DER SPIEGEL



PERSONALIEN

Harald Irnberger, Helmut Schmidt, Mark Phillips, Fidel Castro

Harald Irnberger, 29, Initiator und Chefredakteur der linksliberalen österreichischen Monatszeitschrift "Extrablatt". lernte den Zorn militanter Feministinnen am eigenen nackten Leib kennen: Die "Extrablatt"-Dezember-Nummer hatte ein Titelbild veröffentlicht, das., die Doppel vermarktung des Weihnachtsfestes wie auch der Frau persiflieren sollte" (Irnberger), de facto jedoch eher konservativ geraten war. Es zeigte eine halbnackte Blondine mit Christbaumketten um Busen und Hüften (Photo l.). Soviel mißbrauchte Weiblichkeit löste im "Wiener Frauenzentrum -- einer Dachorganisation diverser emanzipatorischer Grüppchen -- helle Empörung aus. Mitarbeiterinnen der Frauenzeitschrift "Auf" verabredeten mit Irnberger eine Aussprache, möglichst gegen Abend", und trafen den bärtigen Chefredakteur, wie erhofft, ganz allein in der Redaktion an. Der sah sich plötzlich von 23 ausgesucht hübschen Feministinnen umstellt, die keineswegs diskutieren wollten, sondern sogleich verlangten, er möge sich "freiwillig für ein Photo ausziehen". Als Irnberger ablehnte, fühlte er sich "von allen Seiten gepackt". Seine verzweifelte Gegenwehr zeigte angesichts der weiblichen Übermacht wenig Wirkung. Während eine Kamera pausenlos klickte, halfen ihm die Feministinnen Stück um Stück aus der Garderobe (l u.) Nur mit Haut und einer Silberkette bekleidet. lag er zuletzt auf der Couch des Chefredakteurszimmers. Ein Photo des entblößten Irnberger (r.) wird das Titelbild der nächsten "Auf"-Ausgabe liefern. Den Amazonen dämmert freilich, daß sie sich mit Harald Irnberger am falschen, ohnehin fortschrittlichen Objekt vergriffen haben ... "Unsere Aktion sollte ein Signal sein. Es ist uns klar, daß ein Herr Lingens (,Profil') oder ein Herr Dichand (,Kronen-Zeitung') so etwas eher verdienen würden."

Helmut Schmidt, 60, Bonner Regierungschef, der am 23. Dezember Geburtstag feierte, konnte nach einer Bestandsaufnahme der Geschenke zu seinem Festtag zufrieden feststellen, daß sein Kanzler-Image hei den Bundesbürgern gut ankommt. "Der Machei" bekam in großer Fülle Selbstgemachtes -- ein Kanzlermitarbeiter: "Die Bürger haben wohl den fernsehfreien Abend zum Schnitzen. Töpfern und Malen benutzt." Besonders reichlich bedachten die Süddeutschen den Hanseaten, der -- neben Schnaps und Champagner -- auch eines seiner bevorzugten Getränke unter den Geburtstagsgaben fand: eine Flasche Cola. freilich standesgemäß mit silbernem Becher.

Mark Phillips, 30, international bekannter Springreiter und Schwiegersohn der britischen Königin, der seit Oktober letzten Jahres am Königlichen Landwirtschafts-College in Circheester einen einjährigen Kursus absolviert, bewies gegenüber seinen Kommilitonen Selbstbewußtsein. Seit der prominente College-Kollege an Vorlesungen und Farm-Besichtigungen der Schule teilnimmt, um sich dadurch auf die Leitung des Landgutes Gatcombe Park in Gloucestershire vorzubereiten, das die Königin für die Familie von Prinzessin Anne angekauft hat, waren viele der Landwirtschaftsstudenten dazu übergegangen. Ansteckknöpfe mit den Sprüchen "Ich habe Mark Phillips gesehen" oder "Ich habe mit Mark Phillips gesprochen~ zu tragen. Jetzt ließ sieh der Anne-Mann ebenfalls eine Plakette anfertigen. Text des Einzelstücks Ich bin Mark Phillips."

Fidel Castro, 51, kubanischer Regierungschef, mußte nach fast 20 Jahren kommunistischer Herrschaft erkennen, daß es in den volkseigenen Betrieben Kubas offensichtlich nicht recht vorwärtsgeht. Auf einem Kongreß kubanischer Gewerkschafter las der ehemalige Rechtsanwalt seinen Genossen die Leviten. Castro: "Wir können nicht bestreiten, daß ein Kapitalist, der seine Fabrik leitet, möchte, daß alles wirksam funktioniert. Was müssen wir von einem sozialistischen Betriebsleiter verlangen? Wir müssen verlangen, daß er tüchtiger ist als der Kapitalist. Nicht weil er ein Eigentümer ist, denn er ist nicht Besitzer irgendeiner Fabrik. sondern weil er eine Fabrik leitet, die den Arbeitern gehört:" Auch am eigenen Einsatz und dem seiner Regierungsmitglieder sah der kubanische Ex-Rebell Anlaß zur Kritik: "Wir könnten unsere Arbeit viel besser erledigen. tun dies aber nicht."


DER SPIEGEL 1/1979
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