DER SPIEGEL



15. August 2005 Betr.: Titel

Die Beziehungen zwischen dem SPIEGEL und dem Vatikan waren nicht immer unbelastet, Kritik an der Kurie ahndete Rom gern mit einem Interview-Bann. Unter dem deutschen Papst Benedikt XVI., vormals Joseph Ratzinger, scheinen sich die Verhältnisse zu ändern. Als erster SPIEGEL-Redakteur sitzt Italien-Korrespondent Alexander Smoltczyk, 46, im selben Flugzeug, wenn der Pontifex am Donnerstag zum Besuch des Weltjugendtags auf dem Flughafen Köln/Bonn landet. Für das Kirchenoberhaupt wird es eine Rückkehr in die Fremde sein. Als religiöses, aber weitgehend unchristliches Land zeigt sich die Republik in der Titelgeschichte: Die Deutschen wollen glauben - aber nicht mehr allein an den Gott der Christen. Eine spirituelle Melange hat sich ausgebreitet, die es nicht nur Buddhisten, sondern etwa auch Katholiken erlaubt, an die Wiedergeburt zu glauben. Im brandenburgischen Templin sprach SPIEGEL-Redakteur Mario Kaiser, 35, mit Pfarrer Horst Kasner, dem Vater der Kanzlerkandidatin Angela Merkel, über das vom Glauben abgefallene Ostdeutschland, sein Kollege Ansbert Kneip, 43, recherchierte im bayerischen Marktl am Inn. "Auch im Geburtsort des Papstes klagt der Pfarrer über den Niedergang der Volksfrömmigkeit", so Kneip. Für das Titelbild ließ sich der New Yorker Illustrator Tim O'Brien, der schon viele SPIEGEL-Titel zeichnete, von einer berühmten Vorlage inspirieren: Albrecht Dürers "Bildnis der Katharina Fürleger", 1497 entstanden, hängt im Städel-Museum in Frankfurt am Main (Seite 136).


DER SPIEGEL 33/2005
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