29.11.1947

Professor Mamlock behielt recht

Ein Film nach elf Jahren

Friedrich Wolf hat sein Schauspiel "Professor Mamlock" 1934 als Emigrant geschrieben. Zwei Jahre später kam, auf der Suche nach Antinazi-Themen, aus Hollywood der Regisseur Herbert Rappaport nach Moskau. Er stieß auf Wolfs "Mamlock", und sechs Monate darauf marschierten SA- und SS-Kolonnen durch die Leningrader Straßen. "Professor Mamlock" wurde, gedreht.

Der Film ist jetzt in Halle, Dresden und Leipzig angelaufen. In Berlin sahen und diskutierten ihn Männer von Film und Presse im "Haus der Sowjet-Kultur".

Der Film zeigt die Anfänge des illegalen Widerstandes ausführlicher als das Stück. Die Geschichte von Mamlock tritt stellenweise ganz zurück.

Reichstagsbrand, Mamlock wird aus der Klinik gejagt, zur Operation eines Stabsführers zurückgeholt und weiter schikaniert. Sein Sohn Rolf wird mit seiner illegalen Organisation ausgehoben, hat ein Gestapo-"Verhör" durchzustehen, wird verfolgt und von der Bevölkerung versteckt ("Das hätten alle machen sollen", sagte eine Frau im Parkett).

SS-Maschinengewehre gegen die Bevölkerung, Mamlock ruft vom Balkon herunter: "Schießt nur, eines Tages wird man euch die Maschinengewehre wegnehmen".

"Hoffentlich behälst Du recht", sagte Friedrich Wolfs Sohn zu seinem Vater, als der Film in einem Moskauer Kino vor Soldaten gezeigt wurde. Es war zu der Zeit, da die Deutschen 80 km vor der Stadt standen.

Mamlock will im Film trotz seiner Erfahrungen Deutschland nicht verlassen, er spricht seine Liebe zum "anderen Deutschland" aus. Sprecher der Diskussion hielten dies mit für das Wichtigste an dem Film. Bemängelt wurde die Milieuschilderung.

Der Film, immerhin elf Jahre alt, ist in der Technik überholt und war, trotz guter schauspielerischer Leistung, niemals erste Klasse. Das Stück wirkt geschlossener und stärker als der Film. Dennoch waren die meisten Diskussionsredner der Meinung, daß der Film auch heute noch eine heilsame Wirkung auf das deutsche Publikum ausüben werde.


DER SPIEGEL 48/1947
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