11.12.1978

Ein gerechtes Wort an einen ungerechten Herrn

Von den Minaretts vieler der 18 000 persischen Moscheen dröhnten Gebete zu Allah, aber auch Flüche gegen den Schah. Fanatische schiitische Geistliche führen den Aufstand an, religiöses Sendungsbewußtsein beflügelt sie zum Widerstand, Opferwahn treibt sie gegen die Soldaten. Führt die Autokratie des Schah in die Diktatur der Mullahs?
Die Soldaten waren in der Überzahl. Die 70 Mann, die sich ihnen entgegenstellten, hatten keine Chance.
Nach tapferem Kampf fielen sie, einer nach dem anderen, ihr Anführer zuletzt. Ihm schlugen die siegreichen Soldaten auch noch den Kopf ah, steckten ihn auf eine Lanze und führten ihn triumphierend davon.
So geschehen in der Nähe von Kerbela im heutigen Irak. im Jahr 680 nach Christus. Der geköpfte Tote war der Imam Hussein. Enkel des Propheten Mohammed.
Er starb nach Auffassung von 86,3 Millionen schiitischen Moslems im Kampf gegen einen unrechtmäßigen Herrscher, den Omajjaden-Kalifen Jasid von Damaskus. Sein Tod macht den Widerstand gegen einen "ungerechten Herrscher" gewissermaßen zur heiligen Pflicht.
Dieser Pflicht gedenken die Gläubigen vor allem im heiligen Monat Moharram, der dieses Jahr Anfang Dezember begann, und am inbrünstigsten um den 11 Dezember, den Aschura-Tag. Nirgends in der islamischen Welt wird diese Trauerzeit gefühlvoller begangen als im schiitischen Iran, schon in normalen Zeiten.
Schwarze Fahnen wehen dann von den Minaretts der Moscheen, schwarze Tücher kleiden das Innere aus. Schwarz behangen sind zahlreiche Balkone und Gebäude in Teheran, Trauerfahnen hängen sogar in den Bäumen der Schah-Avenue der Hauptstadt.
Alles erinnert an den Tod. In weiße Kasan, Leichentücher, hüllen sich Die Menschen, die zu dieser Festzeit in gewaltigen Prozessionen durch die Straßen wallen, sich mit dem Sindschil, einem Kettenbündel, geißeln und wie in Trance "Allahu akbar -- Gott ist groß" rufen.
Dem 11. Dezember 1978 aber fieberte Persien entgegen wie keinem Aschura-Tag zuvor. Denn in diesem Jahr hatte der Tod Husseins eine ganz neue, politisch aktuelle Bedeutung gewonnen, war der ungerechte, übermächtige Herrscher, gegen den sich der Gläubige erheben muß, nicht mehr der in historische Ferne gerückte Kalif Jasid, sondern saß greifbar in Teherans Niawaran-Palast: Schah Resa Pahlewi, selbsternanntes, aber langsam verglimmendes "Licht der Arier".
Wer gegen ihn aufstand, konnte sich auch auf den Grundsatz der islamischen Überlieferung berufen: "Ein gerechtes Wort an einen ungerechten Herrscher zählt bei Allah mehr als hundert Jahre Gebet."
Und mit Beginn des Moharram gewann der seit Monaten schwelende Aufstand jäh eine neue Dimension: In Teheran, unter Generälen wie Ministern, wurde darüber geredet, ob der Schah noch bleiben könne. Die Regierung mußte Rücktrittsgerüchte dementieren. Kaiserin Farah bekannte, sie wolle lieber in Teheran sterben als im Ausland.
Die Spannung stieg die Woche über an, westliche Botschaftsangehörige deckten sich mit dem Blick auf den Aschura-Montag mit Lebensmitteln und Treibstoff ein.
Auch der Widerstand wurde aktiver. Steine flogen gegen Soldaten, die Menschen-Ansammlungen zerstreuen wollten, gelegentlich fielen aus der Menge auch Schüsse -- aus sowjetischen Gewehren, wie die Regierung behauptet.
Polizeifahrzeuge wurden angehalten. umgestürzt und verbrannt. Die Drohungen des Militär-Premiers Azhari, die Soldaten wurden "rücksichtslos" gegen Unruhestifter und Sperrstunden-Übertreter vorgehen, schienen nichts zu fruchten, im Gegenteil.
In den letzten Tagen begannen die Unruhen genau um neun Uhr abends, wenn die Ausgangssperre anhebt, gellten die Rufe der Demonstranten "Tod dem Schah" noch lauter durch die Straßen.
Die Bilanz des Aufstandes war schon bis zum Anbruch des Moharram erschreckend: Seit den ersten Anti-Schah-Demonstrationen, die vor elf Monaten in der heiligen Stadt Ghom ausbrachen, sind nach vorsichtigen Schätzungen über 3 000 Menschen ums Leben gekommen, nach anderen Angaben doppelt so viele -- doch niemand hat sie gezählt.
Auch das Ausmaß der materiellen Schäden läßt sich noch nicht übersehen. Nach Schätzungen von Öl-Experten verursachten die Streiks in den lebenswichtigen Ölraffinerien, die bis Ende November anhielten, Einnahme-Ausfälle in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar.
Normalerweise produziert der Iran etwas über sechs Millionen Barrel Öl pro Tag. Vergangene Woche streikten die Raffinerie-Arbeiter erneut, und die Produktion sank unter drei Millionen Barrel. Jede Million Barrel weniger bringt jeden Tag 12,5 Millionen Dollar Verlust.
Viele von der Einfuhr ausländischer Teile abhängige Fabriken mußten ihre Produktion kürzen, weil streikende Zollbeamte die Lieferungen an den Grenzen liegenließen. An der türkisch-iranischen Grenze beispielsweise stauten sieh vergangene Woche die Lkw aus Europa.
Und die Gas-Pipeline von den Vorkommen im Süden bis nach Norden zur Stadt Astara an der iranisch-sowjetischen Grenze führte nur noch Luft. In zahlreichen Städten wurde die Energie knapp und -- bei einer Inflationsrate von 50 Prozent -- sogar das Geld. Allen Banken des Iran mangelte es vergangene Woche an Bargeld, viele wiesen ihre Kunden ab. Denn auch die Angestellten der Zentralbank streikten und unterbrachen so den Geldlauf.
Verbittert durch den anhaltenden Ausstand, drohte Militär-Premier Azhari, Gehaltszahlungen an streikende Staatsdiener einzustellen. Der Opposition, so meinte der General, werde es nicht gelingen, "dem Lande ihren Willen aufzuzwingen", dem Schah aber auch nicht mehr.
Moderne Massenpropaganda gegen Modernisten-Feinde.
Denn die meisten Iraner haben sich ihren Willen über ihn längst gebildet und machen ihn für alle Fehler seines Regimes persönlich verantwortlich: für die Korruption der Beamten und die Folter-Verhöre der Geheimpolizei Savak, für Arbeitslosigkeit und Vernachlässigung der Landwirtschaft, die dazu führte, daß der einstige Selbstversorger Iran heute 20 Prozent seines Bedarfs importieren muß, und schließlich für die Menschen, die das Jahr über im Feuer der Soldaten starben.
Was den Aufstand gegen den Schah aber so einmalig macht, ist die Kraft, die ihn auslöste: Es war islamische Rechtgläubigkeit, die wohl seltsamste revolutionäre Speerspitze der Geschichte, die Schah-Feinde der verschiedensten politischen Lager zum Kampf gegen das Regime integrierte -- die Geschäftsleute in den Basaren, die liberale Intelligenz, die Arbeiter auf den Ölfeldern.
In religiösem Eifer predigten die 180 000 Mullahs im Lande gegen den Schah -- und dann noch ein alter Mann mit Bart und Turban. der rund 4500 Kilometer von Teheran entfernt im Pariser Vorort Neauphle-le-Château im Exil lebt: Ajatollah Chomeini, 78, rief zum "Jihad", zum heiligen Krieg, der nach Moslem-Überzeugung jedem, der darin umkommt, die sofortige Aufnahme ins Paradies sichert.
Die Tonbandaufnahmen mit seinen stets neuesten Reden gegen den Schah dröhnen aus den Minarett-Lautsprechern vieler der 80 000 persischen Moscheen und geben dem Aufstand etwas Absurdes:
Mit Mitteln moderner Massenpropaganda haben religiöse Modernisten-Feinde die vor Jahresfrist noch ungebrochene Autokratie eines der großmachtsüchtigsten Herrscher der Erde ins Wanken gebracht und sein von Amerika zur stärksten Militärmacht in Nah- und Mittelost hochgerüstetes Reich zu einem weltpolitischen Risikofaktor ersten Grades werden lassen.
Noch niemals zuvor in jüngerer Zeit ist eine rechte Diktatur von noch rechteren Ultras derart erfolgreich zerrüttet worden. Und das Wort des Mannes aus der Kleinstadt Chomein, der an sich nur einer von den iranischen Ajatollah (geistlichen Führern) ist, aber kraft seiner Persönlichkeit eine Art Oberhaupt der Schiiten, könnte die Zahl der Opfer noch in grausige Höhen treiben.
Denn im Moharran 1978 sucht Chomeini offenkundig die Entscheidung herbeizuführen -- die Frage ist, ob er kann. "Ströme von Blut werden fließen", klang es zum Festtag aus Paris.
Das Schrecklichste, so berichten Augenzeugen der Massen-Demonstrationen von Teheran, Maschhad oder Isfahan, sind die fanatisierten jungen Männer. Sie reißen sich das Hemd über der Brust auf und stürzen mit dem Ruf "Gott ist groß" meist waffenlos in das Feuer der Maschinengewehre.
Selbstmord aus religiösem Fanatismus, die Schatten der Volkstempler eines um Jones auch im orientalischen Dunstkreis islamischer Rechtgläubigkeit? Doch wer in diesen Wochen auf den Straßen des Iran stirbt, flieht nicht aus einer unerträglich erscheinenden Welt, sondern fällt im Sturmlauf für eine bessere, zumindest erträglichere.
Nicht die Resignation in der vermeintlichen Ausweglosigkeit hat die persischen Massen berauscht, sondern der Zorn der Revolte von unten gegen die gescheiterte Revolution von oben, die "Weiße Revolution" des Schah.
Unter allen Fehlern des Schah war der verhängnisvollste. daß er, ein technokratischer Diktator, die Vitalität der religiösen Bewegung nicht erkannte -- und ihre Ursachen auch nicht: Das zurückgebliebene islamische Land verkraftete es weder geistig noch materiell, daß der Schah es in großem Tempo in einen westlichen Staat ummodeln wollte. Nach Ansicht des iranischen Soziologen Ihsan Naraghi führte der Geschwindschritt des Schah, von Majestät nicht wahrgenommen, in eine schwere nationale Identitätskrise.
Da der Staat das Leben immer schärfer reglementierte, wucherte eine Bürokratie, die sich bedenkenlos und überheblich über das in Jahrhunderten gewachsene Gefüge der islamischen Gesellschaft hinwegsetzte.
Das wiederum brachte die schiitische Geistlichkeit dazu, dem Staat Konkurrenz zu machen, etwa soziale Ansätze im Glauben aufzubereiten und dem Volk neue Aussagen über Gerechtigkeit, Freiheit und das Verhältnis zwischen Bürger und Staat anzubieten. Zu diesen neuen Interpretationen alter Werte gehörte etwa die Aussage über "bai-tol-mal", öffentliches Eigentum. Jeder Muslim, so predigten die Geistlichen, habe das Recht zu erfahren, was mit öffentlichem Eigentum geschehe. Damit müsse sorgsam umgegangen werden.
Die Mullahs stellten als beispielhaft einen Würdenträger hin, der "die Kerze ausblies, die allen gehörte, wenn er privat zu seinen Beratern sprach". Da drängte sich dem einfachen iranischen Bauern oder Arbeiter der Vergleich mit den Mächtigen des Staats auf, die unbedenklich mit öffentlichen Geldern wirtschafteten -- Verstoß gegen den islamischen Kodex.
Undurchschaubar auch war für die Masse der Iraner die vom Schah eingeführte technokratische Art des Planes. Zu den sozio-religiösen Grundüberzeugungen der islamischen Gesellschaft des Iran gehört aber das Ideal vom gerechten Monarchen mit einer gerechten, allen verständlichen Politik.
Die Mullahs taten das Ihre, diese Sehnsucht wachzuhalten, daran zu erinnern, daß der Islam letztlich auf der Einheit von Mensch, Regierung und Gesellschaft beruhe, daß ökonomischer Gerechtigkeit der Gedanke von Brüderlichkeit zugrunde liege.
Es sei kein Zufall, so Naraghi, daß bei allen Demonstrationen gegen den Schah die Forderung erhoben werde, mit der Geheimniskrämerei Schluß zu machen, endlich die Karten offen auf den Tisch zu legen. Naraghi: "Darin liegt eine Art Wiedergeburt unserer Gesellschaft."
Der Ruf nach einer Wiederbelebung islamischer Werte ist zumindest in den Augen vieler Jugendlicher nicht gleichbedeutend mit Rückfall ins Mittelalter; die Einfachheit islamischer Prinzipien scheint ihnen vielmehr als Rückkehr zu einer politisch und wirtschaftlich sauberen, sparsamen und einfachen Gesellschaft.
Doch was wird, wenn das eindeutig identifizierte Nahziel der aufgebrachten Menge, der Sturz des Kaiserhauses, erreicht ist?
Werden dann die jungen Männer, die heute in Blue jeans auf den Barrikaden kämpfen und die noch vor einem Jahr an den Teheraner Kinokassen Schlange standen, wieder die "Aba", den faltigen Kaftan, über die Pluderhosen ziehen und sich mit Moschee-Hof und Basar als Stätte der Geselligkeit zufriedengeben?
Werden die Frauen und Mädchen, die heute auf der anderen Seite, in Polizei und Armee, Dienst tun und in ihrer Freizeit den Minirock tragen, die sich -- auch gegen den Schah -- Wahlrecht und Aufstiegschancen im Beruf erstritten, wieder den "Schador", den schwarzen Schleier, anlegen und in das Refugium von Küche und Kammer einschließen lassen, wie es der Koran befiehlt?
Blutige Palast-Intrige gegen Mohammeds Schwiegersohn Ali.
In wessen Hände schließlich das von Amerika gelieferte Arsenal modernster Waffen gerät, wer nach einem Sturz des Schah die von Ausländern beherrschte Renommier-Industrie Persiens bedienen soll, wird von dem künftigen politischen und sozialen System entschieden, das die 35 Millionen Iraner zu erwarten haben. Islamischer Gottesstaat, wie es die einen, oder demokratische Republik, wie es die anderen fordern?
Schah-Gegner Chomeini gab dem SPIEGEL auf diese Frage eine verwirrende Antwort: "Der Mensch wird zur Religion zurückkehren, und der Islam ist die Religion für diesen Fortschritt."
Dieser Widerspruch gehört zum Programm, nicht erst seit heute. Verständlich wird er erst aus der 1300 Jahre alten Geschichte jener Minderheit moslemischer Gläubigen, die sich Schiiten nennen. Schon am Anfang stand der Kampf um die "wahre", die "reine" Lehre von der islamischen Mehrheit, den Sunniten, stets bestritten.
Der große Religionsstreit begann als Palast-Intrige im Kampf um die vierte Nachfolge Mohammeds: Ah Bin Abi Talib, Kampfgefährte, Vetter und gleichzeitig Schwiegersohn des Propheten, wurde, heftig umstritten, im Jahre 656 (nach christlicher Zeitrechnung) Kalif und schon fünf Jahre später von einem Abtrünnigen erdolcht.
Mohammeds Erben trennte fortan schwerer Zwist über den Modus für den Zugriff auf das allmächtige Kalifat. Die einen, die Sunniten, damals wie heute zahlenmäßig die Mehrheit, wollten den Führer von der Hierarchie gewählt wissen, die anderen, die Schiiten, räumten das Recht zur Führerschaft nur der Sippe des Propheten ein.
Für die Vertreter dieses dynastischen Prinzips ist der Mohammed-Nachfolger ein speziell von Allah Auserwählter und Erleuchteter, der Imam (der Wahrer des Korans), von übernatürlicher Weisheit und "frei von Sünden", eine Art Übermensch.
Nach dem schiitischen Glauben hat es seit dem ermordeten Ah nur zwölf Imame gegeben, alles direkte Nachkommen Alis. Fast alle starben, so wie der Ah-Sohn Hussein, im Machtkampf um das "rechtmäßige" Kalifat eines unnatürlichen Todes.
Der letzte Imam freilich, Mohammed. genannt "der Erwartete", verschwand nach dem schiitischen Volksglauben schon in jungen Jahren mit unbekanntem Ziel. Er ist angeblich noch immer auf Erden und wird sich im geeigneten Moment den Gläubigen zu erkennen geben, um mit ihnen den Staat Gottes hienieden zu errichten, ein irdisches Paradies.
Bis zu diesem Tag verwalten die Ajatollah (Zeichen Allahs) als seine Stellvertreter die Glaubenswelt. Mystik und die Hoffnung auf einen Messias. die "Spiritualität", wie es Ajatollah Chomeni nennt, haben also in der schiitischen Religion eine zentrale Stellung, idealer Nährboden frommen Eifers, der vor allem die Perser beflügelt.
Die Perser, 641 von arabischen Beduinenheeren besiegt, trugen ihren
* Mohammed ernennt Ah zu seinem Nachfolger.
neuen Glauben bis nach Indien und in die chinesische Provinz Sinkiang. Persien wurde neben dem Irak das Kerngebiet der Schiiten, nicht zuletzt, weil die Perser als Nicht-Araber ähnlich wie der von ihnen hochverehrte Ali am Hofe der Kaufen in Damaskus stets die Verlierer waren.
Das Bewußtsein. um die ihnen von Gott zugestandene Führerschaft betrogen worden zu sein, hat eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung des Schiitentums gespielt. In den persischen Nachbarländern Indien, Pakistan, Afghanistan, Libanon und Rußland konnten starke Minderheiten missioniert werden, deren Gemeinsamkeit ist, daß sie keine Araber sind und für zugefügtes Unrecht besonders sensibel waren.
In Persien wurde der Schiismus im 16. Jahrhundert gar Staatsreligion. Die Schiiten waren es, die das bedrohte Reich gegen die türkischen Osmanen verteidigten denn die sind als Sunniten andersgläubige Moslems,
Der schiitische Glaube an die Rückkehr des Führers läßt die autoritäre Spitze, das Kalifat, unbesetzt und zwingt die stellvertretenden Ajatollah zur Interpretation. Nach schiitischer Lehre ist "Aakl" (die Weisheit, aber auch das Denken) wichtiger als "Naql" (die Tradition).
So konnte sich der Schiismus geistig viel stärker entwickeln und verändern als der sunnitische Glaube, der in Koran-Scholastik erstarrte. Freilich ist das auch der Grund dafür, daß sieh das Schiitentum im Laufe der Jahrhunderte in zahllose Sekten aufspaltete, jede Splittergruppe von einem anderen Ajatollah angeführt.
Denn allein von der Überzeugungskraft. der "Weisheit" eines Ajatollah hängt es ab, wie stark seine Anhängerschaft ist. Jeder Schute kann sich seinen Ajatollah nach freier Wahl aussuchen. Im Iran gibt es viele Familien, in denen die fünf Angehörigen auch auf fünf verschiedene Ajatollah schwören -- etwa 1200 dieser Stellvertreter sind in der schiitischen Glaubenswelt anerkannt.
Entscheidend für den Aufstieg des Ajatollah ist der Konsens mit der Gemeinde. Entspricht seine Lehre deren Willen und Bedürfnissen, bleibt er lange an der Spitze. aber doch immer auch in der Gefahr. Gunst und Zustimmung wieder zu verlieren.
Die Ajatollah riefen gegen den Schah einen Raucherstreik aus.
Offene Rivalität zwischen den Stellvertretern des Erleuchteten ist selten. Rat und Urteil auch in weltlichen Fragen werden hingegen von den Ajatollah geradezu gefordert: Schon immer war die schiitische Kirche in die politischen Geschäfte verstrickt.
Im Jahr 1890, als der damalige Schah Nasir el-Din an eine britische Gesellschaft das Tabak-Monopol über Persien verkaufte, rief der Ajatollah Mirsa el-Schirasi mit Erfolg zu einem Raucherstreik auf. Der Schah mußte den Vertrag wieder rückgängig machen.
Den stärksten Einfluß auf die Politik, der den schiitischen Klerus aber folgenschwer spaltete, hatten die Ajatollah im Jahr 1906. als sie dem schwachen Kadscharen-Herrscher Musaffar el-Din die auch heute formell noch gültige Verfassung abtrotzten.
Eine Art Verfassungs-Gericht der schiltischen Geistlichkeit, so mußte der Schah unterschreiben, sollte in Zukunft jedes beabsichtigte Dekret oder Gesetz auf seine Übereinstimmung mit den Forderungen des Koran prüfen.
Die Mehrheit der Ajatollah bekannte sich damals vertraglich zur "Maschruteh", der konstitutionellen Monarchie. Für den islamischen Raum, der nur die "Maschrueh", die Theokratie, kannte, war das ein Novum, und erst recht für die Schiiten. Denn ihr Glaube sieht eine förmliche Zustimmung zur weltlichen Gewalt und damit zu weltlicher Legislative nicht vor.
Die Gegner dieses Staatsvertrages sehen darin auch noch immer die Kapitulation vor "westlichen Ideen" und die Gefahr eines laizistischen Persien
wenn die Demonstrationen auf den Straßen des Iran als Abstimmung gelten, haben sie heute die Mehrheit.
Die Verfassung war kaum zwei Jahrzehnte alt, da stürzte ein Kosaken-Ataman, der nicht gewillt war, die Verfassung einzuhalten, das morsche Kadscharen-Regime: Resa Pahlewi. der Schah-Vater.
Schah Resa verprügelte mit dem. Stock einen Kirchenführer.
Als er kurz vor seinem Putsch 1924 in der heiligen Stadt Ghom dem Klerus seine Absicht vortrug. in Persien nach dem Vorbild von Kemal Atatürk eine Republik aufzubauen, verweigerten ihm die Ajatollah die Zustimmung -- der enttäuschte Republikaner machte sieh selbst zum Schah.
Kurz darauf verprügelte der resolute Hüne im heiligen Ghom mit seinem Handstock eigenhändig den mächtigen Ajatollah, weil der es gewagt hatte, in der Moschee gegen das von Resa erlassene Schleierverbot zu polemisieren. In Maschhad wurden schiitische Priester gewaltsam gezwungen, ihre Aba gegen westliche Kleidung zu tauschen.
Der Widerstand des Klerus gegen den Schah-Sohn wurde noch schärfer. Eine neue Generation von Kirchenführern, unter der Herrschaft ausländischer Mächte in den Kriegsjahren aufgewachsen und mit den nationalistischen Parolen wohlvertraut, schlug sich auf die Seite der Radikalen.
Im März 1951 hatten Mullahs die Hand mit im Spiel, als Premier Ah Raswara, ein Freund der amerikanischen Schutzmacht, in der großen Moschee des Teheraner Basars erschossen wurde.
Der Ajatollah Kaschani, ein mächtiger Gottesdiener im Basar, brachte gegen den Widerstand des Schah und seiner "Ausländerpartei" bei Hofe den Nationalisten Mossadegh an die Macht. Der aber jagte den Schah außer Landes.
Ein Jahrzehnt später war es ein ebenso mächtiger Kirchenführer, der im Teheraner Basar zum Sturm gegen die "Weiße Revolution" des Schah hetzte: Ajatollah Chomeini. Die Massendemonstration wurde zum Volksaufstand, Hunderttausende gingen auf die Straße, der Basar sank in Asche. und 9000 Menschen starben unter den Kugeln der Armee als "Soldaten Gottes.
Der Schah ließ Chomeini verhaften und schob ihn aus Furcht vor dem Volkszorn schon wenig später in die Türkei ab. die ihn wütend über die irakische Grenze wies. Schah Mohammed Resa Pahlewi hatte einen Todfeind bekommen, der auf seine Stunde warten konnte.
Ruhollah Musawi Chomeini, 78, stammt aus einer alten Ajatollah-Dynastie. Sein Vater fiel als Ajatollah 1900 im Kampf gegen den Schah, sein Sohn, auch er Ajatollah, wurde im Oktober 1977 unter bisher ungeklärten Umständen ermordet. Die politische Opposition lastet den Mord der iranischen Geheimpolizei Savak an.
Chomeini hat, wie viele der heutigen Religionsführer, eine ganze Reihe von Fächern studiert: Logik, Philosophie, Mystik, Recht, Politik und Wirtschaftswissenschaften, später lehrte er Theologie in Ghom und schrieb etwa 30 Bücher.
Was ihn dabei von anderen Ajatollah unterscheidet, ist das frühe Engagement für den nationalen Kampf gegen die Fremdherrschaft. Zitat aus einem Traktat "Die enthüllten Geheimnisse" von 1941:
Junge Freiheitskämpfer, liebe Muslims, die ihr für die verlorene Ehre kämpfen wollt. Liebe Religiöse, die ihr für die Unabhängigkeit engagiert seid. Es ist Gottes Gebot und die religiöse Aufgabe jedes Muslims, seine Heimat von den fremden Ausbeutern und ihren inländischen Verbündeten zu reinigen und zu befreien.
Anfang der 50er Jahre gründete er die "Islamische Vereinigung", eine ultra-orthodoxe Studiengruppe, die in Flugblättern für die Neuorientierung des öffentlichen Lebens auf den Koran agitiert. Er ist ein glühender Feind des Staates Israel, weil er in ihm den Brückenkopf für eine amerikanische Hegemonie über den Nahost-Raum sieht.
Sein Zwangsexil im irakischen Nadschaf. der Stadt, in der Ah begraben ist, nahm er mit stoischem Gleichmut hin. "Nach der Flucht des Propheten heißt es: "Die Erde gehört Allah, in der Bedrängnis sollst Du wandern:"
Als der Irak den greisen Einzelkämpfer wegen seiner ständigen politischen Agitation gegen das Schah-Regime ausweisen ließ und Kuweit sich weigerte, den Kirchenführer aufzunehmen, flog er nach Paris, Die französische Regierung nahm ihn auf, verwarnte ihn aber inzwischen dreimal. auch sie werde ihn ausweisen, sollte er seine politische Arbeit nicht aufgeben.
Gerade das aber will Chomeini auf keinen Fall. In der vorigen Woche hieß es in Teheran, Allahs Wanderer wolle alsdann die Bundesrepublik mit seiner Gegenwart beglücken, deren Ausländer-Szene damit um ein besonders exotisches Exemplar bereichert würde. Schon fühlten die Franzosen bei Bonner Stellen wegen eines Asylwechsels vor, die Bonner waren entsetzt.
Dann würde Chomeini wohl in Hamburg landen. Denn die Hansestadt ist eine der größten Schiitengemeinden des westlichen Auslands. An der Schönen Aussicht 36, in Nachbarschaft zum Gästehaus des Senats, liegt zudem eine Moschee, in der die Schiiten tonangebend sind. Sie ist mit persischen Spenden gebaut und wird vom schiitischen Imam Said Mohammed Khatami, einem Perser, geleitet.
Chomeini gilt selbst unter politischen Gegnern als die stärkste Integrationskraft im Kampf gegen den Schah. Mehdi Basagan, Anführer des liberalen Flügels der "Nationalen Front": "Die Mehrheit der Bevölkerung hat Chomeini praktisch zu unserem Führer gewählt."
Selbst der Chef der verbotenen kommunistischen Tudeh-Partei, Iradsch Iskander, hat sich in einem Interview mit einer Prager Parteizeitschrift für eine Koalition mit dem iranischen Klerus eingesetzt -- von der Chomeini indes nichts wissen will.
Das Programm Chomeinis weist zuruck ins Mittelalter.
Doch der Einfluß der politisierenden Ajatollah erschöpft sich nicht in der Aktivität Chomeinis, und darin liegt vielleicht die Chance für eine vernünftige Wende.
Denn das puristische, ultra-konservative Programm des Eiferers von Paris würde das vom Schah jahrelane unterdrückte Volk wahrscheinlich in den Schrecken eines offenen Bürgerkrieges stürzen.
Es ist kaum anzunehmen, daß die städtische Bevölkerung, inzwischen fast die Hälfte der Iraner, in einer mittelalterlich strukturierten, ausschließlich auf den Koran orientierten Gesellschaft leben will, wie sie Chomeini vorschwebt.
Das nämlich würde bedeuten: Die weltlichen Schulen und Universitäten werden geschlossen, eine Reihe von Fakultäten blieben als "verwestlicht" unbesetzt; die Gleichstellung der Frau in Lehre und Beruf wäre nach der vierten Sure des Korans ("Männer sind die Verantwortlichen über die Frauen") künftig unmöglich; Nachtbars und Restaurants mit Alkohol-Ausschank müßten schließen; das staatliche Steuersystem würde durch eine Abgabe an die Kirche in Höhe von 20 Prozent des Einkommens ersetzt. Westliche Filme und Fernsehprogramme wären ebenso auf dem Index wie die Mehrheit der Bücher zeitgenössischer iranischer Autoren.
Die gewaltsame Re-Islamisierung des pakistanischen Putschgenerals Mohammed Sia-ul Hak, der "die Hand Gottes" auf seiner Schulter zu spüren glaubt und sein Land, ohne das Volk zu fragen, zur "Zitadelle des Islams" ausbauen will, gibt einen Vorgeschmack von dem, was dem Iran dann bevorstände.
Nicht weniger abschreckend sind die Beispiele aus anderen Nachbarländern, die im Zeichen einer weltweiten islamischen Renaissance im späten 20. Jahrhundert nach der "Scharia", dem islamischen Gesetzbuch aus der Frühzeit, staatliches Recht sprechen (SPIEGEL 41/1977).
In Saudi-Arabien wurde Anfang des Jahres ein Liebespaar mit dem Tode bestraft, weil es gewagt hatte, den väterlichen Befehl zu mißachten. Im Jemen steckten die Köpfe der Gerichteten noch vor wenigen Jahren zur Abschreckung auf der Stadtmauer.
In Abu Dhabi, deren Jeunesse dorée Stammgast in den teuersten Discos des Westens ist, wurde eine deutsche Frau öffentlich ausgepeitscht, weil sie zwei Männer zu einem Umtrunk in ihre Wohnung geladen hatte.
"Mit abgehackten Händen schafft man keine Demokratie" ist die Meinung eines Führers der "Nationalen Front". Seine Hoffnung richtet sich auf die "Mehrheit der hiesigen Ajatollah".
Ob und wieweit solche Hoffnungen wirklich berechtigt sind, ist schwer abzuschätzen. Unter den sechs einflußreichsten Schiitenführern, die von ihren Gemeinden als Zeichen der besonderen Verehrung "Ajatollah el-usama" (Großer Ajatollah) genannt werden, hat sich außer Chomeini nur sein gemäßigter Gegenspieler Scharriat Madari aus der heiligen Stadt Ghom über ein alternatives System geäußert.
Dessen Vorstellungen gehen in die Richtung eines Sozialstaates, in dem die Rolle der Kirche zwar gestärkt ist, aber nicht dominiert. Scharriat Madaris Hauptsorge gilt der strikten Einhaltung der Verfassung aus dem Jahr 1906, die den Klerus ohnehin aufwerten würde. "Wir sind keine Politiker und auch keine Partei", sagte der Ajatollah im Sommer zum SPIEGEL.
Die anderen vier Groß-Ajatollah, alle schon über 80 Jahre alt, haben bislang zu einem Post-Schah-Programm geschwiegen. Die "Nationale Front", die in ihrer Mehrheit eine Demokratie mit stark nationalistischen Zügen anstrebt, glaubt an einen mäßigenden Einfluß.
Viel wird dabei von den 600 000 "Sajjida" abhängen, schiitischen Gläubige n, die sieh auf die direkte Abstammung von der Familie des Propheten berufen. Weitere eine Million "Mirsa" sind stolz darauf, wenigstens eine Sajjidin zur Mutter zu haben und damit zum genetischen Umkreis des großen Urahnen Mohammed zu gehören.
Die Klammer zwischen Volk und Kirche aber bilden die 180 000 iranischen Mullahs (örtliche Geistliche) im Land. die Tempo und Strategie des Aufstandes gegen den Schah bestimmen
Die Mullahs. die "Unteroffiziere Allahs", in der großen Mehrheit Bauern- und Arbeitersöhne, sind oft als Stipendiaten der Kirche in der Moschee aufgewachsen und dienten sich mit Fleiß und Wachsamkeit in die unteren Ränge der Hierarchie.
Auf den Religionsschulen nur flüchtig ausgebildet, ist der Mullah Diener Gottes in vielfachem Sinne: Priester, Trostspender, Rechts- und Schriftberater, Schulmeister und auf" dem Land auch noch Schiedsrichter. Steuereinnehmer, Agrarexperte und Viehdoktor. In der Rangfolge der dörflichen Autoritäten steht er traditionell an der ersten Stelle.
Ein festes Gehalt vom Klerus bekommt er genausowenig wie der Ajatollah, der zwar ranghöher, aber nicht Vorgesetzter der Mullahs ist. Sie alle leben vom "Fünften", der Spende an die Kirche, die der Koran jedem Gläubigen vorschreibt. Sie leben davon mitunter nicht schlecht: Aus Zorn darüber, daß angeblich viele Bauern ihre finanzielle Starthilfe in der "Weißen Revolution" zu den Mullahs getragen haben, wollte der Schah die Priester in Zukunft durch kontrollierte Staatsgehälter entlohnen, in Mullah-Augen ein Sakrileg.
Mit der ständig steigenden Repression der Staatsgewalt, die Parteien, Gewerkschaften und politische Versammlungen verbot, war die Bedeutung der Moschee als relativ ungestörter Versammlungsort für eine freimütige Aussprache gestiegen.
Das waren anfangs keineswegs politisch konspirative Treffs, das sind sie erst unter dem Druck der Geheimpolizei geworden. Die Moschee war vor allem ein Zufluchtsort für alle jene, die in der von Korruption, Zynismus und Heuchelei zerfressenen Glitzerwelt des Schahs keine Antwort mehr auf ihre Fragen fanden.
Daß sich vieles im Lehen des Iran rigoros ändern muß, darin ist sich die Mehrheit der Perser mit dem rigiden Moralisten in dem kleinen Dorf bei Paris durchaus einig.
Die neue Freiheit, wann immer sie kommt, kostet aber gewiß noch viele Opfer. Chomeinis Sekretär Ibrahim Jadsi vorletzte Woche: "Ein Trommelklang kann gut und schön klingen, wenn man ihn aus der Ferne vernimmt. Wenn man ihn aber aus der Nähe hört, verursacht er Kopfschmerzen.
Die Frage, ob das vom Kaiser verordnete Leben noch erstrebenswert ist, ein Leben, in dem die Reichen zügellos prassen und die Armen trotz aller Öl-Milliarden hungern, führte logischerweise zum Sturm auf den Pfauenthron.
Inzwischen ist das Land jedoch bereits tief ins Chaos geraten, scheinen zumindest Teile der Armee nicht mehr bereitwillig in die Menge zu feuern, sollen Offiziere wegen Widersetzlichkeit erschossen worden sein. Andererseits haben sich junge Obristen. bei denen die Interessen ihrer Schutz- und Gunstmacht Amerika womöglich glaubwürdiger aufgehoben wären als bei den Schah-ergebenen Generälen, offenbar noch nicht gefunden.
Ein vom Schah eingesetztes Kabinett hat bei der gegen den Souverän aufgebrachten Bevölkerung offenbar keine Chance mehr. Dieser Ansicht sind auch die wenigen Politiker, die für den Posten des Premiers unter dem Schah noch in Frage kommen könnten. So lehnte es der gemäßigte ehemalige Premier Ali Amini, 71, in einem Rundfunk-Interview ab. eine neue Regierung zu übernehmen.
Liefern die
Sowjets Waffen?
Prompt wandte sich der Schah der aus Bürgerlichen und Intellektuellen gebildeten Oppositionsgruppe Nationale Front zu. die sich auch zutraut, sich mit den militanten Moslems um Chomeni zu einigen. Vergangene Woche ließ er den vor einem Monat verhafteten Nationale-Front-Führer Karim Sandschabi wieder frei.
Doch kaum in Freiheit, erklärte Sandschabi, der sieh vor seiner Verhaftung in Paris mit Chomeini getroffen hatte, "unter den gegenwärtigen Umständen" sei er nicht bereit, in ein Kabinett einzutreten.
Ende vergangener Woche rüsteten die Militärs zur Auseinandersetzung mit den Schah-Gegnern in den Tagen des Aschura-Festes. In ihrer "öffentlichen Erklärung Nummer 23" gab Teherans militärischer Oberbefehlshaber. General Oweisi, bekannt, daß "subversive Kräfte" planten, hei den Demonstrationen "Männern Frauenkleider anzuziehen und Waffen unter denselben zu verbergen; ferner sollen Handgranaten in die Massen geworfen werden, und dies soll als Akt des Militärs dargestellt werden, rote Farbe soll auf die Straßen gegossen werden, um das Volk noch mehr aufzuheizen".
Dazu bedarf es keiner Farbtöpfe. Schon haben viele Ausländer den Iran verlassen, andere bereiten sich darauf vor. Die Flüge in den Westen sind ausgebucht, obgleich die Regierung auch offiziell Beruhigung bereithielt. In der Erklärung Nummer 23 heißt es auch: "Das Volk von Teheran kann in dringenden Fällen folgende Telephonnummern wählen ..." Es folgen fünf Geheimpolizei-Nummern.
Teherans Reiche allerdings trauen der Sicherheit im Lande längst nicht mehr. In den vergangenen zwei Monaten schafften sie Geld in Höhe von sechs Milliarden Mark außer Landes. Zu den größten Anweisungen an ausländische Kreditinstitute sollen die des Schah gehören: laut Aufstellung einer iranischen Bank über 1,1 Milliarden Mark.
Am Freitag stieg die Spannung auf den Siedepunkt: die Nachricht, sowjetische Gas- und Öl-Frachter hätten an der Kaspischen Küste riesige Mengen Handfeuerwaffen angelandet.

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Ein gerechtes Wort an einen ungerechten Herrn

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