06.12.1976

GESTORBENIwan Ignatjewitsch Jakubowski

Iwan Ignatjewitsch Jakubowski, 64. Der Oberbefehlshaber der Streitkräfte des Warschauer Pakts hatte eine Bilderbuchkarriere abgeleistet: Das sechste Kind einer belorussischen Schafhirtenfamilie wanderte 1931 in Bastschuhen aus seinem Heimatdorf Saizewo in die Kreisstadt Gorki, um etwas zu lernen. Er geriet auf die Minsker Militärschule und wurde "Tankist" (Panzerfahrer). In vier Kriegsjahren, von Moskau bis Berlin, stieg der Bataillonskommandeur zum Vizechef eines Gardekorps auf. Im Frieden absolvierte Jakubowski die Generalstabsakademie und entwarf -- entgegen Chruschtschows Glauben an die friedensfördernde Allmacht der Atombomben -- eine neue Strategie des konventionellen Krieges. Von 1960 bis 1965 befehligte der Koexistenzkritiker Jakubowski die sowjetische DDR-Garnison, während des Mauerbaus allerdings vorübergehend ersetzt durch Alt-Marschall Konew. 1967 holte sich der neue Verteidigungsminister Gretschko den bulligen Jakubowski als Warschauer-Pakt-Kommandeur, den richtigen Mann für die Okkupation der Tschechoslowakei im darauffolgenden Jahr
Fritz Rasp, 85. "Das Wichtigste im Leben ist die Kultur des eigenen Ichs, sind die Werte, die man in sich selbst zu entdecken weiß und die einen erst menschenwürdig machen", glaubte Rasp -- deutsche Filmschurke vom Dienst, über 60 Jahre lang Bösewichte. 1891 als 13. Kind eines Bezirksgeometers in Bayreuth geboren, mußte Rasp erst einen Sprachfehler überwinden, um die erträumte Schauspielerkarriere anzugehen. Sein Debüt gab er bereits 1909 im Schauspielhaus in München, 1914 holte ihn Max Reinhardt ans Deutsche Theater nach Berlin. Kurz darauf spielte er in den ersten Kurzfilmen von Ernst Lubitsch. Zu seinen wichtigsten Stummfilmen gehören Fritz Langs "Frau im Mond" und G. W. Pabsts "Liebe der Jeanne Ney" nach dem Roman von Ilja Ehrenburg. mit dem Rasp später lange befreundet war. In mehr als 80 Filmen verkörperte Rasp Verbrecher, Abartige und gefährdete Existenzen, als Grundeis in der Kästner-Verfilmung "Emil und die Detektive" wurde er weltberühmt. Sympathisch durfte er in einer seiner letzten Rollen sein: In der Komödie "Lina Braake" trat er als listiger Exbankier auf. Rasp starb letzten Dienstag an Krebs in München.

DER SPIEGEL 50/1976
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