SPIEGEL: Frau Fried, Sie haben vergangene Woche Strafantrag gegen militante Nichtraucher gestellt, weil Sie sich verleumdet fühlen. Wo bleibt Ihre Gelassenheit?
Fried: Seit Monaten bekomme ich einen Schwung empörter E-Mails, die mich auffordern, das Rauchen in unserer Show zu unterbinden. Am Anfang blieb ich höflich und habe jeden Brief beantwortet. Aber nach der letzten Sendung wurde ich zugeschüttet mit diffamierenden Einträgen in unser Gästebuch. Wir haben es daraufhin vom Netz genommen.
SPIEGEL: Als Ihr Gast, der Hamburger Schauspieler Jan Fedder, der als TV-Schutzmann in der Serie "Großstadtrevier" Vorbild sein soll, in der Sendung rauchte, haben Sie in die Kamera gescherzt: "Oje, jetzt gibt es wieder jede Menge E-Mails." War das nicht eine Provokation?
Fried: Da ist ein radikaler Kulturkampf entbrannt. Die Anti-Raucher sind heute das, was früher die radikalen Tierschützer waren. Die Formulierungen der Proteste erinnern mich an Gesinnungsterrorismus, das ist doch einfach krank.
SPIEGEL: Was genau meinen Sie?
Fried: Da heißt es, ich sei schuld am Tod von Hunderttausenden Passivrauchern. Ich sei schuld, wenn Jugendliche mit dem Rauchen anfingen. Ich sei Agentin der Tabakindustrie und nähme Geld für die Förderung des Rauchens. In Wahrheit bin ich Nichtraucherin und habe noch nie in der Öffentlichkeit gesagt, ich fände Rauchen toll. Aber ich bin eine gute Gastgeberin. In der Sendung geht es wie bei mir zu Hause: Wenn ich Menschen zu einem schönen Abend einlade, für die eine Zigarette dazugehört, schicke ich die nicht auf den Balkon. Sonst dürfte ich die eben nicht einladen.
SPIEGEL: Talkshows sind aber öffentlich. Sie setzen Maßstäbe.
Fried: Ich spreche in "3 nach 9" mit Erwachsenen, die sich über die Gefahren des Rauchens im Klaren sind. Es ist nicht mein Job, erwachsene Menschen zu disziplinieren. Wenn sich ein Gast das Rauchen während der Sendung verbittet, wird das selbstverständlich respektiert. Übrigens erlebe ich Raucher als ungeheuer rücksichtsvoll.
SPIEGEL: Teilen die Hierarchen des Senders Ihre liberale Haltung?
Fried: Bislang halten die höchsten Stellen zu uns. Nun wird sich der Rundfunkrat mit dem Thema befassen. Es könnte sein, dass der einknickt, was ich fatal fände.
SPIEGEL: Ist Rauchen Ihr nächstes Talkthema?
Fried: Über diese Frage haben wir lange beraten. Wir sind der Meinung, dass wir den Gegnern dann einen Gefallen täten. Deshalb ignorieren wir das Thema vorerst.
DER SPIEGEL 22/2005
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