18.10.1976

PERSONALIENArnold Schwarzenegger, Holger Börner, Helmut Schmidt, August Lang, Sir Harald Wilson, Valéry Giscard d'Estaing, Evelyn Künneke, Dietrich-Wilhelm Rollmann

Arnold Schwarzenegger, 29, "Mister Universum" aus Osterreich mit Wohnsitz in Kalifornien, trainiert seinen muskelbepackten Körper mit klassischen Ballettübungen (Photo). Der Body-Builder, der zuletzt seinen Bizeps für die Muskel-Filme "Stay Hungry" und "Pumping Iron" spielen ließ, hofft, durch regelmäßiges Exerzieren im Ballettsaal seine Chancen bei Vergleichskämpfen männlicher Muskelprotze noch zu erhöhen. Der 97 Kilo schwere Schwarzenegger: "Wenn ein schmächtiger Knabe sich gefällig bewegt, ist das nichts Besonderes. Ein anmutiger, muskelbepackter Riese dagegen ist schon ein Knüller."
Holger Börner, 45, frisch gekürter Regierungschef in Hessen, ist über sein Traumziel hinausgeschossen. Schon immer, so erzählte der SPD-Bundesgeschäftsführer bei einem Abschiedsplausch mit Bonner Journalisten, habe er hessischer Landwirtschaftsminister werden wollen, "doch damals hat man über mich gelacht". Der Grund für seinen Berufswunsch: Er hätte als oberster Agrarier die Aufsicht über das staatliche Weingut Kloster Eberbach gehabt und da seien "die besten deutschen Lagen" beheimatet. Nun hat Ministerpräsident Börner sogar die Kontrolle über den Kontrolleur.
Helmut Schmidt, 57, Regierungschef, wurde von einer Telephonistin im Bonner Bundespresseamt nicht für voll genommen. Der Kanzler, der von seinem Ferienhaus am Brahmsee aus mehrmals vergebens versucht hatte, seinen stellvertretenden Regierungssprecher Grünewald in Bonn direkt anzuwählen, probierte es schließlich über die Telephonzentrale des Presseamtes und meldete sich mit "der Bundeskanzler". Darauf die Telephonistin mit leidgeprüfter Stimme: "Ja, ja, ist ja schon gut. Ich glaub's ja schon."
August ("Gustl") Lang, 47, Fraktionsvorsitzender der CSU im bayrischen Landtag, ist empört über seine Parteifreunde im Parlament, die ihn am letzten Mittwoch nur unerwartet knapp mit 68 von 99 abgegebenen Stimmen bei 132 Fraktionsmitgliedern wiederwählten. Eine Erklärung für den Vertrauensschwund vermutet der CSU-Landtagschef in der Spendenaffäre um den flüchtigen Pleite-Unternehmer Hans Glöggler und den Münchner Ministerialrat Herwig Dörrbecker (SPIEGEL 42/1976): Lang wird angekreidet, daß er den einnehmenden Beamten vor einem Jahr als persönlichen Wirtschaftsreferenten engagiert habe. Der Fraktionschef wiederum verdächtigt den bayrischen Wirtschaftsstaatssekretär Franz Sackmann, der Dörrbecker den GlöggLer-Job gestattet hatte, Lang-feindliche Stimmung unter den CSU-Abgeordneten gemacht zu haben.
Sir Harald Wilson, 60, britischer Ex-Premierminister, hat mit zwei neuen Aufgaben unterschiedlichen Erfolg. Während sich die Mitglieder einer neu gegründeten Kinderspielgruppe im Londoner Stadtteil Southwark von Schirmherr Wilson gern in Schwung bringen ließen (Photo), stieß seine Ernennung zum Vorsitzenden eines Kontrollgremiums, das die Praktiken der britischen Finanzmanager überprüfen soll, in den Reiben der Regierungspartei wie auch bei der Opposition gleichermaßen auf Kritik. Aus verschiedenen Gründen: Einige Labour-Mitglieder fürchten, daß Wilson seine Kontrollfunktion über Banken, Ver-
Valéry Giscard d'Estaing' 50, französischer Staatspräsident, fürchtet um sein Image. Der Regierungschef ließ am Freitag letzter Woche den Verkauf eines Kartenspiels verbieten, das ihn unter anderem als Kardinal Richelieu und als Vercingetorix karikiert (Abb.). Der Verlag "Arts et Lettres" in Nancy wurde gerichtlich aufgefordert, die Druckstöcke der "Giseartes" zu vernichten. Verlags-Manager Marc Ways: "Wir werden gegen das Urteil Berufung einlegen." Arts et Lettres läßt sich durch Giscards Vorgehen nicht verblüffen -- die Kartenhändler planen die Herausgabe weiterer Polit-Spiele: Demnächst sollen Karten mit den verfremdeten Konterfeis des KPF-Chefs Georges Marchais und des Sozialistenführers Francois Mitterrand erscheinen.
sicherungen und die Börse nicht hart genug ausüben wird, die Konservativen dagegen verlangen die Ernennung eines "unabhängigen Finanz- und Wirtschaftsexperten". Tröstete sich ein Tory: "Es hätte schlimmer kommen können, wenn man Lady Falkender berufen hätte." Die Lady war Wilsons Sekretärin -- und schon bevor ihr Chef sie in den Adelsstand hievte als Marcia Williams durch zweifelhafte Grundstücks-Transaktionen bekannt.
Evelyn Künneke, 54, Alt-Enfant terrible der "Szenen"-Szene, nutzte ein Engagement an der Hamburger Kleinkunst-Bühne "Das Schiff", um auch ihr Hobby ins rechte Licht zu rücken: Die Freizeitmalerin ließ die Bordwände der schwimmenden Bühne mit eigenen Werken behängen. Bevorzugte Motive der neuen Künneke-Kollektion: Nackte Männer (Photo). Um Aktmodelle brauchte sich die "Fette aus Dingsda" -- so der Titel der Künneke-Memoiren -- sicher nicht zu sorgen, nach eigenem Bekunden hatte die Chansonette immerhin 5463 Liebhaber.
Dietrich-Wilhelm ("Didi") Rollmann' 44, MdB aus Hamburg und über lange Jahre jugendpolitischer Experte der CDU, hat sich nach seinem Verzicht auf eine erneute Bundestagskandidatur ein neues Betätigungsfeld gesucht: Jurist Rollmann schreibt für das Hamburger Sex-Blatt "Praline/Aktuelle Woche" in regelmäßiger Folge und unter der Überschrift "Hallo, Partner!" Kolumnen. Die "Praline"-Macher stolz über ihren neuen Mitarbeiter: "Nur partnerschaftlich geht's auf Erden friedlich weiter -- ob unter ganzen Völkern oder unter zweien, die sich gern haben. Dietrich Rollmann schreibt über das eine wie das andere."

DER SPIEGEL 43/1976
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