In voller Breite entfaltet die Sozialistische Einheitspartei ihr Banner über unser ganzes Vaterland", läßt sich das SED-Sprachrohr "Neues Deutschland" zur Westzonen-Reise Pieck-Grotewohls vernehmen. Die erste Station war nicht Frankfurt, wo eine Kampfgemeinschaft mit der KPD gebildet wurde, sondern Offenbach, wo der Landesparteitag der hessischen KPD tagte.
Einverständnis mit den Grundsätzen und Zielen der SED wurde proklamiert. Die Konferenz empfiehlt allen Parteiorganisationen, unverzüglich zu der Frage der Verschmelzung von SED und KPD Stellung zu nehmen.
Verschmelzung war das Stichwort. Eine gesamtdeutsche Sozialistische Einheits-Partei ist das Nahziel. Falls die Besatzungsmächte kein Veto einlegen, greift damit eine Partei auf die Westzonen über, die straffer organisiert ist als alle demokratischen Parteien der Nachkriegszeit. Nach den Worten ihres Vorstandsmitglieds Franz Dahlem muß sie das
Kampfinstrument sein, das jederzeit eingesetzt werden kann, wenn die Partei ihre Politik durch Mobilisierung der Massen, der Arbeiter und Werktätigen durchsetzen muß. "Einheitlichkeit und Einfachheit im Aufbau der Partei von unten bis oben ist geschaffen", sagt Dahlem.
Mit 1 660 000 Mitgliedern ist die SED offiziell in das Jahr 1947 eingetreten. Obwohl nur in der Ostzone organisiert, ist sie damit die an Mitgliedern umfangreichste deutsche Partei seit 1918, ausgenommen die Partei Hitlers. Die SPD hatte 1931 1 008 953 Mitglieder. Die Zahl der Ortsgruppen ist seit der Verschmelzung von 3600 auf 11 486 gestiegen, die der Betriebsgruppen von 3200 auf das Dreifache. Die Gesamtzahl der unteren Einheiten der Partei, der Wohnbezirksgruppen, Betriebsgruppen und nicht untergliederten Ortsgruppen beträgt rund 30 000.
Auf dem Land werden die Ortsgruppen zu Kreisorganisationen zusammengefaßt, in den Städten zu "Stadtbezirken" und in den Großstädten zu "Stadteilen". Darüber stehen die Landesvorstände in den Provinzhauptstädten und der Zentralvorstand der SED in Berlin.
Die Wahl aller Vorstände in allen Einheiten der Partei vollzieht sich laut Dahlems Bericht auf der Grundlage der vollen innerparteilichen Demokratie. Die Partei selbst greift nicht in das Leben der Verwaltungen und der Wirtschaft ein. Ihre Aufgabe ist es lediglich, "die dort wirkenden Parteimitglieder anzuleiten und zu kontrollieren, ob sie die Linie der Partei innehalten".
DER SPIEGEL 11/1947
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