13.09.1976

GESTORBENHans Schuberth

Hans Schuberth, 79. Der "Schöpfer der Deutschen Bundespost" ("Rheinischer Merkur") mußte bereits nach vier Amtsjahren (1953) das Postministerium abgeben -- obwohl seine fachlichen Qualitäten, auch für Adenauer, unbestritten waren. Doch dem "Alten" saßen zu viele Katholiken auf der Regierungsbank, er glaubte für mehr konfessionellen Proporz sorgen zu müssen. Katholik Schuberth wurde geopfert und wehrte sich nicht. Die politische Auseinandersetzung lag ihm nicht; auch während seiner Bonner Jahre hatte der CSU-Mann aus Mittelfranken den Mangel an politischem Eifer durch fachlichen Fleiß zu kompensieren versucht -- für seine Ministerkarriere vergebens. So versuchte er "seine Bundespost" während der zweiten Legislaturperiode von der Abgeordnetenbank aus weiter mit aufzubauen, ehe er 1957 resignierte und in die Privatwirtschaft ging. Am vorletzten Donnerstag starb Hans Schuberth in München.
Ladislav Novomesky, 71. Der Journalist und Schriftsteller gehörte zu jener Gruppe nationalistisch eingestellter Kommunisten, die 1944 den Aufstand der Slowaken gegen die Deutschen und das Tiso-Regime anzettelten. Der Lyriker kämpfte als Partisanenführer mit. Noch im gleichen Jahr wurde Novomesky stellvertretender Vorsitzender des slowakischen Nationalrates, fünf Jahre später als Mitglied in das Zentralkomitee der tschechoslowakischen KP gewählt. Doch die Hoffnung, nun zusammen mit seinem Landsmann Husák mehr für die slowakische Minderheit tun zu können, trog -- 1951 wurden beide als "bourgeoise Nationalisten" verhaftet. Mit seinem öffentlichen Auftritt 1963 anläßlich einer Schriftstellerkonferenz in Preßburg begann Novomeskys Rehabilitierung, 1964 wurde "Laco" zum Nationalkünstler ernannt. Während des Prager Frühlings galt er eine Zeitlang als aussichtsreicher Kandidat für das Amt des Staatspräsidenten. Nach dem sowjetischen Einmarsch jedoch ging er zu seinem einstigen Freund Husák in Opposition, Husák nahm ihm (1971) seine Parteiämter. Am vorletzten Wochenende starb Ladislav Novomesky in Preßburg.
Percy Shaw, 86. Die Erleuchtung kam dem Engländer 1934 auf der nächtlichen Heimfahrt von seinem Pub. Er hatte Schwierigkeiten. Die Sieht war durch Dunkelheit und Nebel gleich Null, und die gerade beendete Zechtour mag ein übriges zu Shaws Angst getan haben, sein Auto in den Straßengraben zu lenken. Jedenfalls machte er sich nach mühsam überstandener Rückfahrt gleich daran, das Übel nächtlich unkenntlicher Straßenführung zu beheben -- Shaw erfand das selbstreinigende "Katzenauge", ein Glaskörper, der einfallendes Licht reflektiert und auf Gummimuffen "n die Fahrbahn eingelassen wird. Mit seiner letzten Barschaft von sieben Pfund meldete der Erfinder 1935 seinen Rückstrahler zum Patent an und gründete die "Reflecting Roadstuds Ltd.". Seitdem wurden aus Halifax über 15 Millionen Katzenaugen weltweit exportiert. Der Sohn eines Färberarbeiters, der im Alter weder Gardinen noch Teppiche in seinem Haus duldete und immer vier Fernsehapparate gleichzeitig laufen ließ, um kein Programm zu verpassen, stieg zum vielfachen Millionär auf. Mittwoch vorletzter Woche starb der skurrile, unverheiratete Shaw in Halifax.

DER SPIEGEL 38/1976
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