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Kunterbunter Quickborn

Wetter wechselnd - Kälte dauerhaft

Unter allen Deutschen, die in den letzten anderthalb Monaten vom Wetter und den Wetterpropheten genasführt wurden, stehen die Bewohner Norddeutschlands obenan. Nirgends haben sich die Hochs so beharrlich am Rande der Tiefs vorbeigedrückt wie in der britischen Zone, weshalb denn auch die englischen Experten der Moskauer Deutschland-Konferenz (einmal mehr zu spät und) völlig verschneit in der frühlingswarmen Hauptstadt des kältesten Landes der Erde eintrafen.

Die Bewohner der Zone selbst lauschten aufmerksam dem abendlichen Radio-Wetterbericht. Das Hamburger "Echo des Tages", das heftig in Tauwetter gemacht hatte, zitierte sogar Frau Holle. Allerdings zeigte sich diese Dame merkwürdig gut über das Wetter orientiert - sie hörte nämlich keinen Rundfunk. Demzufolge hatte sie auch nicht die "Kommentare zur Wetterlage" vernommen, mit denen die Wetterwarte Quickborn den Widerstandswillen des Volkes bis zum äußersten entfacht hatte.

9. Februar - Bis Mitte dieser Woche muß mit einem Anhalten des strengen Frostes gerechnet werden. In der zweiten Wochenhälfte erwartet man eine Milderung des Frostes, allerdings sind dies vorerst Vermutungen.

11. Februar - Mit einer weiteren Fortdauer des kalten Wetters ist nach den neuesten Berichten zu rechnen.

12. Februar - Für ganz Norddeutschland Ende der jetzigen Kältewelle im Laufe der nächsten Woche.

16. Februar - Ueberall in Nord-, Mittel - und Osteuropa ist nach den neuesten Meldungen auch weiterhin mit Frostwetter zu rechnen, da erst in drei bis vier Tagen eine leichte Milderung eintreten wird.

19. Februar - Die für dieses Wochenende angedeutete Entwicklung zu einem Witterungsumschlag hat bisher keine weiteren Fortschritte machen können. Es muß daher mindestens bis zum Anfang der kommenden Woche noch mit dem Fortbestehen des kalten Wetters gerechnet werden.

21. Februar - Ein Tiefdruckgebiet ist vom Atlantik bis zum Westeingang des Kanals vorgedrungen. Mit seiner Verlagerung nach Ost-Nordost wird es für Rheinland-Westfalen und später für Südhannover-Braunschweig Tauwetter bringen.

22. Februar - Der Witterungscharakter wird von jetzt an unbeständiger sein. Das im Rheinland eingetretene Tauwetter berührt nur den äußersten Süden der Zone.

26. Februar - Erst Mitte nächster Woche wird eine durchgreifende Milderung erwartet.

2. März - Eine durchgreifende Aenderung der Wetterlage ist erst Ende der kommenden Woche zu erwarten.

5. März - Mildere Luftmassen dürften in den nächsten Tagen von Südwesten in zunehmendem Maße Nordwestdeutschland beeinflussen. Dabei wird die Grenze kräftigen Tauwetters anfangs noch hin- und herpendeln.

8. März - Für den Anfang der kommenden Woche wird für Nordwestdeutschland eine leichte Milderung erwartet.

9. März - Uebergang zur Frostmilderung, Schnee und Regen.

12. März - Unbeständigkeit ist nach wie vor die Tendenz der augenblicklichen Wetterlage.

Das "Echo des Tages" in Hamburg aber prophezeite optimistisch und zuversichtlich weiterhin Tauwetter.


DER SPIEGEL 11/1947
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