02.10.1978

GESTORBEN

Hasso von Manteuffel

Hasso von Manteuffel, Kl. "Ein Kavallerist", pflegte er zu sagen, "ist wie ein Landregen: Er kommt überall durch." Er war Kavallerist, Zietenhusar im Ersten Weltkrieg und General der Panzertruppen im Zweiten Weltkrieg. Und er kam überall durch, selbst bei seinem Führer, der Kavalleristen nicht mochte und nach dem 20. Juli 1944 vollends allergisch gegen alten Adel war. Hitler verlieh ihm noch im Februar 1945 die Brillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern. Der kleine Reiter mit der großen Hakennase hatte sich an vielen Fronten durch kühne Handstreiche hervorgetan. Er führte immer vorne, auch als Armee-Oberbefehlshaber. In der Ardennenoffensive durchbrach er als OB der 5. Panzerarmee die amerikanische Front und drang weit vor. Daß er dann wieder zurück mußte, mochte nicht einmal Hitler seinem forschen Panzergeneral verübeln, Nach dem Krieg verdingte sich Manteuffel als Prokurist in der Metallindustrie und zog 1953 für einige Jahre als FDP-Mann in den Bundestag ein. 1959 mußte er sich vor einem Düsseldorfer Schwurgericht verantworten, weil er 1944 einen Soldaten seiner Division wegen Feigheit hatte erschießen lassen. Für Totschlag erhielt er 18 Monate Haft. Er brauchte nur vier Monate zu verbüßen, und sein militärisches Renommee litt keineswegs. Er war kaum wieder in Freiheit, da luden ihn bereits Ex-Präsident Eisenhower und zahlreiche US-Militärs ein. General Westmoreland gab für Manteuffel im Pentagon ein Essen, und der Deutsche revanchierte sich mit Vorträgen in Westpoint. Die US-Luftwaffe stellte ihm ein Flugzeug zur Verfügung, mit dem er kreuz und quer über die Vereinigten Staaten flog. In einem Militärmuseum der US-Streitkräfte bei Bastogne (Ardennen) ist Manteuffel in Wachs verewigt. Als Manteuffel an vorvergangenen Sonntag in seinem Tiroler Urlaubsort Reith verstarb, widmete die Londoner "Times" ihm einen zweispaltigen Nachruf.

Erich Feldmann, 85. Der Begründer der deutschen Kommunikationsforschung hatte sich zunächst um die Lehrer-Ausbildung verdient gemacht: 1925 verhalf er mit dem Aufbau des Pädagogischen Instituts in Mainz dem akademischen Berufsstudium der Volksschullehrer zum Durchbruch. Feldmann leitete das Institut bis 1933, dann wurde er von der NS-Regierung entlassen. 1940 wurde er Professor für Philosophie und Pädagogik an der Universität Bonn. Dort begann er mit Vorlesungen über Kommunikationswissenschaft. 1953 gründete er in Nürnberg auch die Deutsche Gesellschaft für Film- und Fernsehforschung, die ihren Namen später in Deutsche Gesellschaft für Kommunikationsforschung änderte. Feldmann erkannte schon bald, daß "der Film keine Nachahmung des Fernsehens sein" durfte, um weiterhin zu bestehen. Er forderte die Filmproduzenten auf, sich auf die "eigenen Kunstmöglichkeiten" ihres Mediums zu besinnen. Mit seinem 1962 erschienenen Buch "Theorie der Massenmedien" versuchte Feldmann, der gesamten Medienforschung eine wissenschaftstheoretische Begründung zu geben. Der Medienforscher, auf dessen Anregung auch die Gründung der Film- und Fernsehakademien in München und Berlin zurückgehen, wurde 1963 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Feldmann starb Ende vorvergangener Woche in Bonn.


DER SPIEGEL 40/1978
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