04.07.2005

BIBLIOTHEKEN

Bücherklau in Paris

Ist er nun ein Dieb oder nicht? Anfangs schien Michel Garel, Ex-Chefkurator für hebräische Manuskripte an der ehrwürdigen Pariser Nationalbibliothek (BNF), reuig: Das Verschwinden der mittelalterlichen Bibelhandschrift H52, die bald darauf bei Christie's in New York auftauchte, gehe auf sein Konto. Vergangene Woche dagegen widerrief Garel öffentlich sein Geständnis: Er habe nur die Untersuchungshaft vermeiden wollen - am Diebstahl des Codex sei er ebenso wenig beteiligt wie am Verschwinden Hunderter weiterer Bücher. Eine Revision, die nach dem Umzug ins neue Bibliotheksgebäude im Pariser Stadtteil Tolbiac stattfand, hatte unlängst die erschreckende Zahl von 30 000 fehlenden Werken ergeben, darunter an die 1200 besonders wertvolle. Jean-Noël Jeanneney, Chef der BNF, räumt ein, dass vieles zwischen den 35 Millionen Sammelstücken bloß falsch einsortiert sein dürfte - kann ja mal vorkommen. Bei Diebstählen hingegen will der Direktor die bisherige "Skandalfurcht" seines Hauses ablegen und in die Offensive gehen. Garel, der sich als "Sündenbock" angeprangert fühlt, legt derweilen schon eine neue Spur: In den Kellern des legendären alten BNF-Gebäudes in der Pariser City kenne allein er vier Stellen, wo sich Diebe durch unterirdische Gänge aus der Nachbarschaft mühelos einschleichen könnten.


DER SPIEGEL 27/2005
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