18.09.1978

Rommel: Ende einer Legende

Die Stimmung im Schloß von La Roche-Guyon, dem Sitz von Rommels Hauptquartier, war am Morgen des 9. Juli 1944 "nicht gerade gut", wie sich ein Teilnehmer erinnert. Das Gespräch beim Frühstück drehte sich um das Ersuchen des OKW, die Heeresgruppe B solle einen Vorschlag für eine großräumige Operation zur Zerschlagung des feindlichen Landekopfes in der Normandie einreichen.
Stabschef Speidel brach in schallendes Gelächter aus. "Ich will einen schönen Plan aufsetzen, mit wunderbaren Pfeilen, möglichst spitz", sagte er. "Zu gehen braucht es ja nicht."
Melancholisch ging Rommel auf den sarkastischen Ton ein. "Wenn wir im Osten der Front die Engländer angreifen wollen", meinte er, "wird befohlen, es geht gegen die Amerikaner, dann muß umgruppiert werden, und dann ist doch wieder alles anders!"
Die Ferngespräche, die an diesem 9. Juli im Kriegstagebuch registriert wurden, spiegeln die Krise während der Schlacht um Caen wider. Rommel: "Bitte OKW nicht darüber im Zweifel zu lassen. daß, wenn Gegner nochmals in gleicher Stärke wie gestern angreift, die jetzigen Stellungen nicht zu halten sein werden."
Rommels Gedanken waren noch ganz auf die harten
Kämpfe gerichtet, als ihm Speidel einen großen, gutaussehenden Oberstleutnant in Luftwaffenuniform ins Zimmer führte: Dr. Caesar von Hofacker, Motor und Wortführer der antinazistischen Verschwörer in den Pariser Stäben des Militärbefehlshabers Frankreich, Generals von Stülpnagel.
Taktvoll ließ Speidel die beiden allein. Niemand weiß genau, was gesprochen wurde. Es ist schwierig, die Unterredung zu rekonstruieren, da die Gestapo-Protokolle der Verhöre Hofackers
© Alle Rechte bei Hoffmann und Campe Verlas. Hamburg. Der ungekürzte Text erscheint unter dem Titel Rommel" übersetzt von Richard Giese, im Hoffmann und Campe Verlag: 632 Seiten: 36 Mark.
nach dem Attentat des 20. Juli 1944 fehlen. Man kann aber einige Schlüsse aus Nebenquellen ziehen.
Hofacker redete, und Rommel hörte zu. Der Oberstleutnant machte keine Anspielung auf eine bestimmte Widerstandsbewegung, geschweige denn auf Attentatspläne.
Und dies sind die Nebenquellen: Speidel sagte einiges vor der Gestapo aus. Die Protokolle seiner Vernehmung sind zwar ebenfalls aus den Archiven verschwunden, aber der Leiter der Gestapo-Untersuchungskommission "20. Juli", Dr. Georg Kiessel, berichtete über das Zwiegespräch von La Roche-Guyon, als er nach dem Krieg selbst im Gefängnis saß.
"Etwa eine halbe Stunde", so Kiessel, "hat Hofacker mit Rommel gesprochen und ihm auseinandergesetzt, daß die Lage ein rasches Handeln erfordere: wenn der Führer nicht wolle, müsse man ihn zwingen. Von dem Putsch und dem Attentat war nicht die Rede." Danach sei Rommel mit Speidel spazierengegangen, wobei er den Gedanken, Zwang auf Hitler auszuüben, als abwegig bezeichnet habe.
Rommel habe, so berichtet Kiessel weiter, dabei angekündigt: "Ich werde demnächst zum Führer fahren, um von ihm die Genehmigung zu einer Zusammenkunft mit dem Feldmarschall Montgomery zu erhalten. Ich bin sicher, daß Montgomery, im Hinblick auf die alte ritterliche Gegnerschaft, sich nicht versagt. Ich will ihn dann bewegen, in England für ein gemeinsames Vorgehen gegen Rußland einzutreten."
In einer Gegendarstellung, die Speidel nach dem Erscheinen der britischen Ausgabe meiner Rommel-Biographie verfaßte, hat er eingewandt, es sei in den Unterredungen zwischen Rommel, von Stülpnagel, von Hofacker und ihm nicht nur von der Notwendigkeit einer Beendigung des verlorenen Krieges. sondern auch von der einer Beseitigung der NS-Gewaltherrschaft gesprochen worden.
Rommel sei, so führt Speidel weiter aus, nicht erst durch ihn und vor allem auch nicht unwissentlich in Kontakt mit dem Widerstand gekommen, sondern bereits vor ihm durch den Stuttgarter Oberbürgermeister Dr. Karl Strölin, der dem Goerdeler-Kreis angehörte, darauf angesprochen worden. Zum Beleg dafür beruft sich Speidel auf die Rommel-Biographie des englischen Brigadegenerals Desmond Young, die eine entsprechende Äußerung von Frau Lucie Rommel wiedergibt.
Die Rommel-Biographie Youngs wurde jedoch sehr früh geschrieben; Young lagen weder die militärischen noch die privaten Papiere Rommels vor. Als Young sich auf Lucie Rommel berief, wußte er anscheinend nicht, daß sie im September 1945 in einer schriftlichen Erklärung betont hatte: "Ich möchte feststellen, daß mein Mann nicht an den Vorbereitungen oder der Ausführung des 20. 7. 1944 beteiligt war, da er es als Soldat ablehnte, diesen Weg zu beschreiten." Und ein Beleg dafür, daß Rommel gegen Hitler oder auch nur gegen die NS-Gewaltherrschaft vorgehen wollte, findet sich nicht.
Stauffenberg glaubt, Rommel gehöre zu den Putschisten.
So dürfte denn auch das Gespräch mit Hofacker den Feldmarschall unbeeindruckt gelassen haben; er reagierte ähnlich wie nach dem Annäherungsversuch Strölins im Februar 1944. Rommel sah den Oberstleutnant nie wieder, und alles spricht dafür, daß er ihn bald vergessen hatte. Aber Hofacker vergaß ihn nicht.
In rascher Fahrt fuhr er nach Paris zurück und eröffnete seinem Mitverschwörer Gotthard Freiherr von Falkenhausen: "Ich habe soeben wohl die interessanteste Stunde meines Lebens erlebt. Ich bin aufs Ganze gegangen und habe dem Feldmarschall völlig reinen Wein eingeschenkt."
In den nächsten Stunden berichtete er immer wieder über seine Unterredung mit Rommel, und sooft er davon erzählte, verdoppelte sich das Ausmaß seines Erfolgs. Friedrich von Teuchert, einem Militärverwaltungs-Oberrat in Stülpnagels Stab, erzählte er freudig erregt: "Rommel war kaum zu halten, er wollte am liebsten gleich losschlagen. Er scheint entschlossen, auch dann zu handeln, wenn die Pläne im Reich versagen."
Hofacker bat Teuchert noch in derselben Nacht, für Rommel den Entwurf eines Kapitulationsschreibens anzufertigen, das irgendwie zu Montgomery geschmuggelt werden sollte. Teuchert übertrug diese Aufgabe Stülpnagels Rechtsberater, Walter Bargatzky. Bis zum Morgengrauen hatte Bargatzky den Brief fertig. Rommel bekam ihn nie zu sehen.
Am nächsten Morgen eilte Hofacker nach Berlin. Dort traf er am 11. Juli mit seinem Vetter, Oberst Claus von Stauffenberg, dem Anführer der zum Putsch entschlossenen Offiziersgruppe, zusammen und berichtete ihm von seinem Erfolg im Schloß von La Roche-Guyon. Dann sah er Oberbürgermeister Carl Goerdeler, das zivile Haupt der Verschwörer, und teilte auch ihm mit, man habe Rommel für die Sache gewonnen.
Am 16. Juli berichtete Stauffenberg den versammelten Mitverschwörern, die Heerführer im Westen seien auf ihrer Seite. "Sie werden die Feindseligkeiten aus eigener Initiative einstellen", sagte er, "die deutschen Truppen auf den Westwall zurücknehmen und die Voraussetzungen für ein gemeinsames Vorgehen der Westmächte und Deutschlands mit der Absicht des baldigen Kriegsabschlusses schaffen."
Rommel aber blieb während der nächsten Tage unentschlossen. Außerdem hatte er mit der fortdauernden Schlacht vollauf zu tun; er fuhr die Front ab und traf mit seinen Truppenführern zusammen, aber er zögerte, offen über die Zukunft zu sprechen. Rommel sah im Bewußtsein seines Treueeids zum Führer keinen Ausweg. Seit Beginn der Invasion hatte er 97 000 Mann, unter ihnen 2360 Offiziere, verloren, aber nur 6000 Mann Ersatz erhalten. 225 Panzer waren vernichtet und nur 17 ersetzt worden. Die neuen Infanteriedivisionen waren kampfungewohnt und nicht imstande, feindliche Großangriffe auf die Dauer erfolgreich abzuwehren. Rommel stellt
Hitler ein Ultimatum.
Feldmarschall von Kluge, der Oberbefehlshaber West, kam im Lauf des Tages zum Schloß. Von seiner überheblichen Art war nichts mehr übriggeblieben. An die Stelle der forschen Zuversicht, die er vor einer Woche von Hitlers Berghof mitgebracht hatte, war bedrückte Ernüchterung getreten. Kluge war sichtlich gealtert.
Rommel wies auf den stündlich drohenden Durchbruch bei Saint-Lö hin. Irgendwoher mußte die 7. Armee Verstärkungen erhalten. Offensichtlich bat Kluge, Rommel möge ihm eine schriftliche Einschätzung der Lage geben. Nachdem er das Schloß verlassen hatte, rief Kluge Generaloberst Jodl an. "Ich betone noch einmal ohne Schwarzseherei", sagte Kluge am Telephon, "daß ich die Lage als sehr ernst ansehe."
Rommel ging wieder an die Front, Speidel aber kontaktierte erneut die Verschwörer. Unter dem Deckmantel eines Routinebesuchs bei Kluge fuhr er nach Paris, um sich mit Stülpnagel zu treffen. Dabei erfuhr er Einzelheiten über den dort geplanten Putsch.
Später machte er gegenüber dem Oberbefehlshaber der 15. Armee, Generaloberst von Salmuth, entsprechende Andeutungen. Salmuth schrieb in sein Privattagebuch: "Ich habe Speidel gegenüber zu diesen Absichten meine Zustimmung gegeben." Danach sollten die beiden Feldmarschälle Geheimverhandlungen im Westen einleiten und anbieten, die deutschen Truppen aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden zurückzuziehen, sofern die Alliierten die Bombardierung der deutschen Zivilbevölkerung sofort einstellten.
Daß ein hochintelligenter General wie Speidel ernsthaft erwartete, Briten und Amerikaner würden ihre Kriegsziele aufgeben, gar von ihrer Forderung nach bedingungsloser Kapitulation des Deutschen Reichs abrücken und Hitlers Eroberungen im Osten anerkennen -- dies zeigt, welchen Illusionen sich die Verschwörer hingaben.
Über Rommels persönliche Loyalität gegenüber Hitler kann es zu diesem Zeitpunkt keinen Zweifel geben, wie sehr der Generalfeldmarschall auch über Jodl und das OKW schimpfen mochte. "Die Schwierigkeit der Lage ist", sagte Rommel am 13. Juli zu Vizeadmiral Friedrich Ruge, seinem Marinesachverständigen, "daß man Widerstand bis zum Äußersten leisten muß, andererseits aber der Überzeugung ist, daß es wichtiger ist, die Russen am Eindringen zu hindern als die Anglo-Amerikaner."
Er glaubte, daß der Zusammenbruch in vier Wochen erfolgen würde, so daß eine politische Entscheidung sehr bald kommen müsse. Ruge notierte sich: "Der Gegensatz der Alliierten muß ausgenutzt werden. Am besten wäre es, wenn der Führer von sich aus Entsprechendes veranlaßte."
Inzwischen entwarf Speidel einen ungeschminkten Bericht an Kluge über die kritische Lage, den Rommel unterzeichnen sollte; er war am nächsten Tag, dem 15. Juli, fertig. Der Text war eindeutig. Er endete mit den Worten: Unter diesen Umständen muß damit gerechnet werden, daß es dem Feind in absehbarer Zeit gelingt, die dünne eigene Front, vor allem bei der 7. Armee, zu durchbrechen und in die Weite des französischen Raumes zu stoßen. Abgesehen von örtlichen Reserven der Panzergruppe West, die zunächst durch die Kämpfe an der Front der Panzergruppe gebunden sind und bei der feindlichen Luftherrschaft nur nachts marschieren können, stehen keine beweglichen Reserven für die Abwehr eines derartigen Durchbruchs bei der 7. Armee zur Verfügung.
Rommel nahm seinen Federhalter und fügte einen letzten Satz von mutiger und schonungsloser Offenheit hinzu: "Die Truppe kämpft allerorts heldenmütig, jedoch der ungleiche Kampf neigt dem Ende entgegen. Es ist meines Erachtens nötig, die politischen Folgerungen aus dieser Lage zu ziehen. Ich fühle mich verpflichtet als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe, dies klar auszusprechen."
Speidel und der Erste Generalstabsoffizier Tempelhoff waren über diesen Nachtrag ziemlich erschrocken und drängten Rommel, das Wort "politisch" zu streichen. Der Bericht wurde noch einmal abgeschrieben und am nächsten Tag an Kluge weitergeleitet.
Rommel hatte gehandelt und ein Ultimatum gestellt -- oder, wie er es sah, es für Kluge getan, der es mit dem ganzen Gewicht seiner eigenen Autorität an Hitler schicken sollte. "Ich bin gespannt, was auf mein Schreiben veranlaßt wird", gestand er Ruge ein. "Mir ist es gleich, ob sie mich rausschmeißen oder umlegen, was sie aber doch nicht tun. Führer in verantwortlichen Stellungen müssen ihre Meinung sagen."
Am 16. Juli fuhr er wieder zum Abschnitt der 15. Armee, um diesmal die 17. Luftwaffen-Felddivision bei Le Havre zu inspizieren. Nach dem Besuch fragte ihn der Generalstabsoffizier (Ia) der Division, Oberstleutnant Elmar Warning, was werden solle, denn "wir können es an den Knöpfen des Uniformrocks abzählen, wann <ler Durchbruch kommt".
Rommel: "Ich will Ihnen etwas sagen. Der Feldmarschall von Kluge und ich haben dem Führer ein Ultimatum gestellt. In dem bringen wir zum Ausdruck, daß der Krieg nicht zu gewinnen ist und er eine politische Entscheidung treffen muß."
Sepp Dietrich: "Herr Feldmarschall, ich gehorche nur Ihnen."
"Und was, wenn der Führer ablehnt?" fragte Warning.
"Dann mache ich die Westfront auf", antwortete Rommel, "denn es gibt nur eine wichtige Entscheidung, nämlich: Wir müssen dafür sorgen, daß die Anglo-Amerikaner eher in Berlin sind als die Russen!"
Oberst Lattmann, Rommels Artillerieoffizier" schildert ebenfalls einen Vorfall, der enthüllt, welches Rommels geheime Absichten waren: "Der Feldmarschall nahm mich zur Seite und fragte mich: "Nun, Lattmann, wie denken Sie denn über das Ende des Krieges?" Ich sagte: "Herr Feldmarschall, daß wir den Krieg nicht mehr gewinnen können, ist mir klar. Aber ich hoffe doch, daß wir noch so viel Kraft besitzen, daß es zu einem nicht zu harten Frieden kommt." Und da sagte er mir: "Ich will versuchen, auf Grund meines Ansehens bei den Alliierten, mit dem Westen zu paktieren gegen den Willen Hitlers und unter der Voraussetzung, daß sie uns erlauben, mit ihnen gemeinsam gegen Rußland zu marschieren."
Und das gab er auch den Truppenführern an der Front zu verstehen. Aus Nachkriegsdokumenten geht deutlich hervor, daß es in jeder Besprechung zwischen Rommel und den Truppenführern vertrauliche Andeutungen über seine Waffenstillstandspläne gab. Da ist zum Beispiel das Gespräch mit General Eberbach, dem Oberbefehlshaber der Panzergruppe West. "So kann es nicht weitergehen", sagte Rommel zu ihm. Eberbach legte sich nicht fest. "Glauben Sie, daß der Gegner sich auf Verhandlungen über einen Waffenstillstand überhaupt einläßt, solange Hitler noch an der Macht ist?" fragte er.
Rommel schüttelte den Kopf. "Ich brauche Ihre Unterstützung", erwiderte er. "Wir müssen zusammenarbeiten um des deutschen Volkes willen, das sich bis jetzt so anständig verhalten hat." Eberbach blieb skeptisch.
Ein ähnliches Gespräch fand am nächsten Tag statt, als Rommel das I. SS-Panzerkorps besuchte. Sepp Dietrich, dessen Kommandierender General, gehörte zu Hitlers treuesten Anhängern. In Gegenwart von Hellmuth Lang. dem Ordonnanzoffizier des Feldmarschalls, trat Rommel mit der Frage auf ihn zu: "Werden Sie meine Befehle stets ausführen, auch wenn sie im Widerspruch zu denen des Führers stünden?" Darauf Dietrich: "Sie sind mein Oberbefehlshaber. Herr Feldmarschall. Ich gehorche nur Ihnen, was Sie auch befehlen."
Es folgte ein längeres Gespräch unter vier Augen, das Lang nicht mithören konnte. Danach stieg Rommel in den Horch und befahl Oberfeldwebel Daniel, zum Schloß zurückzufahren. Nach langem Schweigen sagte Rommel zu Lang: "Dietrich ist jetzt auf unserer Seite."
Eine Straßenkarte lag auf Rommels Knien. Neben Lang auf dem Rücksitz saß ein Obergefreiter als Luftspäher. In den letzten beiden Stunden hatte sich die Anzahl abgeschossener Kraftfahrzeuge, die am Straßenrand lagen, zusehends vervielfacht. In einigen lagen noch Tote und Verwundete; es mußten "riefflieger in der Gegend sein.
Als der Horch sich Livarot näherte, entdeckte der Luftspäher acht feindliche Flugzeuge am Himmel. Rommel rief dem Fahrer zu, in einen parallel verlaufenden, laubgeschützten Parkweg zu fahren, der allerdings nach einigen Kilometern wieder in die Hauptstraße mündete. Tieffliegerangriff -Rommel schwer verwundet.
Plötzlich meldete der Luftspäher. zwei Flugzeuge hätten in Richtung auf die Straße eingedreht. Rommel schrie Daniel zu, mit größter Geschwindigkeit zu fahren, um einen 300 Meter entfernten, rechts abbiegenden Nebenweg zu erreichen.
Doch bevor der Horch das geschafft hatte, näherte sich die erste "Spitfire". in Baumhöhe fliegend, und eröffnete aus 500 Meter Entfernung das Feuer aus Maschinengewehr und Bordkanone. Die Hand am Türgriff, schaute Rommel in diesem Augenblick zurück und sah das Mündungsfeuer blitzen. Sprenggranaten explodierten hinter ihnen auf der Straße und trafen vor allem die linke Seite des Wagens.
Rommel wurde durch glühende Geschoß- und Glassplitter im Gesicht verletzt. Eine Sprenggranate zerschlug Daniel die linke Schulter. Dann raste das Fahrzeug führerlos den Hügel hinunter und gegen einen Baum auf der anderen Straßenseite, so daß die Insassen auf die Straße geschleudert wurden. Rommel war schwer mit dem Kopf aufgeschlagen; er hatte einen Schädelbasisbruch und eine schwere Gehirnerschütterung erlitten.
Drei Stunden später erfuhr Speidel von dem "Autounglück" und rief sofort Kluge an. Kluge machte das Lazarett ausfindig. Der Chefarzt rief zurück; Rommel war noch in tiefer Bewußtlosigkeit. "Er wird erst in sechs Monaten wiederhergestellt sein", sagte der Chefarzt.
Für Kluge war es wie ein Geschenk des Himmels. Nun pries er seine Vorsicht -- hatte er doch, aus welchen Gründen auch immer, Rommels Ultimatum noch nicht an Hitler weitergeleitet. Er, Kluge, würde jetzt die vollständige Befehlsgewalt in der Normandie übernehmen können, ohne daß ihm der dickköpfige Rommel dazwischenredete. Tatsächlich übertrug ihm Hitler den Befehl über die Heeresgruppe B und beließ ihn zugleich auf seinem Posten als Oberbefehlshaber West.
Notdürftig verbunden, lag Rommel auf einer Trage. Er konnte nicht sehen, spürte aber, wie aus Mund und Ohren Blut rann.
Halb bei Bewußtsein wurde er dann von der Trage hochgehoben und auf Kissen in einen Mercedes gebettet. Ein Sanitätsgefreiter hielt seinen verbundenen Kopf auf dem Schoß. Er hörte den Motor aufheulen und Lang immer wieder rufen: "Spitfire von links! Tiefflieger von rechts!" Immer wieder mußte der Fahrer bremsen und von der Hauptstraße abbiegen.
Aber dann hielt der Wagen. Rasch wurde Rommel auf eine Trage gehoben und in den Operationssaal gebracht.
* Hitler-Sekretär Bormann (l.) und Reichsmarschall Göring ( 3. v. l.) besichtigen am 20. Juli 1944 den von Stauffenbergs Bombe zerstörten Kartenraum in der "Wolfsschanze".
Mehrmals stöhnte er laut auf: "Mein Kopf, mein Kopf." Er wurde geröntgt, fühlte den kalten Tisch und hörte die Geräusche im Lazarett.
Als Rommel am nächsten Tag, dem 18. Juli, wieder zu Bewußtsein kam, lag er in einem Zimmer im zweiten Stock des Luftwaffenlazaretts in Bernay. Neben ihm am Bett saß geduldig sein Ordonnanzoffizier. Lang berichtete seinem Chef, Franzosen hätten die klaffenden Wunden seines übel zugerichteten Kopfs mit Stoffstreifen umwickelt, und der Apotheker von Livarot, Marcel Lescene, habe ihm zwei Ampullen Kampferöl injiziert, was ihm wahrscheinlich das Leben gerettet habe.
Am selben Tag gewann Rommel noch eine Schlacht. Seine Truppen machten Montgomerys letzten Versuch zunichte, aus Caen auszubrechen. Bis zum Abend waren 126 feindliche Panzer vernichtet. Der Angriff war, noch weit weg von seinem Ziel Falaise, zum Stillstand gekommen. Es war Rommels letzter Sieg, und es erscheint durchaus angemessen, daß er ihn über seinen Gegenspieler Montgomery errang.
Dann kam der 20. Juli. Am Morgen dieses Tages erfuhren die Verschwörer in Paris, das Attentat gegen Hitler solle um die Mittagszeit stattfinden. Oberst Finckh, der Oberquartiermeister West, riet davon ab, den jetzt auf Schloß La Roche-Guyon residierenden Kluge einzuweihen. Aber Speidel wußte Bescheid, wie aus seinen späteren Äußerungen hervorging.
Kurz nach 12.30 Uhr stellte Stauffenberg in Hitlers Besprechungsbaracke in der "Wolfschanze" seine Tasche mit der Bombe ab. Es gelang ihm, wegzukommen und nach Berlin zurückzufliegen. Von dort rief er seine Gefährten in Paris an. Finckh meldete Kluges Stabschef Blumentritt: "Herr General, in Berlin hat ein Gestapo-Putsch stattgefunden. Der Führer ist tot."
Gegen 15.30 Uhr versuchte Blumentritt, Kluge im Schloß zu erreichen, aber Speidel sagte ihm, der OB sei auf einer Frontfahrt und werde nicht vor Abend zurückkommen. Speidel bat Blumentritt, sofort zum Schloß zu kommen. Auch Hofacker und Stülpnagel eilten nach La Roche-Guyon.
Speidel weigerte sich jedoch, in Abwesenheit Kluges Entscheidungen zu treffen, und zog sich in sein Büro zurück. Als sein Ja, Tempelhoff, fragte, was nun geschehen solle, da Hitler tot sei, erklärte er, im Augenblick sei er durch die Kämpfe in der Normandie zu sehr in Anspruch genommen. Sein Instinkt hat Speidel gut beraten.
Um 18.15 Uhr kehrte der Feldmarschall zurück. Speidel meldete ihm die Neuigkeiten. Kluge war ebenfalls unschlüssig; er wußte nicht, ob er die Kämpfe einstellen sollte, wozu die Verschwörer ihn drängten. Feldmarschall Kluge:
"Das Schwein ist am Leben."
Kluge und Speidel erhielten jetzt mehrere einander widersprechende Telegramme und telephonische Mitteilungen. Mal hieß es, Hitler lebe, mal, er sei tot. Hofacker und Stülpnagel beschworen den Feldmarschall, trotzdem zu handeln und durch eine Kapitulation in Frankreich Hitler zum Nachgeben zu zwingen. Kluge wies sie ab. "Da das Schwein am Leben ist, sind meine Hände gebunden", erwiderte er. "Ich habe meine Befehle zu befolgen."
Um 20.40 Uhr rief Jodls Stellvertreter, General Walter Warlimont, Kluge direkt aus Hitlers Hauptquartier an. Der Führer ist völlig gesund." Kluge legte auf, drehte sich ganz ruhig um und sagte zu den anwesenden Offizieren: "Ja, meine Herren, es ist eben ein mißglücktes Attentat."
Hofacker bat um Erlaubnis, dem Feldmarschall über die Vorgeschichte vortragen zu dürfen. Kluge nickte, hörte schweigend zu, stand dann auf und distanzierte sieh völlig von allem. Stülpnagel wurde klar, daß Hofackers Behauptung, er habe Rommel und Kluge für die Sache gewinnen können. falsch gewesen war.
"Herr Feldmarschall," rief er aus, "ich dachte, Herr Feldmarschall wüßten Bescheid?"
"Nein", sagte Kluge, "keine Ahnung habe ich."
Und Rommel? Als ihm Besucher die ersten Meldungen vom Attentatsversuch überbracht hatten, war Lang Zeuge gewesen, wie Rommel seiner Empörung in kräftigen Worten Ausdruck verlieh. Er hatte mit solchem Nachdruck darauf gedrängt, Einzelheiten zu erfahren, daß sein Ordonnanzoffizier die Überzeugung gewann, Rommel sei völlig ahnungslos gewesen.
Nicht ein einziges Mal, auch nicht seinen engsten Freunden gegenüber, hat Rommel je Verständnis für Stauffenbergs Tat geäußert. Als Kluge ihn wenige Tage später abends besuchte, wiederholte Rommel immer wieder: "Wahnsinn. Unglaublich. Gegen den Führer. Das hat niemand gewollt." Seiner Frau gegenüber äußerte er: "Zu meinem Unfall hat mich das Attentat auf den Führer besonders stark erschüttert. Man kann Gott danken, daß es so gut abgegangen ist."
Täglich saß Ruge an Rommels Bett im Lazarett von Le Vésinet, Rommels nächster Station, und las dem Patienten aus Büchern vor. Rommel flüsterte ihm zu, er müsse unbedingt zu Hitler, um mit ihm über Deutschlands Zukunft zu reden. Am 24. Juli notierte Ruge: "Er sagte wieder, daß er dringend Hitler persönlich Vortrag halten wolle, um seine Auffassung (Frieden im Westen) vorzubringen, denn irgend jemand müsse es ihm sagen."
Ein Gedanke peinigte ihn ebenfalls: Die Presse im Reich hatte nicht über seine Verwundung berichtet. Alle Welt glaubte noch, daß er die Kämpfe in Frankreich leite. "Anscheinend soll der Name des OB als militärisches Aktivum verwertet werden", schrieb Lang. Rommel war da nicht so sicher; ihm schien dieses Schweigen eher darauf hinzudeuten, daß man die Schuld an der unvermeidlichen Niederlage ihm zuschieben wollte.
Etwa zur selben Zeit hielt Adolf Hitler in seinem Bunker in Ostpreußen ein Dokument in der Hand. Es führte Beweise gegen Kluge und Rommel auf, die von Ernst Kaltenbrunner, dem Chef des Reichssicherheitshauptamtes, zusammengetragen worden waren.
in seinem Tagebuch notierte Jodl: "17 Uhr. Führer läßt noch die Meldung lesen, die Kaltenbrunner über die Aussagen des Oberstleutnants Hofacker wegen Besprechungen mit K. und R. gemacht hat. Führer sucht noch einen neuen OB West. Will R. nach seiner Wiederherstellung befragen und ihn dann entlassen, ohne weiteren Aufhebens,"
Wir werden niemals erfahren, welche Motive der inzwischen von der Gestapo verhaftete Hofacker hatte, so viele Dinge zu enthüllen. Die Versuchung. sich hinter dem Rücken eines bekannten und mächtigen Feldmarschalls zu verstecken, war vielleicht zu groß. Daß Hofacker ausgesagt hat, ist nicht zweifelhaft: General Blumentritt war Zeuge dabei.
Er war von dem Höheren SS- und Polizeiführer Frankreich, SS-Obergruppenführer Carl-Albrecht Oberg, eingeladen worden, an Hofackers nächster Vernehmung im Hotel " Raphael", dem früheren Stabsquartier Stülpnagels, teilzunehmen. Als sie ins Zimmer traten, warnte Oberg den General: "Es werden Namen genannt. Und darunter auch Ihr OB! Ich kann es nicht glauben -- es ist sicher irgendein Mißverständnis. Rommels Name ist auch erwähnt worden."
Blumentritt hierzu 1945: "Stellen Sie sich die Situation vor. Hier sitzt Hofacker auf dem Sofa, raucht eine Zigarette. Alle sind sehr liebenswürdig. Die Unterhaltung mit Hofacker ist nett und freundlich. Sie dauert von 16 bis 23 Uhr. Er sagt alles, erklärt: "Ich weiß, mein Leben ist verwirkt.""
Belastungsmaterial von Himmler.
Aber Hofacker hatte der Gestapo durchaus nicht "alles" erzählt. Die wirklichen Verschwörer, seine engeren Freunde wie Speidel, Falkenhausen und Teuchert, verriet er nicht; er nannte nur die beiden Feldmarschälle (allerdings nicht in Anwesenheit Blumentritts).
Ein Luftwaffengeneral, der an der Mittagslage im Führerhauptquartier am 14. August teilnahm, schrieb in sein Tagebuch; "Gespannte Stimmung. Fegelein (Himmlers Vertreter) macht Andeutungen über Belastungen weiterer Generale und Feldmarschälle im Zusammenhang mit dem 20. Juli." Wenige Stunden später erschien Himmler bei Hitler; in seiner Aktentasche befand sich ein Zettel mit der kurzen Notiz: "West. Kluge -- Rommel." Was er Hitler berichtete, brachte das Faß zum Überlaufen.
Kluge bekam offensichtlich Wind von den Vorwürfen. Den ganzen nächsten Tag, den 15. August, war er auf rätselvolle Weise verschwunden. Hitler hatte den Feldmarschall im Verdacht, Verbindung zum Gegner zu suchen. Er löste ihn auf der Stelle ab und befahl ihn zu sich. Kluge zog es vor, eine Zyankalikapsel zu schlucken.
Hofacker wurde ins Gestapo-Hauptquartier nach Berlin gebracht, wo er weiteren Vernehmungen ausgesetzt wurde; es ist nicht auszuschließen, daß hierbei die berüchtigten Methoden des "verschärften Verhörs" angewandt wurden. Irgend jemand, wahrscheinlich Finckh, beschuldigte jetzt auch Speidel der Mitwisserschaft an dem Attentat. Am 25. August verlangte Hitler die Verhaftung des Generals.
Er bestimmte General Hans Krebs zu Speidels Nachfolger und befahl ihm, erst einmal den "völlig verseuchten" Stab des Heeres zu säubern. Bevor Krebs nach Frankreich ging, belehrte ihn Hitler in Sachen Rommel: "Er hat nun das Schlimmste getan, was es in einem solchen Falle überhaupt für einen Soldaten geben kann: nach anderen Auswegen gesucht als nach militärischen, Ich halte Rommel in begrenztem Rahmen für einen außerordentlich kühnen und auch gescheiten Führer. Ich halte ihn nicht für einen Steher, und das ist auch die Auffassung aller Herren."
Rommel geht nicht mehr ohne Pistole aus dem Haus.
Aus dem Stenogramm geht eindeutig hervor, daß Hitler zwar enttäuscht von Rommel war, ihm aber bis zu diesem Zeitpunkt noch wohlwollend und nicht feindselig gegenüberstand. Doch das sollte sich ändern, als Hitler neue Vernehmungsprotokolle vorgelegt wurden.
Rommel war noch völlig ahnungslos. Er erholte sieh gut in Le Vésinet, aber er war blaß, sein linkes Auge war immer noch geschlossen, und er hatte eine daumengroße Kerbe an der Schläfe. Hans Lattmann besuchte ihn am 6. August und war eine halbe Stunde allein mit ihm zusammen. Rommel flüsterte ihm zu: "Wenn ich jetzt wieder gesund bin, dann werde ich zum Führer gehen und werde ihm deutlich sagen: Du mußt Schluß machen, denn das deutsche Volk hat so viel geopfert."
Am 8. August wurde Rommel für Iransportfähig erklärt und in seine schwäbische Heimat gebracht. Als er mit unsicheren Schritten sein Grundstuck in Herrlingen betrat, kamen ihm seine Frau und der Bursche Rudolf Loistl entgegen. Rommel sah, wie sie heim Anblick seiner Kopfverletzungen erschraken, und sagte mit gezwungenem Lächeln: "Solange man den Kopf nicht unter der Achsel trägt, ist es nicht schlimm!"
Die Nachbarn sahen ihn, gestützt auf den Arm seines Sohnes, im Garten spazierengehen; an seiner Uniform schimmerte das goldene Verwundetenabzeichen. Zuweilen sprach er über den Attentatsversuch.
Er konnte nicht glauben, daß jemand die Anweisungen der Verschwörer in Berlin befolgt hätte -- und schon gar nicht Befehle von dem Generaloberst Beck. "Hitler wäre gefährlicher tot als lebendig", sagte er zu seinem Sohn. "Ich wollte selbständig handeln und im Westen Frieden schließen."
Seltsame Dinge geschahen. Einmal hörte Rommels Bursche unten an der Haustür ein Kratzen. Als er aufsprang und zum Fenster hinausschaute, sah er, wie ein "Schatten in der Dunkelheit weghuschte". Der Bürgermeister des Orts meldete. Frau Wöffel, eine Nachbarin, habe einige verdächtige Gestalten, offensichtlich Männer der Gestapo, beobachtet, die Rommel überwachten.
Danach ließ sich Rommel von der Kommandantur Ulm eine eigene Wache stellen. Er selbst ging niemals mehr ohne Pistole aus. Wenn die beiden Rommels, Vater und Sohn, Spaziergänge durch die umliegenden Wälder machten, konnten sie bald selbst ihre Überwacher sehen. Eines Nachts schoß Rommels Wachtposten auf einen Eindringling. Überwachte ihn die Gestapo wirklich?
Da erschien Speidel in Herrlingen und beklagte sich darüber, daß er ohne die geringste Begründung durch Krebs abgelöst und nach Deutschland zurückberufen worden sei. Es sollte noch schlimmer kommen: Am nächsten Abend rief Ruth Speidel an und teilte Rommel mit, die Gestapo habe ihren Mann verhaftet und nach Berlin gebracht.
Rommel hatte immer noch keine Ahnung von der Verwicklung Speidels in Stauffenbergs Attentat. So konnte er nur annehmen, daß nun eine Hexenjagd gegen die für den Zusammenbruch der Westfront "verantwortlichen" Kommandeure begänne.
Zur selben Zeit waren Speidels Schwager Max Horst, Freiherr von Falkenhausen und andere Verschwörer verhaftet und ins Gestapo-Hauptquartier nach Berlin gebracht worden. Da sie alle den Krieg überlebt haben, muß man annehmen, daß sie die Vernehmungsbeamten der Gestapo in irgendeiner Weise überlisteten. Falkenhausen zum Beispiel leugnete so glaubhaft, daß er vom Volksgerichtshof schließlich freigesprochen wurde.
Einige Tage später kam Speidel an die Reihe. Zunächst konzedierte Speidel gegenüber der Gestapo lediglich einen Spaziergang mit Rommel im Park des Schlosses von La Roche-Guyon nach Hofackers Besuch am 9. Juli und Rommels Plan, Hitlers Erlaubnis für ein Treffen mit Montgomery zu erlangen.
Ferner gab er zu, Rommel am 22. Juli im Lazarett besucht zu haben. "Rommel erklärte ihm, daß er nunmehr nach dem Attentat die Unterredung mit Hofacker unter einem ganz anderen Blickwinkel betrachte", heißt es in dem Gedächtnisprotokoll des Gestapo-Untersuchungsführers Kiessel.
Doch Hofackers Darstellung sah entschieden anders aus. Er behauptete, über den Attentatsplan mit Speidel gesprochen zu haben, bevor er von Rommel empfangen worden sei. Die Gestapo bearbeitete Speidel, um zu erfahren, ob er Rommel dies mitgeteilt habe oder nicht (denn offensichtlich hatte Hofacker selbst nicht behauptet, mit dem Generalfeldmarschalt darüber gesprochen zu haben).
Speidel war in der Klemme. Wenn er nicht Rommel die ganze Schuld zuschieben wollte, konnte er nur Hofacker der Lüge bezichtigen. Leider sind die Protokolle der Gestapo über Speidels Vernehmungen verschwunden. Speidel selbst schrieb 1945 in einem unveröffentlichten Manuskript:
Mit einer mehrstündigen Gegenüberstellung mit dem schon zum Tode verurteilten und gefesselten Oberstleutnant Dr. von Hofacker schloß die Vernehmungskette. Dr. von Hofacker hatte sich völlig in der Hand, obwohl er Spuren von körperlicher Züchtigung aufwies; in souveräner Weise stellte er sich vor mich. Auf Vorhalt seiner früheren Aussagen über das Attentat widerrief er seine Aussage über meine Mitwisserschaft mit den Worten: "Es muß sich um eine Gedächtnisverwechslung gehandelt haben."
Rommel aber hörte noch immer nichts von Speidel -- und das brachte das Blut des Generalfeldmarschalls in Wallung. Ruth Speidel schrieb ihm am 26. September. und Rommel antwortete ihr voller Mitgefühl am 1. Oktober. Am selben Tag verfaßte er einen langen Brief an Hitler -- zugunsten Speidels.
Er hielt nicht zurück mit Lob über seinen ehemaligen Generalstabschef und erinnerte Hitler daran, daß dieser selbst Speidel das Ritterkreuz verliehen habe. "Im Westen erwies sich Speidel schon in den ersten Wochen als hervorragend tüchtiger und fleißiger Generalstabschef", schrieb Rommel. "Er nahm den Stab fest an den Zügel. hatte viel Verständnis für die Truppe und half mir getreulich, die Abwehrbereitschaft am Atlantikwall mit den vorhandenen Mitteln so rasch wie irgend möglich zu vervollkommnen."
Der "Ehrenhof der Wehrmacht" tritt zusammen.
Und dann folgte der vielleicht wichtigste Satz des Briefs: "Ich kann mir nicht vorstellen, was zur Ablösung und Festnahme Generalleutnant Speidels geführt haben mag." Schlußsatz: "Sie, mein Führer, wissen, wie ich meine ganze Kraft und mein Können eingesetzt habe, sei es im Westfeldzug 1940 oder in Afrika 1941-1943 oder in Italien 1943 oder wieder im Westen 1944. Mich beherrschte stets nur ein Gedanke, zu kämpfen und zu siegen für Ihr neues Deutschland. Heil, mein Führer! E. Rommel."
Doch der Name des Generalfeldmarschalls war bereits hoffnungslos diskreditiert, die Vernehmungen Speidels durch die Gestapo abgeschlossen. Am 4. Oktober 1944 trat der "Ehrenhof der Wehrmacht", dessen Schuldsprüche es bedurfte, um einen Offizier vor den Volksgerichtshof zu bringen, zu einer Sitzung zusammen.
Speidel war nicht anwesend. Die Verhandlung wurde vorn Chef des OKW, Generalfeldmarschall Keitel, geleitet; fünf Generale amteten als Richter. Da einer der ursprünglich benannten Generale bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war, hatte man Generalleutnant Heinrich Kirchheim an dessen Stelle zur Sitzung kommandiert. Er hat später festgehalten. was in der Sitzung geschah.
In gewisser Weise stand jetzt nicht nur Speidel, sondern auch Rommel vor dem Ehrengericht. Die Richter sollten nämlich. wie sich .jetzt herausstellte, darüber entscheiden, wer hängen mußte: Speidel oder Rommel.
Als Vertreter der Anklage fungierte Kaltenbrunner. Er true den Tatbestand vor: "Nach eigener Erklärung Generalleutnants Speidel habe er durch einen entsandten Offizier von General von Stülpnagel Kenntnis vom Plan für das Attentat vom 20. Juli 1944 erhalten. Er habe zwar dem Generalfeldmarschall Rommel Meldung hiervon gemacht, aber als Rommel die Weitermeldung unterließ, wäre es Speidels Pflicht gewesen, seinerseits unverzüglich über den Plan für das Attentat zu berichten. Er hätte das aber unterlassen." (Mit dem "entsandten Offizier" war Hofacker gemeint.)
Speidels Einlassung, ihm sei nicht bekannt gewesen, daß Rommel die Meldung unterlassen habe, nannte Kaltenbrunner unglaubhaft. In seiner Stellung als Stabschef habe ihm Rommel seine Absicht, die Meldung zu unterlassen, bestimmt nicht verschwiegen. Hätte Speidel den Plan dem OKW gemeldet, wäre das Attentat mit Sicherheit verhindert worden. Deshalb, so argumentierte Kaltenbrunner, sei Speidel mindestens als Mitwisser und Helfer am Attentat schuldig.
"Hierauf herrschte beklommenes Schweigen", berichtet Kirchheim. "Wohl jedem der Richter ging es wie mir: die Erkenntnis, daß nicht nur Speidel, sondern auch Rommel, und dieser in noch schwererer Weise, durch den Tatbestand belastet wurde." Kirchheim und der ebenfalls anwesende Guderian, beide keine sonderlichen Bewunderer Rommels, wußten, daß eine Verdammung Speidels Rommel völlig entlasten würde. Beide entschieden sich jedoch für einen anderen Weg.
Als Keitel drohend verkündete: "Der Führer hat die Ansicht ausgesprochen, daß an der Schuld Speidels nicht zu zweifeln ist", wies Kirchheim darauf hin, daß die Beweislast Sache der Anklage sei und daß, wenn Speidel sage, er habe Rommel von dem bevorstehenden Putsch unterrichtet, die Anklage das Gegenteil beweisen müsse. Guderian unterstützte diese Argumentation.
In einem Brief an Speidel vom 18. August 1945 schrieb Kirchheim: "Es wurde, nachdem ich für "nichtverdächtig" plädierte, Ihr nahes Verhältnis zu Rommel als besonders belastend bezeichnet, da es als ausgeschlossen erscheine, daß Rommel Ihnen etwas Wichtiges wie die Nichtweitergabe Ihrer Meldung verheimlicht habe. Guderian hat darauf in längeren Ausführungen Sie sehr energisch und geschickt verteidigt."
So wurde der Fall wieder an die Gestapo zurückverwiesen. Speidel wurde nicht aus dem Heer ausgestoßen, so daß der Volksgerichtshof ihn nicht belangen konnte. Aber nun begann die Hexenjagd gegen Rommel. Keitel versucht,
Rommel nach Berlin zu locken.
General Speidel hat freilich in einem Gespräch mit mir entschieden bestritten, vor der Gestapo irgendwelche Rommel belastenden Aussagen gemacht zu haben. "Wenn Kaltenbrunner welche vorgelegt hat", betont er, "dann waren es Fälschungen."
Ich hielt dem entgegen, daß die Gestapo es nicht gewagt haben würde, den hohen Offizieren des Ehrenhofs gefälschte Dokumente vorzulegen, die leicht widerlegt werden konnten. Und außerdem: Warum hatte Speidel dies in seiner Antwort auf Kirchheims Brief von 1945 nicht bestritten? Speidels Antwort: "Ich habe ein gutes Gewissen."
Später hat der General in einer Gegendarstellung noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, daß jedes Eingeständnis der Mitwisserschaft seinen eigenen sicheren Tod bedeutet haben würde, und daß er angesichts dieser Tatsache vor der Gestapo konsequent jede Kenntnis des Attentatsplans bestritten habe. Er beruft sich dabei auch auf Dokumente, die besagen sollen, daß seine Aussagen Rommel nicht belastet hätten.
So habe Feldmarschall Keitel bei einem Vorverhör durch amerikanische Vernehmungsoffiziere am 28. September 1945 ausgeführt, Rommel sei "mit Gewißheit" nicht durch Aussagen Speidels belastet worden; auch Generaloberst Jodl habe vier Tage später zu Protokoll gegeben, er habe eine Aussage Speidels vor der Gestapo gelesen, aber dieser habe jede Kenntnis des Attentats bestritten.
Sicherlich hätte sein Eingeständnis. vom bevorstehenden Attentat gewußt zu haben, für Speidel den sicheren Tod bedeutet. Damit er dem Volksgerichtshof überstellt werden konnte, mußte er indes als Offizier erst einmal aus dem Heer ausgestoßen werden -- und eben dies wußte der Ehrenrat zu verhindern. Speidel hat selber im August 1965 bestätigt, daß Guderian durch die erwirkte Vertagung des Verfahrens ihm buchstäblich das Leben gerettet habe.
"Generaloberst Guderian hat sich in einer zwanzig Minuten dauernden Debatte mit Keitel vor mich gestellt", schrieb Speidel. "Danach gab er sein Votum für mich ab. So ist es ihm zu verdanken, daß eine Verurteilung durch den sogenannten Volksgerichtshof nicht erfolgt ist."
Daß Keitel bei seinem Verhör in Nürnberg Speidel nicht belasten wollte, ist durchaus möglich. Aber wenigstens General Burgdorf, der Chef des Heerespersonalamtes, scheint eine belastende Aussage Speidels gelesen zu haben, wie er Rommel selber am 14. Oktober 1944 mitteilte. Rommel gab diese mündliche Äußerung Burgdorfs sofort an seinen Sohn und seine Frau weiter, wie beide in mehreren Erklärungen seit 1945 bezeugt haben.
Erwin Rommel aber war nicht mehr zu retten. Schon am 7. Oktober 1944. drei Tage nach der Sitzung des Ehrenhofs, rief Keitel bei Rommel an, um ihn aufzufordern, nach Berlin zu kommen. "Wir werden ihm einen Sonderzug nach Ulm schicken", erklärte er Rommels Ordonnanzoffizier.
Rommel sprach darüber mit seiner Familie: "So einfach mach" ich es den Herren nicht", sagte er. Dann wollte er Keitel zurückrufen, wurde aber mit Burgdorf verbunden.
"Worum geht es bei dieser Besprechung?" fragte Rommel.
Burgdorf: "Der Führer hat Feldmarschall Keitel beauftragt, mit Ihnen über Ihre künftige Verwendung zu sprechen."
Obgleich Burgdorf und Rommel alte Kameraden von der Infanterieschule Dresden waren, hatte Rommel ein ungutes Gefühl. "Ich glaube, ich kann nicht kommen", erklärte er. "Am Zehnten habe ich einen Termin bei meinem Spezialisten. Sie sagen, bei meinem Zustand darf ich keine längeren Reisen machen."
Rommel wurde von dusteren Vorahnungen heimgesucht. Als ihn der Ulmer Fabrikant Carl Schwenk besuchte, äußerte Rommel: "Es ist das letzte Mal. Sie bringen mich um." Er wurde weiterhin von Beamten der Gestapo beschattet. Doch am gefährlichsten für Rommel waren die Vernehmungsberichte der Gestapo und des Volksgerichtshofs. Hofacker hatte inzwischen ein langes Geständnis unterschrieben, in dem er behauptete, Rommel habe den Verschwörern seine aktive Unterstützung zugesagt, falls das Attentat gelinge.
Nach der Lagebesprechung am 12. Oktober erhielt Keitel von Hitler den Auftrag, Rommel mit Hofackers Aussagen zu konfrontieren. Außerdem diktierte ihm Hitler einen Brief an Rommel. Darin wurde der Generalfeldmarschall aufgefordert, sich beim "Führer" zu melden, wenn er sich nicht schuldig im Sinne der Aussagen Hofackers fühle. Andernfalls würden Verhaftung und Prozeß unabwendbar sein. Das müsse er aber als Offizier und Ehrenmann zu vermeiden suchen und statt dessen die angemessenen Konsequenzen ziehen. Hitler schickt
Gift und einen Kranz.
Keitel übergab Brief und Vernehmungsprotokolle Burgdorf, der die Papiere persönlich nach Herrlingen bringen sollte, Er wies Burgdorf darauf hin, daß es besser wäre, wenn Rommel sich für die zweite Möglichkeit entschiede, und daß er ihm lieber Gift als die Pistole empfehlen solle. Dann könne man die wirkliche Todesursache vertuschen und "natürliche Ursachen" angeben.
Burgdorf befahl Generalleutnant Ernst Maisel, dem für Ehrenangelegenheiten zuständigen Amtsgruppenchef, ihn als Zeuge zu begleiten. Am Mittag des 13. Oktober fuhren sie in einem kleinen Opel aus der Fahrbereitschaft der Reichskanzlei los.
Im Lauf des Tages erhielt die Ulmer Wehrmachtskommandantur die Nachricht. am nächsten Morgen werde mit dem D-Zug aus Berlin ein großer Kranz eintreffen, und ein Offizier solle ihn abholen. Die Deutschen waren schon immer sehr gründlich. In der Tat hatte während der letzten Tage ein "Arbeitsstab F" unter Leitung des Burgdorf unterstellten Oberstleutnants Fressen schon ein Programm mit dem Titel "Ablauf eines Staatsbegräbnisses (R)" entworfen. Nur Zeit und Ort mußten noch ausgefüllt werden.
Rommel aber hat keine Ahnung vom Zweck des ihm angekündigten Besuchs der Generale. Optimistisch, wie er ist, hofft er auf ein neues Kommando. Er notiert sich die Punkte, die er als erstes mit Burgdorf besprechen will: "Kraftwagen für Fahrt zur Behandlung nach Tübingen. Krad für Ordonnanzoffizier. Schreibkraft. Ordonnanzoffizier."
Aber dann spricht der Pessimist aus Rommel. Ob er sieh in Wirklichkeit für den militärischen Zusammenbruch in Frankreich rechtfertigen muß? Auf dem Spaziergang mit seinem Sohn am Morgen des 14. Oktober meint er: "Entweder es passiert heute gar nichts, oder wir sehen uns heute abend nicht mehr -- das wird sich heute entscheiden."
Pünktlich um 12 Uhr schellt die Glocke. Loistl öffnet die Haustür.
Burgdorf und Maisel treten ein. Man grüßt sich militärisch. Frau Rommel lädt die Herren zum Essen ein, aber Burgdorf lehnt ab. "Es ist dienstlich", erklärt er. Er fragt, oh sie allein mit dem Herrn Feldmarschall sprechen können.
Aus unerfindlichen Gründen überkommt Rommel ein Gefühl der Erleichterung -- die Generale bemerken es an seinem Gesichtsausdruck doch als er die Besucher in das Herrenzimmer im Erdgeschoß führt, dreht er sich um und sagt zu seinem Adjutanten Aldinger: "Halten Sie die Normandie-Akte bereit!"
Im Herrenzimmer beginnt Burgdorf zu sprechen. Schon bei seinen ersten Worten stürzen Rommels Hoffnungen in sich zusammen:" Sie werden der Mittäterschaft an dem Anschlag auf das Leben des Führers beschuldigt", erklärt Burgdorf und überreicht Keiteis Brief. Dann verliest er die Niederschrift der vor der Gestapo gemachten Aussagen Hofackers, Speidels und Stülpnagels. Sie enthalten schwerste Beschuldigungen gegen Rommel.
Burgdorf sieht, wie ein schmerzlicher Ausdruck Rommels Gesicht durchzuckt. Sein Leben ist verwirkt, aber vielleicht kann er wenigstens Speidels Leben retten. Einen Augenblick zögert er. Dann -- so erinnert sich Maisel -- sagt er: "Jawohl. Ich werde die Konsequenzen ziehen. Ich habe mich vergessen."
"In einer Viertelstunde bin ich tot."
Nach diesem Wort gibt es kein Zuruck mehr. Er fragt noch schnell: "Weiß der Führer davon?" Burgdorf nickt. Rommels Augen werden trübe, und Burgdorf bittet Maisel, sie für einige Minuten allein zu lassen.
Dann legt er Rommel dar, was nicht in dem Brief steht: Hitlers Versprechen, falls Rommel Selbstmord begehe, werde das Geheimnis seines "Verrats" vor dem deutschen Volk verschwiegen. Er erhalte ein Staatsbegräbnis. und ein schönes Denkmal werde zu seinem Ruhm errichtet.
Auch würden die "üblichen Maßnahmen" -- Sippenhaft -- gegen die nächsten Angehörigen nicht ergriffen; vielmehr werde seiner Frau die volle Pension der Witwe eines Generalfeldmarschalls gewährt, "in Anerkennung Ihrer großen Verdienste um das Reich".
"Kann ich Ihren Wagen haben und ohne Aufsehen irgendwo hinfahren?" fragt er Burgdorf und führt dann fort: "Aber ich weiß nicht, ob ich mit der Pistole noch richtig umgehen kann."
"Wir haben Ihnen dafür etwas mitgebracht", erwidert Burgdorf leise: "Es wirkt in drei Sekunden" Dann geht er zu Maisel in den Garten, während Rommel sich nach oben ins Schlafzimmer seiner Frau begibt.
Sein Gesicht ist völlig versteinert. "In einer Viertelstunde bin ich tot", sagt er geistesabwesend zu ihr. "Ich werde im Auftrag des Führers vor die Wahl gestellt, mich entweder zu vergiften oder vor den Volksgerichtshof gestellt zu werden; Stülpnagel, Speidel und Hofacker haben belastende Aussagen gemacht. Außerdem war ich auf der Liste des Oberbürgermeisters Goerdeler als Reichspräsident vorgesehen."
Er nimmt Abschied von seiner Frau. Sie weint nicht -- die Tränen kommen erst später, als sie allein ist. Keiner von ihnen hat mit einer so plötzlichen Wendung des Schicksals gerechnet. Danach bittet er Loistl, seinen Sohn zu holen, und erklärt Manfred mit fester Stimme, was geschehen wird. Unten warten die Generale.
Es ist ein schöner Herbsttag geworden. Während Rommel die Treppe hinuntergeht, hat er seine Haltung wiedergewonnen. Loistl hilft ihm in den Mantel und reicht ihm Mütze und Marschallstab. Dann gibt Rommel seinen Mitarbeitern die Hand und verläßt mit schnellen Schritten für immer das Haus; Manfred läuft schweigend neben ihm her. In der Manteltasche findet Rommel seine Hausschlüssel. Zusammen mit der Brieftasche übergibt er sie seinem Sohn.
Inzwischen sind sie bei dem Opel angekommen. Burgdorf salutiert und murmelt: "Herr Feldmarschall!" Rommel setzt seinen Fuß auf das Trittbrett; dann wendet er sich um und sagt: "Manfred, ich glaube, mit Speidel ist es auch aus. Kümmere dich doch um Frau Speidel!"
Er setzt sich auf den Rücksitz, desgleichen Burgdorf. Der Fahrer, ein SS-Hauptscharführer namens Heinrich Doose, legt den Gang ein, und der Opel fährt die Straße hinunter in Richtung Ortsausgang.
Doose hat später geschildert, was dann geschah. Nach 200 Metern sagte Burgdorf. er solle halten. "Ich mußte den Wagen verlassen", berichtet Doose, "und General Maisel ging mit mir weg, noch ein Stück höher den Weg hinauf. Nach einiger Zeit -- etwa fünf bis zehn Minuten -- rief uns Burgdorf zum Wagen zurück. Ich sah Rommel hinten im Wagen sitzen, offenbar im Sterben, besinnungslos, in sich zusammengesunken, schluchzend."
Doose weiß noch: "Die Mütze war ihm heruntergefallen. Ich richtete ihn noch auf und setzte ihm die Mütze wieder auf." Ende
Von Irving, David

DER SPIEGEL 38/1978
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