Die Bundesregierung ist offenbar mit ihrem Versuch gescheitert, Griechenland zur Einhaltung eines Vertrags über den Kauf von 60 Eurofightern zu bewegen. Anfang März hatten die Botschafter Deutschlands, Spaniens, Italiens und Großbritanniens in Athen auf Erfüllung des bereits im Februar 2001 paraphierten Vertrags gedrängt. Zuletzt soll Bundeskanzler Gerhard Schröder das Thema bei einem Vier-Augen-Gespräch vor gut drei Wochen mit dem erst seit einem Jahr amtierenden konservativen Ministerpräsidenten Konstantinos Karamanlis in Berlin angesprochen haben. Ursprünglich hatte die frühere sozialistische Regierung bei dem Eurofighter-Konsortium, an dem auch der Luftfahrtkonzern EADS beteiligt ist, den Kauf von 60 Kampfjets im Wert von 4,9 Milliarden Euro geplant - plus einer Option auf 30 weitere Maschinen. Doch schon einige Monate später wurde die Bestellung wegen "finanzieller Engpässe" auf die Zeit nach den Olympischen Spielen 2004 in Athen verschoben. Die neue konservative griechische Regierung fühlt sich allem Anschein nach nicht mehr an die Entscheidungen ihrer Vorgänger gebunden. Der Auftrag soll neu ausgeschrieben werden. Allem Anschein nach favorisiert Karamanlis, der anders als sein Vorgänger stärker auf die Beziehungen zu den USA setzt, aus politischen Gründen den Kauf amerikanischer F-16-Jets. Um die europäischen Partner nicht zu sehr zu verärgern, prüft die Athener Regierung nun den Kauf anderer europäischer Waffensysteme wie Panzer und Fregatten.
DER SPIEGEL 15/2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.
Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://corporate.spiegel.de finden Sie Angebote für die Nutzung von SPIEGEL-Content zur Informationsversorgung von Firmen, Organisationen, Bibliotheken und Journalisten.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.