31.10.1977

„Farblos, scheu, wenig kameradschaftlich“

SED-Chef Erich Honecker, von seiner Partei als antifaschistischer Widerstandskämpfer gefeiert, ließ bis heute keine klare Auskunft über seine Zuchthaus-Jahre zu. Sei. ne Behauptung, von den Sowjets befreit worden zu sein, stieß selbst in der DDR auf Zweifel. Ein Mitgefangener berichtet dem SPIEGEL, wie es wirklich war.
Immer wenn SED-Generalsekretär Erich Honecker auf seine Vergangenheit als antifaschistischer Widerstandskämpfer zu sprechen kommt, rühren sich die Hände seiner Genossen nur zögernd zum Beifall. Denn selbst altgediente Kommunisten wissen nicht, ob das, was sie da beklatschen, Wirklichkeit ist oder Legende.
Bis heute konnte Honecker, 1937 von den Nazis wegen "Vorbereitung zum Hochverrat in Tateinheit mit schwerer Urkundenfälschung" ins Zuchthaus Brandenburg-Görden gesteckt, den Verdacht nicht ausräumen, an seiner Biographie einige Retuschen vorgenommen zu haben.
Unklar blieb in den zugleich wortkargen und ausweichenden Erklärungen des DDR-Staatschefs vor allem, ob richtig ist, was Honecker selbst immer wieder behauptet: Er sei am 27. April 1945 von der Sowjetarmee, wie alle anderen Häftlinge auch, aus Brandenburg befreit worden.
Von den überlebenden Mitgefangenen Honeckers kann sich indes niemand so recht entsinnen, das damalige ZK-Mitglied des kommunistischen Jugendverbandes an jenem Tag bei der Jubelfeier der politischen Häftlinge im Zuchthaus gesehen zu haben. Und verbürgt ist auch: Als sich einen Tag nach der Befreiung rund 160 politische Gefangene auf Wunsch der Sowjets zu Fuß nach dem 60 Kilometer entfernten Berlin begaben, war Genosse Honecker nicht dabei.
Das konnte er nach Meinung der befreiten KPD-Mitglieder auch gar nicht. Denn soweit sie wußten, war Honecker schon am 6. März 1945 zusammen mit einem Mitgefangenen, dem Maurer Erich Hanke, von einem Außenkommando des Zuchthauses in Berlin geflohen.
Zwar versuchte Hanke, nach dem Krieg zum Marxismus-Professor in Ost-Berlin avanciert, den peinlichen Widerspruch zwischen Honeckers Darstellung und der seiner Mitgefangenen zu erklären. Etwa 14 Tage nach der gemeinsamen Flucht, so schrieb er 1974 in seinen "Erinnerungen eines Illegalen", sei Honecker "wieder in die Hände der faschistischen Justiz" geraten und nach Brandenburg zuruckgebracht worden -- fristgerecht zur Befreiung durch die Rote Armee.
Doch statt aufzuklären verwirrte Hankes Version nur noch mehr. Zu unwahrscheinlich schien, daß Honecker nach einem gescheiterten Fluchtversuch von der Gestapo wie ein harmloser Ausreißer ins Zuchthaus zurückgebracht worden sein sollte -- und nicht, wie so viele wiederaufgegriffene Flüchtlinge in den letzten Kriegswochen, kurzerhand standrechtlich erschossen wurde.
Obwohl auch die Partei-Schriftstellerin Wera Küchenmeister schon 1969 in einem Sammelband über "Männer der ersten Stunde" geschrieben hatte, Honecker habe sich nach seiner Flucht bis zum Mai 1945 im Haus ihrer Familie versteckt, mochte der SED-Chef nicht von seiner Behauptung lassen, er sei von den Russen befreit worden.
Honecker vor 80 000 Zuhörern in einer Festrede zum "30. Jahrestag der Befreiung des faschistischen Zuchthauses Brandenburg-Görden" am 26. April 1975: "Unvergessen bleibt die Begeisterung, mit der wir die Sowjetsoldaten in die Arme schlossen."
Aufklärung über die Ungereimtheiten in der Biographie des obersten DDR-Kommunisten brachte jetzt ein abtrünniger KP-Genosse: der Ex-Brandenburg-Häftling Walter Uhlmann, der 1953 in Ost-Berlin sein SED-Parteibuch zurückgab und als Gewerkschaftsredakteur in die Bundesrepublik überwechselte.
In der "Internationalen wissenschaftlichen Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung" ("IWK"), einer im Auftrag der Historischen Kommission zu Berlin herausgegebenen Fachzeitschrift, lüftete er Honeckers penibel gehütetes Geheimnis: Der SED-Chef befand sich am 27. April 1945 tatsächlich in Brandenburg aber nicht weil die Gestapo ihn wieder eingefangen, sondern weil er sich, erschöpft und gehetzt, beim Hilfswachtmeister des Außenkommandos, von dem er am 6. März geflohen war, freiwillig zurückgemeldet hatte.
In der DDR stieß der Uhlmann-Artikel auf höchstes Interesse. Erleichtert ließ ein Redakteur des SED-Zentralorgans "Neues Deutschland" die "IWK" wissen: "Wie schön, daß eine unverdächtige Quelle diesen Nachweis geführt hat. Bei uns glaubte das schon niemand mehr."
Zu überschwenglicher Freude besteht indes nur wenig Anlaß. Denn was der Augenzeuge Uhlmann dem SPIEGEL über Honeckers Zuchthausjahre berichtete, fügt sich zu einem ganz anderen Bild als dem vom "bewährten und im Kampf gegen den Faschismus gestählten Kommunisten und Jugendfunktionär" (so der Text der offiziellen Honecker-Biographie).
Am 24. November 1937 stand Uhlmann, damals 33 Jahre alt, vor demselben 2. Senat des Volksgerichtshofes in Berlin, der fünf Monate zuvor auch über den acht Jahre jüngeren Honecker verhandelt hatte -- wegen des gleichen Delikts: "Vorbereitung zum Hochverrat unter erschwerenden Umständen Zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, trat Uhlmann noch am selben Tag seine Strafe in Brandenburg an.
Wie alle politischen Neuzugänge kam er nach der Aufnahmeprozedur zunächst einmal in Einzelhaft: in eine drei mal ein Meter große Zelle mit Klappbett" Tisch und Schemel, von den Gefangenen ironisch "Kammkasten" genannt.
Zugleich teilte ihm der wegen unberechenbarer Wutausbrüche von den Gefangenen gefürchtete Oberwachtmeister Schilling die erste Anstaltsarbeit zu: eine Tüte mit 300 Gramm Gänsefedern, die Uhlmann innerhalb von zwei Tagen zu säubern und zu schleißen hatte.
Überbracht wurde die Tüte von einem Kalfaktor des Oberwachtmeisters, einem "stillen jungen Mann" (Uhlmann), der sich höchst ungewöhnlich verhielt. Statt, wie sonst üblich, den Neuen zu begrüßen, nach politischer Vergangenheit und Strafmaß zu fragen oder Tips für den Umgang mit dem Wachpersonal zu geben, sagte er kein Wort mehr, als zur Erklärung des Federnschleißens nötig war.
Von dem weitaus gesprächigeren Kalfaktor Robert Menzel, einem oberschlesischen KP-Illegalen, der es in der DDR später zum stellvertretenden Verkehrsminister brachte, erfuhr Uhlmann den Namen des einsilbigen jungen Mannes: Erich Honecker.
An den Kalfaktor mit den Gänsefedern kann sich auch der Ex-Gefangene Eduard Wald, der 1947 in Westdeutschland die KP verließ, gut entsinnen: "Der war farblos, scheu und wenig kameradschaftlich, kontrollierte unangenehm genau und spielte sich so ein bißchen als zweiter Chef auf." Den Federn-Job brauchte Honecker nicht lange auszuüben. Noch 1937 gelang es ihm, Kalfaktor beim Anstalts-Arzt zu werden -- ein begehrter Posten unter den Gefangenen, der seinem Inhaber allerlei Annehmlichkeiten und vor allem relativ viel Bewegungsfreiheit bot.
Die politischen Häftlinge nutzten die Sprechstunde beim Arzt eifrig aus, um ungestört miteinander reden zu können. Dies ließ sich einigermaßen leicht bewerkstelligen, wenn der Arzt-Kalfaktor bereit war, Gefangene, die sich sprechen wollten, zusammen in eine Warte-Zelle zu schließen.
Obwohl Honecker seinen Genossen diesen Gefallen gerne tat -- und dabei zweifellos seinen bequemen Posten aufs Spiel setzte -, gab er seine abweisende Zurückhaltung auch in den folgenden Jahren nicht auf. Kaum jemals fing er von sich aus ein Gespräch an, suchte keine Freunde und war, wie Eduard Wald weiß, "so isoliert wie sonst keiner" in Brandenburg.
Auch politisch blieb Honecker für seine Mitgefangenen im Zuchthaus ein völlig unbeschriebenes Blatt. Im Laufe der Jahre hatte sich zwar nicht, wie es später in offiziellen DDR-Publikationen schönend hieß, eine "kommunistische Widerstandsorganisation" in Brandenburg gebildet, aber doch so etwas wie eine Solidargemeinschaft aller politischen Häftlinge, in der es keine Rolle spielte, ob einer aus der KPD, der SPD. der SAP oder der Gewerkschaftsbewegung kam. Man half sich gegenseitig, tauschte Informationen aus und traf
* Mit Mitgefangenen vor einem Anstaltslaster.
sich regelmäßig zu politischen Diskussionen.
Beliebtester Treffpunkt war die Zuchtbaus-Tischlerei, in der Walter Uhlmann von 1938 bis 1943 nahezu ununterbrochen arbeitete. Die Aufsichtsbeamten. die sich von den Gefangenen gerne mal außerhalb der Ordnung Möbel für den Privatgebrauch schreinern ließen, duldeten im Gegengeschäft, daß kleinere Gruppen von Häftlingen sich regelmäßig zu einem politischen Plauderstündchen trafen.
Obwohl der gemeinsame Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur die Politischen einte, blieben die
* Häftlings-Zeichnung 1940.
ideologischen Gegensätze erhalten. Sozialdemokraten und Kommunisten führten weiterhin scharfe Auseinandersetzungen -- doch es waren, wie Uhlmann, als Material-Verwalter der Tischlerei immer dabei, berichtet, "Diskussionen, wie man sie sich in der Arbeiterbewegung eigentlich wünschte: frei, tolerant und aufrichtig".
Die meisten Kommunisten in Brandenburg waren sich darin einig, daß der ultralinke Kurs der KPD unter Ernst Thälmann vor 1933, der die Sozialdemokraten fanatischer bekämpft hatte als die Nazis, ein katastrophaler Fehler gewesen war. Da auch die Kommunistische Internationale (Komintern) auf ihrem 7. Weltkongreß 1935 in Moskau endgültig umgeschwenkt war und die Volksfront propagierte, träumten die Genossen über die Parteigrenzen hinweg von einer Wiederherstellung der Einheit der Arbeiterbewegung nach dem Krieg.
Prominente Ausnahme: Alfred ("Ah") Neumann, Ex-Spanien-Kämpfer, heute Politbüromitglied der SED und Erster stellvertretender Vorsitzender des Ministerrats der DDR. Uhlmann: "Der Ah war ein ganz Radikaler. Der wollte von den Volksfront-Beschlüssen der Komintern nichts wissen."
Wie Honecker zu solchen Fragen stand und was er dachte -- niemand im Gefängnis wußte es. An den Diskussionen in der Tischlerei nahm er, soweit Uhlmann sich erinnert, "kein einziges Mal" teil, obwohl er sich als Arzt-Kalfaktor die Gelegenheit dazu durchaus hätte beschaffen können.
Auch als im Sommer 1939 der Nichtangriffspakt zwischen Hitler und Stalin Gesprächsthema Nummer eins wurde und viele Kommunisten sich von Moskau im Stich gelassen fühlten, schwieg der Jugendfunktionär von der Saar beharrlich.
Möglich, daß Kontaktscheu und Zurückhaltung seinem Naturell entsprachen und Honecker auch in der Extremsituation der Haft nicht über den Schatten seines verschlossenen Charakters springen konnte.
Möglich aber auch, daß er sich nicht durch unbedachte Diskussionsbeiträge kompromittieren wollte: Der Funktionär Honecker, im Gefängnis von den Direktiven der KP-Leitung abgeschnitten, fürchtete womöglich, er könne etwas sagen, was dem offiziellen Partei-Kurs widersprach und ihm später hätte vorgehalten werden können -- eine These, zu der Eduard Wald aus seiner Honecker-Erinnerung heraus heute neigt.
Honeckers Mißtrauen wird verständlich, wenn man bedenkt, daß der Saarländer, der erst im Sommer 1935 von der Partei nach Berlin beordert und schon im Dezember desselben Jahres verhaftet worden war, nie über sonderlich gut funktionierende Verbindungen zur illegalen KP-Organisation in Berlin verfügt hatte.
Im Gegensatz zu seinen Mitgefangenen, von denen sehr viele aus Berlin stammten, versuchte Honecker deshalb auch nicht, Kontakte nach draußen zu knüpfen. Als wichtiger Mittler zwischen Zuchthaus und Außenwelt fungierte in den beiden letzten Kriegsjahren Walter Uhlmann, der seit Ende 1943 als Beifahrer auf dem Anstalts-Laster, einem auf Holzgas umgestellten Dreitonnen-Diesel, regelmäßig Touren nach Berlin unternahm.
Mit stillschweigender Duldung des Fahrers, eines dienstverpflichteten Hilfswachtmeisters, schmuggelte Uhlmann Häftlings-Kassiber aus Brandenburg heraus, hinterlegte sie in Berlin bei seiner späteren Frau Marga Müller und holte bei der nächsten Fahrt die Antworten ab.
Honecker, als ZK-Mitglied des kommunistischen Jugendverbandes immerhin ein Top-Genosse, nutzte Uhlmanns Kontakte nicht. Eine Botschaft von ihm war nie dabei. Um so überraschender erscheint sein Entschluß, am 6. März 1945 zusammen mit Erich Hanke die Flucht zu wagen.
Das Entkommen selbst war kein Problem. Im Sommer 1944 war der gelernte Dachdecker Honecker einem Arbeitskommando des Zuchthauses zugeteilt worden, das den Auftrag hatte, Bombenschäden an Berliner Regierungsgebäuden zu reparieren. Anfangs noch täglich von Brandenburg nach Berlin und wieder zurücktransportiert, wurde der Gefangenen-Trupp schon bald fest in Berlin stationiert -- zunächst im Frauengefängnis in der Barnimstraße, dann in der Frauenjugendstrafanstalt in der Lichtenberger Magdalenenstraße, wo auch Uhlmann bei länger dauernden Fahrten von seinem Hilfswachtmeister des Nachts abgeliefert wurde.
Von dort entwichen Hanke und Honecker am 6. März 1945 morgens um elf Uhr -- ausgerüstet mit einem Maurer-Eimer, in dem ein Meißel, ein Hammer, ein langer Strick und die Tagesration Brot steckten.
* Bei der Gedenkfeier zum "30. Jahrestag der Befreiung des faschistischen Zuchthauses Brandenburg-Görden am 26. April 1975.
Die beiden Ausreißer suchten zuerst einen Onkel Hankes auf, den sie jedoch nicht in seiner Wohnung antrafen. Die gelben Streifen auf ihrer Handwerker-Montur, die sie als politische Häftlinge auswiesen, hatten sie zuvor zugenäht.
Ohne Bleibe im zerbombten Berlin, beschlossen Hanke und Honecker am Morgen des 9. März, sich zu trennen. Honecker wollte in den Stadtbezirk Neukölln hinaus, wo er sich Hilfe von einer ihm bekannten Genossin erhoffte.
Er kam dort nie an. Zwei Wochen lang irrte er durch die zerstörte Reichshauptstadt, in der er sich nur mangelhaft auskannte. Ohne Unterkunft, ohne Verpflegung, stets darauf gefaßt. von SS- oder Polizei-Patrouillen aufgegriffen zu werden, sah der erschöpfte Flüchtling am Ende nur noch einen Ausweg: Er meldete sich beim Führer des Brandenburg-Außenkommandos. Hilfswachtmeister Paul Seraphin. zunick.
Ein nur auf den ersten Blick selbstmörderisch anmutender Schritt. Denn Seraphin, von Beruf Dachdecker wie Honecker, war keineswegs ein in der Wolle gefärbter Nazi. Als alter Sozialdemokrat, der sich 1937 zum NSDAP-Mitglied machen ließ und in den Kriegsjahren dienstverpflichtet war. neigte er dazu, die ihm anvertrauten Häftlinge eher als Kumpel denn als Aufseher zu behandeln.
Honecker, der dies wußte, muß -- soll seine freiwillige Rückkehr verständlich werden -- fest mit der Nachsicht des Wachtmeisters gerechnet haben. Er täuschte sieh nicht: Seraphin lieferte ihn nicht in die Hände der Gestapo, sondern führte ihn, als Mitte April die weitere Arbeit im zerstörten Berlin sinnlos geworden war, mit dem gesamten Außenkommando nach Brandenburg zurück.
Nach dem wenig ruhmvollen Ende seines Fluchtversuchs kapselte sich Honecker im Zuchthaus noch stärker ab als vorher -- offenbar genierte er sich vor seinen Genossen, denen er von seinen Fluchtabsichten vorher nichts erzählt hatte.
Aus den Widerstandsvorbereitungen. die die Gefangenen aus Furcht vor der geplanten Übergabe des Zuchthause. an die SS trafen, hielt er sich heraus. Weder beteiligte er sich an der Wahl eines Gefangenen-Ausschusses noch kam er zu den Parteiversammlungen, die in den letzten Tagen vor der Befreiung ungestört stattfinden konnten.
Die führende Rolle bei diesen Aktivitäten fiel einem heute in der DDR Verfemten zu: dem Chemiker Robert Havemann, der in Brandenburg für seine Genossen einen Kurzwellenempfänger baute, die erlauschten Informationen täglich in einer selbstgetippten Knast-Zeitung weitergab und in seiner Zelle Schwelkerzen und Sprengsätze für einen geplanten Aufstand bastelte.
Niemand sah Honecker, als die Kommunisten am 27. April den ersten sowjetischen Panzer, der vor das Zuchthaus-Tor rollte, stürmisch begrüßten. Und niemand sah ihn auch, als sich die Genossen auf Geheiß der Sowjets am nächsten Tag zum Marsch nach Berlin sammelten.
Honecker zog es vor, sich auf eigene Faust nach Berlin durchzuschlagen.
Die letzten Kriegstage erlebte er im Haus der Familie Skupin, mit deren 16jähriger Tochter Wera -- später Frau Küchenmeister -- er sich anfreundete. Am 4. Mai 1945 meldete er sich bei der wenige Tage zuvor aus Moskau eingetroffen Gruppe Ulbricht zum Dienst.
In seinem Entschluß, über die vorangegangenen Wochen Stillschweigen zu bewahren, bestärkte ihn das Ergebnis einer Untersuchung, welche die Kader abteilung der KPD 1945 gegen ihn führte: Wegen seines eigenwilligen Verhaltens in Brandenburg mußte Honecker eine -- für seine Partei-Karriere freilich folgenlose -- Rüge einstecken.
Dem Hilfswachtmeister Seraphin wurde die gute Behandlung des Häftlings Honecker nicht gelohnt. Von den sowjetischen Besatzungsbehörden wegen seiner Zuchthaus-Arbeit hart ins Gebet genommen, versuchte er vergeblich, von Honecker einen Persil-Schein zu erhalten.
Seine Bittbriefe blieben, wie er Walter Uhlmann im Oktober 1945 klagte, ohne Antwort. Die Sowjets verschleppten den Mann, der glaubte, Honecker das Leben gerettet zu haben, als angeblichen Nazi-Büttel in ihre Lager.
In seiner Not hatte er vor seiner endgültigen Verhaftung noch einmal, im Juni 1946 auf dem 1. Parlament der Freien Deutschen Jugend, versucht, an Honecker in Brandenburg heranzutreten.
Doch der frisch gewählte FDJ-Vorsitzende ließ sich nicht sprechen.

DER SPIEGEL 45/1977
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.


DER SPIEGEL 45/1977
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

„Farblos, scheu, wenig kameradschaftlich“

Video 01:22

Trump besucht Waldbrandgebiete Der Klimawandel war's nicht

  • Video "Überraschender Badebesuch: Elefant am Swimmingpool" Video 00:46
    Überraschender Badebesuch: Elefant am Swimmingpool
  • Video "Merkel-Besuch in Chemnitz: Eine Provokation, dass sie hier ist" Video 04:36
    Merkel-Besuch in Chemnitz: "Eine Provokation, dass sie hier ist"
  • Video "Die 90er Doku: Party, Gier und Arschgeweih" Video 25:37
    Die 90er Doku: Party, Gier und Arschgeweih
  • Video "Drohnenvideo aus Kalifornien: Das zerstörte Paradise" Video 01:57
    Drohnenvideo aus Kalifornien: Das zerstörte Paradise
  • Video "Das war knapp: Arbeiter kappt aktive Starkstrom-Leitung" Video 00:53
    Das war knapp: Arbeiter kappt aktive Starkstrom-Leitung
  • Video "Theresa Mays erbitterter Gegner: Charmant, höflich, ganz schön rechts" Video 02:58
    Theresa Mays erbitterter Gegner: Charmant, höflich, ganz schön rechts
  • Video "Schiffskollision vor Borkum: Frachter verkeilen sich - und werden getrennt" Video 01:04
    Schiffskollision vor Borkum: Frachter verkeilen sich - und werden getrennt
  • Video "Kommunikation zwischen Koalas: So laut wie ein Elefant (Bitte Ton anschalten!)" Video 00:42
    Kommunikation zwischen Koalas: So laut wie ein Elefant (Bitte Ton anschalten!)
  • Video "Flucht durch Amerika: Volles Risiko mit La Bestia" Video 12:04
    Flucht durch Amerika: Volles Risiko mit "La Bestia"
  • Video "Chaos in Sri Lankas Parlament: Sie warfen mit Stühlen und Chilipaste" Video 00:45
    Chaos in Sri Lankas Parlament: Sie warfen mit Stühlen und Chilipaste
  • Video "Kampf um CDU-Vorsitz: Mir hat Herr Spahn gefallen - erstaunlicherweise" Video 04:57
    Kampf um CDU-Vorsitz: "Mir hat Herr Spahn gefallen - erstaunlicherweise"
  • Video "Rätselhaftes Unterwasser-Wesen: Feuerwalze vor Neuseeland gefilmt" Video 01:33
    Rätselhaftes Unterwasser-Wesen: "Feuerwalze" vor Neuseeland gefilmt
  • Video "Lindnern, Lauch, Verbuggt: Sprechen Sie Jugend?" Video 01:29
    "Lindnern", "Lauch", "Verbuggt": Sprechen Sie Jugend?
  • Video "Amateurvideos aus New York: Verkehrschaos durch Schneesturm" Video 01:29
    Amateurvideos aus New York: Verkehrschaos durch Schneesturm
  • Video "Trump besucht Waldbrandgebiete: Der Klimawandel war's nicht" Video 01:22
    Trump besucht Waldbrandgebiete: Der Klimawandel war's nicht