04.07.2005

KUNST

Gruselszenen aus einer fernen Welt

Die undefinierbare Figur im grellgelben Schutzanzug befingert ein Grünzeug, von dem nur eines klar zu sein scheint: Es ist ungenießbar. So ungenießbar wie das Dinosauriermodell, dem der Gelbe begegnet. Der Betrachter möchte sie nicht bewohnen, diese unwirtlichen Welten, die japanische Künstler in ihren Installationen, Filmen, Fotos und Objekten in der Münchner Galerie "Lothringer Dreizehn" zeigen. Und doch wird er den Verdacht nicht los, dass es sich bei den Gruselszenen um Ausschnitte aus einer Wirklichkeit handelt, die westlichen Augen so fremd ist wie asiatischen vertraut. Kämpfen die Maskierten in einem Glastresor gegen das Ersticken? Sind die Mädchen - eine im weißen Rüschenornat, eine im Jeansfetzenlook - eine Alltagsimpression, oder posieren sie bloß fürs Foto? Der Konflikt zwischen künstlerischem Schaffen und dem Zwang, in einer der technisch und wirtschaftlich am höchsten entwickelten Gesellschaften der Welt überleben zu müssen, beschäftigt die männlichen und weiblichen Künstler der Schau gleichermaßen, wie auch der Titel andeutet: "Not Even the Moon Is Autonomous" (Autonom ist noch nicht einmal der Mond). Dabei werden die Spannungen offener ausgetragen als in einem Alltag, in dem die Hightech-Nation ihre kulturellen Traditionen zu wahren sucht (bis 11. September 2005).


DER SPIEGEL 27/2005
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