28.06.1947

SPRACHEEsperanto hatte Geburtstag

Vor 60 Jahren beendete ein polnischer Arzt seine Erfindung, und seitdem beschäftigt sie, mal mehr, mal weniger, immer wieder die Oeffentlichkeit. Der Arzt war Dr. L. L. Zamenhof, seine Erfindung ist das Esperanto, die Welthilfssprache, die "Brücke zur Welt".
Dieser Tage hatten sich vielerorts, die Esperantisten zusammengefunden, um des 60. Geburtstages ihrer Sprache zu gedenken. Man hörte Vorträge in Esperanto, und auf den Programmzetteln war die Esperanto-Hymne gedruckt: "La Espero -Esperantista himno". L. L. Zamenhof hat sie gedichtet.
In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts schon verwandte der kleine Gymnasiast Lazarus Ludwig Zamenhof aus Bialystok alle seine Zeit darauf, eine Sprache zu erfinden, die jeder in der Welt verstehen und sprechen sollte, neben seiner Muttersprache
In seiner Vaterstadt sprach man dazumal Polnisch, Russisch, Ukrainisch, Jiddisch, Deutsch und vieles mehr. Teils verstand man sich, teils nicht. Letzteres meistens. In seinen Mitschülern fand Zamenhof begeisterte Anhänger, als er ihnen eine halbwegs fertige Welthilfssprache, die "lingwe uniwersala" vorlegte, und 1878 hielt man im kleinsten Kreise bereits den ersten "Kongreß" ab.
Von der "lingwe uniwersala" bis zum heutigen Esperanto war es noch ein weiter Weg. Immer wieder wurde verbessert, gefeilt und geändert. Bis endlich im Jahre 1887 die Esperanto-Welthilfssprache auf das Mindestmaß von 16 ausnahmelosen Regeln, 18 Endungen (gegen rund 2500 im Französischen), rund 40 Vor- und Nachsilben und rund 5 000 Wurzelwörter komprimiert war. Im gleichen Jahr erschien die erste Esperanto-Fundamentalgrammatik in vier Sprachen. Das war das Geburtsjahr dieser Sprache.
Aus den wenigen Mitschülern Zamenhofs, der 58 Jahre alt 1917 in Warschau gestorben ist, wurden im Lauf der letzten 60 Jahre acht Millionen Anhänger.
In Hannover wurde die Esperanto-Geburtstagsrede von dem persischen Universitätsprofessor Saribek Agamjan gehalten. Der 50 jährige dunkeläugige Orientale sprach in fließendem Esperanto.
Dieser Professor der Botanik (der noch recht wehmütig seinen 3 500 Rosenstöcken im Kaukasus nachtrauert) lebt seit über einem Jahr in Stuttgart-Cannstatt. Er spricht Russisch, Persisch, Türkisch, Asbekisch fließend und außerdem einige mitteleuropäische Sprachen ausreichend. Er bevorzugt Esperanto.
Es gab viel Beifall auf dieser Geburtstagsfeier der Internacia Esperanto Ligo. Es gab auch Blumen, sogar für den Professor, obwohl der vorher privatim geäußert hatte, daß ihm als Botaniker Blumen auf der Wiese lieber seien als in der Vase.

DER SPIEGEL 26/1947
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