15.11.1976

Datum: 15. November 1976 Betr.: Krupinski

Der Generalleutnant Walter Krupinski war, solange er in der Bundeswehr dienen durfte, ein selbstbewusster Offizier. Das Recht, seine eigene Meinung zu sagen, gegenüber Untergebenen wie Vorgesetzten, aber auch in der Öffentlichkeit, hat er sich nie streitig machen lassen. Schon in den Gründerjahren der westdeutschen Wehr brachte ihn seine Offenherzigkeit in den SPIEGEL (19/1962>. Der reaktivierte Weltkrieg-II-Pilot, damals Oberst und Geschwaderkommodore, hatte sich für einen geschassten Kameraden, den Oberstleutnant Siegfried Barth, stark gemacht, der vom Verteidigungsminister Franz Josef Strauss wegen des Fehlfluges zweier
Luftwaffen-Jets nach Berlin-Tegel strafversetzt worden war. Krupinski wies Barths Unschuld nach und musste sich von Luftwaffen-Inspekteur Kammhuber vorwerfen lassen: "Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus ·" Krupinski
verlangte vor Zeugen Satisfaktion, und sein Vorgesetzter entschuldigte sich. Vier Jahre später, auf dem Höhepunkt der Krise um den Katastrophen-Vogel "Starfighter", legte sich der inzwischen zum Brigadegeneral Aufgestiegene sogar mit seinem Minister an. In einem SPIEGEL-Gespräch gab Krupinski, damals zuständig für alle Starfighter-Verbände, der politischen Spitze wesentliche Mitschuld am Desaster. Auf SPIEGEL-Fragen nach den Ursachen der Absturzserie antwortete der General: "Menschliches Versagen kann an vielen Stellen passieren ... auch bei der Führung dieses Ministeriums." CDU-Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel, Nachfolger des Starfighter-Beschaffers Strauss, fand solche Redensarten "arrogant" und untersagte Krupinski die Freigabe des Gesprächs. Als dann aber die "Bild"-Zeitung Auszüge druckte, sah der SPIEGEL keinen Anlass mehr, den Wortlaut zurückzuhalten (37/1966). Zehn Jahre danach kam der freizüngige Offizier doch noch zu Fall. Der mittlerweile zum Kommandierenden General der Luftflotte avancierte Jet-General flog blind in die Rudel-Affäre (SPIEGEL 45 und 46/1976). Und in dieser Ausgabe (siehe Seiten 27 und 30) ist Krupinski noch einmal SPIEGEL-Figur. Zum letztenmal?

DER SPIEGEL 47/1976
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