DER SPIEGEL



FILMTITEL

Hohes Prestige

Christoph Schubert, 34, Anglist an der Universität Würzburg, über den Trend, in Deutschland die Originaltitel britischer und amerikanischer Filmproduktionen beizubehalten

SPIEGEL: Herr Schubert, Sie haben in einer Studie nachgewiesen, dass in Deutschland inzwischen fast 50 Prozent der Filmtitel identisch aus dem Englischen übernommen werden. Woran liegt das?

Schubert: Das hängt mit der Globalisierung und den vielen Anglizismen zusammen, die wir wie selbstverständlich verwenden und die in Filmen wie "Bodyguard" wieder auftauchen. Außerdem hat die amerikanische Popkultur starken Einfluss auf Deutschland.

SPIEGEL: Klingen denn deutsche Titel nicht mehr cool genug?

Schubert: So kann man es auch ausdrücken. Englisch hat ein sehr hohes Prestige, die meisten neuen Produkte bekommen heute englische Namen.

SPIEGEL: Sehen Sie darin eine Bedrohung der deutschen Sprache?

Schubert: Nein, es ist schier unmöglich, eine Sprache von anderen Einflüssen rein zu halten. Man kann schließlich keinem vorschreiben, wie er zu sprechen hat.

SPIEGEL: Besteht nicht die Gefahr, dass deutsche Kinogänger die volle Bedeutung von Filmtiteln nicht mehr verstehen?

Schubert: Bei manchen Filmen frage ich mich das schon: "In the Soup" etwa ist eine Redewendung, die so viel wie "in der Patsche" bedeutet. Das verstehen sicher viele nicht. Die Verleihe schneiden sich damit ins eigene Fleisch. Der Trend geht jetzt dahin, englische Titel für den deutschen Markt zu vereinfachen. So heißt der neue Sandra-Bullock-Film "Miss Congeniality 2" bei uns "Miss Undercover 2".


DER SPIEGEL 19/2005
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