärzteschaft wurde von den Ärzten weitgehend toleriert, soweit sie nicht gar in den gleichgeschalteten ärztlichen Verbänden dabei selbst die Initiative ergriffen."
"Gleichgeschaltet" mit den Nazis hatten sich weite Teile der Kassenärzteschaft keineswegs unter Zwang. Auch die kassenärztliche Führung -- die Funktionäre des "Hartmannbundes" als Repräsentanten der Berufspolitik auf der einen, die Funktionäre der (1932 aufgrund eines neuen, mit den Krankenkassen ausgehandelten Tarifvertrages aus den Untergliederungen des Hartmannbundes formierten) "Kassenärztlichen Vereinigungen" als Vertreter der wirtschaftlichen Interessen auf der anderen Seite -, auch sie waren keinem Nazi-Terror ausgesetzt. Freiwillig huldigte die Ärzteschaft schon lange vor der "Machtergreifung" dem neuen Geist der Zeit.
In der ärztlichen Standespresse wurden offen und breit die Frage der "operativen Unfruchtbarmachung der Blödsinnigen, Geisteskranken, Epileptiker" aufgeworfen und die Forderung erhoben, "daß blinde, taubstumme oder blödsinnige Kinder zu sterilisieren sind" oder auch "Verbrechern ein Teil ihrer Strafe erlassen werden kann, wenn sie sich freiwillig einer sterilisierenden Operation unterzogen haben Sogar die "Freigabe der Vernichtung solchen lebensunwerten Lebens" wurde schon angesprochen.
Seit August 1929 existierte ein "NS-Ärztebund", dessen erklärtes Ziel laut Satzung war, "das Heilwesen mit nationalsozialistischem Geist zu durchdringen". Sein erster Vorsitzender, der Münchner Arzt Gerhard Wagner, war zugleich Mitglied im Hartmannbund. Sein Geschäftsführer, der SS-Mann und Münchner Mediziner Hans Deuschl, konnte auf der Hauptversammlung des Hartmannbundes mi November 1931 offiziell als Delegierter unter "starkem Beifall", wie das noch vorhandene Versammlungsstenogramm vermerkt, verkünden: "Wir wollen das System stürzen."
Kein Widerspruch regte sich auch, als Deuschl die Parole ausgab: "Der Unsinn der heutigen Zulassung wird sofort nach der Übernahme durch die NSDAP aufhören, dadurch, daß wir erklären, daß natürlich nur deutschstämmige Ärzte das Recht haben, deutsche Volksgenossen zu behandeln."
Was kommen würde, mußte jedem Arzt klar sein. Trotzdem erhielt der NS-Ärztebund regen Zulauf. Schon im November 1932 schrieb der Berliner Arzt und ehemalige sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete, Julius Moses er wurde später in Theresienstadt ermordet -, resignierend in der Zeitschrift "Arbeiterwohlfahrt" nieder: "Man kann heute sagen, daß bei keinem anderen akademischen Beruf die nationalsozialistische Propaganda solche Erfolge erzielt hat wie gerade bei den Ärzten."
Die "besondere Nazifizierung der Ärzteschaft", die sich nach dem 30. Januar 1933 noch beschleunigte, war nach den Recherchen der Professoren Liebfried und Tennstedt in der Tat enorm: Obwohl die Mediziner, vor allem die große Zahl der Freiberufler unter ihnen, weit weniger unter einem Loyalitätszwang standen als etwa Lehrer, gehörten etwa 45 Prozent aller reichsdeutschen Ärzte der NSDAP an (Lehrer: 23 Prozent), und jeder vierte männliche Arzt war während des "Dritten Reichs" SA-Mitglied. 7,3 Prozent der Ärzte zog es zu den schwarzen Uniformen der SS, siebenmal häufiger als den Durchschnitt der erwachsenen Männer.
Die ärztliche Standesführung hatte dafür frühzeitig die Signale gesetzt. Kaum waren die Nazis an der Macht, gelobte der Hartmannbund-Vorsitzende Alfons Stauder, in Personalunion zugleich Chef des "Deutschen Ärztevereinsbundes" und "Präsident der Deutschen Ärztetage", dem "Herrn Reichskanzler Adolf Hitler" öffentlich: "Die ärztlichen Spitzenverbände Deutschlands begrüßen freudigst den entschlossenen Willen der Reichsregierung der nationalen Erhebung, eine wahre Volksgemeinschaft aller Stände, Berufe und Klassen aufzubauen, und stellen sich freudigst in den Dienst dieser großen vaterländischen Aufgabe mit dem Gelöbnis treuester Pflichterfüllung als Ziele der Volksgesundheit."
Auch mit dem "NS-Ärztebund" wurde Stauder schnell handelseinig, obwohl diese Nazi-Organisation sich in ihren Statuten unmißverständlich als "ein Teil der politischen Kampforganisation der NSDAP" auswies.
Am 24. März 1933 schloß Stauder, den das "Deutsche Ärzteblatt" noch 1972 als einen der "geschicktesten und fähigsten Führer der deutschen Ärzteschaft" feierte, namens des "Hartmann-" und des "Deutschen Ärztevereinsbundes" ein Abkommen, das besagte: "Dr. med. Gerhard Wagner, 1. Vorsitzender des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebundes, wird mit dem heutigen Tage Kommissar der beiden Spitzenverbände. Die Vorstände und die Geschäftsführung bleiben im Amte und führen in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit Dr. Wagner ihre Geschäfte weiter."
Die "Vereinbarung" sei getroffen worden, besiegelte Stauder die freiwillige Kapitulation durch Unterschrift, "um die Gewähr für eine reibungslose Zusammenarbeit innerhalb des Standes und mit den neuen Führern von Staat und Volk zu geben".
Nicht nur Stauder, der sich kurz danach in den "Reichsführerrat der deutschen Ärzte" berufen ließ, blieb im Amt. Ihre Geschäfte weiter führten, wie vereinbart, auch der langjährige Generalsekretär des Hartmannbundes, der Ex-Marinearzt und ehemalige Reichstagsabgeordnete der "Deutschnationalen Volkspartei" Karl Haedenkamp, sowie der Hartmannbund-Geschäftsführer und Dermatologe Hermann Lautsch.
Ihrem Fortkommen nützte die Anpassung an die neue Zeit durchaus: Haedenkamp -- noch immer gerühmt ob seiner Verdienste um den Wiederaufbau der ärztlichen Standesorganisationen nach 1945 -- wurde "Hauptschriftleiter" der voll auf NS-Kurs segelnden "Ärztlichen Mitteilungen" und Chef der Auslandsabteilung der 1936 errichteten "Reichsärztekammer". Lautsch stieg zum Hauptgeschäftsführer der im August 1933 installierten zentralen "Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands" auf, Stauder ging 1936 in Pension (er starb ein Jahr später). Und die durch Vertrag verbriefte "reibungslose Zusammenarbeit" mit dem neuen Staat funktionierte auch. --
Am 7. April 1933 war das "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" ergangen. Analog dazu erließ das Reichsarbeitsministerium am 22. April 1933 eine neue "Verordnung über die Zulassung von Ärzten zur Tätigkeit bei den Krankenkassen", obwohl kein Kassenarzt Beamter, jeder Freiberufler war. Sie verfügte in Artikel 1: "Die Tätigkeit von Kassenärzten nicht arischer Abstammung und von Kassenärzten, die sich im kommunistischen Sinne betätigt haben, wird beendet. Neuzulassungen solcher Ärzte zur Tätigkeit bei den Krankenkassen finden nicht mehr statt."
Eine gewisse Hoffnung, dem beruflichen Ruin zu entkommen, wurde nur jüdischen Kassenärzten zugestanden -- "Mischlinge 1. und 11. Grades" eingeschlossen -, die durch Dokumente nachweisen konnten, daß sie während des Weltkrieges entweder aktiv als Soldat gekämpft oder als approbierter Arzt "an der Front oder in einem Seuchenlazarett" Dienst getan hatten "oder wenn ihre Väter oder Söhne im Weltkriege gefallen sind".
Die Durchführung der Berufsverbote wurde der ärztlichen Standesführung anheimgegeben. Die beeilte sich. Da aus den Arztregistern der "Kassenärztlichen Vereinigungen" meist nicht hervorging, welcher Kassenarzt im Nazisinn "Voll-, Halb- oder Vierteljude" war, schickte der Hartmannbund jedem der 32 000 reichsdeutschen Kassenärzte den Katalog mit 132 Fragen ins Haus und zwang die Betroffenen so zur Selbstanzeige.
Die ersten Berufsverbote wurden schon zum folgenden Quartalsende ausgesprochen. Wer nicht "innerhalb von drei Tagen nach Zustellung des Ausschlußbescheides" seinen "Kassennummern-Stempel" sowie "die noch nicht verwerteten Rezept-Formulare usw." ablieferte, wurde mit einer "Ordnungsstrafe" bedroht, "deren Höhe sich nach der Dauer der Säumigkeit richtet".
-- Die Standesführung ging noch weiter: "Wir machen darauf auf merksam", verfügte sie, "daß irgendeine Entschuldigung für die verspätete Rückgabe des Stempels und der Materialien nicht anerkannt werden kann, so daß bei Nichtinnehaltung des Termins die Hälfte des noch aus dem zweiten Quartal des Jahres ausstehenden Honorars ... einbehalten werden muß."
Gegen die Aberkennung der Kassenzulassung war zwar "Beschwerde" zugelassen, die "binnen zwei Wochen in zweifacher Ausfertigung ausschließlich beim Hartmannbund in Leipzig C 1 einzureichen" war. Doch die Standesführung hatte zugleich bestimmt: "Eine aufschiebende Wirkung hat die Beschwerde nicht."
Von den 3641 jüdischen Kassenärzten wurden im ersten Anlauf 1377 hinausgeworfen. 1074 legten Beschwerde ein, hauptsächlich unter Berufung auf ihren Kriegsdienst. Nur 303 hatten bei der "Beschwerdeinstanz" des Hartmannbundes Erfolg. Weiteren 247 verhalf in zweiter Instanz das Reichsarbeitsministerium zu ihrem Recht. Doch Nutzen hatten sie kaum davon: Die meisten Patienten hatten sich während der monatelangen Schließung der Kassenpraxis verlaufen.
Wer als Jude und Frontkämpfer noch Kassenarzt bleiben durfte, wurde einem gnadenlosen Boykott ausgeliefert. Kassenpatienten wurden über ihr Recht belehrt, die "Untersuchung durch einen nichtarischen Arzt" abzulehnen. Gutachten jüdischer Ärzte wurden weder von Gerichten noch Versorgungsämtern anerkannt. Beamten wurde untersagt, sich bei ihren Gesuchen um Sonderurlaube, Kuren oder Reduzierung ihrer Arbeitszeiten auf Atteste jüdischer Ärzte zu berufen.
Am 20. August 1933 schließlich verfügte der Hartmannbund-Kommissar Wagner, inzwischen mit dem Titel "Reichsärzteführer" dekoriert, das "Verbot des kollegialen Verkehrs zwischen arischen und nichtarischen Ärzten". "Deutschstämmige" Ärzte durften ab sofort "Überweisungen an fremdrassige Ärzte" weder "vornehmen" noch "von ihnen annehmen". "Arische Ärzte" konnten nur noch "durch arische Ärzte vertreten" werden. Nur dort, "wo örtliche Verhältnisse es notwendig erscheinen lassen", durften noch "arische Krankenhausärzte Überweisungen von nichtarischen Ärzten annehmen".
Damit war für alle jüdischen Ärzte die Kassenzulassung praktisch wertlos geworden. Wer jetzt aufgab, konnte sich nicht einmal mit der Behandlung von Privatpatienten über Wasser halten. Die Standesführung hatte vorgesorgt.
Bereits am 11. Mai 1933 hatte sie mit dem "Verband Privater Krankenversicherungsunternehmen Deutschlands" ein Abkommen getroffen, wonach "in Zukunft die privaten Krankenversicherungen Erstattung von Rechnungen nichtarischer Ärzte ... nur dann vornehmen, wenn es sich um die Behandlung nichtarischer Mitglieder der Mittelstandsversicherungen beziehungsweise solcher Mitglieder handelt, die sich selbst als nichtarische bezeichnen".
Unmittelbare Vertragsbeziehungen zwischen der ärztlichen Standesführung und den privaten Krankenversicherungsunternehmen hatten niemals bestanden. Doch ein Ausweg fand sich: Der Hartmannbund stellte den Firmen Listen der "auszuschließenden nichtarischen Ärzte" zur Verfügung, und die Gesellschaften bereicherten ihre Versicherungsbedingungen einfach um den Zusatz, daß "nichtarische sowie politisch für den Staat untragbare Ärzte" von der "Rechnungserstattung" ausgeschlossen seien.
Die "Erstattungssperre" begann schon am 1. September 1933. Allein in Berlin verloren 1113 frei praktizierende Ärzte ihre Privatpatienten.
Der Exodus der jüdischen Ärzte Deutschlands folgte bald darauf. Am 13. Dezember 1935 schenkte der "Führer" der ärztlichen Standesführung endlich die "Reichsärzteordnung", die sie von den demokratischen Regierungen der Weimarer Republik immer wieder vergebens verlangt hatte.
Sie befreite die deutsche Ärzteschaft von dem ihr 1869 durch Gewerbeordnung des Norddeutschen Bundes auferlegten Makel (und steuerlichen Nachteil), ein "Gewerbe" auszuüben. Sie erhob den "ärztlichen Beruf" zur "öffentlichen Aufgabe" im "Dienst an der Gesundheit des einzelnen Menschen und des gesamten Volkes". Folgerichtig ging der Hartmannbund 1936 in der am 1. April jenes Jahres installierten "Reichsärztekammer" auf.
Die "Reichsärzteordnung" bestimmte aber auch, daß diejenigen Ärzte von der "Ausübung ihrer Tätigkeit" auszuschließen seien, "die nichtarischer Abstammung sind".
Am 25. 7. 1938 erging dann das totale Berufsverbot, die letzten deutschen jüdischen Ärzte mußten ihre Tätigkeit einstellen. Paragraph 1 der "vierten Verordnung zum Reichbürgergesetz" bestimmte: "Bestallungen (Approbationen) jüdischer Ärzte erlöschen am 30. September 1938." Und Paragraph 4 lautete: "Die Bestallung als Arzt kann einem Juden nicht erteilt werden."
Zu diesem Zeitpunkt lebten 3152 jüdische Ärzte in Deutschland, vor Beginn der "nationalen Revolution" waren es 6488 gewesen. 709 der Verbliebenen wurden nun als "jüdische Krankenbehandler" zugelassen. Sie mußten den Davidstern auf Rezeptformularen und Praxisschildern anbringen und bei jeder Arzneiverordnung vermerken: "Zur ärztlichen Behandlung ausschließlich von Juden zugelassen".
Selbst wer jetzt noch seinem Ende hätte entfliehen können, er hätte nicht gewußt, wohin. Schon bei Beginn der "Ausschaltung" war es nahezu unmöglich, in den Hauptauswanderungsländern USA. England, Palästina, der Schweiz und den südamerikanischen Staaten als Arzt unterzukommen.
Die einzige Stadt der Welt, die von verjagten Juden weder Visum noch den Nachweis des gesicherten Lebensunterhalts verlangte, war Shanghai.
Es mutet ungeheuerlich an, daß Volrad Deneke, Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer, in seiner Monographie "Einhundert Jahre Deutsches Ärzteblatt" unter der Überschrift "Nachrichten aus der Emigration" ausgerechnet in diesem Zusammenhang rühmt:
"Wie verzweigt die Geschichte der ärztlichen Emigration aus dem Deutschland der dreißiger Jahre ist und welchen Segen die Emigration andernorts zu stiften vermochte, deutet eine Nachricht aus der "Wochenschau' des Deutschen Ärzteblattes vom 10. November 1934 an: "Nach Mitteilungen der jüdischen Presse haben in Shanghai 32 jüdische Ärzte aus Deutschland ihre Praxis eröffnet. Weitere 15 jüdische Ärzte, die seit dem Frühjahr 1933 aus Deutschland ausgewandert sind, haben sich in Mukden' Tientsin und Hankau niedergelassen."
Deneke schließt: "Allen aus Deutschland nach China gekommenen jüdischen Ärzten bringe, so berichtet die "Jüdisch-Liberale Zeitung', die Bevölkerung Vertrauen entgegen." ·

DER SPIEGEL 48/1979
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