"Ziegfeld Girl" heißt im Urtext der amerikanische Film, der jetzt in München-Geiselgasteig zur deutschen Synchronisation erwartet wird. "Mädchen im Rampenlicht" soll er in Deutschland heißen.
Die Ziegfeld Girls sind die reizenden jungen Damen der "Ziegfeld Follies". Sie sind jenes außerordentlich betrachtenswerte Aufgebot weiblicher Anmut, das in der amerikanischen Vergnügungsindustrie eine Rolle spielt wie etwa die "Folies Bergères" in Paris.
Hundert schöne Mädchen in glänzender Revue, hundert untadelige Figuren, hundertmal ein bezauberndes Lächeln - und hinter jedem Lächeln ein Schicksal. Hierum geht es in dem Film.
In der Wirklichkeit hat schon manches Ziegfeld-Girl ein so beachtliches Schicksal gehabt, daß die Presse nicht ohne Schlagzeile und Bild darüber berichtete. Dann z. B., wenn eine die Frau eines Millionärs geworden war. Oder wenn eine andere beim Film oder auf der Bühne große Karriere gemacht hatte.
Susan, Sandra und Sheila heißen die Girls, von deren Schicksalen der Film erzählt, nach einer Geschichte von William Anthony McGuire. Der große Revuemann Florence Ziegfeld entdeckt sie unter den nicht unromantischen Umständen, die bei seiner Suche nach den schönsten Frauen des öfteren im Spiel sind.
Er findet die putzige Susan in einem kleinen Theater. Zusammen mit ihrem Daddy trällert sie dort bei mäßigen Gagen die verstaubte Komik altersschwacher Chansons herunter.
Er holt sich die aparte Sandra von der Seite ihres Mannes. Der ist ein Geiger und ohne Arbeit.
Er hält in einem Warenhaus den Fahrstuhl an, um die Dame am Schalthebel für die Ziegfeld-Follies zu gewinnen: Sheila.
"Sie haben Glück!" heißt es in der Einleitung zu jedem Engagements-Vertrag. "Sie sind ein Ziegfeld-Girl!" Die Filmgeschichte erzählt, was es mit dem Glück, in die Reihe der schönsten amerikanischen Mädchen aufgenommen zu werden, auf sich hat oder haben kann - jedenfalls soweit es sich um Susan, Sandra und Sheila handelt.
Susan wird ein Star - sie ist auf so natürliche Weise reizend, sie hat so viel optimistischen Ehrgeiz, sie kann so hübsch singen. Sandra verläßt die Flitterparade bald wieder. Sie ist nicht glücklich in den Aeußerlichkeiten ihrer Aufgabe, sie kehrt zu ihrem Mann zurück.
Sheila, die mit so betörender Grazie die glitzernden Stufen auf der Revuebühne herabzusteigen weiß, scheint alles gewonnen zu haben, wonach ihr eitles Herz in seinem Leichtsinn trachtet, Männer, Erfolg, Geld, Kleider und Brillantarmbänder. Und sie verliert die Liebe ihres Jugendfreundes und ihre Gesundheit.
Mit ihrem Babygesicht spielt Judy Garland die Susan. Sie war noch sehr jung, 16jährig, als sie in der "Broadway-Melody 1938" auffiel. Als ein enfant terrible sang sie neben Sophie Tucker ihre Swing-songs mit mörderisch kräftiger Stimme.
Hedy Lamarr spielt die Sandra. Von ihr berichtete vor einiger Zeit "Daily Expreß", daß sie sich wünsche, wieder einmal die Rolle eines "bösen Mädchens" zu spielen, wie seinerzeit, noch unter dem Namen Hedy Kiessler, in dem tschechischen Film "Ekstase". Aber die Produzenten in Hollywood rieten ihr dringend davon ab. Sie erinnerten sich, was mit dem Film Ekstase" geschah: er wurde in Acht und Bann getan, und Hedy hatte Schwierigkeiten mit den amerikanischen Frauenvereinen. Damals zog sie es vor, ihren Namen in Hedy Lamarr zu ändern.
Ihr Partner ist der aus deutschen Filmen bekannte Frits van Dongen. Auch er hat sich nach seiner Uebersiedlung nach den USA einen neuen Namen zugelegt und heißt nun Philipp Dorn.
Lana Turner hat die Rolle der Sheila übernommen. Sie ist die Tochter des Tänzers Virgil Turner und lernte beim Vater schon früh das Tanzen. Sie gilt als eine der begabtesten und - mit ihren hellbraunen Haaren mit den rötlichen Reflexen und ihren braunen Augen - schönsten Nachwuchs-Schauspielerinnen bei Metro-Goldwyn-Mayer.
Nach langen Jahren wird Deutschland In diesem Film einen alten Bekannten wiedersehen, über den es einmal mit so brodelnder Ausgelassenheit gelacht hat: Felix Bressart. Unlängst wurde von ihm berichtet, er sei hauptberuflich als Arzt tätig. Aber er will dem Film nicht ganz untreu werden.
Beide hießen sie früher anders: Hedy Lamarr und Philipp Dorn
Wegen Sheila hielt Mr. Ziegfeld den Lift an - im Film (Lana Turner und James Stewart)
DER SPIEGEL 11/1947
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