19.02.1979

Mosche Dajan

Der 63jährige ist die Schlüsselfigur im Kabinett des Rechtsextremisten Menachem Begin: flexibler als der fundamentalistische Regierungschef, machtbewußter als der liberale Vize-Premier Jigal Jadin, erfahrener als der impulsive Verteidigungsminister Eser Weizman. Der weltweit bekannteste israelische Politiker, der Mann mit der schwarzen Augenklappe, ist eine Art Markenzeichen des kämpferischen Zionismus schon seit 1956, als die Truppen des damaligen Generalstabschefs Dajan erstmals bis zum Suezkanal vorstießen. Anfang Juni 1967 nahmen die Araber Dajans Berufung zum Verteidigungsminister in dem "Kabinett der Nationalen Einheit" als Zeichen für die Entschlossenheit Israels, der sich abzeichnenden großen Konfrontation nicht auszuweichen, und der Sieg über die Armeen dreier Araberstaaten im Sechs-Tage-Feldzug machte Dajan zum Kriegshelden der Nation.

Der Fall kam 1973. Als die Araber Israel im Jom-Kippur-Krieg überraschten, wurde der einstige Volksgünstling von Müttern gefallener Soldaten auf der Straße angespuckt. Er schien politisch am Ende. Um so größer war die Sensation, als der Sozialdemokrat Dajan nach der Wahlniederlage der Arbeitspartei im Mai 1977 ein Angebot des Rechtsextremisten Begin annahm, Außenminister in einem Kabinett zu werden, in dem politische und religiöse Ultras den Ton angeben. Bei den Friedensverhandlungen in Camp David war neben dem kranken, bläßlichen Premier Begin meist auch der vitale Außenminister zugegen. Vorige Woche, vor seiner Abfahrt zum Camp-Davidll-Treffen, sorgte Dajan wieder einmal für Aufruhr: Der bis dahin "terroristische Mörderbande" genannten PLO billigte er öffentlich zu, "für die Lösung des Konflikts" bedeutend zu sein. Kaum hatte Radio Kairo diesen Satz als "Wendepunkt" bezeichnet, zog der manövrierfähige Dajan seine Worte unter dem Trommelfeuer öffentlicher Entrüstung in Israel als "Mißgriff in der Wortwahl" (so sein Sprecher) wieder zurück.


DER SPIEGEL 8/1979
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