18.04.1977

Klang-Supermarkt zum Nulltarif

Die Musikbranche feiert den 100. Geburtstag des Tonträgers und wagt sich nicht einzugestehen, daß das "Jahrhundert der Schallplatte" zu Ende geht. Erstmals werden mehr Tonband-Kassetten als Schallplatten verkauft. Vor allem die Leerkassette stellt die Musikfirmen vor kaum lösbare Probleme: Sie verlieren durch Überspielungen in Westdeutschland pro Jahr rund eine Milliarde Mark. Das Unterhaltungsgewerbe steuert in eine Existenzkrise.

In Museen, Archiven und Trödelläden werden derzeit die alten Trichtergrammophone entstaubt. Noch einmal soll, in nostalgischer Weihestimmung, "Die Stimme seines Herrn" aus jenen altertümlichen Geräten plärren, die der Schallplatte zu ihrem weltweiten Siegeszug verholfen hatten.

Der Tonträger hat Geburtstag. Mit Festakten, am Mittwoch nächster Woche beispielsweise Unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten in Bonn, gedenkt die Musikbranche des Tages, an dem der Erfinder Thomas Alva Edison vor 100 Jahren zum erstenmal "Mary Had A Little Lamb" auf eine Tonkonserve sang.

Edisons Erfindung, die mechanische Schallaufzeichnung (die im gleichen Jahr 1877 auch dem Franzosen Charles Cros gelang), hat den Musikmachern in aller Welt Milliarden eingebracht. Der Tonträger, mit einem jährlichen Weltumsatz von derzeit fast zehn Milliarden Mark, ist das beliebteste Unterhaltungsmedium der Gegenwart. Doch mit Beethovens "Prometheus"-Finale auf der Bonner Festveranstaltung klingt auch das "Jahrhundert der Schallplatte" (Jubiläumsslogan) aus.

Mehr als die Hälfte der Musik, die heute weltweit auf Tonträgern verkauft

* Mit der amerikanischen Primadonna Geraldine Farrar, Freundin des deutschen Kronprinzen, in Berlin.

wird, ist nicht mehr in Edisons Rillen geritzt. Das elektromagnetische Tonband, dessen Erfindung dem Dänen Valdemar Poulsen 1900 bei der Pariser Weltausstellung einen "Grand Prix" einbrachte, überflügelt die Schallplatte zunehmend am Markt. In handlichen Kassetten (zehn mal sechs Zentimeter groß) aufgespult, hat das Band die Platte als Top-Tonträger abgelöst.

Erstmals wurden im Jahr 1976 mehr Bandkassetten als Langspielplatten (LP) abgesetzt -- teils als bereits bespielte "Musikkassetten" (MC), teils als Leerkassetten, die der Konsument selber mit Klängen füllt. Neben rund 110 Millionen LPs im Gesamtwert von 1,3 Milliarden Mark kauften zum Beispiel die Bundesbürger im vergangenen Jahr 40 Millionen MCs sowie 100 Millionen Leerkassetten; Umsatzvolumen: etwa 1,4 Milliarden Mark.

Während die Musikkassette 1975 ein Verkaufsplus von 74,6 Prozent und 1976 von abermals mehr als 50 Prozent Exemplaren erreichte, flacht die Zuwachsrate der Langspielplatte drastisch ab -- von plus 38,9 Prozent im Jahr 1974 über plus 9,2 Prozent 1975 auf weniger als fünf Prozent im vergangenen Jahr.

Marketing-Strategen der Plattenfirmen wenden ein, das Verhältnis der Langspielplatte zur bespielten Musikkassette sei am Markt immer noch sieben zu drei. Doch auch die Leerkassette wird nahezu ausschließlich zum Zweck der privaten Musikaufnahme erworben, ist also ein Tonträger.

In westdeutschen Bürgerhaushalten stehen schon heute annähernd so viele Kassetten-Recorder wie Plattenspieler. Und zunehmend wird elektronisch aufgerüstet: 1976 verkaufte die Elektroindustrie in Westdeutschland noch 2,1 Millionen Plattenspieler, davon allerdings 1,5 Millionen in "Kompaktanlagen" zusammen mit Kassettengeräten. Daneben aber wurden mehr als drei Millionen reine Kassettenmaschinen abgesetzt -- sogenannte Radio-Recorder und, mit steigender Tendenz, hochwertige Hi-Fi-Tape-Decks.

Teenager von gestern, die aufgrund geringen Taschengeldes bis vor kurzem Funksendungen auf Billig-Recordern mitschnitten oder ausgeliehene LPs kopierten, bleiben nach Ermittlungen der Nürnberger "Gesellschaft für Konsumforschung" auch als kaufkräftige Twens dem Kassettensystem treu. Denn die von Philips vor 14 Jahren entwickelte Technik der Kompaktkassette ist längst der Platten-Technologie ebenbürtig.

Hundert Jahre nach Edison, trotz Hi-Fi und Stereo, bei aller Saphir-Sensibilität und Quadro-Spielerei, verstaubt und verschleißt die Platte noch immer unabwendbar. Das Knistern und Kratzen läßt sich auch bei bester Pflege und hochwertigen Anlagen kaum vermeiden. An einen festen, ebenen, stoßfreien Abspielplatz ist die Platte immer noch gebunden.

Die Kassette dagegen tönt knisterfrei an jedem Ort und in jeder Lage -- über Schlaglöchern im Kraftfahrzeug, auf dem Campingplatz wie im Kinderzimmer. Sie ist in ihrer Kapsel vor Sonne, Staub und Stoß geschützt. Das Band kann in modernen Abspielgeräten nicht mehr gezerrt werden; es ist nahezu unbegrenzt nutzbar.

Bis zu 1000 mal werden die verschiedenen Bandsorten beispielsweise bei der Ludwigshafener Firma BASF getestet. Die Tonköpfe der Abspielgeräte halten nach bisherigen Erfahrungen fünf Jahre und länger, sofern sie regelmäßig alle fünf Spielstunden durch ein Reinigungsband gesäubert werden.

Das Vorurteil, das Kassettenband biete auf sechs Millimeter Breite mit vier Spuren und drei Zwischenräumen sowie infolge der geringen Laufgeschwindigkeit von 4,75 Zentimetern pro Sekunde zuwenig Frequenzbreite und damit eine zu geringe Wiedergabetreue, ist pauschal nicht mehr zu halten.

Die "Geburtsfehler des Mediums", so das Fachblatt "fono forum" in einer umfangreichen Expertise, träten "bei kritischem Abhören ... auch an heiklen Stellen nicht mehr in Erscheinung". Hans-Joachim Cabus, Sprecher des Magnetband-Marktführers BASF: "Die Kassette schluckt heute jede Frequenz, die man ihr aufgibt."

Wahr ist: Billigkassetten, vor allem Importware aus Fernost, leiden immer noch unter einem konstanten Rauschen, das besonders bei leisen Stellen in Erscheinung tritt. Wahr ist: Das Auffinden der einzelnen Stücke ist am Tape-Recorder immer noch langwieriger als am Plattenspieler.

Doch bereits jetzt haben Rauschunterdrücker bei der Fertigung hochwertiger Kassetten, vor allem sogenannte Dolbys, den Geräuschpegel auf ein Minimum gesenkt. Durch Chromdioxid- und Ferrioxid-Beschichtungen der Bänder wurden Aufnahme- und Wiedergabequalität erheblich verbessert. Schnellere Vor- und Rücklauf-Leistungen sowie eine neuartige Sensorentechnik, die den Zugriff zum gewünschten Musikstück automatisiert, sind für die nächste Recorder-Generation in Serie geplant.

Die Tonträger-Industrie, die sich gegenüber der Kassette lange gesperrt hat, ist mittlerweile von den technischen Vorzügen des neuen Mediums überzeugt. Sie bringt, von Ausnahmen mit geringer Umsatzerwartung abgesehen, seit kurzem so gut wie jedes neue Tonprodukt zugleich auf LP und MC heraus. Denn auch der Hauptvorbehalt des Vertriebs, die kleinformatige Kassette biete zuwenig Werbefläche. wird durch Präsentboxen -- bis zu sechs MCs mit Begleittext in einer buchähnlichen Hülle -- überrollt.

Die Plattenfürsten wissen, "daß die Fertigung, die Lagerung und der Vertrieb der Musikkassetten billiger und damit profitabler als das Schallplatten-Business" sind (EMI-Europachef Wilfried Jung). Dennoch gelten die größeren Werbeanstrengungen dem alten Medium.

In den letzten drei Jahren investierten nämlich allein vier westdeutsche Musikfirmen einige hundert Millionen Mark in die Plattenproduktion: Die Teldec automatisierte ihr Preßwerk in Nortorf, Polygram installierte modernste Spritzpressen in Langenhagen, EMI Electrola rüstet soeben auf vollautomatische Doppelpressen um, WEA stampfte im Dreiländereck bei Aachen sogar ein ganzes Preß-Kombinat aus dem Boden. Und die Millionen müssen wieder rein: Darum klebt die Branche an der Platte.

Schon einmal, bei der Umstellung von der zerbrechlichen Schellack-Scheibe mit 78 Umdrehungen pro Minute auf die unzerbrechliche 33er PVC-Longplay, leistete die notorisch konservative Musikindustrie verbissen Widerstand.

Die Vorteile des neuen Produkts waren offensichtlich: Im Juni 1948 präsentierte der US-Medienkonzern CBS im New Yorker Waldorf-Astoria-Hotel die LP der Presse. Die gleiche Anzahl von Musiktiteln auf 78er und 33er Platten wurde miteinander verglichen. Der Stapel der Schellack-Platten war 2,40 Meter, der der PVC-Scheiben nur 37 Zentimeter hoch.

Dennoch wüteten die CBS-Konkurrenzfirmen sowie die Fachmagazine gegen das überlegene System. Englands Branchen-Bibel "The Gramophone": "Ich frage die Leser, ob sie wirklich wollen, daß ihre Sammlungen jetzt wertlos werden." Einige Jahre weigerten sieh die Top-Manager von Weltfirmen wie RCA und EMI, die LP anzuerkennen, nur weil sie bangten, auf Bergen dann unverkäuflichen Schellacks sitzenzubleiben.

In diesem "obstinaten Kampf" gegen die Longplay (Schriftsteller Curt Riess) stürzten ganze Manager-Dynastien, als endlich ein gerissener Händler Platz für die LP schlug. Der New Yorker Grossist Sam Goody ließ in seinen Kettenläden über Nacht die 78er Preise auf 50 Cents stürzen. Beim Räumungsverkauf brachen Tumulte aus. Kaum waren die Lager leer, bot Goody -- erstmals auch im Versand -- die unzerbrechliche LP um ein Drittel billiger an. Danach hatte die Schellack-Platte im nationalen Maßstab ausgespielt.

So einschneidend jedoch sämtliche technischen Neuerungen der Platten-Fabrikation seit der Jahrhundertwende auch gewesen sein mochten -- am mechanischen Grundprinzip der Ton-Abtastung hatte sich weder durch das elektrische Aufnahmeverfahren um 1925, noch (später) durch den Saphir und den Diamanten bei LPs und PVC-Singles etwas geändert. Erst jetzt, mit der in Massen gefertigten Kompaktkassette, tritt die Tonaufzeichnung ins elektronische Zeitalter ein.

Die Auswirkungen für die Freizeitkultur, für Musikproduktion und Musikgeschäft sind noch unübersehbar. Denn erstmals in der Geschichte ist der Klangkonsument von der Handelsware relativ unabhängig. Mit der Kompaktkassette bestimmt er sein eigenes Programm.

Fast unbegrenzt kann die "MusiCasssette" (so die Branchen-Schreibweise) bespielt werden -- mit bis zu zwei Stunden Spieldauer pro Band. Und die Musik kommt aus der Luft. Ein Knopfdruck am Radio-Recorder, und schon ist ein Schlager aus dem Äther auf der Kassette für lange verfügbar. Ein Klang-Supermarkt zum Nulltarif: Leichter war das Mitsehneiden noch nie. Schon werden Recorder angeboten, die bei kommentierten Musiksendungen im Funk die Moderation für die Kassette automatisch ausblenden.

In westdeutschen Schulklassen ist es zur Regel geworden, nur noch eine einzige Platte zu kaufen, die sämtliche Schüler kopieren. In Tageszeitungen bieten Recorder-Amateure bereits an, jedwede Kassetten-Überspielung gegen geringes Entgelt vorzunehmen.

Branchenkenner schätzen, daß in der Bundesrepublik rund 10 000 gewerbsmäßige Schwarzkopierer den Tonträgermarkt unterlaufen. Vor allem aber Tonband-Piraten, namentlich in Italien, haben mit Billigangeboten in Millionenauflage 1976 die westdeutschen Tonträger-Firmen um ihre Rendite gebracht. Mehr als eine Milliarde Mark ging der deutschen Musikbranche im vergangenen Jahr durch Leerkassetten und Piraterie verloren.

Während das professionelle Schwarzkopieren gegen alle Urheberrechte verstößt, ist der private Mitschnitt am Heimrecorder erlaubt. Um hier die Autorenrechte an Musikaufnahmen abzugelten. zahlt jeder Käufer beim Erwerb eines Aufnahmegeräts automatisch einige Mark Schutzgebühren. Eine "Zentralstelle für private Überspielungsrechte" (ZPO) verteilt dieses Geld. knapp fünf Prozent vom Industriepreis. an die Autoren.

Für die geringfügigen Mitschnitt-Aktivitäten auf umständlichen Spulen-Tonbandgeräten war diese Copyright-Regelung aus dem Jahr 1966 ausreichend. Bei Inkrafttreten des Urheberrechtsgesetzes war die Kompaktkassette zwar bereits im Handel. sie wurde aber vom Gesetzgeber vergessen. Heute hetrügt der Wert der Kassetten, die mit einem Recorder bespielt werden, jedoch ein Mehrfaches vom Anschaffungspreis des Geräts.

Das hat für die Musik-Szene fatale Folgen. Solange Komponisten, Texter. Verleger und Plattenfirmen mit Schlagern, lau, Rock und Klassik Geld verdienen, kann neue Musik produziert werden. Versiegt der Verkauf von bespielten Kassetten und Schallplatten, weil der Konsument allen Schall aus dem Äther umsonst konservieren kann, sind keine Mittel für Neuaufnahmen mehr da.

Die Musikindustrie steht, ohne sieh dies selbst einzugestehen, vor ihrer gefährlichsten Krise.

Durch den Vormarsch der Leerkassette werden die Plattenfirmen zu empfindlichen Budget-Kürzungen gezwungen sein. Sie werden qualifizierte Mitarbeiter entlassen und ihr Repertoireangebot drastisch einschränken müssen. Nur noch Spezialitätenprogramme, die der Rundfunk nicht oder selten sendet, sowie attraktive Hit-Koppelungen, die nur mühsam do-it-yourself aufzunehmen sind, haben künftig noch eine nennenswerte Umsatzchance.

Keine Aussicht, die Krise tu meistern:

Die Lobby der Musikindustrie bemüht sich gegenwärtig, durch Novellierung des Urheberrechtsgesetzes eine Abgabe von drei Mark pro Leerkassette zugunsten der Autoren und Produzenten zu erreichen. Selbst wenn das Parlament in dieser Legislaturperiode (gegen den Widerstand der Magnetbandhersteller) zustimmen sollte, würden die drei Mark binnen kurzem durch die immer billiger produzierten Leerkassetten kein Schutz mehr sein. Im größten europäischen Kassettenwerk. BASF in Willstätt, stehen vollautomatische Fertigungsstraßen bereit, die künftig pro Tag an die 100 000 Kassetten ausstoßen können.

Ein von der Londoner EMI patentiertes, unhörbares Störsignal, das den Radiomitschnitt gesendeter Schallplattenmusik verhindern würde, scheint nicht zum Zuge zu kommen. Die Sender mußten, um Mitschnitte generell zu verhindern, gezwungen werden, alle ausgestrahlte Musik mit dem Störcode zu versehen -- eine unpopuläre Maßnahme. Aber selbst wenn sie gelänge, wäre das Störsignal durch ein billiges Zusatzteil im Empfänger zu knacken.

Auch könnten die Musikfirmen ihre Senderverträge auslaufen lassen und die Funkübertragung von Plattenmusik generell verhindern. Damit ginge ihnen freilich der einmalige Vorzug verloren, für ihre Produkte kostenlos und rund um die Uhr massiv zu werben -- eine selbstmörderische Überlegung.

Ebensowenig werden Bestrebungen der Phonobranche Erfolg haben, die Abgabe der öffentlich-rechtlichen. Funkanstalten für Tonträger wesentlich zu erhöhen. Mit der jährlich an die "Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten" (GVL) gezahlten Summe von 7,5 Millionen Mark erhalten alle Sender das Recht, Industrieaufnahmen unbeschränkt auszustrahlen.

Um den Milliardenverlust des Musikgeschäfts durch Radioüberspielungen wettzumachen, müßte die GVL-Rate jedoch auf das Hundertfache angehoben werden. Diesen Millionenbetrag müßten die Sender zum größten Teil auf die Gebührenzahler abwälzen -eine unrealistische Vorstellung.

Die Offensive der Leerkassette hat indes erst begonnen. In den Elektronik-Labors werden neue Bandlegierungen und Aufnahmetechniken erprobt, die das Kassettensystem der Schallplatte nicht mehr nur ebenbürtig, sondern weit überlegen machen werden. Dem Nürnberger Erfinder Erich Rabe, der die Fachwelt vor drei Jahren mit seinem magnetischen Bildplattensystem überrascht hat, ist es zum Beispiel gelungen, die Magnetisierung der Kassettenbänder wesentlich zu verfeinern.

War es bislang nur möglich, die sogenannten Weißschen Bezirke, Großmoleküle auf der Bandoberfläche. bei der Aufnahme im ganzen zu magnetisieren, so hat Rabes Entdeckung dazu geführt, die Moleküle in 16 Teile zu spalten, die nun einzeln verschiedene Impulse speichern können. Das bedeutet eine größere Informationsdichte auf dem Kassettenband.

In diesem Jahr noch bringen die Firmen MCA und Philips in den USA Geräte auf den Markt, in denen Bildplatten berührungsfrei durch einen Laserstrahl abgetastet werden. Eine versiegelte Schutzschicht macht diese Video-Longplay (VLP) möglich. Auf die Kassette übertragen, wird das Laser-System (LACS) die bisherige Abspieltechnik revolutionieren.

Eine Kassette kann dann ohne meßbaren Klangverlust 100 000 mal vor- und zurückgespult werden. Die Laufzeit der Bänder wird sich auf seehs Stunden verlängern: Wagner wird handlicher. Und der Frequenzbereich ist mühelos von jetzt durchschnittlich 14 000 auf 40 000 Hertz zu steigern.

Schon heute werden von den Firmen Rock-Ola und Wurlitzer in Chicago Laser-Tapes für Musikautomaten erprobt. Wenn aber erst einmal die Automaten in den Restaurants mit Kassetten bestückt werden, ist die Single-Schallplatte endgültig am Ende.

Sebastian Tropp vom Darmstädter Musikarchiv, ein Futurologe der Branche, rechnet mit einer Ablösung der Schallplatte durch die Musikkassette in den Jahren 1985 bis 1987: "Von 1990 an wird das mechanische Abtastsystem nach mehr als 100 Jahren Anwendung endgültig im Museum verschwinden."

Und immer mehr Leerkassetten kommen auf den Markt. Eine klanglose Zukunft ist das Menetekel. Wenn die Musikindustrie ihre wirtschaftlichen Probleme heute und morgen nicht zu lösen vermag, wird es übermorgen bei aller Super-Technik kaum mehr produzierte Musik geben, die überspielt werden kann.


DER SPIEGEL 17/1977
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