DER SPIEGEL



MANAGER

Kehraus in Büdelsdorf

Von Dohmen, Frank

Mobilcom-Chef Thorsten Grenz wirft hin. Grund: Amerikanische Finanzinvestoren könnten die Kasse des Unternehmens plündern.

Von Mobilcom ist die Börse allerlei Überraschungen gewohnt. Doch was der Büdelsdorfer Mobilfunkbetreiber am Freitag kurz nach 16 Uhr meldete, kam selbst für Kenner der Firma völlig unerwartet: Die Verschmelzung mit der Festnetztochter Freenet werde vollzogen. Das Wertverhältnis betrage 1,15 Mobilcom-Papiere gegen eine Freenet-Aktie. Und das neue Unternehmen werde von Freenet-Chef Eckhard Spoerr geleitet. Thorsten Grenz, der bisherige Mobilcom-Chef, lege sein Amt zum 31. August nieder und scheide dann "in bestem Einvernehmen" aus.

Damit, so die Botschaft an Aktionäre und Mitarbeiter, sei ein seit Monaten eskalierender Wettstreit gütlich entschieden: der Machtkampf zwischen Grenz und Spoerr um die Vorherrschaft im neuen, vergrößerten Unternehmen. Tatsächlich aber verbirgt sich hinter dem überraschenden Rückzug des bisherigen Mobilcom-Chefs ein wirklicher Krimi, dessen Ausgang noch offen ist.

Denn offenbar schicken sich wieder einmal ausländische Finanzinvestoren an, ein deutsches Unternehmen zu kapern, um es anschließend möglicherweise zu filetieren, in jedem Fall aber maximalen Profit zu erzielen. Dafür zumindest wurden bei Mobilcom in den vergangenen Wochen - völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit - die Weichen gestellt.

Begonnen hatte das Drama eine Woche nach der Hauptversammlung im April dieses Jahres. Da nämlich kaufte sich die Texas Pacific Group (TPG) völlig überraschend mit rund 28 Prozent bei Mobilcom ein. Die TPG gehört zu jenen "Heuschrecken", wie sie SPD-Chef Franz Müntefering bei der Übernahme der Firma Grohe gegeißelt hatte.

Die Amerikaner kauften das Aktienpaket von France Télécom, gleichzeitig übernahmen sie drei Sitze im Mobilcom-Aufsichtsrat. Und dort machten die US-Manager relativ schnell klar, was sie eigentlich von dem Mobilfunkanbieter wollten: Geld.

Die ohnehin geplante Verschmelzung mit der Festnetztochter Freenet, an der Mobilcom mehr als 50 Prozent hält, müsse schnellstens umgesetzt werden. Es stünden im neuen Unternehmen große Summen an Liquidität zur Verfügung.

Außerdem ermögliche die Verschmelzung eine Umstellung der Bilanz, wodurch künftig eine wesentlich höhere Kreditaufnahme möglich wäre.

Dieses Geld, so der Plan, könne dann in einem weiteren Schritt an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Als Größenordnung schwebte den TPG-Managern eine Summe von mehreren hundert Millionen Euro vor. Knapp ein Drittel davon würde in ihre eigene Kasse fließen.

Nur Mobilcom-Chef Grenz, berichten Aufsichtsratsmitglieder, wollte das Büdelsdorfer Mobilfunk-Monopoly nicht mitspielen. Gegen eine Sonderausschüttung von 100 bis 200 Millionen Euro, teilte er den Amerikanern mit, habe er aufgrund der hohen Liquidität nichts einzuwenden. Eine Verschuldung des Unternehmens zum Zwecke der Ausschüttung komme jedoch nicht in Frage.

Die Verschmelzung mit Freenet mache ohnehin nur Sinn, wenn anschließend genügend Geld in der Kasse sei, um auch massiv in Festnetz-Infrastruktur wie DSL-Anschlüsse zu investieren oder sogar einen größeren Wettbewerber wie das Frankfurter Unternehmen Arcor zu übernehmen, soll Grenz nach Aussage von Aufsichtsräten argumentiert haben.

Die amerikanischen Investoren beteuerten fortan, dass sie nur am Wohle des Unternehmens interessiert seien. Notwendige Investitionen würden natürlich gewährleistet. Gleichzeitig jedoch verhandelten die Manager mit Freenet-Chef Eckhard Spoerr, der sich in Sachen Kapitalausschüttung offenbar geschmeidiger zeigte. Die Folge ist ein Verschmelzungsvertrag, der nach bohrenden Fragen der Aufsichtsräte am Freitag vergangener Woche im Aufsichtsrat abgesegnet wurde.

Die möglichen Langfristziele von TPG sind darin noch nicht genannt. Allerdings ist mit der verankerten Umstellung der Bilanz von Buch- auf Zeitwerte die entscheidende Grundlage geschaffen worden, im nächsten oder übernächsten Jahr gewaltige Dividendenzahlungen an die Aktionäre zu leisten - auch wenn die TPG-Manager das noch heftig abstreiten.

Bei Mobilcom selbst wollte sich auf Anfrage niemand konkret zu der Entwicklung äußern. Über mögliche Kapitalausschüttungen, heißt es, befinde grundsätzlich die Hauptversammlung des neuen Unternehmens.

Vorstandschef Grenz jedoch wollte den sich abzeichnenden Kehraus nicht mitmachen und scheidet offenbar nur aus diesem Grund aus dem Unternehmen aus. Sein Aufsichtsratschef Dieter Vogel, selbst als Finanzinvestor tätig, will hingegen bleiben.

"Eine Ausschüttung", betont er, sei auf der Aufsichtsratssitzung am Freitag "nicht thematisiert worden" - noch nicht. FRANK DOHMEN


DER SPIEGEL 28/2005
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