DER SPIEGEL



Das ewige Duell

Jacobowsky und der Oberst

Frau Alma Mahler-Werfel, die Witwe des Dichters Franz Werfel, hat viele Manuskripte gedruckter und noch ungedruckter Schriften ihres Mannes der Kalifornia-Universität in Los Angeles übergeben. Unter diesen Handschriften war auch die von "Jacobowsky und der Oberst", einem Theaterstück, das in New York und auf USA-Tourneen außerordentlichen Erfolg hatte. Jetzt wird es in Berlin im Hebbeltheater gespielt.

Juli 1940. Aus der Dämmerung eines Pariser Luftschutzkellers heben sich heraus ein polnischer Oberst, der mit blankem Säbel die deutschen Tanks angegriffen hat, und, während die Deutschen vorrücken, einen militärischen Auftrag nach London bekommt, und Jacobowsky. Der ist als Kind aus Polen nach Deutschland geflohen, aus Wien geflüchtet, aus Prag, und muß nun auch, seine fünfte Flucht, aus Paris flüchten.

Der Oberst, jeder Zoll ein nationalistischer Don Quichotte, verachtet Jacobowsky, den Juden. Aber der ist es, der das Auto aushandelt, das beiden zur Flucht verhilft.

Seine Mission hindert den Obersten nicht, einen Umweg zu Marianne, der "Königin seines Herzens", zu machen. Marianne steht für alle Frauen und zugleich für Frankreich. Sie verliebt sich in den prachtvollen Ritter, sie neigt sich, je mehr des Heldens rücksichtsloses Draufgängertum allmählich auch ihre Existenz als Frau untergräbt, Jacobowsky zu.

Er, der Mann mit Kopf und Herz, folgt nicht ausschließlich seinen Impulsen. Er besorgt Benzin und Essen. Er rettet durch einen glücklichen Einfall den Oberst, der ihn eben noch zum Duell gefordert hat, aus der gefährlichsten Situation.

Ihn, dem Menschen mit Entschlußkraft und Lebensmut, der stets das Vernünftige tut und Glück hat, nimmt der Engländer in sein rettendes Schiff auf. Aber sein Duell mit dem Helden ist ewig.

Das Stück, das Franz Werfel, der 1938 mit seiner Frau aus Wien in die Emigration ging, in deutscher Sprache in USA schrieb, mutet bisweilen wie aus dem Französischen übersetzt an. Es ist mehr aus fünf klug beobachteten und spannend arrangierten Situationsschilderungen aufgebaut als aus Akten eines Dramas.

Unter der Regie Franz Reicherts spielte Hans Hermann Schaufuß den Jacobowsky, Walter Süßenguth den Oberst und Lu Säuberlich Marianne. Es gab bedeutenden Applaus.

Jacobowsky zu Marianne: "Siehst du den Stern?" (Lu Säuberlich. H.-H. Schaufuß)


DER SPIEGEL 25/1947
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