Die Berliner haben Sonja Henie, Norwegens Eislaufkünstlerin und Olympiasiegerin und Hollywood-Filmstar, immer gern leiden mögen. "Häseken" nannten sie sie in verliebter Zuneigung. Jetzt sehen sie Sonja nach Jahren wieder, auf der Leinwand.
"Adoptiertes Glück" heißt der amerikanische Film. Es ist die bekannte Geschichte von dem jungen Mann, der ein Kind adoptiert zu haben glaubt, und dann ist es ein ausgewachsenes Mädel, das den Adoptivvater in allerlei Verlegenheiten bringt und schließlich der Rivalin den Rang abläuft.
Das besorgt Sonja Henie mit ungemein herzigem Wesen und, wie es sich von selbst versteht, durch Ski- und Eislauf. Dazu gibt es eine angeblich aus Norwegen stammende Kußpolka, zwei fabelhafte Steptänzer, eine ausgezeichnete Jazzkapelle (Dirigent: der bewußte junge Mann), wunderbare Aufnahmen vom Skilauf in Sun Valley, dem amerikanischen Garmisch, und zum Schluß ein wirklich hübsches Eisballett.
Die Zuschauer finden, daß manches sehr lustig ist. Aber sie haben auch den Eindruck, daß anderes in der Schablone stekken bleibt.
Uebrigens heißt es, Sonja Henie, die jetzt angeblich fünfmal sieben Jahre alt ist, wolle nicht mehr selbst auftreten. Auf dem Eis nicht und nicht vor der Kamera. Sie will hinter der Kamera stehen: Sie ist in London eingetroffen und will auch Paris und die Schweiz besuchen, um eine Hauptdarstellerin für einen neuen Eislauffilm zu suchen. Sie selbst will inszenieren.
In Zukunft will Sonja Henie hinter der Kamera stehen
DER SPIEGEL 11/1947
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