28.03.1977

Indien: Das Ende der Angst

Was niemand fur möglich gehalten hatte, geschah in Indien: In der bisher größten freien Wahl der Weltgeschichte jagten zumeist analphabetische Wähler ihr einstiges Idol Indira Gandhi aus dem Amt. Weder sie selbst noch ihr umstrittener Sohn und Möchtegern-Nachfolger Sandschaj wurden wiedergewählt. Die Kongreßpartei, seit der Unabhängigkeit vor 30 Jahren alleinbestimmende politische Kraft, ist künftig Opposition. Die Herrschaft der Nehru-Dynastie, mit kurzer Unterbrechung nahezu drei Jahrzehnte alt, ist zu Ende.
Das Geschehene ist revolutionär, obgleich nicht einmal ein Hauch von Gewalt im Spiel war. Es hat weltweite wie historische Bedeutung, weil es festgefügte Vorurteile über Chancen der Demokratie in einer Analphabeten-Gesellschaft, über den Drang zur Freiheit in einem unterentwickelten Land hinwegfegte.
Indien, Asiens kranker Riese, als Musterbeispiel demokratischer Willensbildung, wer hätte das je gedacht?
Ein in sich hundertfach gespaltenes und zerrissenes 600-Millionen-Volk mit den schlimmsten Kasten-, Religions- und Sprachenproblemen dieser Welt, das sich aus eigener Kraft in einem friedlichen Urnengang von einer autoritären Herrschaft befreit, die gerade daranging, sich als Diktatoren-Dynastie zu etablieren, wer mochte das für möglich halten?
Eine so jäh und unerwartet vom Thron gestoßene stolze Herrscherin, die das Verdikt des Volkes "mit Demut" hinnimmt und in der Niederlage wieder Grazie und Größe zeigt wie in ihren besten Tagen, wer hätte das der so arroganten und so machtbesessenen Kaschmir-Brahmanin Indira Nehru-Gandhi noch zugetraut?
Eine reibungslose Machtübernahme nach drei Jahrzehnten Einparteien-Herrschaft, ersatzlose Aufhebung jahrelang geübter brutaler Repressionsmaßnahmen binnen Stunden. ohne gewalttätige Ausbrüche der Unterdrückten, wo hat es das je gegeben?
"Wir alle haben unser Volk grob unterschätzt", gestand ein prominenter indischer Journalist, als sich Anfang letzter Woche der Erdrutsch an Indiens Wahlurnen abzeichnete.
Unterschätzt hatte auch das Ausland politisches Bewußtsein und Courage der Inder. Moskau, das einen Besuch seines Staatspräsidenten Podgorny gerade noch rechtzeitig abgesagt hatte, mochte das Wahlergebnis erst Tage verspätet melden -- garniert mit Kritik an der vorher gehätschelten Indira.
Bonns Diplomaten in Delhi, die Indira hofiert und ebenso wie die Amerikaner auch auf den sich antikommunistisch profilierenden Sohn Sandschaj gesetzt hatten, verschlug"s die Sprache. Indiens elende und nach landläufiger Meinung unwissende Kleinbauern, Landarbeiter, Slum-Arbeitslose und Parias schafften, was die dünne Schicht der Intellektuellen und Besitzenden, der politisch Organisierten und Informierten nicht fertiggebracht hatte: Sie bereiteten der "langen Nacht des Terrors", wie der Volksmund den Ausnahmezustand von 21 Monaten genannt hatte, ein plötzliches Ende.
Ohne Respekt vor Fürstenthronen stürzten die Erniedrigten jene Machthaberin, die vor zwei Wochen noch mit dem Slogan "Indira ist Indien" ihren absoluten Herrschaftsanspruch verteidigt und die über ein Jahrzehnt lang als mächtigste Frau der Welt ihre Feinde innerhalb wie außerhalb des Landes das Fürchten gelehrt hatte.
Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, nachdem sie 1971 den Erbfeind Pakistan auf dem Schlachtfeld zerschlagen und für ihre Kongreßpartei mit einer Zweidrittelmehrheit einen der größten Siege in der Geschichte demokratischer Wahlen errungen hatte, war Indira Gandhi die "am meisten bewunderte Person der Welt" -- so das Ergebnis einer internationalen Meinungsbefragung.
Österreichs Kanzler Kreisky, der außer sich selber nur selten jemanden bewundert, setzte sie auf seiner Zelebritäten-Liste ganz obenan. Amerikas Krisenmanager Kissinger, dessen Drohgebärden mit der 7. US-Flotte während des Krieges gegen Pakistan Frau Gandhi schlicht ignorierte, meinte, hin und her gerissen zwischen Ärger und Anerkennung, die Dame sei gewiß aus Eisen. Pakistans Militärdiktator Jahja Khan, dessen Herrschaft sie mit ihren Bataillonen beendete, grollte im Whiskynebel über "dieses Weib".
Die Frau, deren Großvater und Vater schon die Geschicke des zweitvolkreichsten Landes der Welt gelenkt hatten, deren Mutter für Indiens Freiheit ihre Gesundheit geopfert, die selbst sich gegen den eigenen Ehemann und für die Politik entschieden hatte, die Mutter, die ihren mißratenen Zweitgeborenen für die Erbfolge auserkor und vor allem darüber jetzt scheiterte, mußte die Macht an Gegner abgeben, die sie längst endgültig besiegt glaubte.
Nachfolger Indiras wurde ein Greis, der ihr vorher zweimal im Wettstreit
* Von links: Söhne Sandschaj, Radschiw, Schwiegertochter Maneka, Sonia, Enkel.
um die Macht unterlegen war, den sie 19 Monate während des Ausnahmezustandes in Isolationshaft in seinem eigenen Haus gehalten hatte -- in allem das Gegenteil von ihr:
Indira Gandhi kommt aus glanzvollem Geschlecht, wuchs in Reichtum auf, lernte Englisch vor Hindi, wurde in der Schweiz und in Oxford erzogen, bereiste die ganze Welt.
Sie bezog Ideen und Ideale aus Europa, studierte marxistische Methoden, wirkte als Studentin für die Labour Party. Sie nannte sich selbst Sozialistin, obgleich ihre Machtausübung schließlich zur Beseitigung aller Bürgerrechte, zu Korruption, Nepotismus und Hofschranzentum degenerierte.
Das Land, das durch Anwendung der Lehre vom gewaltlosen Widerstand seines Nationalheiligen Mahatma Gandhi die Unabhängigkeit erkämpft hatte, veränderte unter Führung der aggressiven Namensvetterin des Apostels der Gewaltlosigkeit die Landkarte Asiens durch einen Krieg und schüchterte seine Nachbarn mit einem Atombombenknall ein.
Nachfolger Morardschi Rantschhodschi Desai, 81, einst enger Mitarbeiter des Indira-Vaters Nehru, bis zum Bruch mit der Tochter im Jahre 1969 Vizepremier und Finanzminister, ist dagegen ein Asket, der Indien wieder zu Idealen Mahatma Gandhis zurückführen will.
Lebenslanger Vegetarier, schwor der Lehrersohn schon vor einem halben Jahrhundert auch dem Sex ab. Er wurde an indischen Schulen erzogen, trank niemals einen Tropfen Alkohol, raucht nicht, meditiert mit täglichen Yoga-Übungen und befolgt strikt das Gandhi-Gebot, täglich mindestens eine Stunde am Spinnrad zu verbringen.
Nach urindischer Tradition brachte er Indira schon vor zwei Jahren eine Niederlage bei. Durch Fasten, das er notfalls bis zum Tode fortsetzen wollte, erzwang er Wahlen in seinem Heimatstaat Gudscharat -- und besiegte erstmals Indiras Kongreß mit einem aus vier Oppositionsparteien zusammengeschweißten Wahlblock.
Zwei Wochen später, noch in der Nacht der Verkündung des Ausnahmezustandes, durch den sie sich der lästigen Opposition entledigen wollte, ließ Indira den Widersacher einsperren.
Immerhin hatte das Beispiel von Gudscharat den oppositionellen Parteien gezeigt, daß sie vereint eine Chance gegen den übermächtigen Kongreß hatten.
Als die siegessichere Regierungschefin, die mangels einer kritischen Presse ihrer eigenen Propaganda und den Lobhudeleien ihrer willfährigen Hofschranzen glaubte, im Januar plötzlich den Ausnahmezustand lockerte und Wahlen anordnete, schlossen sich die nichtkommunistischen Parteien unter Führung Desais sowie des berühmtesten noch lebenden Mahatma-Jüngers. Dschaga Prakasch Narajan. zur "Dschanata"-(Volks-)Partei zusammen.
Zwar spottete der Kongreß-Präsident Boruah über den aus Kongreß-Abspaltern, Sozialisten, einer Bauernpartei und Hindu-Nationalisten zusammengewürfelten Dschanata-Block, dieser Haufen sei "irrelevant". Doch dann schlug sieh auch Indiras dienstältester und angesehenster Minister, der Führer der Unberührbaren, Dschagdschiwan Ram, auf die Seite dieser Opposition.
Und dann passierte mit dem indischen Volk etwas, was Indira selbst immer ausländischen Kritikern ihrer Nation entgegengehalten hatte -- von dem sie freilich meinte, daß es nur zu ihren Gunsten ausschlagen könnte:
Indira in ihrer ersten Rede als Premier vor über elf Jahren: "Es gibt einen Geist in diesem land, der das Volk bei all seinem Analphabetentum, bei all seiner Rückständigkeit zu Großem anspornt, wenn es einer echten Herausforderung konfrontiert wird:
Indira in einem SPIEGEL-Gespräch: "ln Indien kämpft nicht nur eine kleine Gruppe um Freiheit, sondern die ganze Nation, selbst die Ärmsten, die Ungebildetsten, die Rückständigsten."
Genauso kam es nun -- nur wandten sich die kämpferischen Inder gegen die Frau, die den Anspruch erhob, die ganze Nation zu verkörpern.
Indiens Subproletariat, dem noch Tage vor den Wahlen alle Berufs-Propheten von Meinungsforschern der Universität von Neu-Delhi bis zu Kommentatoren der Londoner "Times" nur zugetraut hatten, es würde doch lediglich Stimmvieh für die etablierte Macht abgeben, wählte getreu der Parole der Opposition zwischen "Freiheit oder Diktatur" -- so gezielt, wie es kaum je in einer traditionellen Musterdemokratie passierte.
Dort, wo die Freiheit am brutalsten geknebelt worden war, wo Indira-Sohn Sandschaj den Mächtigen markiert hatte und seine Anhänger nach SA- oder Rotgardisten-Art Slumbewohner mit Bulldozern vertrieben und Jünglinge wie Greise im Rahmen der "Femlipleni (Familienplanung) gewaltsam sterilisiert hatten, fegten die Erniedrigten die Unterdrückerpartei hinweg:
In Indiens volksreichstem Bundesstaat Uttar Pradesch -- mit 95 Millionen Einwohnern wäre diese Provinz das nach Menschen achtgrößte Land der Erde -- brachte die Regierungspartei nicht einen einzigen Abgeordneten durch. Alle 85 Mandate fielen an die Opposition.
In diesem Bundesstaat. aus dem bisher alle indischen Regierungschefs kamen, erhielt selbst Indira Gandhi keinen Sitz mehr, obwohl sie in ihrem Wahlkreis beim letzten Mal noch eine
* In einer Schule.
Mehrheit von 110 000 Stimmen erzielt hatte. Sohn Sandschaj. dessen Jungscharen mit Geländewagen die Dörfler zur Wahl ihres Idols treiben wollten. unterlag mit einem Rückstand von über 75 000 Stimmen einem Kandidaten, der den Wahlkreis mit dem Fahrrad abgefahren hatte.
Exakt jene Regierungsmitglieder, die den Ausnahmezustand zu brutalem Terror genutzt hatten und sich kritiklos der Herrschaft der "anderthalb Personen untergeordnet hatten, wie Dschagdschiwan Ram das Gespann Indira-Sandschaj nannte, fielen bei den Wahlen am schlimmsten durch: Verteidigungsminister Bansi Lal, der eifrigste Sandschaj-Protagonist, Informationsminister Schukla, der die Presse geknebelt hatte, Justizminister Gokhale, der für
Verfassungsänderungen zugunsten einer Diktatur der Nehru-Familie verantwortlich war.
Insgesamt verloren 34 der 49 Kabinettsmitglieder ihre Parlamentssitze. Überlebt hat nur, wer mit der Repression nichts zu tun hatte, wie etwa
Außenminister Dschawan, der nach der Wahl prompt auch zum Vorsitzenden der auf zwei Fünftel ihrer bisherigen Sitze zusammengeschrumpften Kongreß-Fraktion gewählt wurde.
Mit Mehrheiten, wie es sie in der indischen Geschichte noch niemals gab, wählte das Volk hingegen die prominentesten Opfer der Ausnahme-Diktatur --
und jene, die ihr den Todesstoß versetzt hatten:
Sozialistenführer George Fernandes. der aus dem Gefängnis kandidierte, eroberte seinen Wahlkreis mit 330 000 Stimmen Vorsprung vor dem Kongreß-Kandidaten.
Dschagdschiwan Ram, dessen Absprung aus Frau Gandhis geplantem Wahlspaziergang erst eine wirkliche Wahl machte, siegte mit einem Mehr von 300 000 Stimmen.
So machten Indiens Massen möglich, was noch vor Wochen undenkbar schien. Sie drängten zu den Urnen wie nie zuvor. Die Wahlbeteiligung, in dem Riesenland normalhin nur knapp über 50 Prozent, lag diesmal bei über 70 Prozent (und übertraf damit jegliche Wahlbeteiligung in der seit zwei Jahrhunderten etablierten Demokratie USA). Die Wähler reduzierten die bisher stets alleinige Regierungspartei von 350 auf 153 Sitze, sie dezimierten die mit dem Kongreß verbündeten Moskau-Kommunisten von 23 auf sieben Sitze. Sie gaben der Dschanata-Opposition die einfache Mehrheit, zusammen mit den Gefolgsleuten von Ram, Marxisten und lokalen Gruppen verhalfen sie ihr fast zur Zweidrittelmehrheit.
Als die Zahlen bekannt wurden, konnten die Sieger es selbst kaum fassen. Die Massen, in Indien unerhört, tanzten auf den Straßen, jubelten, oft vor Freude weinend, den Siegern zu, die fast alle noch von langen Kerkermonaten gezeichnet sind:
Dem Gandhi-Apostel Dschaja Prakasch Narajan, JP genannt, der wegen eines schweren Nierenleidens, das sich im Gefängnis verschlimmert hatte, in einem Rollstuhl in Delhi einzog; dem unbeugsamen Sozialistenführer Fernandes, der erst nach dem Wahlsieg aus der Haft entlassen wurde; dem Indira-Bezwinger Ram, der nun hofft, noch weitere Kongreß-Mitglieder zu seinem "Kongreß für Demokratie" herüberzuziehen; dem Asketen Desai, dessen Dschanata einen so unvorstellbaren Sieg errungen hatte.
Er wie seine Mitsieger sind sich bewußt, wie schwer es sein wird, die Erwartungen des von der neuen Freiheit elektrisierten und zu "neuer Hoffnung" (Desai) erwachten Volkes zu erfüllen.
Bisher geeint und zum Sieg geschwemmt hat sie nicht ein gemeinsames Programm, sondern nur gemeinsamer Haß gegen Indira, ihren Klan und dessen Gewaltmethoden.
Schon wenige Tage nach der Wahl taten sich erste Risse in der Anti-Indira-Front auf. Dschagdschiwan Ram, der selber Premier werden wollte, weigerte sich anfangs, in die Regierung Desais einzutreten, akzeptierte dann aber ein Ministeramt, nachdem Premier Desai ihn zu Hause aufgesucht hatte.
Die Abgeordneten der Volkspartei, die letzten Donnerstag morgens um sieben, am Radschghat in Delhi, dem Verbrennungsort des Nationalheiligen Mahatma Gandhi, zusammenkamen, schworen, gemeinsam zu den Idealen des Mahatma zurückzukehren.
Sie versprachen feierlich, "dem Volk zu dienen und unser Bestes für die Ärmsten und Schwächsten zu geben, Leben und Freiheit der Bürger der Republik zu schützen" und, wie es Gandhi sich einst zum Ziel gesetzt hatte, "jede Träne in jedem Auge zu trocknen".
Sie wollen die Probleme dort anpacken, wo Nehru und seine Tochter versagten, in Indiens 570 000 Dörfern, in denen noch immer 80 Prozent des 600-Millionen-Volkes wohnen.
Statt wenige schwerindustrielle Zentren hochzuziehen, wie dies bisher geschah, soll die Arbeit zu den arbeitslosen Massen gebracht werden. Arbeitslos oder unterbeschäftigt sind etwa hundert Millionen Inder. Desai will das von seiner Partei jedem Inder versprochene "Recht auf Arbeit" mit der Entwicklung einer breitgesteuerten dörflichen Kleinindustrie -- etwa auf dem Textilsektor -- verwirklichen.
Den hunderten Millionen Kleinbauern und Landarbeitern soll mit Genossenschaften und Krediten geholfen werden.
"Wir sind eine Dorfgesellschaft", sagt Desai, "als solche müssen wir uns auch entwickeln" -- ein Weg, der auch ernst zu nehmenden Ökonomen und Soziologen als einzig erfolgversprechender gilt, um das überbevölkerte und unterentwickelte Riesenland endlich vorwärtszubringen.
Wenig ist, trotz der eben erst abgeschüttelten Unterdrückung, von Rache und Vergeltung an den Führern von gestern die Rede.
Die Inder fühlen sich noch einmal wie 1947, als sie die britische Kolonialherrschaft abschüttelten -- von einem Joch befreit. Premier Desai, der im Wahlkampf stets betonte, daß unter Indira mehr Inder aus politischen Gründen im Gefängnis saßen als unter den Briten, verwirft Vergeltungsgedanken.
Er selbst sei, sagt er, in der Haft gesünder geworden und geläutert. Er versprach jedoch feierlich, alles zu tun, damit nie wieder eine indische Regierung dem Land eine Terrorherrschaft wie in den letzten anderthalb Jahren aufzwingen könne: "Die Bürger sollen künftig wieder ohne Angst vor Mißbrauch der Macht leben."
Dschaja Prakasch Narajan, der einst den Feldzug gegen Indiras Machtmißbrauch begann und dessen moralische Autorität die Opposition einigte, ist froh darüber, daß er "nun glücklich sterben" könne. Auch er spricht nicht von Rache, er ist"s zufrieden, daß Indira Gandhi "bekam, was sie verdiente".
Auf jeden Fall müßten alle während des Ausnahmezustandes verhängten Einschränkungen der bürgerlichen Freiheiten bedingungslos beseitigt werden.
Begonnen hatte damit noch Frau Gandhi selbst in ihren letzten Tagen im Amt. Sie hob den Ausnahmezustand auf, ließ die politischen Gefangenen frei, schaffte die Pressezensur ab und widerrief sogar noch Regierungsorders, aufmüpfigen Zeitungen keine Anzeigen mehr zu geben.
Ob sie, die schon früher mal resignierend festgestellt hatte, daß "es im Leben nicht immer nach unseren Wünschen und Erwartungen geht", durch die Niederlage geläutert, jählings wieder zur Musterdemokratin wurde, oder ob sie damit nur verhindern wollte, daß sie oder ihr Sohn noch selbst Opfer der Ausnahmegesetze werden, darüber sind die Inder geteilter Meinung.
Die Nehru-Dynastie als Lenkerin der Geschicke Indiens ist jedenfalls, da sind sie sich sicher, zu Ende.
Während Indira. so ihr Nachfolger an der Spitze des Kongresses, Dschawan, immerhin "weiterhin eine sehr wichtige Rolle spielen wird", hat Sproß Sandschaj, der sich vor wenigen Wochen als All-Indian-Superstar von willfährigen Astrologen noch prophezeien ließ, er selbst werde binnen zwei Jahren das Land führen, alle Lust an der Politik verloren.
Er wolle, sagte er nach der Niederlage, von der Politik Abschied nehmen; künftig werde er seine "Energien ruhiger, konstruktiver Arbeit widmen".
Ob er das unbehelligt tun kann, ist freilich noch ungewiß. Ein neugewählter Oppositionsabgeordneter, Subramaniam Swaami, der das Vergangene nicht einfach vergessen will, hat bereits eine Liste von 46 angeblich strafbaren Delikten des Indira-Sprosses zusammengestellt.

DER SPIEGEL 14/1977
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