26.09.1977

BERUFLICHESVito Lattanzio, Lothar Loewe, Wolf Biermann

Vito Lattanzio, 50, italienischer Verteidigungsminister, mußte wegen des Falles Kappier zurücktreten, erhielt zum Trost aber gleich zwei andere Regierungsposten. Der Christdemokrat war nach der Flucht des zu lebenslanger Haft verurteilten SS-Mannes Herbert Kappler aus dem römischen Militärhospital Celio unter heftigen Beschuß geraten. Denn er versetzte zwar hohe Carabinieri-Offiziere, deren Untergebene Kappler hatten entwischen lassen, wollte aber selbst nicht die politische Konsequenz aus dem Fluchtskandal ziehen und zurücktreten. Die KPI, auf deren Unterstützung die christdemokratische Regierung Andreottis angewiesen ist, forderte Lattanzios Kopf. Um seine Regierung zu retten, gleichzeitig aber den Eindruck zu vermeiden, "als ob die Democrazia Cristiana der KPI nach der Pfeife tanzt" (so ein DC-Sprecher) bildete Andreotti sein Kabinett um: Er ließ Lattanzio mit dem Verkehrsminister Attilio Ruffini die Ämter wechseln und gab dem so proforma Gerügten vorläufig noch das vakante Handelsministerium dazu. Die Wochenzeitung "Espresso": "Eine italienische Tragikomödie in drei Akten!" Lothar Loewe, 48, Ende vergangenen Jahres aus Ost-Berlin ausgewiesener ARD-Fernsehkorrespondent und seit Monaten ohne Auftrag, hat wieder einen festen Fernsehjob. Von Januar 1978 an wird Loewe Chefreporter der zentralen Nachrichtenredaktion "ARD aktuell", die täglich in Magazinform das Tagesgeschehen analysieren soll. Der Journalist ist seit 1961 beim Fernsehen. Damals ging er als Funk- und TV-Korrespondent zu Thilo Koch nach Washington; von 1967 bis 1970 saß Loewe für die ARD in Moskau, danach berichtete er als Sonderkorrespondent für Tagesschau und "Weltspiegel", ehe er vor drei Jahren nach Ost-Berlin wechselte.
Wolf Biermann, 40, im November vergangenen Jahres aus der DDR ausgebürgerter Liedermacher, bekommt in den Niederlanden kein Asyl. Sein Antrag wurde abgelehnt. Ein Sprecher des Justizministeriums in Den Haag begründete vergangenen Freitag die bereits am 30. August erteilte Ablehnung damit, daß Biermann ohne Schwierigkeiten in der Bundesrepublik einen Paß erhalte, wenn er wolle. Biermann will aber nicht.

DER SPIEGEL 40/1977
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